Tue was du willst

Jan Becker | Hypnotize The World

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Innen­an­sicht eines Huhns: kein Wille, nir­gends. | (cc) STEMkids

Die Presse ist frei, die Reli­gion, die eigene Mei­nung  -  aber ist auch frei, was allem vor­aus­geht, ein mensch­li­cher Wille? Es gibt Neuro-Biologen, die sagen: Nein, der Mensch sei nur ein Fir­men­sitz von neu­ro­na­len Pro­zes­sen und mensch­li­cher Wille nicht Chef im Haus, son­dern Chap­lin am Band  -  die Neu­ro­nen rat­tern vor­über, der Wille zieht zwei Schrau­ben nach. Ganz so wie Cipolla es beschrie­ben hat: „Die Frei­heit exis­tiert, und auch der Wille exis­tiert, aber die Wil­lens­frei­heit exis­tiert nicht“. Frei sei der Wille nur darin, nichts zu tun; sobald er an den Schrau­ben dreht, ist seine Frei­heit dahin, und zwar „desto siche­rer, je eigen­sin­ni­ger Sie zu han­deln ver­su­chen.“  -  Cipolla, der Zau­be­rer, ist eine lite­ra­ri­sche Figur, geschaf­fen von Tho­mas Mann oder von sei­nen Neu­ro­nen. Jan Becker, der Zau­be­rer, ist eine reale Figur, geschaf­fen von Gott oder von sei­nen Evo­lu­tio­nen, Becker sagt, der Wille des Men­schen ist frei und bleibt es, auch wenn er mal nicht frei ist: „Ich öffne nur die Tür, der andere muss selbst hin­durch gehen.“ Man muss es wol­len. Und wie­der die Frage: Ist die­ses Wol­len frei? Wei­ter­le­sen

Sonne, Freibad, Advent

Vorschau aufs Programm

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© Ayla Wes­sel | KULTURAGENTUER

Wer Putte ist und auf sich hält, bringt sich schon mal in Form. Tol­les Motiv von Ayla, sie lässt das Engel­ken baden, fut­tern und war­ten: auf NILS LANDGREN, er kommt With My Fri­ends und zwei Kon­zer­ten, die bald aus­ver­kauft sind. Auf BUGGE WESSELTOFT, er medi­tiert allein mit uns am Flü­gel. War­ten auf CHRIS HOPKINS, die STADTKANTOREI, die GREGORIAN. Im Novem­ber bereits auf CURTIS STIGERS, den smoo­then Croo­ner und letz­ten sei­ner Art, auf ANNE CLARK, die coolste Lite­ra­tur­sen­dung ever, auf TOMMY EMMANUEL, den Wun­der­mann, RAY WILSON von Gene­sis, PETER HEPPNER akus­tisch .… Leben heißt: Freude auf mehr

iGall & iPod

ChorWerk Ruhr 73 | Öffentliche Generalprobe

FOTO: PEDRO MALINOWSKIChorwerk RuhrKONTAKTKultur Ruhr GmbHLeithestraße 3545886 GelsenkirchenTelefon 0209. 60 50 7 - 100Telefax 0209. 60 50 7 - 109Facebook: www.facebook.com/chorwerkruhrPROJEKTLEITUNGJürgen WagnerDurchwahl 0209. 60 507 - 114E-Mail an j.wagner@chorwerkruhr.dePROJEKTKOORDINATIONMartina OssobleDurchwahl 0209. 60 507 - 115E-Mail an m.ossoble@chorwerkruhr.dePROJEKTASSISTENZKevin JagelkiDurchwahl 0209. 60 507 - 116E-Mail an k.jagelki@chorwerkruhr.de
Chor­Werk Ruhr by Pedro Malinowski

