Antisemitismus

Der Ab- & Aufwiegler

Wolfgang Benz verurteilt Antisemitismus, indem er antisemitische Versatzstücke aufreiht

Demo in Berlin 2009 vor der Gedächtniskirche | (cc) by Dana Bondarenko and Sergey Gavrilov

Wolfgang Benz, bis 2012 Leiter des Zentrums für Antisemitismusforschung an der TU Berlin, wurde von der WAZ gefragt, wie er die antisemitischen Ausschreitungen der letzten Wochen  –  de Maizière sieht eine „rote Linie überschritten“, Kommentatoren fast aller Coleur eine Gefahr  –  wie Benz das sehe? „Darf man nicht überbewerten“, sagt er, das sei nur „Radau“ und Judenhass eine „konstante Größe in Deutschland. So klingt es also, wenn einer gelassen überschlägt, was die Statistik so alles abdeckt in diesem Land,  da bleibt manches im statistischen Mittel stecken. Benz:

„Man muss den Schrecken an die Wand malen, [das] glauben diejenigen, deren Aufgabe es ist zu warnen: Der Zentralrat der Juden, der israelische Botschafter, die Vorsteher der jüdischen Gemeinden. Sie […] haben Interessen zu vertreten.“

Das hat Benz tatsächlich gesagt, es klingt wie aus dem Lehrbuch des Antisemitismus geplaudert, Lektion 1: Die „Aufgabe zu warnen“ ist nicht etwa allen, sondern allen Juden gestellt gleich welcher Nation. Lektion 2: Juden haben ihre eigenen Interessen. Lektion 3: Wenn Juden warnen, sind es – O-Ton Benz – „Lobby-Gruppen“.

Kann man als Kunststück betrachten, wie er es schafft, Antisemitismus zu verurteilen, indem er Versatzstücke des Antisemitismus aneinander reiht. Dieses lüsterne Spiel mit dem, was er ein Berufsleben lang erforscht hat, dieses Andeuten und Mitmeinen von Stereotypen [“jüdische Lobby” usw.] zieht sich quer durchs Interview:

Als Politiker müsse man „lieb genug zu Netanjahu“ sein, „deutsche Politiker“ seien „felsenfest philosemitisch“ usw.  –  will ich hier nicht alle wiederholen, die Satz-Teile, die für sich genommen auch von einem Pastörs stammen könnten, aber von Benz eingestreut sind. Am Ende des Interviews dann diese Feststellung in aller feldherrlichen Generalität:

„Man muss feststellen, dass die Stimmung gegen Israel erodiert. Es wäre aber falsch, das als Antisemitismus zu bezeichnen.“

Es wäre auch falsch, Benz als Antisemiten zu bezeichnen.