Mozarts Requiem

Konzert zum Totensonntag | 26. November

Theo Ober­heit­mann ©

Napo­le­on Bona­par­te oder Rudolph Mos­ham­mer: Wenn ein Trau­er­zug zum Tri­umph­zug wer­den soll, wird Mozarts Requi­em ein­ge­speist, das Werk ist zum öffent­li­chen Sound öffent­li­cher Selbst­in­sze­nie­rung gewor­den, die dar­auf anlegt, den Tod die­ses Selbst zu über­dau­ern. Unse­re Stadt­kan­to­rei unter Arno Hart­mann sucht, das Werk der Reprä­sen­ta­ti­on zu ent­zie­hen und es  —  an dem Tag, an dem der Toten gedacht wer­de und der eige­nen Sterb­lich­keit  —  so zu hören, wie Mozart es gehört haben mag, als er dar­über starb. Und ein Armen­be­gräb­nis erhielt. Kein Staats­akt, Mozarts Requi­em ist eher ein Got­tes­dienst für Unbe­dach­te: unpa­the­tisch, ohne Pracht, anti-monu­men­tal.  //  Mehr Infos zum Kon­zert.

Nietzsche, Laibach, Buß- und Bettag

"Also sprach Zarathustra" | 22. November

Fried­rich Nietz­sche, 1882 | public domain

Nietz­sche, „der Anti­christ“? Zara­thus­tra, „der Über­mensch“? Die Sache ist kom­pli­zier­ter, am Beginn sei­ner Wan­de­rung gelangt Zara­thus­tra auf einen Markt­platz, über ihm ein straff gespann­tes Seil, es führt von einem Turm  —  dem „letz­ten Men­schen“  —  zum ande­ren Turm, dem „Über­men­schen“. Ein Seil­tän­zer balan­ciert dem „Über­men­schen“ ent­ge­gen, ihm folgt, ungleich schnel­ler, „ein bun­ter Gesell, einem Pos­sen­rei­ßer gleich“, der ihn anbrüllt: „Vor­wärts, Lahm­fuß … einem Bes­se­rem, als du bist, sperrst du die freie Bahn!‘“ Und „stieß ein Geschrei aus wie ein Teu­fel und sprang über den hin­weg, der ihm im Wege war.“ Der Seil­tän­zer stürzt in die Tie­fe, die Leu­te auf dem Markt flie­hen ent­setzt, und dann  —  so Hans Ulrich Gum­brecht  —  „folgt die gro­ße phi­lo­so­phi­sche Über­ra­schung die­ser Text-Pas­sa­ge. Zara­thus­tra, der Beob­ach­ter der Sze­ne, setzt nicht auf den leicht zum Ziel flie­gen­den Pos­sen­rei­ßer, son­dern umarmt den abge­stürz­ten Seil­tän­zer, wie er stirbt.“ Wei­ter­le­sen

Bugge Wesseltoft solo

"Everybody Loves Angels" | 2. Dezember

BuggeWesseltoft 1 Er kann Stil­le hör­bar machen, in jeden Ton hin­ein hor­chen wie in einen geheim­nis­vol­len Raum, des­sen Tür sich lang­sam öff­net. Atmo­sphä­risch dicht, medi­ta­tiv ent­spannt, ganz bei sich. Die Melo­di­en sind bekannt, sie sind von Bach und Len­non, von Dylan und den Stones, sie sind, als hät­te man sie nie gehört. Grand Pia­no Solo. Mehr Infos

„Was für Tiere es sind auf Erden“

„Wilderness“ by Hundreds | 8. Dezember

Träu­men­des Pferd | Franz Marc 1913 | Solo­mon R. Gug­gen­heim Muse­um, New York

Kom­men Tie­re in den Him­mel, kön­nen sie ewi­ges Leben erlan­gen? Frei nach Ana­to­le Franc wäre es uner­träg­lich, dar­auf zu hof­fen, dass man auch im Him­mel immer nur frä­ße und gefres­sen wür­de. Der Begriff des Lebens, schrieb Ador­no  —  egal, ob irdi­sches Leben oder ewi­ges, ob mensch­li­ches oder tie­ri­sches  —   „ist gar nicht zu tren­nen von dem Unter­drü­cken­den, Rück­sichts­lo­sen, eigent­lich Töd­li­chen und Destruk­ti­ven“. Knut der Knud­del ist Knut der Kil­ler, die Erfah­rung ist ver­läss­lich, weil uralt. Ähn­lich alt die Idee, dass Wil­der­ness sanft und der Löwe lamm­fromm wer­den könn­te: Fres­sen und Gefres­sen Wer­den macht über­drüs­sig, das ist die Hoff­nung.  Wei­ter­le­sen

Eine gute Kirche macht keine guten Leute, sondern gute Leute machen eine gute Kirche.

