„You can’t blame gravity“

Roman & Julian Wasserfuhr | urban urtyp #19 | 29. April 19 Uhr

"Teahouse" von Ai Weiwei im Berliner Museum für asiatische Kunst

Jür­gen Liepe | Staat­li­che Museen zu Ber­lin, Museum für Asia­ti­sche Kunst

Erst ein­mal hören: Die Was­ser­fuhrs mit Stings English­man In New York [5,2 MB].  -  Und hier ein wenig Auf­klä­rung über die Abge­klärt­heit die­ser Musik: „Wir beschäf­ti­gen uns mit Reduk­tion“, sagen sie, „keine ver­track­ten Mus­ter, son­dern ein­fa­che Songs mit Inten­si­tät“. Beide sind sie Mitte 20, Roman am Kla­vier hat drei Jahre mehr als Julian an der Trom­pete, beide bestaunt für ihr wun­der­vol­les Under­state­ment und dass sie auf Schnör­kel ver­zich­ten und auf Jazz-Akrobatik. Und das, sagt Mat­thias Brandt, der Schau­spie­ler, „muss man sich trauen“, Reduk­tion sei in jeder Kunst „das Schwerste über­haupt“, nur des­halb komme diese Musik so leicht daher. Nur wes­halb heißt diese CD dann Gra­vity? Schwer­kraft ist ja nun doch bedeu­tungs­schwer, sie macht, dass, wohin der Baum fällt, da bleibt er lie­gen. Klingt das loun­gig? Auf dem Cover von Gra­vity das Teahouse von Ai Wei­wei. 3600 Kilo Pu’er-Tee, zu Qua­dern und Pris­men gepresst und einem Haus zusam­men gesetzt. Keine Fens­ter, keine Türen, Reduk­tion. Wobei …

… das mit der Reduk­tion nur schein­bar ist. Tat­säch­lich zieht der zum Tee­haus ver­dich­tete Tee die Welt ringsum in sein Aroma hin­ein. Neu­lich im Ber­li­ner Museum für asia­ti­sche Kunst jeden­falls war es weni­ger so, dass ein Tee­haus im Museum stand als dass das ganze Museum zum Tee­haus gewor­den war. So ist das mit der Anzie­hungs­kraft, weni­ger wird mehr. Reduk­tion führt zur Ent­fal­tung. Und was hinzu kommt  -  offen­bar kann Siggi Loch, der Label­chef, visu­ell hören, er wählt die Cover gerne sel­ber aus  -  was hinzu kommt: Pu’er-Tee wird je älter je bes­ser. Sie haben noch was vor, das Tee­haus und die Wasserfuhrs:

Wich­tig ist, dass wir uns nicht in spiel­tech­ni­scher Akro­ba­tik verlieren

sagen sie, man turnt an kei­nem Instru­ment, son­dern spielt dar­auf. Für sie heißt Reduktion:

Melo­dik ohne spon­tane Abschwei­fung, die Ver­mei­dung von Kom­ple­xi­tät, keine ver­track­ten rhyth­mi­schen Mus­ter, son­dern ein­fa­che Songs mit Intensität.

Das setzt vor­aus, dass sie ihren Melo­dien ver­trauen, dem wei­chen Ton von Juli­ans Trom­pete und Romans phan­ta­sie­voll zeich­nen­dem Kla­vier. Unge­küns­telt nen­nen Kri­ti­ker das gern, „das Gegen­teil von Angeber-Jazz“, sagt Mat­thias Brandt. Geben also wir statt­des­sen an, näm­lich dies, dass Nils Land­gren ihre zweite CD  -  Upgra­ted in Gothen­burg  -  pro­du­ziert hat, dass Lars Dani­els­son auch auf Gra­vity den Bass gespielt und Wolf­gang Haff­ner getrom­melt hat, alle sind Euro­pas erste Güte. Schwer­ge­wichte, wenn man so will.

You can’t blame gra­vity for fal­ling in love

soll Ein­stein gesagt haben, er kannte sich aus mit Gra­vi­ta­tion. Gra­vity kannte er nicht.

 

» am Bass: Ben­ja­min Gar­cia, an den Drums: Oli­ver Reh­mann
» als Sup­port: Elektronik-Performance von Moo­gu­la­tor & Eela Soley
» wie immer sonn­tags wie immer 19 Uhr wie immer nur 10 Euro
» Tickets

 

Artikel am 19. April 2012 um 21:36 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, urban urtyp | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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