„Wir müssen uns um die Stimmung in unserer Stadt kümmern“

Bochums Kultur gegen antisemitischen Hass | Lesung und Konzert zum Tag der Befreiung von Auschwitz | Sonntag 28. Januar

Otto Freund­lich — Kopf — 1925/2010 | © Staat­li­che Muse­en zu Ber­lin 2010

Chris Hop­kins, Tho­mas Eis­kirch, Esther Münch, Tho­mas Anzen­ho­fer, Gerald Hag­mann, das Art­To­ne Trio der Sym­pho­ni­ker: Bochu­mer Bürger/innen erin­nern an den Tag der Befrei­ung von Ausch­witz. Und dar­an, dass die ein­zel­ne Stim­me die öffent­li­che Stim­mung prägt. 

Ein unge­heu­er­li­cher Gedan­ke: dass es mög­lich sei, alle Juden die­ser Welt zu ermor­den, alle Roma, alle Sin­ti. Und doch ist es nur ein Men­schen­le­ben her, dass dies gedacht wur­de und bere­det und ins Werk gesetzt: Der deut­sche Name einer klei­nen Stadt in Euro­pa  —  Ausch­witz  —  zeigt an, dass mög­lich wer­den kann, was undenk­bar scheint. Mög­lich aber auch, dem ent­ge­gen zu tre­ten: Am 27. Janu­ar 1945 wur­de das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz befreit, allein hier sind mehr als 1 Mil­li­on Men­schen ermor­det wor­den. Der Tag der Befrei­ung steht heu­te stell­ver­tre­tend für die Befrei­ung von Tau­sen­den Lagern, Ghet­tos und Fol­ter­kel­lern, es gab sie über­all in Euro­pa. Und über­all in Euro­pa bricht heu­te, ein Men­schen­le­ben spä­ter, der Hass neu auf. Wei­ter­le­sen

Pari San

urban urtyp #60 | 21. Januar

Pari San: Fro­zen Time. Art­work 2018

Er: zer­schun­den, zer­kratzt, ent­blößt, ein hei­li­ger Sebas­ti­an. Sie die hei­li­ge Ire­ne, die den halb­to­ten Sebas­ti­an zurück ins Leben pflegt, nur dass das Rot sei­ner Strie­men das ihrer Fin­ger­nä­gel ist. Tol­les Art­work von Pari San, das pie­tà-ähn­li­che Motiv  —   sie, Paris­sa, hat Kunst­ge­schich­te in Düs­sel­dorf stu­diert  —  scheint wie für urban urtyp kom­po­niert. Fast: Gedenk­tag für den Hei­li­gen Sebas­ti­an ist der 20. Janu­ar, Pari San spie­len am Tag dar­auf. // Mehr Infos zum Kon­zert

„… verlockende Schlichtheit …“

Roedelius & Kasar | 20. Januar

Hans-Joa­chim Roede­li­us | © Sebas­ti­an Böcking, Deut­sche Gram­mo­phon

Hans-Joa­chim Roede­li­us ist eine Legen­de, sei­ne Kunst hat für die elek­tro­ni­sche Musik etwa die Bedeu­tung, die Klas­sik für den Kon­zert­be­trieb hat. „Klas­si­sche Musik gilt gemein­hin als ur-kom­pli­ziert“, so Rita Argau­er in der SPEX, was aber Roede­li­us jetzt  —  zusam­men mit dem 38 Jah­re jün­ge­ren Arnold Kasar  —  geschaf­fen hat, „besticht durch eine ähn­lich ver­lo­cken­de Schlicht­heit wie die­je­ni­ge, die Schu­manns Kin­der­sze­nen in eine so edle, ent­rück­te Sphä­re stellt“, auch die­se Musik sei „immer ein­fach, immer beru­higt, immer im bes­ten Sin­ne unam­bi­tio­niert“. In den Ohren der INTRO bil­den Roede­li­us & Kasar „die frucht­bars­te und wun­der­volls­te Koope­ra­ti­on des Jah­res“. Wei­ter­le­sen

Ella elle l’a

France Gall | 1947 - 2018

Fran­ce Gall by A. Ven­te und F. van Geelen, Dutch TV pro­gram­me Fen­k­lup. Recor­ded 9 Febru­ary 1968, broad­cast 15 March 1968 (cc)

„Schlag auf Fäs­ser oder hau in die Tas­ten / Ein­fach auf alles, was Gott dir in die Hän­de gera­ten lässt / Zeig’ dein Lachen oder dei­nen Kum­mer / Auch wenn du nichts hast, bist du ein König / Solan­ge du nach den ver­bor­ge­nen Fähig­kei­ten suchst / Die in dir schlum­mern.“ Fran­ce Gall † 7.1. 2018, Ella elle l’a, Hom­mage à Ella Fitz­ge­rald

Warum Kirche der Kulturen?