Auf die kommenden 500

Chris­tus­kir­che Bochum by Marc Eden ©

Eine gute Kir­che macht nim­mer­mehr gute Leu­te, son­dern gute Leu­te machen eine gute Kir­che. Das ist unser Wort zum Refor­ma­ti­ons­tag unser Mot­to für die nächs­ten 5oo , das Ori­gi­nal von Luther geht so: „Gute, from­me Wer­ke machen nim­mer­mehr einen guten, from­men Mann, son­dern ein guter, from­mer Mann macht gute, from­me Wer­ke.“ Hier die kom­men­den Wer­ke

Eine der besten Konzertreihen bundesweit: urban urtyp

APPLAUS-Preis 2017 der Bundesbeauftragten für Kultur

urban urtyp, das Logo. Made by Dirk Link und Marc Eden | Foto by Ayla Wes­sel Kul­tur­agen­tüer

Die Indie-Rei­he der Chris­tus­kir­che Bochum wird mit dem „APPLAUS“ geehrt, den Preis ver­gibt wer? Die Bun­des­re­gie­rung. An wen? Ein Inten­dan­ten-Kol­lek­tiv, es ist frei­schaf­fend.  //  Zum fünf­ten Mal wird am Mitt­woch der „APPLAUS“ benann­te „Preis für die Pro­gramm­pla­nung unab­hän­gi­ger Spiel­stät­ten“ ver­lie­hen. Die Beto­nung liegt auf „unab­hän­gig“: Geprie­sen wird, wer kei­ne staat­li­che För­de­rung erhält. Wei­ter­le­sen

Nacht der Gitarren

1. November 20 Uhr

Nacht der Gitar­ren 2016 in der Chris­tus­kir­che by Olaf Rauch

Tag 1 im 501. Jahr der Refor­ma­ti­on. Zitie­ren wir Luther, er hat die Musik  —  Gitar­ren­mu­sik inbe­grif­fen  —  die „schö­ne und köst­li­che Gabe Got­tes genannt“. War­um? Weil, schrieb er, „wenn man die Sache recht betrach­tet, so befin­det man, dass die­se Kunst von Anfang der Welt allen und jeg­li­chen Crea­tu­ren von Gott gege­ben und von Anfang mit allen geschaf­fen“.  —  Allen gege­ben? Schön und köst­lich? Von Anfang an? Nacht der Gitar­ren. Mehr Infos

The Dublin Legends

Im Gedenken an Eamonn Campbell | 3. Nov.

DL-Gallery 1

The Dub­lin Legends ©

Eam­onn Camp­bell, rechts im Bild, ist tot. Er starb nach einem Kon­zert der aktu­el­len Tour­nee fried­lich im Kreis sei­ner Fami­lie. The Dub­lin Legends spie­len das Kon­zert bei uns zu Ehren von Eam­onn. Einer Dub­lin Legend kann nicht anders al s mit einem Live-Kon­zert gedacht wer­den. Mehr Infos

Das Gefühl für ein Europa, das um sich selber weint

Volkstrauertag | Ein deutsches Requiem, ChorWerk Ruhr

Nio­be — Mosa­ik von Igna­ti­us Gei­tel, Fried­hof Frei­gra­fen­damm, Bochum 1954 | Foto © Ayla Wes­sel | Kul­tur­agen­tüer

Kann es das geben: eine euro­päi­sche Trau­er? Der Volks­trau­er­tag hat eine pre­kä­re Ver­gan­gen­heit, er war immer, auch nach dem Ende des Nazi-Regimes, ein Tag der deut­schen Trau­er, und deut­sches Trau­ern lief immer Gefahr  —  und läuft es wie­der: sie­he Gau­land­ser —  volks­deutsch ein­ge­holt zu wer­den. Was aber, wenn es an die­sem Tag gera­de nicht um Schuld und Unschuld gin­ge, nicht um Täter und Opfer, nicht um Ver­ant­wor­tung für Taten und für Unta­ten, son­dern eben um: Trau­er? Wei­ter­le­sen

