Tag der Befreiung von Auschwitz

Synagoge Bochum | 26. Januar | 17 Uhr

Edwin Scharff: Bildnis der Anni Mewes von 1917/21 nach seiner Bergung 2010: "Kunst macht sichtbar."

Lan­des­denk­mal­amt Ber­lin | Foto: Manuel Escobedo

Im Januar 2010 wurde bei Bau­ar­bei­ten in Ber­lin ein Kunst­werk aus der Erde gebor­gen, ein Bron­ze­guss des Bild­hau­ers Edwin Scharff. Das Bild­nis zeigt die Schau­spie­le­rin Anni Mewes, die Nazis hat­ten es 1937 als „ent­ar­tet“ beschlag­nahmt. Zehn wei­tere Kunst­werke waren Jahr­zehnte lang im Her­zen der Stadt ver­bor­gen, dann gab die Erde sie preis, als sei es an der Zeit, das zu beglau­bi­gen, was Paul Klee behaup­tet hat: dass Kunst nicht wie­der­gibt, was sicht­bar ist, son­dern dass Kunst sicht­bar macht. Sicht­bar wird, dass sich die Erde eines Tages öffnet und Mas­sen­grä­ber offen­bart. Allein in der Ukraine sind es Tau­sende, die sich auf­tun in die­ser Zeit, oft zufäl­lig bei Bau­ar­bei­ten ent­deckt. Im Akkord hat­ten die Nazis gemor­det und Hun­dert­tau­sende ihrer Opfer in der Erde ver­scharrt, nur von den Wenigs­ten ken­nen wir die Namen. Am 26. Januar, dem Vor­abend des Tages, an dem Ausch­witz befreit wor­den ist, ver­liest die Jüdi­sche Gemeinde Bochum die Namen derer, die aus Bochum und Wat­ten­scheid depor­tiert wor­den sind, um ermor­det zu werden.

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Artikel am 20. Januar 2012 um 00:05 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Debatte, PeV 2010, Wort | Kommentare (0)

Gold, Weihrauch und Wollny

Michael Wollny | urban urtyp #15 | 29. Januar 19 Uhr

"Ein Geschenk, wunderbar unerklärlich." Michael Wollny

Michael Wollny | ACT

Die­ser Mensch ist ein Geschenk, zwei­fel­los. Ein „Wun­der­kind“ sei erschie­nen, hieß es, die wei­sen Kri­ti­ker stau­ten sich stau­nend ums Kla­vier herum, auch die weise FAZ: „Sel­ten ein­mal hat man sol­che Aus­wei­tun­gen des kon­ven­tio­nel­len Kla­vier­spiels fol­ge­rich­ti­ger aus dem for­ma­len Ablauf der Impro­vi­sa­tio­nen ablei­ten kön­nen wie im Spiel von Wollny.“ Wie wahr. Wenig spä­ter staunte die wei­ter­hin weise FAZ, dass ein Wun­der­kind einen wun­der­vol­len Kopf ent­wi­ckelt: „Man wird wohl als genial bezeich­nen dür­fen, wie wun­der­bar uner­klär­lich Woll­nys Spiel über­all hin­passt.“ Was wie­derum wun­der­bar zu urban urtyp passt: Dass Wollny, „das deut­sche Jaz­zwun­der“, dem sie beim ECHO Jazz 2 x Gold umge­hängt haben, dass er bei uns als urban urtyp spielt, ist nicht Gold und nicht Weih­rauch, es ist ein Geschenk. Eines, das mit allem zu tun hat, mit Wollny und dem Wun­der, mit Echo, Jazz und „Mensch“  …

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Artikel am 02. Januar 2012 um 02:29 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Kommentare (0)

Downliners Sekt

urban urtyp #14 special | Freitag 30. Dezember 19 Uhr

"Party ohne Rundenrekorde": Downliners Sekt aus Barcelona

Foto | Fric Lopez

Was nach Dub­step kommt, kommt aus Bar­ce­lona. Sie sel­ber nen­nen, was aus ihren Lap­tops kommt, „elec­tro­nic post post post post rock ambi­ent trip hop, I don’t know“. Eine Dekon­struk­tion von dem, was war, „als müsse ich zuerst zu gra­ben anfan­gen, müsse mich raus­wüh­len, raus­krat­zen aus einer Masse von Schutt, die uns zudeckt“. So lässt Peter Weiss einen Schrift­set­zer in sei­ner Ästhe­tik des Wider­stan­des reflek­tie­ren, als es um den Beginn des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs geht und das repu­bli­ka­ni­sche Europa, das sich gegen den Faschis­mus wehrt. 75 Jahre ist das her und der Kurz­schluss mit Down­li­ners Sekt erlaubt, weil sie heute — unpa­the­tisch und ent­schie­den — jede para­mi­li­tä­ri­sche Party hintertreiben.

