Patty Moon

urban urtyp #13 | 06. November 19 Uhr

"Man muss nur die Arme aus ausbreiten und hören und verspielt genug sein": Judith Heusch alias Patty Moon

Patty Moon

Gro­ßes Song­wri­t­ing, zer­brech­li­cher Pop. Erin­nert die einen an ver­diente bri­ti­sche Exen­tri­ker wie Nick Drake und Kate Bush, andere an Björk oder die frühe Tori Amos, wie­der andere an Cohen und Waits. Wie auch immer, fest steht, seit Ele­ment of Crime war keine Musik so rät­sel­haft schön wie die von Patty Moon. Dis­kret roman­tisch, ohne Pathos, ohne Dra­men, Indie-Pop ohne Bom­bast. So funk­tio­nie­ren Songs.

Patty Moon sind Judith Heusch (Gesang, Kla­vier) und Tobias Schwab (alle Sai­ten, alle Tas­ten, dazu etwas Per­cus­sion und ein biss­chen Elek­tro­nik). Seit mehr als zwölf Jah­ren spie­len sie zusam­men, und wenn man auch nie sagen sollte, dass irgend­was, das Men­schen tun, „orga­nisch gewach­sen“ sei, auf ihre Musik passt es doch:

„Ich bin mit­ten im Wald groß gewor­den,“ sagt Judith Heusch, „das hat mich ziem­lich bespukt, glaube ich, der Wald. Das Düs­tere, die Füchse, Kauze, die Gerü­che, alles.“

Nur dass Patty Moon dar­aus kei­nen Natur­kitsch backen und tun, als wür­den sie mit dem Wald­geist dinie­ren. Zwar schrei­ben ihre Kri­ti­ker Elfen im Dut­zend her­bei, die sie in der Musik tan­zen hören wür­den, und Tex­ter wie die beim STERN nen­nen so was dann gerne „traum­ver­lo­ren“. Aber was immer das sein mag, „traum­ver­lo­ren“, diese Musik ist es nicht, die Lie­der irren ein­fach nicht wie Gre­tel durch den Wald. Das Trau­rige in ihnen hat einen ande­ren Grund:

„Mir ist das Leben viel zu groß, zu schön und zu schmerz­haft gleich­zei­tig, ich wäre oft lie­ber nicht da. Und könnte ande­rer­seits für man­che Gerü­che wie den Früh­ne­bel drau­ßen ster­ben vor Glück.“

Es gibt Melo­dien, die das aus­drü­cken kön­nen, das zu schöne Leben, das zu schmerz­haft ist. Die Trau­rig­keit, die da ist, weil man so dank­bar ist. Man muss, um die­sen Daseins-Ton zu fin­den, nicht in den Wald gehen, es gibt ihn ebenso in der Stadt  -  man muss nur die Arme aus­brei­ten und ver­spielt genug sein, um all den Schre­cken zu ban­nen, der hin­ter Bäu­men wie Stra­ßen­ecken lau­ert. Und Patty Moon schre­cken nicht zurück, selbst vor der Melo­dika nicht, die­sem gna­den­lo­sen Anti-Instrument, das den bösen Gestal­ten in ihren Songs, den „Flap­ping Mons­ters“ und „Your Mur­de­rer“, noch jeden Hals umdreht.

„Ver­spielte Magie“

hat das jemand genannt, und das trifft es gut. Ende mit Feen-Gedöhns.

Ankunft in der Lin­den­straße, ein Inter­mezzo: Von Folge 1321 bis 1333 hat Judith Heusch hier als „Kitty König“ mit­ge­spielt, ein paar Songs gesun­gen und Vater Bei­mer [hier im Bild] ihm sei­nen Sohn undsoweiter.

Was zu der Frage führt, ob Patty Moon tat­säch­lich ein­mal mehr­heits­fä­hig wer­den könnte in einem Land, in dem man guten Pop mit einem dicken Ste­fan Raab ver­wech­selt und mit bein­hart guter Laune.

Ich glaube es nicht, dazu fehlt Patty Moon ein­fach die Wei­ner­lich­keit, sie ist das Pen­dant zu Lenas Love-o-Love-Laune. Pop ist eine ernste Sache, anders könnte er nicht glück­lich machen. Und Patty Moon neh­men es ernst, was sie tun, so glück­lich, wie sie auf Abgrün­den tanzen.

» Sonn­tag, 6. Novem­ber, 19 Uhr, im urban urtyp Kubus
» Tickets hier

Artikel am 17. Oktober 2011 um 22:21 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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