Hans-Ehrenberg-Preis für Wim Wenders

Fotos: Ayla Wessel, Heinr. Brinkmöller-Becker

Wim Wen­ders by Hein­rich Brinkm­öl­ler-Becker

„Bewa­re that thou for­get not the LORD thy God, in not kee­ping his com­man­dments, and his judgments, and his sta­tu­tes, which I com­mand thee this day: Lest when thou hast eaten and art full, and hast built good­ly hou­ses, and dwelt ther­ein. And when thy herds and thy flocks mul­ti­ply, and thy sil­ver and thy gold is mul­ti­plied, and all that thou hast is mul­ti­plied. Then thi­ne heart be lifted up, and thou for­get the LORD thy God, which brought thee forth out of the land of Egypt, from the hou­se of bonda­ge.“ 5 Mose 8, King James Bible, Wim Wen­ders‘ Respons. Hier die Foto-Gale­ri­en von Ayla Wes­sel und Hein­rich Brinkm­öl­ler-Becker: Wei­ter­le­sen

„Eine große Metapher für dieses Land“

Hans Ehrenberg, Wim Wenders

Wim Wen­ders | © Peter­Lind­bergh 2015

Hans Ehren­berg war Jude und Christ, Phi­lo­soph und Publi­zist, er wur­de zum Vor­den­ker gegen die Nazis und ihren tota­li­tä­ren Staat. Der pro­tes­tan­ti­sche Hans-Ehren­berg-Preis erin­nert an den Bochu­mer Pfar­rer, am 17. Sep­tem­ber wird der Preis an den Künst­ler Wim Wen­ders ver­lie­hen, die Lau­da­tio hält der Rats­vor­sit­zen­de der EKD, Hein­rich Bed­ford-Strohm. Wen­ders, einer der bedeu­tends­ten Film­künst­ler der Gegen­wart, wird für einen künst­le­ri­schen Stil geehrt, „der einen Spiel­raum offen hält für das, was sich dem Zugriff ent­zieht“, so der Bochu­mer Super­in­ten­dent Gerald Hag­mann: Die Frei­heit des Glau­bens, die Hans Ehren­berg gegen den tota­li­tä­ren Staat ver­tei­digt habe, sei immer auch die Frei­heit der Kunst, die Frei­heit der Kunst immer auch die des Glau­bens, so Hag­mann wei­ter, bei­de sei­en sie „Indi­ka­to­ren einer frei­en Gesell­schaft“. Wei­ter­le­sen

Rebekka Bakken

"December Nights" | 19. Dezember

Rebek­ka Bak­ken bei Felix Bro­ede

Kris­tal­li­ne Küh­le, im nächs­ten Moment hüllt sie mit Wär­me ein. Sie kann erdig sein und folk­ig, dann wie­der sou­lig, sanft, las­ziv  —  die Facet­ten, die die­se Stim­me gewinnt, las­sen nie­der­kni­en. „Decem­ber Nights“. Mehr Infos und Tickets hier 

Glocken läuten zu 9/11: Terror ächten!

11. September 14:46 - 15:03 Uhr

9/11, 14:46 Uhr auf dem Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens | Foto | Ayla Wes­sel, Kul­tur­agen­tüer 2014 ©

Die Glo­cken der Chris­tus­kir­che läu­ten nur ein­mal im Jahr, immer am 11. Sep­tem­ber von 14:46 h bis 15:03 h. Sie erin­nern dar­an, dass es an die­sem Tag vor 16 Jah­ren etwas gege­ben hat, das es nie zuvor gege­ben hat: ein welt­wei­tes Mit­füh­len und Mit­lei­den, ein Emp­fin­den, das alle Men­schen, die ein Herz in sich tra­gen, mit­ein­an­der ver­band, wo immer sie auf dem Erd­ball leben. Als hät­te die Mensch­heit für einen kur­zen Moment die Augen auf­ge­schla­gen. In allem Ent­set­zen war dies ein Moment von gro­ßer Schön­heit, er ging vor­über. Wei­ter­le­sen

