Er wurde für uns gekreuzigt unter Pontius Pilatus, hat gelitten und ist begraben worden. Crucifixus etiam pro nobis sub Pontio Pilato passus et sepultus est. - So eröffnet das Konzert, mit einem Text, der brutaler nicht geht, und einer Motette, quälend schön. Sie endet mit dem Ende, dem Tod eines Juden. „Wäre ich kein Jude“, schrieb Hannah Arendt 1942, als das Mordprogramm schon angekündigt war, „sondern gehörte irgendeinem anderen europäischen Volke zu, mir würden sich vor Angst die Haare auf dem Kopf sträuben, sobald einem Juden ein Haar gekrümmt wird.“
ANTONIO LOTTI [1647 – 1740]
Crucifixus c-Moll für achtstimmigen Chor a cappella
KRZYSZTOF PENDERECKI [*1933]
Adagio aus der 3. Symphonie für Orchester
ANTON BRUCKNER [1824 – 1896]
Messe f-Moll für Soli, Chor und Orchester
Cornelia Horak, Sopran | Jana Frey, Alt | Alexander Kaimbacher, Tenor | Falko Hönisch, Bass | Stadtkantorei Bochum, Bochumer Symphoniker | Arno Hartmann, Dirigent
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» Antonio Lottis Motette in einer Aufnahme des Palestrina Ensembles Berlin
Zum Foto: „Überall auf den Friedhöfen der Bretagne und Normandie entdecke ich Kruzifixe in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls, liebevoll auf dem Grab platziert und dekoriert.“ Theo Oberheitmann, der von sich selber sagt, er habe mit Religion nicht viel zu tun, hat den Blick fürs Kreuz. Seine Bilder setzen die Ikonographie der Leiden Jesu fort, entsetzlich schön und anstößig wie Blasphemie:
Ein fehlender Kopf wird durch Blumen ersetzt. Wenn die Schrauben für die Befestigung durchgerostet sind, wird der Corpus mit Draht befestigt. Mich interessiert das Einswerden mit dem Untergrund, der stetige Verfall durch Korrosion, das Überwuchern mit Pflanzen bis zur fast totalen Auflösung von Kreuz und Corpus.
Der Corpus des toten Juden mit Draht am Kreuz befestigt. Es ist schwer, einen Karfreitag zu begehen, wenn Israels Leben in Frage steht. Sein Schicksal zeigt an, was allen droht, und es wird nur etwas Zeit gebraucht haben, bevor - das schrieb Hannah Arendt 1942 - „bevor nicht nur Juden überfallen wurden, sondern auch Tschechen, Norweger, Holländer und Franzosen“. Vielleicht lässt sich die christliche Messe - sie endet nicht im Triumph, allenfalls getröstet - zumindest an diesem Freitag jüdisch hören.