Fri­da Gold in der Chris­tus­kir­che, April 2017 | Foto Olaf Rauch

„Was einer ißt und trinkt, wen er liebt, was er in sei­ner Frei­zeit tut, mit wem er sich unter­hält, ob er lächelt oder fins­ter aus­sieht, was er liest und was er sich für Bil­der an die Wän­de hängt  —  das ist heu­te die Form, in der in Deutsch­land poli­tisch gekämpft wird. Das ist das Feld, wo im Vor­aus die Schlach­ten des künf­ti­gen Welt­krie­ges ent­schie­den wer­den. Es mag gro­tesk klin­gen, aber es ist so.“ | Sebas­ti­an Haff­ner, 1939.

Welchen Gott er auch besingt

Albert Mai­gn­an, Hom­mage à Clo­vis II, 1883 (cc) | Chlod­wig, Mero­win­ger-Kai­ser 650 Jah­re nach der Geburt Jesu im Stall, trug den Bei­na­men „der Fau­le“.

Tren­nung von Kir­che und Staat? Lai­zis­ten den­ken ger­ne, die Kir­chen sei­en dage­gen, dabei ist das Gegen­teil genau­so wahr. Wir hier fra­gen uns zum Bei­spiel, war­um es Auf­ga­be des Staa­tes sein möch­te, das Weih­nachts­ora­to­ri­um auf­zu­füh­ren. Und wun­dern uns, dass sich nie­mand wun­dert, wenn der Staat beginnt, Kir­chen­mu­sik zu fabri­zie­ren, wel­chen Gott besingt er denn da?  //  Wir sin­gen sel­ber, Infos zum Kon­zert der Evang. Stadt­kan­to­rei.

Rebekka Bakken im Gespräch

„December Nights” | 19. Dezembeer

Rebek­ka Bak­ken by Felix Bro­ede

„Das ist ein rich­tig gro­ßes Ding für mich, weil ich das wirk­lich schon so lan­ge machen woll­te“: Rebek­ka Bak­ken über ihre Decem­ber Nights. „Und wenn dann noch ein beson­de­rer Raum und ein ent­spre­chen­des Publi­kum dazu kom­men, dann ist Magie im Raum. Ich habe eine beson­de­re Bezie­hung zu Kir­chen, weil ich qua­si in ihnen auf­ge­wach­sen bin.“ Hier das gan­ze Inter­view: Wei­ter­le­sen

Neue Choräle

Bugge Wesseltoft solo | 2. Dezember

Bug­ge Wes­seltoft by Maren Edvard­sen ©

Ever­y­bo­dy Loves Angels dürf­te der­zeit das wir­kungs­volls­te Ner­ven­bal­sam sein, das man im Jazz-Fach kau­fen kann.“ Der Satz stammt aus einer Mel­dung von dpa, der Deut­schen Pres­se­agen­tur. In einer Zeit, in der poli­ti­sche Mel­dun­gen immer­zu „Eilt!“-Meldungen sind, drückt sich in Bug­ges Musik offen­bar Ver­trau­en aus. Nur wor­auf? Bug­ge inter­pre­tiert Pop-Songs, sie stam­men von den Beat­les und von Bach, von Ste­vens und den Stones, von Dylan und von Simon & Gar­fun­kel, es sind die neu­en Cho­rä­le: In sie ist, was die alten mein­ten, ein­ge­gan­gen, die Erfah­rung, dass Schön­heit wehr­los ist.  //  Infos und Tickets zum Kon­zert

