Orka & The Oktopus

urban urtyp #10 | Freitag 13. Mai 19 Uhr

"Zwischen Yann Tiersen und Public Enemy": Orka mit Zaunpfahl und Tonne

Orka

Jede Stadt hat einen Sound, behaup­ten wir, nur wel­chen? Orka kom­men aus Innan Gly­vur, einem Ort mit 77 Ein­woh­nern weit oben im Atlan­tik auf den Färoer, den Schaf­s­in­seln. Viel  Gras, viel Schaf, viel Regen. Regen an 6 von 7 Tagen die Woche. Was also sol­len 4 aus 77, Orka aus Innan Gly­vur, hier groß trei­ben, um Zeit zu ver­trei­ben? Vikin Metall viel­leicht? Oder Björk-gleichen Nebel­ge­sang? Sie machen Indus­trial Music. Sie machen etwas, das der­art urban klingt und nach Stadt, dass man denkt, selbst die Ein­stür­zen­den Neu­bau­ten seien vom Dorf gekommen.

Mit ihnen, den frü­hen Ein­stür­zen­den Neu­bau­ten, wer­den sie oft ver­gli­chen, mit Aphex Twin (stimmt über­haupt nicht) und Caba­ret Vol­taire (schon eher), aber sie sind das alles nicht, weil ihre Instru­mente es nicht sind: Orka spie­len mit so ziem­lich allem, was an Gerä­ten an ihre Gesta­den gespült wird. Alte Later­nen­pfähle und Fern­seh­an­ten­nen, leere Ölfäs­ser und hau­fen­weise leere Fla­schen, dazu plär­ren ein paar mor­bide Geräte, die wie Schleif­ma­schine klin­gen und aus der Zeit stam­men, als die Färöer elek­tri­fi­ziert wor­den sind. Aber aus die­sem bizar­ren Mate­rial plus ihrem Kaoss Sam­pler und ein paar Stimm­bän­dern kommt ein Sound her­aus, der sich auch hier im Ruhr­ge­biet nicht ver­or­ten lässt, im wei­ten Land der lee­ren Ton­nen, son­dern eher im Under­ground von New York.

Von wo sie The Okto­pus mit­brin­gen: Alap Momin, den US-amerikanischen Hip-Hop-Produzenten und Sound­tüft­ler. Okto­pus alias Mamin ist die andere Hälfte der legen­dä­ren Hip-Hop-Crew Dälek, sicher­lich eine der gerad­li­nigs­ten und zugleich expe­ri­men­tells­ten Hip-Hop-Formationen der lan­gen letz­ten Jahre. Über Dälek  — die 2008 auf dem Jazz-Festival in Moers gespielt haben  -  schrieb Mar­tin Büs­ser, sie seien

„die kon­se­quente Wei­ter­ent­wick­lung der hohen Mess­latte, die Public Enemy ein­mal gesetzt haben und selbst irgend­wann nicht mehr hal­ten konnten.“

Also: Indus­trial Sounds von wei­ßen Jungs von einer win­zig klei­nen Insel, Hip-Hop-Sounds vom black power move­ment aus der wirk­lich gro­ßen Stadt. Das klingt extrem, geht per­fekt zusam­men und wird voll­ends ver­rückt, wenn man die Vor­ge­schichte kennt:

Auch Yann Tier­sen, der jeder­zeit Ver­träumte, war, als er Orka hörte, der­art begeis­tert, dass er 2009 mit ihnen auf Tour ging (nicht etwa umge­kehrt!), und anschlie­ßend schloss sich Tier­sen („Die fabel­hafte Welt der Amé­lie“) zwei Wochen lang mit den Färö­ern im Ton­stu­dio ein. Es ist nur ein Kon­zert, aber es wird dies alles geben, die Weite der Wol­ken, die Härte der Stadt und die Schön­heit des Schrotts.

„Music with brains, heart and balls!“

schrieb Dimm­alæt­ting (FO), und The Fly (UK)

ORKA are all that the fes­ti­val cir­cuit and the whole gad­damn WORLD really needs“

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Artikel am 13. April 2011 um 15:36 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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