Wo Bochum liegt, ist klar, weniger klar, wo es hin gehört: 16.größte Stadt unter 80 Großstädten Deutschlands. Platz 29 von 30 im jüngsten Städteranking. Platz 33 unter 36 Bundesligisten. Und dann dieser Tour-Plan: Austin | San Antonio | Dallas | Houston | Baton Rouge | Pensacola | Miami | Tampa | Atlanta | Charlotte | Washington | Boston | New York | Philadelphia | Toronto | Buffalo | Pittsburgh | Detroit | Indianapolis | Chicago | Bochum | Karlsruhe | Zurich | Rome | Milan | Madrid | Lisbon | Barcelona | Brussels | Paris | Eindhoven | Hamburg | Copenhagen | Stockholm | Helsinki | Nottingham | Glasgow | Birmingham | Bristol | London | Phoenix | Denver | Salt Lake City | Boise | Seattle | San Francisco | Las Vegas | Los Angeles | San Diego. Peter Murphy Celebrates 35 Years of Bauhaus // Nur noch Resttickets!
The Snow Goose, der Tod, das Leben
Camel | Tribute To Peter Bardens | 30. Oktober 20 Uhr
Es stimmt. CAMEL kommt. Und: Sie werden Snow Goose spielen. In voller Länge. Zum ersten Mal seit 38 Jahren. Bibelleser wissen, 38 Jahre dauerte die Wüstenwanderung. 1975, das waren, bleibt man im schiefen Bild, die Fleischtöpfe Ägyptens. Hochkultur des ProgRock, Hochzeit der Gitarrengötter, der Synthie-Mythen und Rock-Religionen. Und zwischen allem Bombast eine Band, so unheroisch wie ein Päckchen Camel am Kiosk. Eine, bei der man nicht das Gefühl bekam, sie wolle Religionen stiften oder Welten retten, Bewegungen ausrufen oder Massen massenhaft erleuchten. CAMEL klang, wie es klingt, wenn jemand eine Geschichte erzählt. Die Geschichte von CAMEL selber war denn auch keine des Mega-Erfolgs, sie haben das Album eingespielt, das vielen als das Album der Prog-Ära gilt, danach haben sie alle Fleischtöpfe umkurvt und sind die Wüsten der Musik durchirrt. Peter Bardens starb 2002 an Krebs, Andrew Latimer sprang dem Tod von der Schippe. Das alles - Snow Goose, der Tod, das Leben und eine Musik, die Geschichten erzählt - hat etwas mit diesem Akkordeon zu tun. Ein britischer Soldat hat es 1940 am Strand von Dünkirchen gespielt.
Vom Kirchenchor zum Härtefall
Staubkind | Akustik | Freitag 24. Mai 20 Uhr
Staub gibt es, gegen allen Augenschein, nur als Einzahl. Das ist so wie mit Lärm oder Luxus, auch da keine Vielzahl, es gibt nur den Staub, den Lärm, den Luxus. Immer das Ganze, es gibt kein Halbes. Auf den Namen Staubkind sei er gekommen, erzählt Louis Manke oft, als er von Dresden nach Berlin gezogen sei und er „den Staub zurück gelassen habe“ in Sachsen - das Bild oben sieht nur so aus wie die Waldschlößchen-Brücke im sächsischen Naturschutzstaub, es zeigt eine Brücke im australischen Maitland - und dann in Berlin „ein neues Leben“ begonnen habe: „Das Kind ist das, was ich in Berlin neu geschaffen habe.“ Es wuchs zügig auf, das Kind, zuletzt war es Support für Unheilig. Beiden, Unheilig wie Staubkind, wird gerne „neue deutsche Härte“ nachgesagt, beide amüsiert dieser Aufkleber eher, Manke führt jetzt den Gegenbeweis: Der Härtefall für jeden Song tritt ein, wenn er akustisch gespielt wird. Das heißt:
„Du darfst eine Legende sein“
Peter Murphy | Celebrates 35YRS of Bauhaus | 22. Mai 20 Uhr