„Ich habe dei­nen Augen Trä­nen ent­lockt, als ich das erste Mal sang: Das sind Juwe­len, die ein Sän­ger­herz erfreuen!“ Ander­sens Mär­chen von der Nach­ti­gall, die in der Lage ist, den Tod zu bezir­zen, hat eine gewisse Plau­si­bi­li­tät in Zei­ten, in denen der iPod klei­ner ist und fle­xi­bler als ein beseel­ter Vogel: Der künst­li­che, der im Mär­chen die echte Nach­ti­gall ver­drängt,  Wei­ter­le­sen

Pixel, Punkt und Gott

Kurt Rade, Sinikka Airaksinen

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Ashia von den Ame­ri­can Songbirds by Kurt Rade

Noch mal zurück zu den Songbirds. Kurt Rade hat uns von dem Fes­ti­val eine Reihe Fotos über­las­sen, unge­wöhn­lich gute, aber noch unge­wöhn­li­cher ist: Noch bevor er sie gemacht hat, hatte Sin­ikka Airaksi­nen sie bereits auf ihre gra­phi­sche Sub­stanz zurück geführt. Beide hör­ten sie den Songbirds zu, er mit Kamera, sie mit Stift, bei­der Bil­der machen die Musik hör­bar, ein­mal in digi­ta­ler Opu­lenz, das andere mal auf Punkt und Linie redu­ziert. „Ein guter Maler“, um Dürer zu zitie­ren, „ist inwen­dig vol­ler Form“, ein guter Foto­graph ist es auch. Hier bei­der Gale­rie: Wei­ter­le­sen

„Wir sind die Dazugekommenen“

INTERVIEW ZU EUROPA | TRAILER 05/14

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Der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS von Jochen Gerz, wie er Ende 2014 aus­se­hen soll. | Simu­la­tion von Lau­rent Fachard

Europa ist Thema in TRAILERRUHR 05/14. Unter den Bei­trä­gen auch ein Inter­view, das Lutz Debus mit mir geführt hat: Herr Wes­sel, denk ich an Europa in der Nacht, dann …  Bitte ergän­zen Sie.  -  Nein, nachts schlafe ich. Oje, wie sol­len wir jetzt den Ein­stieg fin­den? Ging mir genauso, als wir damals mit dem Thema Kul­tur­haupt­stadt anfin­gen; das Erste, was alle fest­stell­ten, war diese große Sprach­lo­sig­keit. Eigent­lich gab es nur zwei Reak­tio­nen, wenn man wen auf Europa ansprach: Das Eine waren roman­ti­sche Bil­der, da wurde Europa zu einer Blu­men­wiese mit Schmet­ter­lin­gen, die wie bunte Fähn­chen flat­ter­ten. Das Andere war schwe­res Europa-Pathos, da herrschte schnell so ein Predigt-Ton, den ich mir nir­gends gern bie­ten lasse, auch in der Kir­che nicht. Irgend­wie wird zu Europa immer eine fal­sche Ton­lage ange­stimmt.  -  Wel­che Ton­lage hät­ten Sie denn gern? Wei­ter­le­sen

Ästhetik des Widerstands

Projekt 20 | Bochumer Menschenrechtspreis

20 - Ein Projekt für Jafar Panahi und die Freiheit
20 — Ein Pro­jekt für Jafar Panahi und die Freiheit

Was man nicht sehen darf, kann man hören. Nicht gese­hen, nicht ein­mal gedreht wer­den dür­fen die Filme, die Jafar Panahi macht. Panahi, inter­na­tio­nal ver­ehrt [Gold in Can­nes und Vene­dig, Sil­ber in Ber­lin usw.], ist Teil der Grü­nen Bewe­gung, er wurde Ende 2010 zu 6 Jah­ren Haft ver­ur­teilt und zu 20 Jah­ren Berufs­ver­bot. Im Iran wer­den Filme ver­bo­ten, bevor sie gedreht wer­den. Moham­mad Reza Morta­zavi hat sie den­noch auf­ge­führt: Er hat Panahi gebe­ten, sei­nen Herz­schlag auf­zu­neh­men, auf die­sen Rhyth­mus hat er dann seine Kunst gelegt. 20 Minu­ten lang, jede Minute für eines der Jahre, in denen ver­bo­ten sein soll, sich eine eigene Vor­stel­lung zu machen. Groß­ar­tige Musik. Bochum ver­leiht einen Peter-Weiss-Preis, der ist in „Spar­ten“ unter­teilt, Morta­zavi fiele unter Film. // Hören. Unbe­dingt.

