Die Kultur der Kulturhauptstadt

RUHR.2010 und die Katastrophe von Duisburg

Sek­to­ren­karte | Wikileaks

„Wir sind der kom­mende Hot­spot in Europa, das hat die Love­pa­rade beein­dru­ckend gezeigt. Wir sind auf dem rich­ti­gen Weg.“ Die­ter Gorny am 21. Juni 2007.

„Ich freue mich, dass die RUHR.2010 durch Die­ter Gorny mit­ge­wirkt hat, die Love­pa­rade an die Ruhr zu holen.“ Fritz Pleit­gens Lob vom sel­ben Tag.

„Wir sind jung und kna­ckig.““ Ull­rich Sierau, der dama­lige Dort­mun­der Stadt­di­rek­tor, laut FOCUS zum Vertragsabschluss.

„Die Love­pa­rade ist ein Pro­jekt der Kul­tur­haupt­stadt Euro­pas RUHR.2010.“ Pres­se­info der Wirt­schafts­för­de­rung metro­po­ler­uhr GmbH vom 17. Juni 2010. Die WMR, eine 100-prozentige Toch­ter des Regio­nal­ver­ban­des Ruhr, hatte 2007 den Rah­men­ver­trag zwi­schen Ver­an­stal­ter und den fünf Städ­ten vermittelt.

„Die Love­pa­rade erzeugt welt­weit ein star­kes, neues Bild des Ruhr­ge­biets. (…) Die Love­pa­rade ist ein Leucht­turm­pro­jekt von RUHR.2010 mit wich­ti­ger, inter­na­tio­na­ler Strahl­kraft.“ Oli­ver Sche­ytt eben­falls am 17. Juni 2010.

Seit der Kata­stro­phe von Duis­burg schwei­gen sie alle. Fast 48 Stun­den sind seit­dem ver­gan­gen, und Die­ter Gorny schweigt. Oli­ver Sche­ytt? Schweigt. Die gan­zen „Künst­le­ri­schen Direk­to­ren“ und „Refe­ren­ten“ und „Assis­ten­ten“ und „Team­lei­ter“ und „Pro­jekt­ma­na­ger“ und „Redak­teure“ und „Pres­se­spre­cher“ und „Stell­ver­tre­ter“, die jede Gele­gen­hei­ten such­ten, die Taten der Kul­tur­haupt­stadt zu rüh­men, alle ver­stummt. Der RVR? Drei dünne Zei­len. Und dazu die­ser Satz:

„Die Love­pa­rade in Duis­burg war auch offi­zi­el­ler Pro­gramm­punkt der Kul­tur­haupt­stadt RUHR.2010. Die Geschäfts­füh­rung zeigt sich eben­falls nahezu sprachlos …“

Was ist mit den ande­ren Gesell­schaf­tern der Ruhr2010-GmbH? Den Ruhr2010-Kuratoren, die als „Bot­schaf­ter“ für die „Kul­tur­me­tro­pole“ wer­ben, Leute wie Beitz und Bier­hoff, Weiz­sä­cker und Wort­mann? Kein Ton.

Die Kul­tur­haupt­stadt hat ihre Spra­che ver­lo­ren, sie hat nichts mehr zu sagen. Der Kul­tur­be­trieb mit sei­nem gan­zen Esta­blish­ment, das zu allem und jedem druck­reife State­ments abge­ben konnte, das sein Pro­gramm in höchs­ten Tönen besun­gen und sich berauscht hat am Super­la­tiv des Machos, dem größ­ten und längs­ten und bes­ten, alles schweigt. Kul­tur, die zum Tod der 19 nichts zu sagen hat, ist eine Kul­tur zum Tode.

Es geht um eine juris­ti­sche Auf­ar­bei­tung der Kata­stro­phe, es geht auch um eine kul­tu­relle. Es gibt eine poli­ti­sche Ver­ant­wor­tung für diese Kata­stro­phe und eine kulturpolitische.

Zuerst ver­öf­fent­licht am 26. Juli um 14:54 h. Bild nach Ver­öf­fent­li­chung auf Wiki­Leaks am 20. August.

Artikel am 28. Juli 2010 um 21:23 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Debatte | Trackback: Trackback URL.


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