Zimpel Kusiolek Tokar Kugel

Kosmopolen in Euforia | Freitag 11. Mai 20 Uhr

Das Gesicht des neuen polnischen Jazz: Waclaw Zimpel und seine Klarinette

Foto | Kan Gory

Viel­leicht klingt, was die vier Her­ren tun, wie es klingt, wenn man ihre Namen liest. Oder auch anders, viel­leicht klingt es  -  Robert Kusio­lek spielt Ban­do­neon  -  wie das Ruhr­ge­biet frü­her klang, als das Ban­do­neon hier den Ton angab. Oder aber es klingt nach dem, was man hier so gar nicht kennt, was aber Klaus Kugel seit vie­len Jah­ren spielt, den Jazz des Ostens. Oder aber es klingt wie das, was Petra Reski  -  sie wird am Tag zuvor hier gele­sen haben  -  in einer wun­der­vol­len Repor­tage für GEO [hier auch als Audio-Datei] beschrie­ben hat, dann klänge es wie Hei­mat, nein: wie die Sehn­sucht nach ihr, „nach einem bestimm­ten Licht, nach einem Geruch, nach einer bestimm­ten Stille? War es nicht eine Sehn­sucht nach Erin­ne­rung und nach Kind­heit? War der Ver­lust der Hei­mat nicht ver­gleich­bar mit dem Ver­lust einer gelieb­ten Per­son?“ Und ist der Jazz nicht das, was alles in Bewe­gung bringt und solange ver­frem­det, bis es zurück­keh­ren könnte, jenes bestimmte Licht, eine bestimmte Stille?  // Waclaw Zim­pel [cl, bcl, taro­gato], Robert Kusio­lek [accor­deon, ban­do­neon, elec­tro­nics], Mark Tokar [b], Klaus Kugel [dr, perc].

Klaus Kugel hat der NMZ vor drei Jah­ren ein schö­nes Inter­view gege­ben, er erzählt, wie sein „Aben­teuer Ost­eu­ropa“ begann:

Noch vor der Wende, da gab es die Sowjet­union noch,

und es habe -  noch? wie­der? erst­mals?  -  ein neu­gie­ri­ges Publi­kum gege­ben und eine Jazz-Szene, die den Begriff free unmit­tel­bar ver­stan­den: Free Jazz ist hier, im Osten Euro­pas, keine aka­de­misch zuge­knöpfte Eska­pade, son­dern so klingt Glas­nost. Wie das, was in Bewe­gung gerät. Nigel Ken­nedy etwa, „der Typ, der die Vier Jah­res­zei­ten noch mal auf­ge­nom­men hat“ [er über sich], ist nach Kra­kau gezo­gen, weil dort diese Frei­heit hör­bar ist, die­ser beson­dere Polish Spi­rit.

Ob das viel­leicht damit zusam­men hänge, dass Polens Unter­hal­tungs­in­dus­trie dem Wes­ten ein, zwei Jahr­hun­derte hin­ter­her hinke, fragte ihn DIE WELT. Dar­auf Kennedy:

Damit könn­ten Sie Recht haben, ich würde sogar sagen, dass sie eher 30 Jahre zurück lie­gen — was wie­derum gleich­be­deu­tend ist mit: Sie sind uns zwei Jahr­zehnte voraus.

Denn die­ses Pen­del, das zwi­schen Tech­no­lo­gie und Kunst­be­trieb, zwi­schen Kom­ple­xi­tät und Ver­ein­fa­chung schwingt, erreicht erfah­rungs­ge­mäß alle 50 Jahre wie­der den Aus­gangs­punkt. In etwa die­sem Inter­vall befreit sich die Kunst immer wie­der von ihrer Über­in­dus­tria­li­sie­rung und Über­re­gle­men­tie­rung, die wir der­zeit im Wes­ten beob­ach­ten kön­nen. Allein der Umstand, wie viele junge Men­schen in Polen Bands grün­den oder ein klas­si­sches Instru­ment erler­nen, spricht für diese Unbe­schwert­heit, ein­fach zu machen, anstatt sich, wie im Wes­ten, vor Beginn jeder Unter­neh­mung zu fra­gen, ob es dafür über­haupt einen Markt gibt.

Tol­les Zitat. Den Quel­len­nach­weis wer­den Zim­pel Kusio­lek Tokar Kugel liefern.

 

» Frei­tag 11. Mai 20 Uhr
» Tickets für lächer­li­che 10 Euro hier
» oder an der Abendkasse

Artikel am 08. Mai 2012 um 17:15 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


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