„Illegales Downloaden?“ Was er denn davon halte, wurde ERIC FISH gefragt, wir fragen zunächst die Bibel: Geist, sagt sie, ist kein Eigentum, der Geist weht, wo er will. Und das nicht erst, seit das Internet erfunden ist, sondern weil Gott den Odem des Lebens in Adams Nase geblasen hat: So, heißt es in Genesis 1, so ward der Mensch ein lebendiges Wesen. Seitdem ist dieses Wesen fruchtbar und mehrt die Ideen und füllt die Köpfe, und das ist im Grunde alles, was die Bibel zum Urheberrecht sagt: Was, das wir nicht empfangen hätten. Und was, würde auf dieser Basis diskutiert und nicht so getan, als zöge mit dem Internet eine neue Religion herauf. ERIC FISH jedenfalls klingt sehr viel entspannter als etwa SVEN REGENER, der ja mal SUBWAY TO SALLY produziert hat, und sehr viel entspannter auch als diese Stimmen hier. Der Grund dafür ist einfach, Fish vertraut den Fans, das ist das ganze Geheimnis. Ihrem Odem gehört seine Musik. Hier Erics Zitat, es ist sehr schön:
Ob er an den Verkaufszahlen spüre, dass viele die Alben illegal downloaden würden? fragte ihn die Leipziger Internetzeitung. Antwort:
Ja. Aber das ist für uns kein Thema. Ich sage Dir auch warum. Ich persönlich finde, dass man sich nicht darüber das Maul zerreißen sollte. Der Zugang ist uns egal, auf welchem Wege jemand unsere Musik wahrnimmt. Als Musiker denke ich viel eher so, dass diese illegalen Downloads eher dazu führen, dass sich jemand für unsere Musik interessiert und irgendwann dann doch unsere CDs kauft, wenn er Gefallen daran findet.
Die Beziehung zu unseren Fans ist vielmehr so geartet, dass sie in unsere Welt involviert sein wollen. Alte Alben von uns verkaufen sich deshalb immer noch sehr gut. „Die Hochzeit“ wurde mittlerweile mehr als 100.000 Mal über die Ladentische geschoben. Das zeigt, dass die meisten Leute immer noch die gute alte CD in den Händen haben wollen. Mit den Bildern, den Texten, dem Sound. Es kommen immer wieder neue Fans dazu, Nachwuchs, der sich die alten Platten kauft, um die Diskographie zu vervollständigen. Auch weil sich die Fans gegenseitig ihre Favoriten erzählen, davon schwärmen. Diese Art der Entdeckung halte ich für sehr gesund. Ohne den Support hätten wir nie diesen Status erreicht, in dem wir jetzt sind.
Also sage ich mit ruhigem Gewissen, ruhig runterladen. Jeder kommt irgendwann dahinter, sich die Platten auch zu kaufen.
Wie gesagt, Fish vertraut seinen Fans. Und er vertraut der Musik, die allen gehört. Dem, der sie macht, und denen, die sie hören. Kein Wunder, dass seine Konzerte - selbst wenn sie „Zugabe“ heißen - gerne mal drei Stunden dauern. Der Mensch ist ein lebendiges Wesen.
» 21. April 20 Uhr | Tickets hier
» Zur Diskussion innerhalb der Evang. Kirche siehe Petra Bahrs „Kultur des Digitalen“ und die Kritik von Andreas Mertin: „Kultur des Digitalen und protestantische Gestalt“
» Zur Kritik an der Handelsblatt-Kampagne „Hundert Kreative provozieren die Netzpiraten“ siehe Indiskretion Ehrensache.de und vor allem - Upload_2012-10–02 - die Kritik des Technologie-Redakteurs beim Handelsblatt, Stephan Doener, an der Kampagne seines damaligen Blattes, er argumentiert mit Fakten.
» Wie Eric Fish argumentiert etwa auch der Filmemacher Dietrich Brüggemann [u.a. „Drei Zimmer, Küche, Bad“, Musikvideos für Kettcar und Thees Ullmann] auf d.trick
» Upload_2013-03: „EU-Studie: Online-Piraterie schadet dem digitalen Musikabsatz nicht“ | Heise.de


2 Kommentare
Thomas Wessel | Geschrieben am 12. April 2012 um 14:11 | Permalink
@ Stefanie U. | Verstehe ich auch nicht, warum die „Netzgemeinde“ eine Sekte sein soll. Da hat Andreas Mertin [oben verlinkt] recht, wenn er schreibt, man müsse eine protestantische Position finden dafür, Kreativität und Digitalität zusammen zu denken.
Was zunächst einmal hieße, die Suche danach zu organisieren. Und dafür wiederum finde ich interessant, was Eric Fish erzählt: Der setzt seine Musik nicht als Absolutes, das rein aus sich heraus wertvoll sei, sondern setzt sie in Beziehung zu denen, die sie hören. Ihr Wert, sagt er, liegt in dieser Beziehung.
Was natürlich auch die Verwertungsindustrie weiß, deshalb will sie diese Beziehung ja weiterhin vermitteln. Das sei nur zum Besten der Künstler, sagt sie; obs stimmt? Wenn man diese beiden Positionen theologisch fassen will, könnte man sagen, Rechteverwerter denken katholisch, während Fish eher protestantisch denkt.
Stefanie U. | Geschrieben am 10. April 2012 um 21:34 | Permalink
„Warum bin ich ein Verbrecher, wenn ich Kultur verbreite?“ Interview mit Marina Weisband in der Zeitschrift K.WEST: http://www.kulturwest.de/kulturgeschichte/detailseite/artikel/mehr-naivitaet-mehr-idealismus/
Ich finde den besonnenen Ton von Frau Weisband beachtlich. Was soll daran „religiöser Fundamentalismus“ sein, wie das in dem verlinkten Text von Petra Bahr behauptet wird?