Mozarts Requiem

Konzert zum Totensonntag | 26. November

Theo Ober­heit­mann ©

Napo­le­on Bona­par­te oder Rudolph Mos­ham­mer: Wenn ein Trau­er­zug zum Tri­umph­zug wer­den soll, wird Mozarts Requi­em ein­ge­speist, das Werk ist zum öffent­li­chen Sound öffent­li­cher Selbst­in­sze­nie­rung gewor­den, die dar­auf anlegt, den Tod die­ses Selbst zu über­dau­ern. Unse­re Stadt­kan­to­rei unter Arno Hart­mann sucht, das Werk der Reprä­sen­ta­ti­on zu ent­zie­hen und es  —  an dem Tag, an dem der Toten gedacht wer­de und der eige­nen Sterb­lich­keit  —  so zu hören, wie Mozart es gehört haben mag, als er dar­über starb. Und ein Armen­be­gräb­nis erhielt. Kein Staats­akt, Mozarts Requi­em ist eher ein Got­tes­dienst für Unbe­dach­te: unpa­the­tisch, ohne Pracht, anti-monu­men­tal.  //  Mehr Infos zum Kon­zert.

Nietzsche, Laibach, Buß- und Bettag

"Also sprach Zarathustra" | 22. November

Fried­rich Nietz­sche, 1882 | public domain

Nietz­sche, „der Anti­christ“? Zara­thus­tra, „der Über­mensch“? Die Sache ist kom­pli­zier­ter, am Beginn sei­ner Wan­de­rung gelangt Zara­thus­tra auf einen Markt­platz, über ihm ein straff gespann­tes Seil, es führt von einem Turm  —  dem „letz­ten Men­schen“  —  zum ande­ren Turm, dem „Über­men­schen“. Ein Seil­tän­zer balan­ciert dem „Über­men­schen“ ent­ge­gen, ihm folgt, ungleich schnel­ler, „ein bun­ter Gesell, einem Pos­sen­rei­ßer gleich“, der ihn anbrüllt: „Vor­wärts, Lahm­fuß … einem Bes­se­rem, als du bist, sperrst du die freie Bahn!‘“ Und „stieß ein Geschrei aus wie ein Teu­fel und sprang über den hin­weg, der ihm im Wege war.“ Der Seil­tän­zer stürzt in die Tie­fe, die Leu­te auf dem Markt flie­hen ent­setzt, und dann  —  so Hans Ulrich Gum­brecht  —  „folgt die gro­ße phi­lo­so­phi­sche Über­ra­schung die­ser Text-Pas­sa­ge. Zara­thus­tra, der Beob­ach­ter der Sze­ne, setzt nicht auf den leicht zum Ziel flie­gen­den Pos­sen­rei­ßer, son­dern umarmt den abge­stürz­ten Seil­tän­zer, wie er stirbt.“ Wei­ter­le­sen

„Was für Tiere es sind auf Erden“

„Wilderness“ by Hundreds | 8. Dezember

Träu­men­des Pferd | Franz Marc 1913 | Solo­mon R. Gug­gen­heim Muse­um, New York

Kom­men Tie­re in den Him­mel, kön­nen sie ewi­ges Leben erlan­gen? Frei nach Ana­to­le Franc wäre es uner­träg­lich, dar­auf zu hof­fen, dass man auch im Him­mel immer nur frä­ße und gefres­sen wür­de. Der Begriff des Lebens, schrieb Ador­no  —  egal, ob irdi­sches Leben oder ewi­ges, ob mensch­li­ches oder tie­ri­sches  —   „ist gar nicht zu tren­nen von dem Unter­drü­cken­den, Rück­sichts­lo­sen, eigent­lich Töd­li­chen und Destruk­ti­ven“. Knut der Knud­del ist Knut der Kil­ler, die Erfah­rung ist ver­läss­lich, weil uralt. Ähn­lich alt die Idee, dass Wil­der­ness sanft und der Löwe lamm­fromm wer­den könn­te: Fres­sen und Gefres­sen Wer­den macht über­drüs­sig, das ist die Hoff­nung.  Wei­ter­le­sen

Eine gute Kirche macht keine guten Leute, sondern gute Leute machen eine gute Kirche.

