Downliners Sekt

urban urtyp #14 special | Freitag 30. Dezember 19 Uhr

"Party ohne Rundenrekorde": Downliners Sekt aus Barcelona

Foto | Fric Lopez

Was nach Dub­step kommt, kommt aus Bar­ce­lona. Sie sel­ber nen­nen, was aus ihren Lap­tops kommt, „elec­tro­nic post post post post rock ambi­ent trip hop, I don’t know“. Eine Dekon­struk­tion von dem, was war, „als müsse ich zuerst zu gra­ben anfan­gen, müsse mich raus­wüh­len, raus­krat­zen aus einer Masse von Schutt, die uns zudeckt“. So lässt Peter Weiss einen Schrift­set­zer in sei­ner Ästhe­tik des Wider­stan­des reflek­tie­ren, als es um den Beginn des Spa­ni­schen Bür­ger­kriegs geht und das repu­bli­ka­ni­sche Europa, das sich gegen den Faschis­mus wehrt. 75 Jahre ist das her und der Kurz­schluss mit Down­li­ners Sekt erlaubt, weil sie heute — unpa­the­tisch und ent­schie­den — jede para­mi­li­tä­ri­sche Party hintertreiben.

Bei urban urtyp jeden­falls wird das nichts mit die­sen Und-jetzt-alle!-Befehlen, wie man sie von Party– und Partei-Versammlungen kennt. So wie der Linke Peter Weiss die linke Par­teif­röm­mig­keit zer­legt hat, so dekon­stru­ie­ren die kata­la­ni­schen DJs die Füh­rer­be­fehle vom DJ-Pult. Als hät­ten sie die Ästhe­tik des Wider­stands für die Gegen­wart vertont:

Dass wir immer, so sehr wir uns auch um Unab­hän­gig­keit bemü­hen, auf jeman­den sto­ßen, der uns vor­schreibt, was wir zu tun haben. Dass wir unauf­hör­lich regle­men­tiert wer­den. Dass alles, was uns vor­ge­setzt wer­den kann, noch so rich­tig sein kann, und dass es doch falsch ist, solange es nicht von uns, von mir selbst kommt.

Sagt die besagte Figur in Weiss‘ Ästhe­tik, es passt zur Ästhe­tik von Down­li­ners Sekt. Die eine Nach­kriegs­äs­the­tik ist, natür­lich, eine, die den gefäl­li­gen Frie­den zer­legt. Auch Ver­hält­nisse kön­nen tanzen:

Zunächst hob sich das Bild, das wir in den vor­ge­streck­ten Hän­den hiel­ten, fremd­ar­tig ab von dem blan­ken, unge­heuer leuch­ten­den Blau­grün der Blät­ter der Apfel­si­nen­bäume. Es stellte etwas völ­lig Neues, Unver­gleich­ba­res, dar.

So beschreibt Peter Weiss die Wir­kung, die Picas­sos Guer­nica aus­übt, das Anti­kriegs­bild schlecht­hin, das sein Ich-Erzähler als Repro sieht, als der Bür­ger­krieg ver­lo­ren war:

Roh, gewalt­sam wider­spra­chen die schar­fen Licht­ke­gel und Schat­ten, die flä­chig inein­an­der geschnit­te­nen mas­to­don­ti­schen Glied­ma­ßen und Gesich­ter, die har­ten Dia­go­na­len und Senk­rech­ten der reg­lo­sen, tie­fen Dichte ringsum. Die Luft war erfüllt vom metal­li­schen Gesang der Gril­len. Von der Stadt waren keine Geräu­sche zu hören. Nach einer Weile nahm die Kom­po­si­tion, mit ihrer zen­tra­len Figu­ren­py­ra­mide, ihren seit­wärts auf­ra­gen­den Gestal­ten, Gegen­ständ­lich­keit an. Ohne die Erschei­nung noch ganz zu begrei­fen, sahn wir, was in Spa­nien geschah. Gehäm­mert zu einer Spra­che von weni­gen Zei­chen, ent­hielt das Bild Zer­schmett­rung und Erneu­rung, Ver­zweif­lung und Hoffnung […]

75 Jahre Europa. Wem das zu pathe­tisch ist, um zu erklä­ren, was das für Musik ist, die Down­li­ners Sekt machen, dem sei hier aus dubstep.de zitiert:

down­li­ners sekt waren für uns DIE ent­de­ckung der let­zen monate. damit waren wir nicht allein, u.a. tei­len mary anne hobbs, fran­cois k, the bug, tele­fon tel aviv und dar­ren aro­n­ofsky unsere bewun­de­rung für die­sen erfri­schend ande­ren sound (Jos­hua Eustis/Telefon Tel Aviv: „Best thing in elec­tro­nic music right now“).

Alle rele­van­ten mags und blogs, heißt es wei­ter, wür­den sich mit Lob über­schla­gen, man ziehe Ver­glei­che mit

burial, autechre, mas­sive attack, por­tishead, chris clark, t++, rhythm & sound, por­ter ricks. auch fly­ing lotus ist für mich da nicht weit ent­fernt … trotz­dem klin­gen down­li­ners sekt dabei immer gran­dios eigen­stän­dig, abso­lut unver­kenn­bar und cha­rak­te­ris­tisch. oben­drein kommt das ganze in einer sehr bewusst gewähl­ten, durch­dach­ten und kon­se­quen­ten diy-haltung daher, so gibt es z.b. sämt­li­che relea­ses in top-qualität (320 kbit/s) kos­ten­los zum download.

»  www.downliners-sekt.com
»  soundcloud.com/dsekt

»  Sup­port: Pechuga de Pollodiabolo

»  urban urtyp spe­zial an einem Frei­tag, 30. Dezem­ber
»  wie immer ab 19 Uhr, wie immer 10 Euro, Kar­ten auch an der Abendkasse

Artikel am 30. Dezember 2011 um 00:22 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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