Folk, dachte ich immer, das ist, wenn jemand Lieder singt, die niemand geschrieben hat. Vitold Rek dachte anders, er hat Lieder geschrieben, die klingen, als gehörten sie schon immer zur Tradition, und dann hat er diese Lieder verjazzt. Anders formuliert: Rek hat durch den Jazz hindurch die polnische Tradition erschlossen. Das war vor zehn Jahren, seine Polish Folk Explosion betrieb Rek, lange Jahre über Sideman von Tomasz Stanko, zusammen mit Größen wie Albert Mangelsdorff und Charlie Mariano. Jetzt, bei der Neu-Auflage seines Projekts, greift Rek unmittelbar auf die Fülle polnischer Tradition zurück - Polen war eben schon immer ein beliebtes Reiseziel, seit den Völkerwanderungen ist da einiges an Musik zusammengekommen - und diese Fülle zu interpretieren, hat er erneut erlesene Musiker gewonnen, unter ihnen John Tchicai [sax], der auch schon mit John Coltrane Platten eingespielt hat, Sebastian Karpiel-Bulecka [viol], in Polen prominenter als Grönemeyer in Bochum, Jaroslaw Bester, einer der großen Akkordeonisten weltweit, und Ramesh Shotham [perc], hier zuletzt bei der Ruhrtriennale zu hören. // Hier das vollständige Kosmopolen_in_EUforia–Programm. // Update: Mit seiner Band Zakopower hat Karpiel-Bulecka just drei Fryderycks gewonnen: Song des Jahres, Album des Jahres, Gruppe des Jahres. Der Fryderyck ist der wichtigste Musikpreis Polens.