Auf die kommenden 500

Chris­tus­kir­che Bochum by Marc Eden ©

Eine gute Kir­che macht nim­mer­mehr gute Leu­te, son­dern gute Leu­te machen eine gute Kir­che. Das ist unser Wort zum Refor­ma­ti­ons­tag unser Mot­to für die nächs­ten 5oo , das Ori­gi­nal von Luther geht so: „Gute, from­me Wer­ke machen nim­mer­mehr einen guten, from­men Mann, son­dern ein guter, from­mer Mann macht gute, from­me Wer­ke.“ Hier die guten Leu­te, die jetzt kom­men

Eine der besten Konzertreihen bundesweit: urban urtyp

APPLAUS-Preis 2017 der Bundesbeauftragten für Kultur

urban urtyp, das Logo. Made by Dirk Link und Marc Eden | Foto by Ayla Wes­sel Kul­tur­agen­tüer

Die Indie-Rei­he der Chris­tus­kir­che Bochum wird mit dem „APPLAUS“ geehrt, den Preis ver­gibt wer? Die Bun­des­re­gie­rung. An wen? Ein Inten­dan­ten-Kol­lek­tiv, es ist frei­schaf­fend.  //  Zum fünf­ten Mal wird am Mitt­woch der „APPLAUS“ benann­te „Preis für die Pro­gramm­pla­nung unab­hän­gi­ger Spiel­stät­ten“ ver­lie­hen. Die Beto­nung liegt auf „unab­hän­gig“: Geprie­sen wird, wer kei­ne staat­li­che För­de­rung erhält. Wei­ter­le­sen

Nacht der Gitarren

1. November 20 Uhr

Nacht der Gitar­ren 2016 in der Chris­tus­kir­che by Olaf Rauch

Tag 1 im 501. Jahr der Refor­ma­ti­on. Zitie­ren wir Luther, er hat die Musik  —  Gitar­ren­mu­sik inbe­grif­fen  —  die „schö­ne und köst­li­che Gabe Got­tes genannt“. War­um? Weil, schrieb er, „wenn man die Sache recht betrach­tet, so befin­det man, dass die­se Kunst von Anfang der Welt allen und jeg­li­chen Crea­tu­ren von Gott gege­ben und von Anfang mit allen geschaf­fen“.  —  Allen gege­ben? Schön und köst­lich? Von Anfang an? Nacht der Gitar­ren. Mehr Infos

The Dublin Legends

Im Gedenken an Eamonn Campbell | 3. Nov.

DL-Gallery 1

The Dub­lin Legends ©

Eam­onn Camp­bell, rechts im Bild, ist tot. Er starb nach einem Kon­zert der aktu­el­len Tour­nee fried­lich im Kreis sei­ner Fami­lie. The Dub­lin Legends spie­len das Kon­zert bei uns zu Ehren von Eam­onn. Einer Dub­lin Legend kann nicht anders al s mit einem Live-Kon­zert gedacht wer­den. Mehr Infos

Das Gefühl für ein Europa, das um sich selber weint

Volkstrauertag | Ein deutsches Requiem, ChorWerk Ruhr

Nio­be — Mosa­ik von Igna­ti­us Gei­tel, Fried­hof Frei­gra­fen­damm, Bochum 1954 | Foto © Ayla Wes­sel | Kul­tur­agen­tüer

Kann es das geben: eine euro­päi­sche Trau­er? Der Volks­trau­er­tag hat eine pre­kä­re Ver­gan­gen­heit, er war immer, auch nach dem Ende des Nazi-Regimes, ein Tag der deut­schen Trau­er, und deut­sches Trau­ern lief immer Gefahr  —  und läuft es wie­der: sie­he Gau­land­ser —  volks­deutsch ein­ge­holt zu wer­den. Was aber, wenn es an die­sem Tag gera­de nicht um Schuld und Unschuld gin­ge, nicht um Täter und Opfer, nicht um Ver­ant­wor­tung für Taten und für Unta­ten, son­dern eben um: Trau­er? Wei­ter­le­sen

Hans-Ehrenberg-Preis für Wim Wenders

Fotos: Ayla Wessel, Heinr. Brinkmöller-Becker

Wim Wen­ders by Hein­rich Brinkm­öl­ler-Becker

„Bewa­re that thou for­get not the LORD thy God, in not kee­ping his com­man­dments, and his judgments, and his sta­tu­tes, which I com­mand thee this day: Lest when thou hast eaten and art full, and hast built good­ly hou­ses, and dwelt ther­ein. And when thy herds and thy flocks mul­ti­ply, and thy sil­ver and thy gold is mul­ti­plied, and all that thou hast is mul­ti­plied. Then thi­ne heart be lifted up, and thou for­get the LORD thy God, which brought thee forth out of the land of Egypt, from the hou­se of bonda­ge.“ 5 Mose 8, King James Bible, Wim Wen­ders‘ Respons. Hier die Foto-Gale­ri­en von Ayla Wes­sel und Hein­rich Brinkm­öl­ler-Becker: Wei­ter­le­sen