ECHO-Jazz geht, Lyambiko kommt

Nachruf & Vorschau | 8.März 2012

"Wichtiger Aspekt der Stadtwerbung": Lyambiko mit ihrem phänomenalen Trio November 2008 in der Christuskirche

ThW | Christuskirche

Im letz­ten Jahr, dem der Kul­tur­haupt­stadt, wurde zum ers­ten Mal der ECHO-Jazz ver­lie­hen. Er wurde hier nebenan in der Jahr­hun­dert­halle ver­lie­hen, jetzt war zu lesen, dass der Preis schon wie­der das Weite sucht und nach Dres­den umge­zo­gen ist. Es war aber nichts davon zu lesen, warum das so ist und gar nichts dar­über, dass man ver­sucht hätte, den Preis in der Stadt zu hal­ten. Dabei wurde der ECHO-Jazz ja nicht des­halb in Bochum ver­lie­hen, weil hier eine städ­ti­sche Ver­an­stal­tungs­halle steht, son­dern weil der Jazz, den er preist, in die­ser Stadt spielt. Céline Rudolph beispielsweise …

Als sie 2010 als „Sän­ge­rin des Jah­res natio­nal“ mit dem ECHO-Jazz aus­ge­zeich­net wurde, hat­ten wir sie schon zwei­mal in die Chris­tus­kir­che geholt, zwei ganz große Abende. Bugge Wes­seltoftNils Land­gren und Michael Schie­fel ver­bin­den uns mit dem „Jazz-Label des Jah­res“ 2010; Qua­dro Nuevo, der „Live-Act des Jah­res 2010″, hat 2004 bei uns gespielt, Michael Wollny, „bes­ter Pia­nist“, wird es tun, nach­dem er zusam­men mit Céline am Tag vor der Preis­ver­lei­hung Grö­ne­mey­ers „Mensch“ in der Chris­tus­kir­che ein­stu­diert hatte …

Oder Fre­de­rick Kös­ter. Den ECHO-Jazz als „bes­ter Trom­pe­ter des Jah­res“ hat er sich nicht zuletzt auf eben der Bühne erspielt, die Milli Häu­ser mit dem „Tat­ort Jazz“ ein­ge­rich­tet und damit ein ganz star­kes For­mat fürs Ruhr­ge­biet geschaf­fen hat: Der Jazz wurde in der Stadt aus­ge­zeich­net, in der er spielt.

Nur spielt er in die­ser Stadt groß auf, ohne dass die Stadt dafür groß auf­käme. Ihn hier auf die Büh­nen zu brin­gen, ist Kno­chen­ar­beit plus Risiko. Der ECHO-Jazz hat sei­nen Sinn darin, dass er sol­che Büh­nen umspie­len kann, dass er Künst­ler auf­baut zusam­men mit ihren Ver­an­stal­tern, die Musik zusam­men mit ihren Orten. Aus dem ECHO-Jazz in Bochum hätte sich erheb­lich mehr machen las­sen als eine wei­tere Rote-Teppich-Nummer.

Und dann hätte die „Bochu­mer Ver­an­stal­tungs­ge­sell­schaft“, die städ­ti­sche Betrei­be­rin der Jahr­hun­dert­halle, tat­säch­lich ver­mel­den kön­nen, was sie vor zwei Jah­ren ver­mel­det hat, näm­lich dass ihre Veranstaltungen

„mit einem rie­si­gen Medi­en­echo ein­her­ge­hen. Und immer ist dabei von Bochum und der Jahr­hun­dert­halle die Rede. Das ist ein ganz wich­ti­ger Aspekt der Stadtwerbung.”

Das ist er, was den Jazz angeht, fürs Erste gewe­sen. Dafür wird es nun in Dres­den, wo der Preis im Juni ver­lie­hen wird, so sein wie letz­tes Jahr in Bochum, dann wird die „Sän­ge­rin des Jah­res natio­nal“  -  letz­tes Jahr Céline, die­ses Jahr Lyam­biko -  längst bei uns gespielt haben, wenn sie den Preis ent­ge­gen nimmt. Und wird, ungleich wich­ti­ger, dem­nächst wie­der bei uns spie­len, vor­aus­sicht­lich am 8. März 2012!

Preise gehen, die Geprie­sene kommt.

Artikel am 27. Mai 2011 um 14:55 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Debatte, Konzerte | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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