Großstadt-Pop

Lea W. Frey & Band | urban urtyp #72

Lea W. Frey Band by Dovi­le Ser­mo­kas ©

Kühl elek­tri­fi­ziert, sub­til har­mo­nisch, eine eis­meer­kla­re Stim­me, die durch 4 Okta­ven in die Stra­to­sphä­re steigt. Wo sich der Sound mit Can ver­ei­nen mag, mit Por­tishead und Sonic Youth. Die Drums aller­dings ste­hen hie­nie­den, an ihnen arbei­tet Andi Haberl von THE NOTWIST, an den Sai­ten zwei Jaz­zer, die erup­ti­ven Sounds rührt Liz Kosack an, Ambi­ent-Künst­le­rin aus NY. Groß­stadt-Pop. Nicht so zugäng­lich wie eine Knei­pe in der Vor­stadt: Es gibt Pop, der einen in ande­re Sphä­ren trägt. Was ist urban? Hören, was man nicht kennt. // Hier alle Infos zum Kon­zert

Laibach !

"The Sound of Music" | 23. März

Lai­bach 2017 in der Chris­tus­kir­che | © Sabi­ne Hahn­e­feld

Hon­ke Ram­bow ist Lai­bach-Exeget, zum jüngs­ten Album des slo­we­ni­schen Künst­ler­kol­lek­tivs schreibt er: „Sie haben es wie­der allen gezeigt. Nicht nur, dass sie in Nord­ko­rea auf­ge­tre­ten sind. Nach dem Nietz­sche-Album, des­sen rau­nen­des Indus­tri­al-Ambi­ent die ewig­gest­ri­gen Fans in Sicher­heit wieg­te, haben Lai­bach mit ‚The Sound of Music‘ ein Album ver­öf­fent­licht, das wie­der mal fast alle vor den Kopf stößt. Die Lai­bach-Ver­sio­nen der Musi­cal-Songs schei­nen an man­chen Stel­len fast noch kit­schi­ger als das Ori­gi­nal. So hef­tig haben die Slo­we­nen es sonst nur bei ein­zel­nen Song wie ‚Across The Uni­ver­se‘ oder ‚Mama Leo­ne‘ getrie­ben.“  —  Wel­chen Sinn das haben mag? Man muss das Video  —  hier!  —  sehen, um zu ahnen, was Kitsch von Kitsch unter­schei­den kann: Lai­bach in Nord­ko­rea, ein Set­ting wie in Hon­eckers Kul­tur­staat, die Audi­ence abkom­man­diert zum Applau­die­ren. Und dann? Löst Musik, die um eine Nuan­ce anders ist als das, was man beju­belt, etwas aus in den Gesich­tern, in einer bis in die Mund­win­kel hin­ein gezähm­ten Gesell­schaft. Sie haben es allen gezeigt. Was? Dass uns die Irri­ta­ti­on ver­bin­det. // Hier alle Infos zum Kon­zert von Lai­bach bei uns.

Kroke! neu im VVK

Konzert zum Tag des Friedens | 1. September

Kro­ke by Jacek Dylag ©

Die Kos­mo­po­li­ten des Klez­mers: Kro­ke spie­len das Kon­zert zum TAG DES FRIEDENS am Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens. Am 1. Sep­tem­ber jährt sich der Tag, an dem der II. Welt­krieg begann, er jährt sich zum 80. Mal. Hier alle Infos zum Kon­zert.

Popstars des Jazz

Tingvall Trio | Freitag 29. März

Mar­tin Ting­vall Trio 2017 in der Chris­tus­kir­che by Sabi­ne Hahn­e­feld ©

Drei Solis­ten: Mar­tin Ting­vall am Pia­no, Omar Rod­ri­guez Cal­vo am Kon­tra­bass, Jür­gen Spie­gel an den Drums, zusam­men eine Live­band par excel­lence. Die sich bewahrt hat, was ent­schei­dend ist dafür, über­haupt Musik zu machen: die Lust an dem Moment, in dem man sich sel­ber über die Wirk­lich­keit hin­aus spielt. TT ent­bin­den eine Ener­gie, die einen  —  nein, nicht „mit­reißt“, mit so einem Wort schmü­cken sich Kir­mes­bands  —  die einen ent­hebt. Der Pop-Effekt, er ist groß­ar­tig. // Alle Infos zum Kon­zert Wei­ter­le­sen