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Artikel am 30. Dezember 2011 um 00:22 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: urban urtyp | Kommentare (0)

Review | Die Happy

Live im April 2011

„Heute habe ich das Gefühl, dass mein Kleid end­lich zu der Loca­tion passt.“ Nicht nur das Kleid, auch DIE HAPPY und MARTA JANDOVÁ: „Da ist man im Got­tes­haus und fühlt sich ganz anders“, meinte sie, „ich glaube, ich kann heute gar nicht vul­gär sein.“ War sie denn auch nicht, zumin­dest nicht im Sinne des latei­ni­schen vul­ga­ris, es bedeu­tet gewöhn­lich, all­täg­lich. Und das war die­ses Kon­zert, fast das 1.000, das sie gaben, wirk­lich nicht: „Ich hab vor­her mit dem Herrn von die­sem Haus gespro­chen“ — Lachen — „ich meinte den Pfar­rer, er sagte, dass an der Stelle, wo ich heute sitze oder stehe, ein nor­ma­ler Mensch dafür lange stu­die­ren muss. Ich hab’s ohne Stu­dium geschafft durch 18 Jahre Tou­ren — oh mein Gott, ist das lang — und des­we­gen ist das schön, ich komme mir heute Abend wie eine kleine Pries­te­rin vor. Ich hoffe, ich habe nur Gutes für Euch zu sagen!“ Hatte sie. // Die Pas­sage ab 4:45.

Artikel am 29. Dezember 2011 um 18:16 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Reviews | Kommentare (0)

Europa beginnt in Teheran

Die Reden von Shirin Ebadi und Khadijeh Moghaddam

Kämpft seit über 40 Jahren für Menschenrechte im Iran: Khadijeh Moghaddam (60), Frauenrechtlerin, mit dem Bochumer Menschenrechtspreis 2011

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

„Nach dem Bericht der ‚Jour­na­lis­ten ohne Gren­zen‘ hat der Iran die höchste Zahl an Jour­na­lis­ten, die inhaf­tiert sind. Aus die­ser Sicht steht Iran ein­mal an ers­ter Stelle.“ Shirin Ebadi, Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin, hat am Sonn­tag in der Chris­tus­kir­che vor 500 Zuhö­rern über die „mas­sive Zen­sur im Iran“ gespro­chen, über Staats­me­dien, ein „merk­wür­di­ges“ Pres­se­ge­setz und die Mani­pu­la­tion der öffent­li­chen Mei­nung. Eine prag­ma­ti­sche Rede, Men­schen­rechte sind auch sonn­tags nichts für Sonn­tags­re­den: „Wir möch­ten Sie, die freien Men­schen in Europa, anspre­chen. Sie glau­ben ja an Men­schen­rechte. Sie dür­fen nicht erlau­ben, dass Unter­neh­men Geschäfte mit Iran trei­ben, die zu mehr Unter­drü­ckung der Men­schen füh­ren.“ Hier die Rede von Shirin Ebadi. Und hier die Rede von Kha­di­jeh Mog­had­dam, die den Bochu­mer Men­schen­rechts­preis ent­ge­gen nahm: „Die­ser Preis gehört den Müttern“.

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Artikel am 20. Dezember 2011 um 14:58 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Reviews, Wort | Kommentare (0)

African American Art

New York Gospel Stars | 26. Dezember 20 Uhr

"Wie es anders gehen kann, sich an Weihnachten zu freuen": Die New York Gospel Stars bei ihrem Weihnachtskonzert 2010

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Weih­nachts­freude ist ein höf­li­ches Wort, es klingt mode­rat. Was mode­rat klingt, ist das, was man im Griff hat. Was man im Griff hat, ist das, was man dosie­ren kann. Die Weih­nachts­freude als Herd­platte, die man regeln kann. Weniger grif­fig und regle­men­tiert ist das, was die neun New Yor­ker tun: Für die Weih­nachts­freude sind sie, was einem zustößt. Eine „große Freude, die allen wider­fah­ren wird“, siehe Lukas 2. Am Zwei­ten Weih­nachts­tag ist bei uns die satte Freude das Gegen­teil von satt.

