„Bauplatz unserer Vorstellungen“

Platz des europäischen Versprechens | 15. Juli 2010

ThW | Chris­tus­kir­che Bochum

13.625 Namen, 13.625 Ver­spre­chen. Die Namen sicht­bar, Ver­spre­chen unsicht­bar. Das sei „belie­big“, wurde uns oft vor­ge­wor­fen, unsicht­bare Ver­spre­chen seien „unver­bind­lich“. Selt­sa­mer Vorwurf.

Der Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens dürfe gar nicht so hei­ßen, heißt es dann, und zwar auch des­halb nicht, weil Bochum „Gau-Hauptstadt“ gewe­sen sei und Rüs­tungs­schmiede der Nazis. Wenn schon, müsse es „Platz des euro­päi­schen Frie­dens“ hei­ßen, man müsse „Men­schen verpflichten“.

Nur wor­auf? Für die einen ist Frie­den pink, für andere rot, für dritte grün und für einige grün­rot. Die Vor­stel­lung, es würde uns jemand die Far­ben leh­ren und vor­spre­chen, was wir ver­spre­chen, wirkt doch ein wenig staats­fromm. Wobei selbst diese Vor­stel­lung ihren Platz hat auf dem Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens. Gerade weil es hier nicht darum geht, die gute Auto­ri­tät anzu­ru­fen, son­dern sich sel­ber beim Wort zu nehmen.

Darum, um ihres eige­nen Wor­tes wil­len, wer­den die Namen in Stein geschrie­ben. Nicht auf, son­dern in den Stein, knapp 2 Zen­ti­me­ter tief in arme­ni­sche Basalt­lava hin­ein. Jede der Namens­plat­ten 5,4 x 3,8 m groß, jede meh­rere Ton­nen schwer, auf jeder bis zu 600 Namen. Ver­legt wer­den sie, „sobald die Stadt über die erfor­der­li­chen Finanz­mit­tel für deren Her­stel­lung verfügt“.

Warum die Stadt das Geld auf­wen­den will? Weil man sich hier erin­nern kann. Auch die Namen derer, die im Ers­ten Welt­krieg gefal­len und im Turm der Chris­tus­kir­che als „Hel­den“ auf­ge­führt sind, bewah­ren die Geschichte Euro­pas. Der Mensch, hat Nietz­sche gesagt, ist ein Tier, nur ist er „das Tier, das ver­spre­chen darf“.

Stimmt schon, Bochum war Gau-Hauptstadt, bevor es Kultur-Hauptstadt wurde.

Artikel am 15. Juli 2010 um 09:39 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: PeV 2010 | Trackback: Trackback URL.


3 Kommentare

  1. Kommentar #3
    Thomas Wessel | Geschrieben am 3. Januar 2011 um 17:24 | Permalink

    [at] Axel Eumann | Wün­sche eben­falls ein geseg­ne­tes = herr­schafts­freies Jahr. Ver­stehe aber gerade des­halb nicht, warum ein Wider­spruch in sich ent­ste­hen soll, wenn ein Ver­spre­chen für sich ste­hen bleibt:

    Wenn Europa das Gegen­über ist, an das ich mein Ver­spre­chen richte, heißt das ja eben nicht, dass ich es irgendwo abgebe, son­dern dass ich es mir sel­ber gebe. Da ist kein „Brüs­sel“ und nichts, das zwi­schen mir und Europa ver­mit­teln und mir mein Ver­spre­chen „abneh­men“ müsste. Ich habe das oft sehen kön­nen, was in den Gesich­tern der Men­schen spielt, wenn sie anfan­gen zu über­le­gen, wel­ches Ver­spre­chen sie sich sel­ber geben könn­ten, tolle Situationen.

    Und dann war es inter­es­sant zu hören, was es sei, wenn sie es spä­ter sag­ten, aber noch viel inter­es­san­ter war, sich sel­ber aus­zu­ma­len, was es sein könnte. Ein Teil­neh­mer sagte mal: „Über­all in Europa ent­deckt man ein Spie­gel­bild von sich.“

  2. Kommentar #2
    Axel Eumann | Geschrieben am 1. Januar 2011 um 13:09 | Permalink

    (Email-Adressen-Korrektur)

  3. Kommentar #1
    Axel Eumann | Geschrieben am 1. Januar 2011 um 12:55 | Permalink

    Ein gehei­mes Ver­spre­chen wäre ein Wider­spruch in sich.

    Das Euro­päi­sche Ver­spre­hen kann dem­nach nur ein Ver­spre­chen sich für Frie­den und Ver­söh­nung ein­zu­set­zen sein.

    Frie­den und Ver­söh­nung ist hin­ge­gen nur ohne Gewalt, also ohne Mili­tär und sogar durch Ächtung aller Mili­tä­ri­schen Instru­mente möglich.

    Das Euro­päi­sche Ver­spre­chen ist dem­nach ein Ver­spre­chen sich für eine herr­schafts­lose (anar­chis­ti­sche), demo­kra­ti­sche, also gewalt­freie Gesell­schaft in Europa einzusetzen.

    Ein Gutes neues Jahr wünscht allen
    Axel Eumann


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