Es gibt Kultur und es gibt Staatskultur. In Deutschland nimmt man beides gern als eins, dann ist Kultur ein anderes Wort für Vollbeschäftigung: „Kultur für alle“ hieß das bis gestern, heute heißt Kultur, alle sind empört. Sie sind es, weil ein Buch erschienen ist, das muss man sich mal vorstellen. Das Buch heißt „Der Kulturinfarkt“ und fragt, was wäre, würden Kunst und Kultur nur noch zur Hälfte von Staates wegen angestellt. Es fiele dann, vermuten die Autoren, der „erzieherische Anspruch“ weg, den Staatskultur so gern erhebe, um unsereins die höheren Werte“ beizubiegen. Erst ohne dieses Erziehungsprogramm, so die Autoren, könne sich ein Raum erschließen, „in dem jede und jeder über Gott und die Welt reden kann, so unbekümmert wie möglich“. Ein Raum, „in dem jede und jeder die eigenen Emotionen gespiegelt wiederfindet“. - Nun, aus eben diesem Grund gibt es urban urtyp. Es gibt das nicht von Staats wegen, sondern im Kirchenraum. „Ein wunderbar vielfältiges Konzert“, schrieb Max Kühlem über den 18. Abend, „ein kleines Festival“.
Allein wenn man Sisterkingkong in der Kirche hören würde, klänge es so,
als würden sich Velvet Underground mit der Krautrock-Legende Can einen Proberaum teilen.
Die Lounge-Musik von Leland P. - der smoothen Trompete von Markus Lefen sei Dank - groove „unaufgeregt dahin“ und könne sich doch mit den harten Vocals von Kai Hoffmann und Tess Wiley versöhnen. Schließlich der „Elektro-Frickler“ mit dem Künstlernamen Sauhund - der Sauhund ist eine ¾ bierflaschengroße Handpuppe, der Künstler oben im Bild - er klänge tatsächlich wie die Bochumer Straße, in der er wohnt:
Karg und dreckig, pathetisch und ruhrpottromantisch.
Fotos aus Aylas KULTURAGENTÜER:

