Sein wie die Träumenden

Gregor Schwellenbach | urban urtyp #53 | 26. Februar 19 Uhr

Ayla Wessel, Kulturagentüer

urban urtyp Kubus, hier mit Mar­sen Jules & Band | © Ayla Wes­sel, Kul­tur­agen­tüer

Nach aller feu­da­len Aus­beu­tung, nach Man­ches­ter-Kapi­ta­lis­mus und Keynes, nach SPD und alle­dem und nach Schulz, wie wohl das „Reich der Frei­heit“ ein­mal aus­se­hen könn­te? Dar­über hat Karl Marx, der es her­bei zu den­ken such­te, nie nach­ge­dacht und das aus gutem Grund: Für ein Zusam­men­le­ben ohne Not und Zwang, ganz aus dem eige­nen Wil­len her­aus, für eine sol­che Gesell­schaft gilt das Bil­der­ver­bot: Sie lässt sich nicht malen, ohne sie zu machen. Ein ein­zi­ges Mal auf 10 m Buch­re­gal hat Marx aber denn doch mal leich­ter­hands skiz­ziert, wie wohl das Leben aus­se­hen könn­te der­mal­einst: Frei zu leben hie­ße, „heu­te dies, mor­gen jenes zu tun, mor­gens zu jagen, nach­mit­tags zu fischen, abends Vieh­zucht zu trei­ben, nach dem Essen zu kri­ti­sie­ren, wie ich gera­de Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kri­ti­ker zu wer­den“. Eine sehr schö­ne, sehr absur­de Visi­on, Vieh bspw will mor­gens gefüt­tert sein und nicht gejagt, wer aber tat­säch­lich so lebt, wie von Karl Marx erson­nen, ist Gre­gor Schwel­len­bach.

Mor­gens Pop, vor­mit­tags Stu­dio, mit­tags Film­mu­sik, nach­mit­tags Tech­no, dann eine Ein­heit fürs Fern­se­hen, abends Thea­ter, nachts Neue Musik, mor­gen ein ande­res Stu­dio, neu­er Pop, neu­er Tag und auch der wie­der ganz so, als leb­te er tat­säch­lich im Reich der Frei­heit, im Zustand der Erlös­ten, dem Kom­mu­nis­mus. Stu­diert hat er Klas­sik, klas­si­sches Kom­po­si­ti­ons­hand­werk.

Aber, und des­halb der Ver­gleich, er ver­wei­gert sich der Arbeits­tei­lung, die im Kul­tur­hand­werk gilt wie frü­her in der Stän­de-Ord­nung. Er ist nicht  —  wie­der O-Ton Marx  —  „Jäger, Fischer oder Hirt oder kri­ti­scher Kri­ti­ker und muß es blei­ben“, son­dern er ist, was man einen Grenz­gän­ger nennt. Für Grenz­gän­ge­rei­en braucht es ein Grenz­ge­biet, einen Raum, der sich zwi­schen den Hoheits­ge­bie­ten spannt, zwi­schen der Klas­sik hier und dem Bou­le­vard dort, zwi­schen Staats­kul­tur und Off-Kul­tur, zwi­schen U- und E-Kul­tur usw., es braucht einen Raum, der es ermög­licht, schon mal zu sein, was nicht ist. Es ist, war­um es die Chris­tus­kir­che gibt, ihre Kan­zel ist die von Gre­gor, und des­sen Kan­zel wird der Kubus sein, er spielt in der urban urtyp-Trans­pa­renz.

 


 

GREGOR SCHWELLENBACH | urban urtyp #53

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