Spieleröffnung

Nik Bärtsch's Mobile

2016-06 BLUE MARBLE 4x4 bes by NASA. Photo taken by either Harrison Schmitt or Ron Evans (of the Apollo 17 crew 1972)

The Blue Marble by NASA. Pho­to taken by eit­her Har­ri­son Schmitt or Ron Evans, Apol­lo 17 crew 1972

Sich vor­zu­stel­len, dass alles, was wir tun, vor­her­be­stimmt sei  —  die meis­ten den­ken, dies sei, wenn ande­re so den­ken, das Ende ihrer Frei­heit, ich den­ke, jetzt geht das Spiel erst los: Könn­te schließ­li­ch sein, dass der ande­re recht hat, weil er Recht bekom­men könn­te am Ende aller Tage, was weiß denn ich. Nik Bärtsch’s Musik funk­tio­niert so, sie eröff­net das Spiel. 

Und heißt ja nicht zufäl­lig Mobi­le, sei­ne Band: Das Mobi­le, das einer an der Decke schraubt wie einen Stern an den gestirn­ten Him­mel, ist der Kos­mos en minia­tu­re: Jedes sei­ner Tei­le  —  Modu­le, wür­de Bärts­ch sagen  —  folgt eige­nen Geset­zen, legt ein eige­nes Tem­po vor, zieht eige­ne Krei­se. Und dann  —  man ist dem einen oder einem ande­ren oder einem drit­ten Rhyth­mus gefolgt, einem vier­ten, Bärts­ch bie­tet eini­ge an  —  am Ende fin­det man sich und sei­nen Takt in einem Gan­zen wie­der. Präs­ta­bi­lier­te Har­mo­nie.

Ist ein biss­chen wie Gott spie­len, die­se Musik, aber eben spie­len. So tun, als kenn­te man das Ende, tun als ob. Kunst kann das, Reli­gi­on kann es, bei­de kön­nen es mal gut mal schlecht, Poli­tik kann das nicht. Poli­ti­sch gedacht ist Prä­des­ti­na­ti­on ein ande­res Wort für Ter­ror, aus „So Gott will“ wird „Gott will es so“.

Was natür­li­ch auch ohne Gott geht, dann ist es ein „bio­lo­gi­sches Gesetz“, das so will und nicht anders, oder eine „his­to­ri­sche Not­wen­dig­keit“ oder eine „kos­mi­sche Ord­nung“, alle ver­lan­gen sie irgend­was, meis­tens Opfer. Theo­lo­gi­sch gedacht, ver­langt Prä­des­ti­na­ti­on dage­gen nichts außer ein­zu­se­hen, dass kei­ner die Wahr­heit gepach­tet hat, sie gehört allen. Das klas­si­sche Les­sing–Zitat:

„Wenn Gott in sei­ner Rech­ten alle Wahr­heit und in sei­ner Lin­ken den ein­zi­gen immer regen Trieb nach Wahr­heit, obschon mit dem Zusat­ze, mich immer und ewig zu irren, ver­schlos­sen hiel­te und sprä­che zu mir: wäh­le! Ich fie­le ihm mit Demut in sei­ne Lin­ke und sag­te: Vater gib! die rei­ne Wahr­heit ist ja doch nur für dich allein!“

Nach­trag 2016-11-19: 

„Wenn man davon aus­geht, dass wir alle nicht die Hells­ten sind, muss man ein­an­der ern­st neh­men.“

Sibyl­le Berg auf Spie­gel Online

 


 

NIK BÄRTSCH’s MOBILE

» Frei­tag, 21. Okto­ber, 20 Uhr | Ein­lass 19 Uhr

» Tickets 20 Euro zzgl. Geb. im VVK | hal­ber Preis für alle bis 25 Jah­re

» Mehr Infos zum Kon­zert