Parfum Brutal

urban urtyp #7 | Samstag 12. Februar 19 Uhr

Rummage Pop auf Potsdamer Platz: Der Berliner Polenmarkt im Frühjahr 1987

ThW 1987 | Christuskirche

Fröh­lich und lieb­lich und roh: Ihren Namen haben sie nach einem pol­ni­schen Par­fum gewählt, das den Ruf genießt, getrun­ken bes­ser zu sein als auf­ge­tra­gen. So wie Par­fum Bru­tal live bes­ser ist als auf­ge­legt: Mit ihrem Rum­mage Pop  -  to rum­mage bedeu­tet so viel wie stö­bern, wüh­len  -  stö­bern und wüh­len sie sich durch die Vor­rats­la­ger der Musik wie über einen irren Floh­markt  -  auf dem Bild etwa, das ist der Pots­da­mer Platz, der, wenn man Floh­märkte mag, schon bes­sere Zei­ten gese­hen hat als heute: Den „Krem­pel­markt“, zeit­wei­lig auch „Polen­markt“, gab es in den 80ern, heute schlen­dert sich Par­fum Bru­tal durchs Gol­dene Jahr­zehnt wie durch ein Spie­gel­ka­bi­nett und nimmt sich, was es gab und was es gibt und macht Musik dar­aus, die nach urba­ner Liebe klingt, nach final good­byes und happy han­go­vers.

Und dann klingt die­ser Rum­mage Pop mit­un­ter so, als drehe er sich um eman­zi­pierte Kanin­chen  -  ein sel­te­nes Phä­no­men, das sich dar­aus erklä­ren könnte, dass zwei der vier aus Kar­ni­ckel­land kom­men, wo man seit alters her bei­des, die eigene Eman­zi­pa­tion wie das eigene Kanin­chen, mit Hin­gabe pflegt: Daniel Brandl mit sei­nem Cello stammt aus Bochum und aus Dort­mund Arno Bauch mit sei­nen Drums. Das Kla­vier von Phi­lip Man­ca­rella dage­gen kommt aus Köln und die Stimme von Kas­san­dra Papak aus Ber­lin. Eine Stimme, die alles andere ist als par­fü­miert, son­dern ein­fach nur bru­tal fra­gil. Und arbeite, behaup­tete kürz­lich eine Ham­bur­ger Zei­tung (da wo man das weiß), Papaks Stimme arbeite

„wie das Werk­zeug eines Minen­ar­bei­ters: Sie bohrt sich durch die Masse. Und manch­mal ist da am Ende Licht.“

Wie das im Berg­bau eben so geht. Nur dass Par­fum Bru­tal das ziem­li­che Gegen­teil ist von einer Licht-am-Ende-vom-Bergbautunnel-Band. Das Licht am Beginn ihrer Kar­riere leuch­tete von weit oben her …

 

Licht von janz weit oben: Parfum Brutal

Par­fum Brutal

… im Para­diso näm­lich, einem ziem­lich berühm­ten Kon­zert­saal in Ams­ter­dam (der vor­mals war, was wir sind: eine Kir­che). Vor vier Jah­ren hat­ten sich die vier beim Stu­die­ren in den Nie­der­lan­den gefun­den, und wäh­rend einer Kunst­nacht in Arn­heim haben sie auch ihren ers­ten Publi­kums­preis gewon­nen. Was eine Menge ent­we­der über das Arn­hei­mer Kunst­ver­ständ­nis erzählt oder über die Live-Qualitäten von Par­fum Brutal.

Bei urban urtyp gibt es kei­nen Publi­kums­preis, weil das Publi­kum der Preis ist. Neh­men wir aber mal an, es gäbe einen Preis fürs beste Publi­kum, dann aller­dings könnte es so sein wie das, was sich Par­fum Bru­tal auf­legt: fröh­lich und lieb­lich und etwas roh hin­ter den Ohren.

» urban urtyp # 7 | Anstatt wie immer sonn­tags jetzt auch mal sams­tags wie noch nie. Aber wie immer 19 Uhr (Ein­lass) und wie immer nur 10 EUR.
» myspace.com/parfumbrutal -  und zum Rein­hö­ren zuerst ein­mal  „Ber­lin„
»  uwe-rada.de: sehr gute Arti­kel von Uwe Rada, taz-Redakteur und Buch­au­tor, über Ost– und West– und Pol­ski Europa

Artikel am 05. Februar 2011 um 23:26 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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