Im letzten Jahr, dem der Kulturhauptstadt, wurde zum ersten Mal der ECHO-Jazz verliehen. Er wurde hier nebenan in der Jahrhunderthalle verliehen, jetzt war zu lesen, dass der Preis schon wieder das Weite sucht und nach Dresden umgezogen ist. Es war aber nichts davon zu lesen, warum das so ist und gar nichts darüber, dass man versucht hätte, den Preis in der Stadt zu halten. Dabei wurde der ECHO-Jazz ja nicht deshalb in Bochum verliehen, weil hier eine städtische Veranstaltungshalle steht, sondern weil der Jazz, den er preist, in dieser Stadt spielt. Céline Rudolph beispielsweise …
Als sie 2010 als „Sängerin des Jahres national“ mit dem ECHO-Jazz ausgezeichnet wurde, hatten wir sie schon zweimal in die Christuskirche geholt, zwei ganz große Abende. Bugge Wesseltoft, Nils Landgren und Michael Schiefel verbinden uns mit dem „Jazz-Label des Jahres“ 2010; Quadro Nuevo, der „Live-Act des Jahres 2010″, hat 2004 bei uns gespielt, Michael Wollny, „bester Pianist“, wird es tun, nachdem er zusammen mit Céline am Tag vor der Preisverleihung Grönemeyers „Mensch“ in der Christuskirche einstudiert hatte …
Oder Frederick Köster. Den ECHO-Jazz als „bester Trompeter des Jahres“ hat er sich nicht zuletzt auf eben der Bühne erspielt, die Milli Häuser mit dem „Tatort Jazz“ eingerichtet und damit ein ganz starkes Format fürs Ruhrgebiet geschaffen hat: Der Jazz wurde in der Stadt ausgezeichnet, in der er spielt.
Nur spielt er in dieser Stadt groß auf, ohne dass die Stadt dafür groß aufkäme. Ihn hier auf die Bühnen zu bringen, ist Knochenarbeit plus Risiko. Der ECHO-Jazz hat seinen Sinn darin, dass er solche Bühnen umspielen kann, dass er Künstler aufbaut zusammen mit ihren Veranstaltern, die Musik zusammen mit ihren Orten. Aus dem ECHO-Jazz in Bochum hätte sich erheblich mehr machen lassen als eine weitere Rote-Teppich-Nummer.
Und dann hätte die „Bochumer Veranstaltungsgesellschaft“, die städtische Betreiberin der Jahrhunderthalle, tatsächlich vermelden können, was sie vor zwei Jahren vermeldet hat, nämlich dass ihre Veranstaltungen
„mit einem riesigen Medienecho einhergehen. Und immer ist dabei von Bochum und der Jahrhunderthalle die Rede. Das ist ein ganz wichtiger Aspekt der Stadtwerbung.”
Das ist er, was den Jazz angeht, fürs Erste gewesen. Dafür wird es nun in Dresden, wo der Preis im Juni verliehen wird, so sein wie letztes Jahr in Bochum, dann wird die „Sängerin des Jahres national“ - letztes Jahr Céline, dieses Jahr Lyambiko - längst bei uns gespielt haben, wenn sie den Preis entgegen nimmt. Und wird, ungleich wichtiger, demnächst wieder bei uns spielen, voraussichtlich am 8. März 2012!
Preise gehen, die Gepriesene kommt.