New Polish Tunes

Kosmopolen mit Kusiolek & Chekanova | 1. Juni

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Georgi & Vitak Music Co. Pearl Queen | © Joe Mabel

„Das Ban­do­neon gehörte zur Kul­tur des Reviers wie Schre­ber­gar­ten und Tau­ben­schlag“, heißt es in Der letzte Tango im Revier, einem wun­der­ba­ren Arti­kel über das letzte Bandoneon-Orchester weit und breit: „Als die För­der­türme noch das Stadt­bild präg­ten, gab es in jeder Stadt des Ruhr­ge­biets ein gutes Dut­zend.“ Was ein­fach damit zu tun hat, dass sich das Ban­do­neon und sein grö­ße­rer Bru­der, das Akkor­deon, tra­gen lässt: Wer aus Polen hier­her kam, um unter Tage zu arbei­ten, nahm Polen in der Kom­mode mit, den Klang, den Geschmack, das Gefühl. Jetzt errei­chen Bochum New Polish Tunes, der kos­mo­pol­ni­sche Klang von Akkor­deon plus Elec­tro­nics. Wei­ter­le­sen

Der Dieb, der deepe Soul

New York Gospel Stars | singen Pop

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New York Gos­pel Stars in der Chris­tus­kir­che 2013 by Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Am Beginn ein Ver­bre­chen, so beginnt auch die Geschichte des Pop, mit einem Eigen­tums­de­likt. Gestoh­len wurde geis­ti­ges Eigen­tum, der Dieb hieß Ray Charles, der Bestoh­lene Rudolph King. King war Kom­po­nist und Lead­sän­ger der Sou­thern Tones, einem Vokal­en­sem­ble, das durch die Gegend tourte wie Ray Charles und froh war, ab und an einen Song im Radio zu haben. Bob King gelingt dies mit „It Must Be Jesus“, Ray Charles hört den Song, die pas­sion, den soul, nimmt den Gos­pel, dreht am Tempo, dreht am Text, und aus „It Must Be Jesus“ wurde „I’ve Got A Woman“, sein ers­ter Nr.1-Hit. Wei­ter­le­sen

Friede den Eisdielen

Katatonia | Unplugged & Reworked

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Cas­par David Fried­rich, das Eis­meer | Öl auf Lein­wand, 126,9 x 97,6 cm | Bild­ar­chiv Foto Mar­burg, Commons

Katatonia-Konzert fast aus­ver­kauft, gibt nicht mehr viele Kar­ten. Was wie­derum Gele­gen­heit gibt, über das zu schrei­ben, was sie nicht machen: Sie phan­ta­sie­ren sich in kein Ewi­ges Eis hin­ein. In der Dunkel-Musik ist die Eis-Metapher  -  Eis­meere, Eis­wel­ten, Eis­frauen, Eis­feen  -  schwer beliebt, da wer­den Eis­pa­läste wie Rei­hen­häu­ser ent­wor­fen. Und zwar nicht, je wei­ter nörd­lich sol­che Lyrics auf­ge­reimt wer­den, son­dern je ger­ma­ni­scher sie sich geben. Mich hat das immer gewun­dert: Eis? War das nicht, was die 6. Armee ein­ge­dampft hat? Wei­ter­le­sen