Dieser Mann ist eine Ikone. Murphy war Kopf und Stimme von BAUHAUS, und die britischen Post-Punker waren jene, die - als der Punk sich ausgebrannt hatte und das Leben weiterging - einen Stil dafür gefunden haben. Fürs Leben danach, nach der Revolte. Eigensinnig, auf englische Weise exzentrisch, war Murphy der Typ für das, was zur neuen Bewegung wurde, zur Dark Wave: seine Art, sich zu kleiden, seine Vorliebe fürs Schminken, seine blass-dunkle Aura und eine Stimme, die von wer weiß woher zu kommen schien, nur keinesfalls von oben. BAUHAUS war Musik wie aus den Katakomben, und in die muss einer erst einmal hinabgestiegen sein, um Musik daraus zu schöpfen. Murphy aber, und das ist wirklich großartig an ihm, hat sich da unten nicht eingerichtet und auch nicht den kommoden Weg zurück gewählt. Gibt nicht viele Musiker in Gottes Katakomben, die so unabhängig gearbeitet haben, so eigensinnig und …
„Erkenne deine Gestaltungskraft“
Gauck, die Grünen und das europäische Versprechen
Der Bundespräsident hat über „Perspektiven der europäischen Idee“ gesprochen. War es eine große Rede oder eine kleine Enttäuschung? Ich finde, die große Wahrheit dieser Rede ist ein kleiner Satz, er lautet: „Erkenne Deine Gestaltungskraft. Ein besseres Europa entsteht nicht, wenn wir die Verantwortung dafür immer nur bei anderen sehen.“ Das ist der Satz des europäischen Versprechens, und eben so endet Gaucks Rede:
„Bochum als Barometer für Europa“
Platz des europäischen Versprechens | Streitgespräch
Benedikt Reichel [RN] bat Wolfgang Cordes, Fraktionschef der Grünen, und mich zum Streitgespräch über den PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS. Über dessen Idee, die Kosten und eine Stadt, die ihr Verhältnis zu Europa öffentlich erwägt:
Um die Fronten zu klären: Was fällt Ihnen zum PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS ein? - WOLFGANG CORDES: Ein Projekt, das mit teils unglaublicher Arroganz durchgedrückt werden sollte, koste es was es wolle. - THOMAS WESSEL: Die europäische Idee gewinnt ein Bild. - Welche Idee ist das? - WESSEL: Man sagt, Europa stehe für Toleranz, für Frieden, für ausgleichende Gerechtigkeit. Für diese Ideen gibt es keine Bilder, Europas Werte-Himmel ist bilderlos. - Sie glauben, die Namen könnten dieses Bild sein? - WESSEL: Ja. Das hat mit der Gegenständlichkeit des Platzes zu tun, seiner Erdung. Er wird nicht nur in, sondern aus Namen gebaut. Die Namen sind der Platz, sie sind der Werte-Himmel auf Erden: Im öffentlichen Raum bürgen Namen für das, was Europäer in Europa sich versprochen haben. - CORDES: Das ist zu intellektuell. Mich erinnern die Platten eher an ein Massengrab …
„Fremde Sprachen im eigenen Land“
Gospel-Worship mit David Thomas et al | Pfingstsonntag 20 Uhr