„Verstehen, was ich glaube“

Nathan Gray | Ausverkauft


„So I give what I have left / Ton­ight / I give it all back without a fight / And I alre­ady lost my mind so many times …“ Nathan Gray, Stim­me von Boy­set­fire, jetzt solo. Was mit Sicher­heit kei­ne Evan­ge­li­sa­ti­on wer­den wird, kei­ne Beleh­rung und kei­ne Bekeh­rung in die­se oder jene Vor­stel­lungs­welt hin­ein. Im Inter­view mit Sebas­ti­an Bar­to­schek hat Gray ein­mal erzählt, er habe, christ­lich erzo­gen, von klein auf gelernt, „dass ich ver­ste­hen muss­te, was ich glau­be und nicht nur sage, dass ich die­ses oder jenes bin“. Will­kom­men!  //  Infos zum Kon­zert

Sense-Metal

Sólstafir | 14. März

Sól­sta­fir by Snor­ri Stur­lu­son ©

Die­se Her­ren von Gei­gen umge­ben? Denk­bar? Hör­bar, die islän­di­schen Hau­de­gen gehen dahin, wo der Sinn so fried­lich neben ihrem Metal liegt wie der Wolf neben dem Schaf. Oder umge­kehrt, hier alle Infos zum Kon­zert.

Michael Wollny, Heinz Sauer und ein improvisierender Gott

15. März | Eine urban urtyp edition

Micha­el Woll­ny und Heinz Sau­er 2013 in der Chris­tus­kir­che | © Hein­rich Brinkm­öl­ler-Becker

Alle den­ken immer, wenn es Gott gibt, müs­se er all­mäch­tig sein und wis­se seit ewig, wie es aus­ge­hen wird mit uns. Wenn man Woll­ny & Sau­er zuhört, lässt sich Gott anders den­ken: Könn­te es sein, dass auch Er impro­vi­siert? „Ein Impro­vi­sa­tor“, schrieb Micha­el Woll­ny kürz­lich in einem Essay, „berei­tet sich ein Leben lang auf Situa­tio­nen vor, in denen er Din­ge zum ers­ten Mal macht. Und in denen Din­ge, wenn sie ein­mal gesagt sind, nicht mehr zurück­ge­nom­men wer­den kön­nen.“ Das Urmo­dell einer Impro­vi­sa­ti­on wäre also: Es wer­de Licht, es ward Licht, und es ging nicht mehr aus  —  Gott ein Jaz­zer? Der vor­her­se­hen konn­te, dass er nicht vor­her­se­hen kann? Dann wäre er das Risi­ko ein­ge­gan­gen, dass es auch schief gehen könn­te, dass es kei­ne Auf­lö­sung gibt in Dur und kei­ne Erlö­sung im Him­mel. In der jüdi­schen Theo­lo­gie ist der Gedan­ke nicht neu, für die Kunst hat Woll­ny ihn so for­mu­liert: „Die Kunst eines Impro­vi­sa­tors beruht auf einer sou­ve­rä­nen Ent­schei­dung, sich Situa­tio­nen aus­zu­set­zen, die man nicht bis ins letz­te Detail über­bli­cken will oder vor­for­mu­lie­ren muss.“ Situa­tio­nen also, in denen ein Sou­ve­rän ler­nen muss zu impro­vi­sie­ren. Wei­ter­le­sen

Kein Karneval

Bohren & der Club of Gore | Rosenmontag

Boh­ren im Licht, gese­hen von Kim von Coels

Es wird dun­kel sein wie unter Tage, und dann wird jeder Ton sehr ein­sam durch die Dun­kel­heit schlur­fen und sich sei­ne Hörer suchen. Und dann? Wer­den eine Men­ge Hörer da sein. Boh­ren sind Kult, Boh­ren am Rosen­mon­tag sind urban urtyp, der Vor­ver­kauf läuft. Anders als die Band sel­ber, sie gilt als die lang­sams­te der Welt. Ist aber gera­de des­halb in der Lage, das Kino ein­zu­schal­ten, das im eige­nen Kopf läuft. Und lang­sam zu spie­len, dar­auf sei hier ein­mal ver­wie­sen, kann vir­tuo­ser sein als über­schall­schnel­le Jon­gla­gen.  //  Hier alle Infos zu dem Kein-Kar­ne­val-Kult 

Brian Fallons Gesangbuch

"Songs from the Hymnal" | ausverkauft

Bri­an Fal­lon ©

„If your pray­ers don’t get to Hea­ven, I’m gon‘ keep them safe for you.“ Schö­ne Lie­bes­er­klä­rung, schö­ne Theo­lo­gie: zu glau­ben, dass jeder Mensch  —  jeder lie­ben­de Mensch  —  in der Lage sei, Gebe­te, die an Gott adres­siert sind, zwi­schen­zu­la­gern … „If your pray­ers don’t get to Hea­ven, I’m gon‘ keep them safe ‘til they do.“ // Hier der Song, Fal­lons Abend bei uns ist aus­ver­kauft.

