Zeitzeug_ der Zukunft

MegaFon Theaterfestival | Freitag 15. Juni 17 Uhr + 20 Uhr

"Damit ihr seht, wie heimelig und fantastisch wir in unserem Festivalzentrum hausen": MegaFon breitet sich in der Stadt aus "wie eine süße Utopie"

Foto | fz

„Men­schen, Dinge, Struk­tu­ren und Tiere, die rum­stan­den, als das pas­sierte, was wir gemein­hin als Zukunft betrach­ten …“ Mega­Fon ist ein stu­den­ti­sches Thea­ter­fes­ti­val, das auf die gro­ßen Fra­gen große Ant­wor­ten ver­wei­gert. Eine freie Szene, die diese Stadt in Szene setzt: „Wir brei­ten uns in der Stadt aus wie eine süße Uto­pie“, sagen sie über sich sel­ber, „als Zeitzeug_ lie­fern wir quasi eine Mög­lich­keit an, wie Men­schen in Zukunft mit­ein­an­der leben kön­nen.“ Näm­lich so: „Falls Dinge wie Her­kunft und Sexua­li­tät und Geschlecht und Ein­stel­lun­gen the­ma­ti­siert wer­den, wir­ken sie eher wie kleine Berei­che­run­gen, die man als Anek­dote erzählt, um die eigene erzählte Geschichte etwas bild­haf­ter zu gestal­ten. Und ob man jetzt Trans, Gay, Les­bisch, Inter, Hetero, Homo, Queer, Not Sure, Wha­te­ver ist, ist egal, denn wir alle sind Zeitzeug_, die beob­ach­ten und reflek­tie­ren …“  -  Die aller­dings, indem sie ihre Gegen­wart bezeu­gen, etwas tun, und zwar auch dann, wenn sie so tun, als wüss­ten sie, dass „unser Feind die Hand­lung (ist), die Tat“. Hier ihre kom­plette Tat, das MegaFon-Programm.  -  Upload_1: Hier die Kritik:

Raf­faela vom megaFon-Team für mega­Fon 2012:

„Schlag­zeug (AT), ein mit­tel­gu­ter Musik­abend“ so lau­tet der Titel der Per­for­mance von Falk Rös­ler, Ste­phan Dorn und Nele Stuh­ler, Stu­die­ren­den der Ange­wand­ten Thea­ter­wis­sen­schaft aus Gie­ßen. ABER: Die­ser Titel wird dem, was uns da heute gebo­ten wurde wirk­lich nicht gerecht. In der Chris­tus­kir­che erleb­ten die Zuschauer_innen ein Feu­er­werk an musi­ka­li­schem Kön­nen, gewand­tem Wort­witz, Selbst­iro­nie und klu­ger Per­si­flage der Musik­szene. So unpas­send eine Kir­che als Kon­zert­saal schei­nen mag, für die­ses Stück konnte es kaum eine bes­sere Loca­tion geben. Das Kon­zept, die Zuschauer_innen hin­ter die Bühne zu set­zen und so die Per­spek­tive der Auf­tre­ten­den Künstler_innen ein­zu­neh­men ging voll und ganz auf. Mit viel Witz und ver­blüf­fen­den Ideen — einem Schlag­zeug aus Schrott, einem aus­ge­höhl­ten Fern­se­her, Sieb und Kro­nen­kor­ken als Percussion-Instrument und einem T-Shirt als Maske, um nur einige zu nen­nen — gaben die Künstler_innen zwei alternde Musi­ker zum bes­ten, die weh­mü­tig auf ihre zwan­zig­jäh­rige Kar­riere zurück­bli­cken und dabei, wie eine hän­gen geblie­bene Schall­platte, immer wie­der ihren gro­ßen Hit refe­rie­ren. Und die­ser hat es wirk­lich in sich. Schon beim zwei­ten Mal sum­men ver­ein­zelte Gäste mit, spä­ter stim­men viele in den ein­gän­gi­gen Refrain mit ein: „Du bist ein Haus, ein Dach aus Liebe. Und ich dein Mit­be­woh­ner. Und mor­gen zieh ich ein.“ Bereits beim Ver­las­sen des Saals konn­ten viele nicht an sich hal­ten und san­gen unge­hemmt. Ein ech­ter Ohr­wurm aus der eige­nen Feder der drei Künstler_innen. Hut ab!

Beson­dere Lacher gab es auch beim eben­falls selbst ver­fass­ten und kom­po­nier­ten Song „Büh­nen­cha­rak­ter“, wo einige Gäste eine Per­si­flage auf Her­bert Grö­ne­meyer erkannt haben wol­len — pas­send, kommt besag­ter Herr schließ­lich aus Bochum. Eben­falls zu Gast in Bochum: Kurt Cobain in Form einer T-Shirt Maske, die, über den Kopf gezo­gen, rich­tig leben­dig wirkte. Nach wirk­lich unter­halt­sa­men und lus­ti­gen knapp 60 Minu­ten gab es dann den sehr ver­dien­ten Applaus und begeis­terte Pfiffe. Es war ein Schlag­zeug, ja, aber alles andere als nur mittelgut.

Bleibt uns treu, bleibt dabei, lebt, atmet, schaut, fühlt Mega­fon!
Herz­lichst,
eure Raf­faela für mega­Fon 2012

Schon schön, die­ses Pathos. Und irgend­wie schön auch der Ein­druck, dass eine Kir­che als Kon­zert­saal „unpas­send schei­nen mag“: In diese Kir­che, das zeigt sich in der For­mu­lie­rung, tre­ten andau­ernd Leute wie Colum­bus ans Land.

Artikel am 14. Juni 2012 um 17:06 Uhr von Thomas Wessel veröffentlicht | Kategorie: Konzerte, Wort | Trackbacks sind nicht möglich, aber Sie könneneinen Kommentar verfassen..


Diesen Artikel kommentieren.

Ihre Email-Adresse wird niemals weitergegeben. Pflichtfelder sind mit * gekennzeichnet.

*
*