„Und als Schawuot anbrach, der Pfingsttag, waren sie alle beisammen an einem Ort. Auf einmal geschah vom Himmel her ein Brausen wie von einem heftigen Sturm und erfüllte, wo sie saßen, das ganze Haus. Und Zungen erschienen ihnen wie von Feuer zerteilt, auf jeden ließ sich eine nieder, und alle wurden erfüllt von heiligem Geist und begannen“ - so steht es in Apg 2 - „begannen, in fremden Sprachen zu sprechen, wie der Geist es ihnen eingab.“ Später haben Fehlfarben dasselbe kürzer formuliert: Sprich fremde Sprachen im eigenen Land. Ohne Fehlfarben christlich einzukassieren: Es ist derselbe Imperativ, kategorisch wie keiner, weil es nie wieder nur eine Sprache geben soll. Kein einerlei Volk und einerlei Sprache, keine Lingua Tertii Imperii, die „mit schrecklicher Einheitlichkeit aus allen Lebensäußerungen“ gesprochen hat. Keine Einheitsparteien, keine Einheitsreligionen, keine Einheitskirchen. Pfingsten - das vergisst sich schnell, wenn man darauf aus ist, andere zu missionieren - ist dann ein Fest, wenn man der eigenen Vielstimmigkeit begegnet. „Europa soll nicht mit einer Stimme sprechen, sondern mit vielen. Die Toleranz hat viele Stimmen.“ // Pfingstsonntag 20 Uhr
Wie es ist, in einem Fluss zu baden …
Albert Hammond & Band | Songbook Tour 2013 | 5. Mai 20 Uhr
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Andere schreiben Tagebuch, Hammond schreibt Welthits: Unglaublich, wie viele Melodien, die in seinem Kopf entstanden sind, durch den eigenen schwirren. Keine Kirmeslieder, 99 Miles From L.A. etwa oder The Air That I Breath sind komplizierte Songs, die lassen sich nicht leicht nachpfeifen. Vielleicht irre ich mich, aber Hammond war der erste SingerSongwriter, der es ins deutsche Wohnzimmer gebracht hat. Der es geschafft hat, Songs dieser Güte in eine Wohnwelt zu bringen, in der Hits noch immer Paraden waren. Mann mit Gitarre, jungenhaft wie Dustin Hoffman, gelockt wie Adonis (nicht: Cordalis), Hammond passte nicht in Dieter Hecksparaden Welt. 99 Miles sind kein Grund, den Zug nach Nirgendwo zu nehmen, Sehnsucht braucht Übersicht. Im Video oben dauert es keine 3 Minuten, bis Hammond sich selber verliert [sein Aufschrecken am Ende, wenn der Applaus einbricht: großartig!]. In anderen seiner Songs denkt man, es ginge auf eine Party, während er einem die deutschesten Themen serviert: Umweltzerstörung. Und das mit dem Frieden.
„… Son of Mine“
Ray Wilson & Genesis Classic Quartett | 26. April 20 Uhr
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Keines dieser perfekten Videos, dafür eines, das zu Wilson passt. Der ja nie in eine Welt gepasst hat, in der man Stadien voller Publikum beflirten muss. Hier sitzt, der Phil Collins beerbt hat, und singt für sich. Und plötzlich wird „No Son Of Mine“, Genesis-Hit der 90er — ein reichlich vollgetankter Songs, für den auch ein Stadion zu mickrig schien - wieder zu dem, was er ist, zum grandiosen Song. In dem es gerade nicht ums Pompöse geht, sondern um seine Hässlichkeit, seine hässliche Häuslichkeit. Die Geschichte handelt von Missbrauch, von männlicher Gewalt gegenüber dem Jungen, der erzählt, oder gegenüber seiner Mutter, das bleibt unklar in dem Song. Weil es nicht um die Tat geht und nicht um den Täter, sondern um den, der das, was ein anderer getan hat, abtragen muss. Ihm bleibt nichts anderes, er muss, um Schuld zu tragen, Versöhnung suchen. Der Song endet ohne sie. // Infos zum Konzert mit Ray Wilson, dem Deuter.