Rendezvous mit Marlene

Ute Lemper | Freitag 15. Februar

Ute Lem­per by Eric Rich­man ©

Sie hat Goeb­bels bla­miert und GIs begeis­tert, in der Bun­des­re­pu­blik wur­de sie geschmäht, in Isra­el gefei­ert: Als Mar­le­ne Diet­rich im Mai 1960 für 10 Kon­zer­te nach Deutsch­land zurück­kam, galt sie als „Vater­lands­ver­rä­te­rin“; unmit­tel­bar dar­auf gas­tier­te sie in Isra­el, das Land lag ihr zu Füßen. Sie war die ers­te, die in Isra­el in deut­scher Spra­che sang, der Spra­che von Goe­the und von Goeb­bels. Und sie hat in Isra­el ein neu­es Lied gelernt und auf Hebrä­isch ein­ge­sun­gen, „Shir Hatan“ heißt es, „Das Lied vom Scha­kal“. Die­ses Lied wie­der­um Wei­ter­le­sen

Chorwerk Ruhr & Jazz

feat. Marc Schmolling Ensemble | 17.02.

(cc) DavidAdan97

Viel­leicht waren es nur Sekun­den, viel­leicht Stun­den, eine gefühl­te Ewig­keit: Chor­werk Ruhr hat­te den letz­ten Ton von „Nunc Dimit­tis“ gesun­gen oder genau­er: hat­te ihn aus­ge­at­met und die Chris­tus­kir­che mit einer der­art tröst­li­chen Stil­le erfüllt, dass sie da lag wie Schnee­witt­chen im Sarg, und dann … kein Applaus, kei­ne Bewe­gung kei­ner Hand, nur die­se inten­si­ve Stil­le. Und aus ihr her­aus ein tie­fes Gefühl von Dank­bar­keit, die nie­man­dem galt und sich an kei­nen wand­te, die ein­fach da war „ohne Absen­der und ohne Anschrift; wie eine klei­ne, nicht unan­ge­neh­me Ver­wir­rung“. So war es im April des letz­ten Jah­res, als Chor­werk Ruhr sein Kon­zert beschloss, das Kon­zert jetzt schließt dar­an an: Flo­ri­an Hel­gath folgt dem „Sound of Silence“, es begeg­nen sich Madri­gal und Jazz, Renais­sance und Gegen­wart, das Unge­sag­te und Unhör­ba­re. Alle Infos zum Kon­zert hier, und hier ein Inter­view mit Marc Schmol­ling: Wei­ter­le­sen

„Tech Tech Tech“

LBT sind urban urtyp #71 | Konzert am 3. März

Sebas­ti­an Wolf­gru­ber, Leo Betzl, Maxi­mi­li­an Hir­ning (v.l.n.r.) | LBT ©

„Manch­mal muss man nicht selbst Musi­ker sein, auch kein Kri­ti­ker, man spürt es als ganz nor­ma­ler Kon­zert­gän­ger: das schie­re Talent, die­ses Cha­ris­ma, jene aus lan­ger, gro­ßer Anstren­gung gebo­re­ne magi­sche Ver­bin­dung zwi­schen der eige­nen Per­sön­lich­keit und dem Trans­port von Musik.“ Die SÜDDEUTSCHE schwärmt. Wovon? Von Tech­no. Von Tech­no?  Tech­no ohne Strom. Hier ein­mal rein­hö­ren & sehen, und hier alle Infos zum urban urtyp-Kon­zert.

„Drone droht mit Spiritualität“

Europaweites Festival

Moving Noi­ses Fes­ti­val 2017 by Cosi­ma

Tol­le Über­schrift, der Satz im Ori­gi­nal: „Kei­ne Fra­ge, dass hier Spi­ri­tua­li­tät droht.“  Schrieb Died­rich Diede­rich­sen über Dro­ne, eine Spiel­art der … Orgel, in der Tat. Wir haben am Sams­tag —  und zwar über 8 h hin­weg  —  das euro­pa­wei­te Fes­ti­val der Sze­ne mit Aidan Baker und Hell­mut Neid­hardt und A-Sun Amis­sa uvam bei uns. Dank Mid­i­ra Records. Hier alle Infos.

Deine Lakaien

Acoustica | Helium Vola, Veljanov

Ernst Horn in Ber­lin, Neue Natio­nal­ga­le­rie / Salon Noir 2007 | Ste­ven Riou (cc)

„Ein Abend, drei Pro­jek­te, drei Kon­zer­te“: VVK hat begon­nen, Tickets  —  solan­ge es sie gibt  —  direkt hier bei uns: hier kli­cken!

