„Menschen, Dinge, Strukturen und Tiere, die rumstanden, als das passierte, was wir gemeinhin als Zukunft betrachten …“ MegaFon ist ein studentisches Theaterfestival, das auf die großen Fragen große Antworten verweigert. Eine freie Szene, die diese Stadt in Szene setzt: „Wir breiten uns in der Stadt aus wie eine süße Utopie“, sagen sie über sich selber, „als Zeitzeug_ liefern wir quasi eine Möglichkeit an, wie Menschen in Zukunft miteinander leben können.“ Nämlich so: „Falls Dinge wie Herkunft und Sexualität und Geschlecht und Einstellungen thematisiert werden, wirken sie eher wie kleine Bereicherungen, die man als Anekdote erzählt, um die eigene erzählte Geschichte etwas bildhafter zu gestalten. Und ob man jetzt Trans, Gay, Lesbisch, Inter, Hetero, Homo, Queer, Not Sure, Whatever ist, ist egal, denn wir alle sind Zeitzeug_, die beobachten und reflektieren …“ - Die allerdings, indem sie ihre Gegenwart bezeugen, etwas tun, und zwar auch dann, wenn sie so tun, als wüssten sie, dass „unser Feind die Handlung (ist), die Tat“. Hier ihre komplette Tat, das MegaFon-Programm. - Upload_1: Hier die Kritik:
Raffaela vom megaFon-Team für megaFon 2012:
„Schlagzeug (AT), ein mittelguter Musikabend“ so lautet der Titel der Performance von Falk Rösler, Stephan Dorn und Nele Stuhler, Studierenden der Angewandten Theaterwissenschaft aus Gießen. ABER: Dieser Titel wird dem, was uns da heute geboten wurde wirklich nicht gerecht. In der Christuskirche erlebten die Zuschauer_innen ein Feuerwerk an musikalischem Können, gewandtem Wortwitz, Selbstironie und kluger Persiflage der Musikszene. So unpassend eine Kirche als Konzertsaal scheinen mag, für dieses Stück konnte es kaum eine bessere Location geben. Das Konzept, die Zuschauer_innen hinter die Bühne zu setzen und so die Perspektive der Auftretenden Künstler_innen einzunehmen ging voll und ganz auf. Mit viel Witz und verblüffenden Ideen — einem Schlagzeug aus Schrott, einem ausgehöhlten Fernseher, Sieb und Kronenkorken als Percussion-Instrument und einem T-Shirt als Maske, um nur einige zu nennen — gaben die Künstler_innen zwei alternde Musiker zum besten, die wehmütig auf ihre zwanzigjährige Karriere zurückblicken und dabei, wie eine hängen gebliebene Schallplatte, immer wieder ihren großen Hit referieren. Und dieser hat es wirklich in sich. Schon beim zweiten Mal summen vereinzelte Gäste mit, später stimmen viele in den eingängigen Refrain mit ein: „Du bist ein Haus, ein Dach aus Liebe. Und ich dein Mitbewohner. Und morgen zieh ich ein.“ Bereits beim Verlassen des Saals konnten viele nicht an sich halten und sangen ungehemmt. Ein echter Ohrwurm aus der eigenen Feder der drei Künstler_innen. Hut ab!
Besondere Lacher gab es auch beim ebenfalls selbst verfassten und komponierten Song „Bühnencharakter“, wo einige Gäste eine Persiflage auf Herbert Grönemeyer erkannt haben wollen — passend, kommt besagter Herr schließlich aus Bochum. Ebenfalls zu Gast in Bochum: Kurt Cobain in Form einer T-Shirt Maske, die, über den Kopf gezogen, richtig lebendig wirkte. Nach wirklich unterhaltsamen und lustigen knapp 60 Minuten gab es dann den sehr verdienten Applaus und begeisterte Pfiffe. Es war ein Schlagzeug, ja, aber alles andere als nur mittelgut.
Bleibt uns treu, bleibt dabei, lebt, atmet, schaut, fühlt Megafon!
Herzlichst,
eure Raffaela für megaFon 2012
Schon schön, dieses Pathos. Und irgendwie schön auch der Eindruck, dass eine Kirche als Konzertsaal „unpassend scheinen mag“: In diese Kirche, das zeigt sich in der Formulierung, treten andauernd Leute wie Columbus ans Land.