Artikel am 15. Dezember 2011 um 22:03 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte | Kommentare (0)

Nicht-mönchische Mönche

Gregorian | 2. Zusatzkonzert | Dienstag 13. Dezember 17 Uhr

"Sieht gregorianisch aus": Die Gregorian live in der Christuskirche

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Gre­go­ria­nik geht anders, das ist sicher­lich wahr. Die Gre­go­rian sehen schon wie Mön­che aus -  das Foto hier ist von heute aus dem Kon­zert in der Chris­tus­kir­che — aber sie sin­gen weder ein­stim­mig noch a capella noch in latei­ni­scher Spra­che. Und der Inhalt von dem, was sie sin­gen, ist ab und an wohl auch ein ande­rer. Nur was soll’s, dann ist es eben nicht sehr gre­go­ria­nisch, was sie machen, son­dern Pop. Die Mön­che, siehe die­ses Foto …

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Artikel am 12. Dezember 2011 um 11:42 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte | Kommentare (0)

„Bitte sprechen Sie über Demokratie!“

Shirin Ebadi, Iran-Freedom, Amnesty | 18. Dezember 17:30 Uhr

Graffito in Cannaregio, Venedig: Informationen zum Foto am Ende des Artikels

Gio­vanni Dall’Orto | Wiki­me­dia Commons

„Die nächste Per­son, die getö­tet wer­den soll, ist Shirin Ebadi.“ Vor elf Jah­ren stieß die Tehe­ra­ner Juris­tin auf die­sen Satz, als sie in Regie­rungs­ak­ten wegen Dut­zen­der Regie­rungs­morde recher­chierte. Drei Jahre spä­ter wurde Shirin Ebadi in Oslo mit dem Frie­dens­no­bel­preis geehrt, sie reichte ihn wei­ter an alle Ira­ne­rin­nen und Ira­ner, die für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte kämp­fen, für poli­ti­sche, sexu­elle, reli­giöse Frei­heit. „Die Grüne Bewe­gung“, so Ebadi, „ist eine demo­kra­ti­sche, also keine ideo­lo­gi­sche Bewe­gung. Sie ver­eint Men­schen mit unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen und Nei­gun­gen.“ Im Kampf für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte sei „jeder für sich selbst ein Held oder eine Heldin“.

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Artikel am 01. Dezember 2011 um 23:03 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Debatte, PeV 2010, Wort | Kommentare (1)

Christmas meets Cuba

Klazz Brothers & Cuba Percussion | Samstag 17. Dezember 20 Uhr

"Tannenbaum trifft Latin Groove, Marzipan auf Merengue": Klazz Brothers & Cuba Percussion

Foto | Mirko Joerg Kellner

Klazz ist ein Kunst­wort, es hat nichts mit Klez­mer zu tun, son­dern mit Klas­sik plus Jazz. Und wie das Wort, so die Musik, sie hat nichts zu tun mit einer „Grenz­über­schrei­tung“ oder dem, was man „Cross­over“ nennt. Sie hat damit zu tun zu spie­len und mit der Lust am Spiel, und die Klazz Bro­thers spie­len mit dem, was Klas­sik und Jazz gemein­sam ist. Vir­tuo­si­tät zum Bei­spiel, hohes Stil-Bewustsein, das freie Zitie­ren. Und natür­lich die Fähig­keit zu impro­vi­sie­ren. Bach, Beet­ho­ven, Mozart haben impro­vi­siert, Cho­pin sowieso. Musik ist eben nicht Ver­ord­nung, son­dern Ver­gnü­gen, das haben sich die kolum­bia­ni­sch­deutsch­ku­ba­ni­schen Brü­der zu Her­zen genom­men: Clas­sic meets Cuba hieß ihr ers­tes Vergnügungsprogramm …

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Artikel am 25. November 2011 um 14:35 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte | Kommentare (0)

Chris Hopkins‘ Swinging Christmas

25. Dezember 2011 | Erster Weihnachtstag | 17 Uhr

"Swingt wie keiner, seit Cyrenius Landpfleger in Syrien war: Chris Hopkins

Foto | Sascha Kletzsch

Wie geht Weih­nach­ten? Gute Frage. Der Flie­gende Weih­nachts­mann ist aus­ge­flo­gen, der Weih­nachts­markt abge­räumt, und Weih­nachts­leuch­ten wir­ken, als hätte wer ver­ges­sen, sie abzu­stel­len: Am ers­ten Weih­nachts­tag hat Weih­nach­ten es ziem­lich schwer. „Swin­ging Christ­mas“? Klä­ren wir zunächst, wie das hier geht, „schwin­gen“. Das Wör­ter­buch sagt, es han­dele sich um ein Tu-Wort …

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Artikel am 24. November 2011 um 17:01 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte | Kommentare (2)

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