„Wie wir in Demokratien leben“
Jochen Gerz | Interview mit 'Kulturaustausch' 1/2013
Herr Gerz, Sie sind in Berlin geboren, leben in Irland, haben lange in Frankreich gelebt und vor allem dort und in Deutschland Werke im öffentlichen Raum geschaffen. Gibt es Unterschiede? Wenn Arbeiten wie DAS LEBENDE MONUMENT VON BIRON in der Dordogne oder jetzt der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS in Bochum im Atelier entstanden wären, gäbe es kaum Unterschiede. Da aber beide Werke im und durch die Menschen im jeweiligen Land geschaffen wurden, sieht man ihnen ihre Umwelt an. Es ist deshalb auch ein Unterschied, ob sie in Passau oder Berlin entstehen. Womöglich liegt der Unterschied eher zwischen Dorf und Stadt, Metropole und Provinz, heute und gestern. In der derzeitigen Krise sehen viele Europa und seine demokratische Legitimation bedroht. Spielt die Kunst hier eine Rolle? Ich beschäftige mich vor allem damit, wie wir in Demokratien leben, die sich vom Beitrag aller ernähren. Wir wissen, wie schnell Demokratien untergehen können …
Vom Ende des Zockens
ruhrgestalten 7 | interview
ruhrgestalten ist erstens ein Print-Magazin und zweitens eine Empfehlung. Drittens ist jetzt die siebte Ausgabe erschienen, es geht ums Zocken. Die Redaktion hatte ein Interview mit mir geführt, es aber wieder aus dem Heft gekippt, kippe ich es also hier rein. // Sind Sie ein Zocker, auch im übertragenen Sinne? Das Wort „zocken“ stammt von dem hebräischen Wort für „spielen“ ab, im Hebräischen bedeutet „spielen“ dasselbe wie „lachen“. Wäre also, biblisch gesehen, um jeden schade, der kein Zocker ist. Was sagt denn die Bibel zum Glücksspiel? Man denkt immer, irgendwo stünde da „Du sollst nicht glücksspielen“, aber das steht nirgends. Als Abraham und Sara - die beiden stehen ja nun Modell für immerhin drei Weltreligionen - einen Sohn bekommen, nennen sie ihn Isaak, der Name bedeutet soviel wie „Gott lacht“ oder auch „Gott bringt zum Lachen“. Und weil „lachen“ im Hebräischen dasselbe bedeutet wie „spielen“, klingt immer mit, dass „Gott spielt“ oder einen „zum Spielen bringt“. Auch zum Zocken? Schon möglich. Die Frage ist doch, wann kippt …
Albert Hammond
Songbook 2013 | 5. Mai 20 Uhr
30 Top 40 Hits. 360 Mio Platten verkauft. Zahlen, als seien sie nicht ganz von dieser Welt, in der Liga singen allenfalls ein halbes Dutzend Lebewesen. Und Hammond. Der Mann hat unfassbar viele Chartbuster komponiert, die einem wie von selber auf die Lippen kommen, wenn es soweit ist: Die Sonne scheint, die Laune steigt? „It never rains in California“. Keinen Bock auf Karriere? „All I need is music and the free electric band“. Der Mensch, den man liebt, ist gerade weit weg? „When I need you, I just close my eyes …“ Sich selber Mut zusprechen? „One moment in time, when I’m more than I thought I could be“. Wo immer man auf dieser Welt ein Radio andreht, die Wahrscheinlichkeit, bald einen seiner Songs zu hören, dürfte höher liegen als die, keinen seiner Songs zu hören. „The Air That I Breathe“? Von den Hollies? Von Hammond. „99 Miles From LA“? Art Garfunkel? Hammond. „Nothing’s Gonna Stop Us Now“? Starship? Hammond. Für Tina Turner hat er „Don’t Wanna Lose You“ geschrieben, für Diana Ross „When You Tell Me That You Love Me“, für Joe Cocker „Don’t You Love Me Anymore“, für Chicago „I Don’t Wanna Live Without Your Love“, für Whitney Houston „One Moment in Time“, für Leo Sayer „When I need You“, für Tom Jones … Celine Dion … Chris De Burgh, Aretha Franklin, Johnny Cash … Albert Hammond ist Teil des Lebens, das wir alle führen.