„Wenn mein eigener Name darunter wäre“

Thomas Wessel, Rede zum 27. Januar, Synagoge Bochum

Syn­ago­ge Bochum by Frank Vin­c­en­tz (cc)

(…) Die Stadt, in der wir heu­te zusam­men leben, ist eine, die ihre Juden damals ver­trie­ben hat. Auch Bochum hat sei­ne jüdi­schen Bewoh­ner in den Tod depor­tiert, auch das war heu­te: Heu­te vor 77 Jah­ren hat die Stadt die ers­te von meh­re­ren Depor­ta­tio­nen orga­ni­siert, am 27. Janu­ar 1942 fuhr der ers­te Zug aus Bochum in die Todes­la­ger. Die Namen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die depor­tiert und ermor­det wor­den sind, wer­den jedes Jahr in Bochum erin­nert. Aller­dings wer­den sie hier in der Syn­ago­ge erin­nert. Ich fra­ge mich, war­um wer­den sie nicht im Rat der Stadt Bochum erin­nert. Das ist der Ort, der Bochums Bür­ger­schaft reprä­sen­tiert. Und wenn sich dann jede Frak­ti­on im Rat, die auf Demo­kra­tie hält, am Lesen betei­lig­te, Wei­ter­le­sen

Ist das böse? Es ist Indie.

Ella Endlich: "Endlich Ella" | 25. Januar

Zell-Kul­tur unterm Mikro­skop | (cc) Alci­bia­des

„Wenn du Sän­ge­rin bist, auf Deutsch singst und dazu noch blond, ver­sucht eine Plat­ten­fir­ma auto­ma­tisch, dich in die Hele­ne-Fischer-Erfolgs-Schub­la­de zu ste­cken. Aber das hat mich nicht glück­lich gemacht.“ Coo­ler Satz von Ella End­lich, die „end­lich Ella“ ist und kein Hele­ne-Klon. Der­art „coo­les Wis­sen“ hat auch immer die SPEX für sich rekla­miert, für das legen­dä­re Pop-Maga­zin waren die Unter­schie­de ent­schei­dend, die Dif­fe­renz in der Wie­der­ho­lung. Soll hei­ßen: Die Kul­tur­in­dus­trie wur­de wei­ter­hin kri­tisch beäugt, in Spex aber rück­ten auch die Kon­su­men­ten in den Blick, und da zeig­te sich, dass Wei­ter­le­sen

Europa vor Europa

Ludwig Güttler, Friedrich Kircheis

Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens | Sab­i­tha Saul ©

Sein „noma­den­haf­tes Musi­zie­ren“ hat Lud­wig Gütt­ler kreuz und quer durch Euro­pa geführt und ihm gezeigt, „wie die Musi­ker vor meh­re­ren hun­dert Jah­ren die Musik in Euro­pa aus­brei­te­ten und die Eini­gung Euro­pas vor­weg genom­men haben.“ Und eben­so, „dass die heu­ti­gen in unse­rem Bewusst­sein vor­han­de­nen natio­na­len Gren­zen über­haupt nicht exis­tiert haben“ (hier zum Nach­hö­ren).

„… dass Erinnerung befreit“

27. Januar | Gedenkstunde in der Synagoge Bochum

Edwin Scharff: Bild­nis der Schau­spie­le­rin Anni Mewes, 1917/1921, gebor­gen 2010 | © Staat­li­che Muse­en zu Brlin SMB

Vor 74 Jah­ren, in den Mit­tags­stun­den des 27. Janu­ars 1945, wur­de das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz befreit. Der Tag steht für Hun­der­te ande­re, an denen das Mor­den been­det wur­de. Die Nazis und ihre Ver­bün­de­ten hat­ten Euro­pa mit einem dich­ten Netz von Lagern über­zo­gen. Sie hat­ten die Men­schen, die sie ermor­den woll­ten — Juden, Sin­ti und Roma, auch Men­schen mit Han­di­caps oder mit einer für Faschis­ten uner­träg­li­chen Mei­nung, Reli­gi­on, Sexua­li­tät — aus allen Enden Euro­pas depor­tiert oder sie gleich an Ort und Stel­le nie­der­ge­schos­sen. Das Mor­den war ein staat­li­ches, heu­te ist der 27. Janu­ar ein staat­li­cher Gedenk­tag, aber das Mor­den erin­nern und den Gedenk­tag bege­hen die, die dem Ter­ror­staat ent­kom­men sind. Wei­ter­le­sen