13.625 Namen, 13.625 Versprechen. Die Namen sichtbar, Versprechen unsichtbar. Das sei „beliebig“, wurde uns oft vorgeworfen, unsichtbare Versprechen seien „unverbindlich“. Seltsamer Vorwurf.
Der Platz des europäischen Versprechens dürfe gar nicht so heißen, heißt es dann, und zwar auch deshalb nicht, weil Bochum „Gau-Hauptstadt“ gewesen sei und Rüstungsschmiede der Nazis. Wenn schon, müsse es „Platz des europäischen Friedens“ heißen, man müsse „Menschen verpflichten“.
Nur worauf? Für die einen ist Frieden pink, für andere rot, für dritte grün und für einige grünrot. Die Vorstellung, es würde uns jemand die Farben lehren und vorsprechen, was wir versprechen, wirkt doch ein wenig staatsfromm. Wobei selbst diese Vorstellung ihren Platz hat auf dem Platz des europäischen Versprechens. Gerade weil es hier nicht darum geht, die gute Autorität anzurufen, sondern sich selber beim Wort zu nehmen.
Darum, um ihres eigenen Wortes willen, werden die Namen in Stein geschrieben. Nicht auf, sondern in den Stein, knapp 2 Zentimeter tief in armenische Basaltlava hinein. Jede der Namensplatten 5,4 x 3,8 m groß, jede mehrere Tonnen schwer, auf jeder bis zu 600 Namen. Verlegt werden sie, „sobald die Stadt über die erforderlichen Finanzmittel für deren Herstellung verfügt“.
Warum die Stadt das Geld aufwenden will? Weil man sich hier erinnern kann. Auch die Namen derer, die im Ersten Weltkrieg gefallen und im Turm der Christuskirche als „Helden“ aufgeführt sind, bewahren die Geschichte Europas. Der Mensch, hat Nietzsche gesagt, ist ein Tier, nur ist er „das Tier, das versprechen darf“.
Stimmt schon, Bochum war Gau-Hauptstadt, bevor es Kultur-Hauptstadt wurde.


3 Kommentare
Thomas Wessel | Geschrieben am 3. Januar 2011 um 17:24 | Permalink
[at] Axel Eumann | Wünsche ebenfalls ein gesegnetes = herrschaftsfreies Jahr. Verstehe aber gerade deshalb nicht, warum ein Widerspruch in sich entstehen soll, wenn ein Versprechen für sich stehen bleibt:
Wenn Europa das Gegenüber ist, an das ich mein Versprechen richte, heißt das ja eben nicht, dass ich es irgendwo abgebe, sondern dass ich es mir selber gebe. Da ist kein „Brüssel“ und nichts, das zwischen mir und Europa vermitteln und mir mein Versprechen „abnehmen“ müsste. Ich habe das oft sehen können, was in den Gesichtern der Menschen spielt, wenn sie anfangen zu überlegen, welches Versprechen sie sich selber geben könnten, tolle Situationen.
Und dann war es interessant zu hören, was es sei, wenn sie es später sagten, aber noch viel interessanter war, sich selber auszumalen, was es sein könnte. Ein Teilnehmer sagte mal: „Überall in Europa entdeckt man ein Spiegelbild von sich.“
Axel Eumann | Geschrieben am 1. Januar 2011 um 13:09 | Permalink
(Email-Adressen-Korrektur)
Axel Eumann | Geschrieben am 1. Januar 2011 um 12:55 | Permalink
Ein geheimes Versprechen wäre ein Widerspruch in sich.
Das Europäische Versprehen kann demnach nur ein Versprechen sich für Frieden und Versöhnung einzusetzen sein.
Frieden und Versöhnung ist hingegen nur ohne Gewalt, also ohne Militär und sogar durch Ächtung aller Militärischen Instrumente möglich.
Das Europäische Versprechen ist demnach ein Versprechen sich für eine herrschaftslose (anarchistische), demokratische, also gewaltfreie Gesellschaft in Europa einzusetzen.
Ein Gutes neues Jahr wünscht allen
Axel Eumann