Antje Vollmer, Margot Käßmann

Hans-Ehrenberg-Preis 2011 | Dienstag 22. November 19 Uhr

Antje Vollmer, Publizistin, Theologin und langjährige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Foto | Jim Rake­te

Die Publi­zis­tin und lang­jäh­ri­ge Vize­prä­si­den­tin des Deut­schen Bun­des­ta­ges, Dr. Ant­je Voll­mer, erhält den Hans-Ehren­berg-Preis 2011. Der pro­tes­tan­ti­sche Preis wird der Theo­lo­gin in Form eines öffent­li­chen Gesprächs zwi­schen ihr und Mar­got Käß­mann ver­lie­hen. The­ma: „Gott & die Poli­tik“. Mode­ra­ti­on: Rein­hard Mawick, Pres­se­spre­cher der EKD. Mit Voll­mer wer­de ein poli­ti­sches Den­ken gewür­digt, das „in schein­bar aus­weg­lo­sen gesell­schaft­li­chen Kon­flik­ten“ Ver­stän­di­gungs­pro­zes­se ein­lei­ten kön­ne, heißt es in der Begrün­dung der Fin­dungs­kom­mis­si­on. Vor­aus­set­zung dafür sei Voll­mers poli­ti­sche Sen­si­bi­li­tät, „mit der sie gesche­he­nes Unrecht wahr­nimmt und es, ohne es zu beschö­ni­gen, zu besänf­ti­gen sucht“. // Fest­akt und Dis­kus­si­on sind öffent­lich, der Zugang frei. // Update_1 Ab hier län­ge­re Lade­zeit wegen vie­ler Kom­men­ta­re.

Das öffent­li­che Gespräch zu suchen, ist Kenn­zei­chen des Hans-Ehren­berg-Prei­ses, den der Evan­ge­li­sche Kir­chen­kreis Bochum in Abstim­mung mit der Bochu­mer Hans-Ehren­berg-Gesell­schaft und der west­fä­li­schen Lan­des­kir­che zum sechs­ten Mal ver­leiht. Ehren­berg  —  jüdisch gebo­ren, Phi­lo­soph, Publi­zist und Bochu­mer Pfar­rer  —  war Mit­be­grün­der der Dia­log-Phi­lo­so­phie, konn­te sei­ne Kir­che aber gera­de des­we­gen ins radi­ka­le Gegen­über zum völ­ki­schen Den­ken der Nazis stel­len [hier Ehren­bergs Bio­gra­phie].

Heu­te wer­den mit dem nach Ehren­berg benann­ten Preis Per­sön­lich­kei­ten und Initia­ti­ven gewür­digt, „die pro­tes­tan­ti­sche Posi­tio­nen in öffent­li­cher Aus­ein­an­der­set­zung ver­tre­ten“, wie es in der Wid­mung der Evan­ge­li­schen Kir­che Bochum heißt [hier die bis­he­ri­gen Preis­trä­ger]. Ant­je Voll­mer, so Trau­gott Jähni­chen, Vor­sit­zen­der der Hans-Ehren­berg-Gesell­schaft, habe ihre Poli­tik auf jenem „dia­lo­gi­schen Prin­zip“ gegrün­det, das Ehren­berg für die poli­ti­sche Theo­rie der Gegen­wart (Hans-Georg Gada­mer, Jür­gen Haber­mas, Ema­nu­el Levinas) frucht­bar gemacht habe.

Zitat aus der Begrün­dung der Fin­dungs­kom­mis­si­on:

Demo­kra­tie führt eine Ver­gan­gen­heit mit, deren Unrecht nicht wie­der gut zu machen ist. Dass zivi­li­sa­to­ri­sche Stan­dards weg bre­chen kön­nen, ist eine his­to­ri­sche Erfah­rung; dass es die eige­nen Stan­dards sein kön­nen, ist es eben­falls. Die­se bio­gra­phi­sche wie kol­lek­ti­ve Erfah­rung haben, auf sehr ver­schie­de­ne Wei­se, Opfer wie Täter des Unrechts machen müs­sen. Sol­che Erfah­run­gen kön­nen die demo­kra­ti­sche Gesell­schaft von innen her­aus spren­gen, wenn sie nicht ein­ge­bun­den wer­den in ein gemein­sa­mes Ver­ste­hen. In die­ser Inten­ti­on folgt Ant­je Voll­mers Poli­tik dem Den­ken und Han­deln Ehren­bergs.

50 Jah­re nach Ende des Krie­ges hat­te Ant­je Voll­mer die deutsch-tsche­chi­sche Ver­söh­nung auf den Weg gebracht, damals ist sie von deut­schen Ver­bän­den aufs Übels­te beschimpft wor­den. Sie hat den inner­ge­sell­schaft­li­chen Dia­log mit den Ter­ro­ris­ten der RAF ange­sto­ßen und über Jah­re hin­weg mit­ge­tra­gen. Zuletzt hat sie den von der Bun­des­re­gie­rung ein­ge­setz­ten Run­den Tisch zur „Heim­er­zie­hung in den 50er / 60er Jah­ren“ mode­riert und  —  erheb­li­chen Vor­wür­fen zum Trotz  —  einen für das gesell­schaft­li­che Zusam­men­le­ben glaub­wür­di­gen Lösungs­vor­schlag unter­brei­tet.

Glaub- wie preis­wür­dig dar­um Voll­mers Defi­ni­ti­on von Demo­kra­tie: Sie sei

die ein­zi­ge Staats­form, die sich sel­ber kor­ri­gie­ren kann.

→ Diens­tag, 22. Novem­ber, 19 Uhr
→ Fest­akt mit dem Vize­prä­ses der west­fä­li­schen Lan­des­kir­che, Albert Henz, Super­in­ten­dent Peter Scheff­ler, Ober­bür­ger­meis­te­rin Otti­lie Scholz, Stadt­kan­to­rei Bochum unter Lei­tung von Arno Hart­mann
→ Fest­akt und  Dis­kus­si­on sind öffent­lich, der Zugang frei.
→ Platz-Reser­vie­run­gen unter info@christuskirche-bochum.de