Ich-Form

Vonda Shepard | solo

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Vonda She­pard | Promo

16 Jahre her, dass das TIME MAGAZIN mit Ally McBeal auf­ge­macht hat: Ihr Por­trät  -  also das von Calista Flock­hart  -  war ans Ende einer Ahnen­ga­le­rie mon­tiert, die im 19. Jahr­hun­dert mit Susan Brow­nell Anthony begann, Head­line: „Is Femi­nism Dead?“ Inter­es­san­tes Cover, weil es an irgend­wie glück­li­che Jahre erin­nert, als man ganz selbst­ver­ständ­lich glau­ben konnte, TV-Serien wür­den  -  pri­vat pro­du­ziert  -  gesell­schaft­li­che Bedeu­tung ent­wi­ckeln. Oder gesell­schaft­li­che Ent­wick­lun­gen andeu­ten. Als seien sie „Flag­gen­si­gnale der kom­men­den Dinge“, wie Wal­ter Ben­ja­min über Moden gesagt hat, die vor­weg­neh­men, was kommt. Von der Musik hat man das auch einige Zeit glau­ben kön­nen, dass sie kom­mende Dinge anklin­gen lasse, auch das hat sich ver­flüch­tigt. Und Vonda She­pard? Die Sän­ge­rin aus Ally McBeal? Wei­ter­le­sen

Scudetto

Ben Redelings, Frank Goosen, Oli Hilbring

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Ben Rede­lings, Frank Goo­sen by Sabine Michalak

Gibt wei­ter­hin Leute, die glau­ben, dass Fuß­ball eine Reli­gion sei: der Pokal ein Abend­mahls­kelch, das Sta­dion eine Pil­ger­stätte, der Schiri ein Pfar­rer. Ver­mut­lich muss man in Bochum leben, um zu wis­sen, wie absei­tig das ist. Nie­mand geht zum VfL, weil er Lebens­sinn sucht, ab und an ein Heim­sieg wäre was. Fuß­ball ist Fuß­ball, das Sta­dion Ruhr­sta­dion und Scu­detto eine Fußball-Show. Ein reli­gi­ons­freies Revier, wenn man so will, genauer: Kult.

Staatsreligion

Konzert zum Karfreitag

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© Theo Oberheitmann

„Es stand die Mut­ter vol­ler Schmer­zen bei dem Kreuz“. Das die erste Zeile des Gedichts „Sta­bat Mater“, das Dvořák ver­tont hat, das Bild einer trau­ern­den Mut­ter. Dafür, dass sich so etwas wie Empa­thie ent­wi­ckeln konnte, die Fähig­keit, sich in das Füh­len ande­rer zu ver­set­zen, war die­ses Bild, über Jahr­hun­derte tra­diert, von unschätz­ba­rer Bedeu­tung. Jeman­den ans Kreuz zu schla­gen und über Tage ver­re­cken zu las­sen, war eine in der Antike  -  und vor allem bei den Zivi­li­sa­to­ren Euro­pas, den Römern  -  beliebte Methode, staat­li­che Auto­ri­tät auf­zu­rich­ten. Wei­ter­le­sen

Gefühl für Sinn

UNMAP | urban urtyp #35

Erst hören, es ist fast nichts, aus dem die 4 so vie­les machen. // Tat­säch­lich, erzählt Marie­chen Danz, Irin aus Ber­lin und inter­na­tio­nal aner­kannte Perfomance-Künstlerin, „waren die ers­ten Per­for­man­ces, die ich gemacht habe, vocal based, da habe ich vor mei­nen Zeich­nun­gen gestan­den und ver­sucht, die Stim­men zu arti­ku­lie­ren für die Figu­ren, die ich gezeich­net hatte  -  ohne Wör­ter, mit Lau­ten, mit Geräu­schen, die die Funk­tion der Organe arti­ku­lie­ren soll­ten.“ Ein Schöp­fungs­akt mit­hin, die Besee­lung einer Form, ihre Besin­gung [oder wegen mir: ihre Bestimmung]. „War ein lan­ger Weg bis zur Spra­che und zur Pop-Sprache …“ Wei­ter­le­sen

This is not Wheaton

Stephanie Nilles | American Songbirds

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Ste­pha­nie Nil­les by Indira Chatterjee