4 Fragen an Wim Wenders

Hans-Ehrenberg-Preis | 17. September

Wim Wen­ders by Dona­ta Wen­ders 2004 | © Dona­ta Wen­ders

Am 17. Sep­tem­ber ehren wir Wim Wen­ders mit dem Hans-Ehren­berg-Preis. Johann Hin­rich Claus­sen, Kul­tur­be­auf­trag­ter der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, sprach mit dem Regis­seur und Autor, der zu den wich­tigs­ten Film­künst­lern der Gegen­wart zählt: Herr Wen­ders, das Kino ist sicher­lich kei­ne mora­li­sche Anstalt. Den­noch die Fra­ge, ob es einen huma­nen Cha­rak­ter haben kann. Wor­in könn­te er bestehen? Wim Wen­ders: In der simp­len Annah­me, dass Fil­me durch­aus lebens­dien­lich oder men­schen­freund­lich sein kön­nen und vor allem Fra­gen beant­wor­ten kön­nen, näm­lich die ein­fachs­te, aber auch dring­lichs­te von allen: „Wie soll man leben?“  Wei­ter­le­sen

Justus Jonas ???

Das VPT interpretiert | VVK hat begonnen!

Das VPT inter­pre­tiert Jus­tus Jonas | Foto Sabi­ne Mich­a­lak ©

Muss mal erklärt sein: Jus­tus Jonas, das Hirn der drei ???, ist Jus­tus Jonas II, das Ori­gi­nal leb­te vor 500 Jah­ren in Hal­le an der Saa­le und war wie sein nach Kali­for­ni­en aus­ge­wan­der­ter Abkömm­ling alles mög­li­che: Huma­nist, Jurist, Theo­lo­ge, Dich­ter, Bischof und der wohl engs­te Freund von Mar­tin Luther. Und 16-facher Vater, inso­fern plau­si­bel, war­um Jus­tus Jonas der Älte­re sein enzy­klo­pä­disch ent­fal­te­tes Hirn an Jus­tus Jonas den Detek­ti­ve ver­macht hat mit­samt der Fähig­keit, geschwol­len zu reden, wäh­rend er scharf ana­ly­siert. Wei­ter­le­sen

Vom Paradies zum Bierkeller

Über Städte, urbEXPO und Utopien

Mark­ham-sub­urbs near Onta­rio, Novem­ber 2005 by IDu­ke (cc)

Im Ruhr­ge­biet fällt es schwer, den Städ­ten einen uto­pi­schen Gehalt anzu­dich­ten, das ist beru­hi­gend: Die idea­le Stadt ist die ver­las­se­ne und umge­kehrt, jeder Lost Place ist eine gebau­te Uto­pie. Klei­ner Streif­zug durch die Bau­ge­schich­te, er führt aus dem Para­dies in den Bier­kel­ler neben­an. Zunächst also: Wei­ter­le­sen

Ich, Judas

Ben Becker | Karfreitag

BenBeckerJudas-ChristuskircheBochum 300dpi-(c) Fritz Brinckmann - Kopie

Ben Becker | © Fritz Brinck­mann

Im August 1960 strengt Bert­hold B., Fran­zis­ka­ner, ein Ver­fah­ren an mit dem Ziel, der Papst möge Judas selig spre­chen. Judas Ischa­ri­ot, Urbild des Ver­rä­ters, best-gehasst durch zwei Jahr­tau­sen­de  —  dem Mann, von dem die Bibel berich­tet, er habe Jesus ver­ra­ten, wird der Pro­zess gemacht: War er Täter oder Opfer, Ver­rä­ter oder wil­len­lo­ses Werk­zeug? Han­del­te er, ein Jün­ger Jesu wie Petrus einer war, aus frei­em Wil­len oder muss­te er tun, was er tat? Das Fra­ge-Karus­sell gewinnt an Fahrt, was ist mit Jesus, hat er gewusst, wem er sich ange­freun­det hat? Oder hat er, der Sohn des Höchs­ten, sich in Judas geirrt? War Jesus Täter? Opfer?  —  Das ist die lite­ra­ri­sche Fik­ti­on, von Wal­ter Jens erdacht, Ergeb­nis: Gewiss­hei­ten fäl­len kein Urteil, sie stür­zen ein. Wei­ter­le­sen