Raum, Zeit, Passion

Stadtkantorei, Bochumer Symphoniker | 14. April

Kreuze4 (4) kl

© Theo Ober­heit­mann

Hat Musik Bedeu­tung? Lässt sie sich immer und über­all spie­len? Oder gewinnt sie ihre Bedeu­tung dadurch, dass sie zu einer bestimm­ten Zeit an einem bestimm­ten Ort erklingt? Wir spie­len die Mat­thä­us­pas­si­on am Kar­frei­tag an einem Ort, der dem Got­tes­dienst gewid­met ist. Es ist ein Werk von immen­ser Grö­ße, von tie­fer Trau­er und betö­ren­der Schön­heit. Ein Werk, das den Juden Jesus erin­nert und Jesu Geg­ner als „die Juden“ mar­kiert. Und sie ver­leum­det. Ein Werk, an des­sen Ende, wer es nach­er­lebt hat, nicht applau­die­ren mag, son­dern in der Welt sein wird wie der Chor, er setzt sich mit Trä­nen nie­der.  //  Zum Kar­frei­tags­kon­zert //

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Mit Reli­gi­on habe er nicht viel zu tun, sagt Theo Ober­heit­mann von sich sel­ber, er hat aber  —  wie der römi­sche Haupt­mann im Mar­kus-Evan­ge­li­um  —  den Bli­ck fürs Kreuz:

„Über­all auf den Fried­hö­fen der Bre­ta­gne und Nor­man­die ent­de­cke ich Kru­zi­fi­xe in den unter­schied­lichs­ten Sta­di­en des Zer­falls, lie­be­voll auf dem Grab plat­ziert und deko­riert.“

Die Bil­der, die er davon macht, set­zen die Iko­no­gra­phie der Lei­den Jesu fort, trau­rig und schön und anstö­ßig wie Blas­phe­mie. Wie das Kreuz, das skan­da­lon:

Ein feh­len­der Kopf wird durch Blu­men ersetzt. Wenn die Schrau­ben für die Befes­ti­gung durch­ge­ros­tet sind, wird der Cor­pus mit Draht befes­tigt. Mich inter­es­siert das Eins­wer­den mit dem Unter­grund, der ste­ti­ge Ver­fall durch Kor­ro­si­on, das Über­wu­chern mit Pflan­zen bis zur fast tota­len Auf­lö­sung von Kreuz und Cor­pus.

Und dann … ein paar fri­sche Blu­men, man muss sie suchen, sie sind da. Als stem­me die Trau­er sich gegen den Ver­fall, gegen das Ver­schwin­den, als hal­te sie die Auf­lö­sung auf. Trau­er beharrt dar­auf, dass es eine Erin­ne­rung gibt und eine Wirk­lich­keit, die erin­nert und dass die Trau­er so wirk­li­ch ist wie die Blu­men auf dem Grab. Wenn irgend­was auf der Welt, das der Behaup­tung, wir sei­en ins post-fak­ti­sche Zeit­al­ter ein­ge­tre­ten, wenn irgend etwas dem ent­ge­gen steht, dann die Trau­er um einen gelieb­ten Men­schen.