Wer in Whea­ton gebo­ren wird, einem 55 Tsd See­len­dorf im See­len­gür­tel von Chi­cago, hat keine schlech­te­ren Start­be­din­gun­gen als alle, die ins Ruhr­ge­biet gewor­fen wer­den. Hier wie da spielt Musik eine Rolle, das Sel­ber­spie­len wird geför­dert, vor Mozart ist die Ehr­furcht nicht viel grö­ßer als die vor Guns N Roses. Ste­pha­nie Nil­les aus Wheaton/Illinois wird am Kla­vier geschult, dann am Cello, macht ein Examen an einem Insti­tut und übt in ihrem Überaum jeden Tag wie unter­tage: „Ich fühlte immer mehr, dass die Musik, die ich spielte, kei­nen Bezug zur Welt um mich herum hatte.“ Sie steigt aus, es war ihr Ein­stieg. Wei­ter­le­sen

„Swamp-Boogie-Queen“

Kyrie Kristmanson | American Songbirds

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Sas­kat­che­wan Sky by Hob­vias Sudon­eighm | commons

Sas­kat­che­wan. Kana­di­sche Pro­vinz, etwa dop­pelt so groß wie Deutsch­land. Tro­ckene Som­mer, kalte Win­ter, je Qua­drat­ki­lo­me­ter 1,6 Men­schen [Bochum: 2486,7]. „Ich habe mich immer gefragt, warum Men­schen hier frei­wil­lig leben“, hat Kyrie Krist­man­son erzählt, „es dau­erte lange, bis ich ver­stand: Oft ist man sel­ber das ein­zig Ver­ti­kale in einer sonst völ­lig hori­zon­ta­len Land­schaft. Man fühlt sich nackt und ver­wund­bar. Aber auch unbe­ob­ach­tet und frei, ein unge­mein inspi­rie­ren­der Ort.“ Die Songs, die so ent­ste­hen, dau­ern eher 2 als 3 Minu­ten und klin­gen „wie Björk klin­gen würde, wenn sie eine Swamp-Boogie-Queen mit Jazz-Ausbildung wäre”. Wei­ter­le­sen

“A female Tom Waits”

Rachelle Garniez | American Songbirds

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Rachelle Gar­niez

Man kann alle mit allen ver­glei­chen außer mit Tom Waits. Der Ver­gleich ist unziem­lich (Tom Waits gegen­über), unfair (allen Nicht-Waits gegen­über) und unlau­ter (den Hörern gegen­über). Über Rachelle Gar­niez schrieb die NEW YORK TIMES, sie sei „a female Tom Waits“. Uner­klär­lich ist, dass es stimmt. Sie singt nicht wie Tom Waits, son­dern eigen­sin­nig wie er, dreht die Wör­ter durch den Mund, formt sie zu Gegen­stän­den und lässt sie wie Töne in die Welt, jeder eine Story. „Diva with a dif­fe­rence“, schrieb THE NEW YORKER. Wei­ter­le­sen

1 Maahn, 1 Gitarre

solo & acoustic | 28. März

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© Wolf Maahn

Ray Charles habe seine Mut­ter gehört, hat er mal erzählt, und die Beat­les. Und „als die Beat­les 1966, da war ich elf, ihre erste und ein­zige Tour durch Deutsch­land star­te­ten, hat sich meine Mut­ter mor­gens um 6 Uhr ange­stellt und Kar­ten für mich und meine Brü­der ergat­tert.“ So kam Wolf Maahn zur Musik, ging dann mit Fleet­wood Mac auf Tour, spielte den Sup­por­ter für Bob Mar­ley, für Roxy Music, für Bob Dylan. Unfass­bar, so ein Wer­de­gang.  Wei­ter­le­sen

Einfühlung ins Menschenrecht

ChorWerk Ruhr singt Heinrich Schütz

Andrea Hörentrupp | LDA Halle
Blei­ku­geln ver­schie­de­nen Kali­bers — 7 bis 19 mm — vom Schlacht­feld Lüt­zen. | Foto Andrea Hören­trupp, Lan­des­amt für Denk­mal­pflege und Archäo­lo­gie LDA, Halle

