Der Odem des Fans

ERIC FISH & FRIENDS | 21. APRIL 20 UHR

"Fish vertraut den Fans, das ist das ganze Geheimnis des Erfolgs." - Intelligenz unter Wasser

Nsaum75 | Com­mons Wikimedia

„Ille­ga­les Down­loa­den?“ Was er denn davon halte, wurde ERIC FISH gefragt, wir fra­gen zunächst die Bibel: Geist, sagt sie, ist kein Eigen­tum, der Geist weht, wo er will. Und das nicht erst, seit das Inter­net erfun­den ist, son­dern weil Gott den Odem des Lebens in Adams Nase gebla­sen hat: So, heißt es in Gene­sis 1, so ward der Mensch ein leben­di­ges Wesen. Seit­dem ist die­ses Wesen frucht­bar und mehrt die Ideen und füllt die Köpfe, und das ist im Grunde alles, was die Bibel zum Urhe­ber­recht sagt: Was, das wir nicht emp­fan­gen hätten. Und was, würde auf die­ser Basis dis­ku­tiert und nicht so getan, als zöge mit dem Inter­net eine neue Reli­gion her­auf. ERIC FISH jeden­falls klingt sehr viel ent­spann­ter als etwa SVEN REGENER, der ja mal SUBWAY TO SALLY pro­du­ziert hat, und sehr viel ent­spann­ter auch als diese Stim­men hier. Der Grund dafür ist ein­fach, Fish ver­traut den Fans, das ist das ganze Geheim­nis. Ihrem Odem gehört seine Musik. Hier Erics Zitat, es ist sehr schön:

Ob er an den Ver­kaufs­zah­len spüre, dass viele die Alben ille­gal down­loa­den wür­den? fragte ihn die Leip­zi­ger Inter­net­zei­tung. Ant­wort:

Ja. Aber das ist für uns kein Thema. Ich sage Dir auch warum. Ich per­sön­lich finde, dass man sich nicht dar­über das Maul zer­rei­ßen sollte. Der Zugang ist uns egal, auf wel­chem Wege jemand unsere Musik wahr­nimmt. Als Musi­ker denke ich viel eher so, dass diese ille­ga­len Down­loads eher dazu füh­ren, dass sich jemand für unsere Musik inter­es­siert und irgend­wann dann doch unsere CDs kauft, wenn er Gefal­len daran findet.

Die Bezie­hung zu unse­ren Fans ist viel­mehr so gear­tet, dass sie in unsere Welt invol­viert sein wol­len. Alte Alben von uns ver­kau­fen sich des­halb immer noch sehr gut. „Die Hoch­zeit“ wurde mitt­ler­weile mehr als 100.000 Mal über die Laden­ti­sche gescho­ben. Das zeigt, dass die meis­ten Leute immer noch die gute alte CD in den Hän­den haben wol­len. Mit den Bil­dern, den Tex­ten, dem Sound. Es kom­men immer wie­der neue Fans dazu, Nach­wuchs, der sich die alten Plat­ten kauft, um die Dis­ko­gra­phie zu ver­voll­stän­di­gen. Auch weil sich die Fans gegen­sei­tig ihre Favo­ri­ten erzäh­len, davon schwär­men. Diese Art der Ent­de­ckung halte ich für sehr gesund. Ohne den Sup­port hät­ten wir nie die­sen Sta­tus erreicht, in dem wir jetzt sind.

Also sage ich mit ruhi­gem Gewis­sen, ruhig run­ter­la­den. Jeder kommt irgend­wann dahin­ter, sich die Plat­ten auch zu kaufen.

Wie gesagt, Fish ver­traut sei­nen Fans. Und er ver­traut der Musik, die allen gehört. Dem, der sie macht, und denen, die sie hören. Kein Wun­der, dass seine Kon­zerte  -  selbst wenn sie „Zugabe“ heißen  -  gerne mal drei Stun­den dau­ern. Der Mensch ist ein leben­di­ges Wesen.

 

» 21. April 20 Uhr | Tickets hier

» Zur Dis­kus­sion inner­halb der Evang. Kir­che siehe Petra Bahrs „Kul­tur des Digi­ta­len“ und die Kri­tik von Andreas Mer­tin: „Kul­tur des Digi­ta­len und pro­tes­tan­ti­sche Gestalt“

» Zur Kri­tik an der Handelsblatt-Kampagne „Hun­dert Krea­tive pro­vo­zie­ren die Netz­pi­ra­ten“ siehe Indis­kre­tion Ehrensache.de und vor allem  -  Upload_2012-10–02  -  die Kri­tik des Technologie-Redakteurs beim Han­dels­blatt, Ste­phan Doe­ner, an der Kam­pa­gne sei­nes dama­li­gen Blat­tes, er argu­men­tiert mit Fakten.

» Wie Eric Fish argu­men­tiert etwa auch der Fil­me­ma­cher Diet­rich Brüg­ge­mann [u.a. „Drei Zim­mer, Küche, Bad“, Musik­vi­deos für Kett­car und Thees Ull­mann] auf d.trick

» Upload_2013-03: „EU-Studie: Online-Piraterie scha­det dem digi­ta­len Musik­ab­satz nicht“ | Heise.de

 

Artikel am 07. April 2012 um 22:07 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Debatte, Konzerte | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


2 Kommentare

  1. Kommentar #2
    Thomas Wessel | Geschrieben am 12. April 2012 um 14:11 | Permalink

    @ Ste­fa­nie U. | Ver­stehe ich auch nicht, warum die „Netz­ge­meinde“ eine Sekte sein soll. Da hat Andreas Mer­tin [oben ver­linkt] recht, wenn er schreibt, man müsse eine pro­tes­tan­ti­sche Posi­tion fin­den dafür, Krea­ti­vi­tät und Digi­ta­li­tät zusam­men zu denken.

    Was zunächst ein­mal hieße, die Suche danach zu orga­ni­sie­ren. Und dafür wie­derum finde ich inter­es­sant, was Eric Fish erzählt: Der setzt seine Musik nicht als Abso­lu­tes, das rein aus sich her­aus wert­voll sei, son­dern setzt sie in Bezie­hung zu denen, die sie hören. Ihr Wert, sagt er, liegt in die­ser Beziehung.

    Was natür­lich auch die Ver­wer­tungs­in­dus­trie weiß, des­halb will sie diese Bezie­hung ja wei­ter­hin ver­mit­teln. Das sei nur zum Bes­ten der Künst­ler, sagt sie; obs stimmt? Wenn man diese bei­den Posi­tio­nen theo­lo­gisch fas­sen will, könnte man sagen, Rech­te­ver­wer­ter den­ken katho­lisch, wäh­rend Fish eher pro­tes­tan­tisch denkt.

  2. Kommentar #1
    Stefanie U. | Geschrieben am 10. April 2012 um 21:34 | Permalink

    „Warum bin ich ein Ver­bre­cher, wenn ich Kul­tur ver­breite?“ Inter­view mit Marina Weis­band in der Zeit­schrift K.WEST: http://www.kulturwest.de/kulturgeschichte/detailseite/artikel/mehr-naivitaet-mehr-idealismus/

    Ich finde den beson­ne­nen Ton von Frau Weis­band beacht­lich. Was soll daran „reli­giö­ser Fun­da­men­ta­lis­mus“ sein, wie das in dem ver­link­ten Text von Petra Bahr behaup­tet wird?


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