Teppichstangen sind etwas sehr Schönes

KOSMOPOLEN IN euFORIA | 4. - 11. Mai

"Die Teppichstange war mein Lindenbaum": Klopsztanga in Gdansk

Polen 2011 | Ema­nuela Danielewicz

Der Satz über das, was Tep­pich­stan­gen seien, stammt von Erich Käs­t­ner, er ist in Dres­den auf­ge­wach­sen, das liegt zwi­schen Polen und dem Ruhr­ge­biet: „Mein Vor­gar­ten war der Hin­ter­hof und die Tep­pich­stange war mein Lin­den­baum“, heißt es in Als ich ein klei­ner Junge war. Er hätte zwar lie­ber einen Gar­ten mit Bäu­men gehabt, aber „kein Grund zum Wei­nen. Höfe und Tep­pich­stan­gen sind etwas sehr Schö­nes.“ Das sind sie zumin­dest gewe­sen, unschul­dig schön, eine Erfah­rung, die sich quer durch Europa zog: „Hier wur­den Affen­schau­keln geübt und erste Küsse getauscht, heim­lich Ziga­ret­ten geraucht, Per­sön­li­ches und Poli­ti­sches bespro­chen“, heißt es bei KLOPZSZTANGAPOLEN gren­zen­los NRW:  „Hier zankte und ver­söhnte man sich. Hier war und blieb man sich nah.“ Das war wohl so und blieb es nicht, Käs­t­ner schrieb seine Erin­ne­rung ins Jahr 1914 hin­ein: “Der Welt­krieg hatte begon­nen und meine Kind­heit war zu Ende.”

Jetzt, ein knap­pes Jahr­hun­dert spä­ter, steht Klop­sz­tanga, die Tep­pich­klopf­stange, für Klop­sz­tanga, das Kulturaustausch-Projekt:

Klop­sz­tanga ist ein gewach­se­nes Sinn­bild für das Mit­ein­an­der und die Chance zu einem ver­tief­ten Ver­ste­hen des Ande­ren. Jetzt wird es glei­cher­ma­ßen zum Leit­mo­tiv und Logo: zum Aus­druck für den Wunsch nach kul­tu­rel­lem Dia­log mit Kul­tur­in­sti­tu­tio­nen, Initia­ti­ven und Künst­lern in NRW – getra­gen von der Idee der Ver­söh­nung mit der Geschichte und mit Deutsch­land, mit Europa.

Das ist etwas admi­nis­tra­tiv for­mu­liert, es umkurvt den eigent­li­chen Skan­dal: dass von den groß­ar­ti­gen Din­gen, die in Polen ent­ste­hen, hier so wenig  ankommt. Die Künst­ler des Lan­des, letzt­lich die in ganz Ost­eu­ropa, sind offen­bar nichts für den hie­si­gen Markt und nichts für jene, die ihn ver­wal­ten. Hier kämpft man lie­ber darum, die Urhe­ber­rechte von 70 Jahre alten Schla­gern zu ver­wer­ten, aber Anna Maria Jopek? Edyta Gór­niak? Robert Kusiolek?

Das ganze Land befin­det sich im krea­ti­ven Aufbruch

heißt es bei Klop­sz­tanga, über­all „Phan­ta­sie, Expe­ri­men­tier­freude und Taten­drang“  -  und nir­gends, auch das sei erwähnt, der Mehl­tau aus Kul­tur­staat plus Ver­wer­tungs­in­dus­trie, an den man sich hier so gewöhnt hat wie an den Schul­zahn­arzt. Auch des­halb hat der Aus­tausch von Kul­tur einen Sinn, Polen gren­zen­los NRW ist bereits ein Gegenbesuch:

Ent­wi­ckelt wurde das Pro­jekt vom Adam Mickie­wicz Insti­tut in War­schau, vom NRW KUL­TUR­se­kre­ta­riat und vom Pol­ni­schen Insti­tut Düs­sel­dorf, gemein­sam mit ihren loka­len und regio­na­len Part­nern. Unter­stützt wird es vom Kul­tur­mi­nis­te­rium NRW, vom Minis­te­rium für Kul­tur und Natio­na­les Erbe in Polen und vom Gene­ral­kon­su­lat der Repu­blik Polen in Köln.

In der Summe: 62 Pro­jekte in 18 Städ­ten, davon 5 bei uns: Die KOSMOPOLEN laden ein, Europa EUf­orisch zu erle­ben. Das Pro­gramm hier, wir stel­len es in den kom­men­den Tagen im Ein­zel­nen vor.

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Artikel am 22. April 2012 um 18:54 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Europäisches Versprechen, Konzerte, Wort | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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