Als er 33 war, brach der Krieg aus, und als der Krieg zu Ende war, war Hein­rich Schütz 63. Schwer vor­stell­bar, was es bedeu­tet, 30 Jahre lang im Krieg zu leben, nahe bei oder mit­ten­drin. Ringsum star­ben sie auf vie­hi­sche Weise  -  Blei­ku­geln wie oben im Bild lie­ßen lange lei­den  -  Schütz sel­ber lebte in Dres­den, die Stadt war bewehrt, sie blieb ver­schont. Der Hun­ger kam, die Seu­chen, die Pest. Seine Fami­lie starb ihm weg, seine Frau, seine Brü­der, seine Toch­ter, seine Mut­ter. Wel­cher Tod ist natür­lich, wel­cher unna­tür­lich, Schütz wusste, was mensch­lich ist, er hat getrau­ert: 140 Jahre, bevor die Men­schen­rechte dekla­riert wur­den, hat er sie ver­tont. Wei­ter­le­sen

Cabaret Chamber Chanson

Ashia & The Bison Rouge | American Songbirds

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Ashia & The Bison Rouge by Ben Z. Mund

Klas­sik, Folk, Punk? Ashia Grzesik aus Port­land, in Polen gebo­ren, „hält einen ganz eige­nen Platz besetzt“, sprach der BR: den Platz „zwi­schen Caba­ret und Chan­son, zwi­schen sla­wi­scher Gefühls-Seeligkeit und rotzig-ironischem Indie-Pop, zwi­schen klas­si­schem Song­wri­t­ing und famo­sen Klassik-Anklängen“. In die, wenn es ihr an der Zeit erscheint, der Punk ein­bricht. Schwer zu fas­sen, diese Musik, welch ein Eigen­sinn, welch ein Glück. Wei­ter­le­sen

Dem Blau entgegen

Jan Roth | urban urtyp #34 | 2. März

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Gra­ham Crumb | com­mons 2011

Er skiz­ziere „Augen­bli­cke, die er auf ihren poe­ti­schen Gehalt hin unter­sucht“, schrieb smash-mag über Jan Roth. Momente des Noch-nicht, wenn etwas unauf­halt­sam wird, aber noch fest­steckt in der Zeit. Von irgend­wo­her strömt Roman­tik ein, unauf­dring­lich dem Blau ent­ge­gen, und dann ist der Moment vor­über, wie hat er das gemacht? So wie Jan Roth die Tas­ten drückt, hät­ten das nicht auch Robo­ter machen kön­nen? Ja bzw. nein bzw. 3 Videos:  Wei­ter­le­sen

Fado, Freude, Freiheit

Cristina Branco | Alegria | 26. März

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© Cris­tina Branco

Zwei Stu­den­ten in einer Kneipe, sie sto­ßen auf die Frei­heit an, wer­den ver­haf­tet und zu sie­ben Jah­ren Zucht­haus ver­ur­teilt. Die Geschichte spielt 1960 in Lis­sa­bon, Sala­zar, der Dik­ta­tor, sitzt fest im Sat­tel [ein paar Jahre spä­ter fällt er im Wort­sinn vom Stuhl, das hätte Chap­lin nicht bes­ser erfin­den kön­nen], und in Lon­don liest ein jun­ger Anwalt von dem Urteil gegen die bei­den Stu­den­ten: Peter Benen­son ver­öf­fent­licht einen Auf­ruf im OBSERVER  -  „Open your news­pa­per any day of the week and you will find a report from some­where in the world of someone being impri­soned, tor­tu­red or exe­cu­ted because his opi­ni­ons or reli­gion are unac­cep­ta­ble to his govern­ment“  -  30 Zei­tun­gen welt­weit dru­cken den Auf­ruf nach, so wurde AMNESTY INTERNATIONAL gegrün­det. Wozu Por­tu­gals Knei­pen gut sind. Wei­ter­le­sen