„Tako je govoril Zaratustra“

Über Laibach, Nietzsche und den perfekten Ort | Live am 22. November

Lai­bach: „Also sprach Zara­thus­tra“, erschie­nen bei Mute ©

Von HONKE RAMBOW  ||  Drei Jah­re nach „Spect­re“ haben Lai­bach ein neu­es Album ver­öf­fent­licht. Dafür, dass Mas­ter­mind Ivan Nowak bereits 2011 sag­te, die Slo­we­nen hät­ten Kon­zep­te für fünf Alben in der Schub­la­de, ist das eine lan­ge Zeit. Aller­dings muss die Pro­duk­ti­on auch erst mal finan­ziert wer­den, und so tour­ten Lai­bach nahe­zu unun­ter­bro­chen mit unter­schied­li­chen Pro­gram­men, mit „Revi­si­ted“, „Spect­re“ und zuletzt mit „Sound Of Music“, rea­li­sier­ten ihren Auf­se­hen erre­gen­den Auf­tritt in Nord­ko­rea nebst Doku­men­tar­film und schu­fen Sound­tracks für Thea­ter­pro­duk­tio­nen ua für Sebas­ti­an Baum­gar­ten und Milo Rau. Auch das jetzt erschie­ne­ne Album „Also sprach Zara­thus­tra“ war zunächst ein Thea­ter­sound­track:

Die Pro­duk­ti­on hieß im Ori­gi­nal „Tako je govo­r­il Zara­tus­tra“, wur­de vom Anton Pod­be­všek Tea­ter in Novo Mes­to pro­du­ziert und von Mat­jaž Ber­ger insze­niert. Die Auf­füh­rung fand aller­dings nicht im Stamm­sitz des Thea­ters statt, son­dern in Kos­tan­je­vi­ca na Krki in einer ehe­mail­gen Klos­ter­kir­che, die heu­te Teil eines beein­dru­cken­den Muse­ums ist.

So mutig es auch sein mag, den gro­ßen phi­lo­so­phi­schen Roman Fried­rich Nitz­sches auf die Büh­ne brin­gen zu wol­len und so ein­drucks­voll auch die Kulis­se der Klos­ter­kir­che war, die Insze­nie­rung zeig­te letzt­lich, dass das slo­we­ni­sche Thea­ter gut 25 Jah­re hin­ter aktu­el­len Ent­wick­lun­gen in Deutsch­land hin­ter­her­hinkt. Lack, Leder und Strap­sen schei­nen dort immer noch als pro­vo­kant ange­se­hen zu wer­den, dazu kommt ein deut­li­cher Hang zum leicht mani­rier­ten Sym­bo­lis­mus, der sich hier auch in der Mit­wir­kung eines Stab­hoch­sprin­gers und einer Fla­men­co­tän­ze­rin äußer­te.

Das bes­te an der Insze­nie­rung war zwei­fel­los der Sound­track, den Lai­bach erstellt hat­ten und Sän­ger Milan Fras, der genau das live von der Empo­re her­ab tat, was er am bes­ten kann: ver­kün­den.

„Tat, was er am bes­ten kann“: Milan Fras 2016 in der Chris­tus­kir­che | Foto Sabi­ne Mich­a­lak

Dass Lai­bach aus­ge­rech­net die­sen Sound­track als eige­nes Album ver­öf­fent­li­chen mag zunächst über­ra­schen, denn „Also sprach Zara­thus­tra“ ent­hält aus­schließ­lich düs­te­ren Ambi­ent und kein ein­zi­ges Stück, das wirk­lich Sin­gle-Poten­zi­al hat. Für Sebas­ti­an Baum­gar­tens Düs­sel­dor­fer Insze­nie­rung von „Die Macht der Fins­ter­nis“ hat­ten sie einen ähn­lich dich­ten Score ent­wi­ckelt, der aber auch noch den Kra­cher „See That My Gra­ve Is Kept Clean“ ent­hielt, zu dem sogar ein Video aus der Insze­nie­rung exis­tier­te.

Aber die Zusam­men­kunft von Nietz­sche und Lai­bach ist so nahe­lie­gend, dass es wohl jetzt ein­fach an der Zeit war. So wur­de das aktu­el­le von der Musik­pres­se auch schon als „Magnum Opus“ gefei­ert und ist gewiss ein Mei­len­stein für all jene Lai­bach­ge­treu­en, denen „Spect­re“ zu pop­pig war. „Also sprach Zara­thus­tra“ ist die Rück­kehr zu einem Lai­bach-Sound, der zwar nie ganz weg war, aber zuletzt nur noch als Orna­ment exis­tier­te  –  es ist rei­ner Indus­tri­al, wenn auch ohne bra­chia­le Aus­brü­che.

Ande­rer­seits hält das Album jedoch wenig Irri­ta­ti­on bereit. Bereits bei „Spect­re“ kri­ti­sier­ten Alt­fans die all­zu direk­ten poli­ti­schen Aus­sa­gen und über­sa­hen dabei, dass die Iden­ti­fi­ka­ti­on von Lai­bach mit den Borg in „Resis­tan­ce Is Futi­le“ oder der Text von „Koran“ nicht ohne Fall­stri­cke ist. Auf „Also sprach Zara­thus­tra“ stam­men alle Tex­te direkt von Nietz­sche und wer­den von Fras im ori­gi­na­len Deutsch geraunt. Dem Lai­bach-Ide­en­raum wird dadurch nicht son­der­lich Neu­es hin­zu­ge­fügt. So gese­hen könn­te es auch als ein Sei­ten­pro­jekt bezeich­net wer­den, das ande­rer­seits eine Tra­di­ti­on der Slo­we­nen fort­setzt, die mit „Krst pod Tri­g­la­vom“, der Musik zum legen­dä­ren eige­nen Musik­thea­ter­pro­jekt, begann und sich über die Sound­tracks zu „Mac­beth“ in der Insze­nie­rung von Peter Zadek und „Iron Sky“ fort­setz­te.

Offen ist der­zeit, wie die durch­ge­hend ruhi­gen Stü­cke des Albums in einem Kon­zert umge­setzt wer­den kön­nen. Mög­li­cher­wei­se inte­grie­ren Lai­bach sie in ein Pro­gramm mit älte­ren Songs. Span­nen­der wäre aller­dings — und das ist nicht unwahr­schein­lich — wenn sie eine ganz eige­ne Prä­sen­ta­ti­on aus Musik und Video ent­wi­ckelt haben, die aus­schließ­lich das Mate­ri­al von „Also sprach Zara­thus­tra“ ver­wen­det. In jedem Fall ist die Chris­tus­kir­che dafür der per­fek­te Ort.

Hon­ke Ram­bow


LAIBACH | Also sprach Zara­thus­tra

» Mitt­woch 22. Novem­ber 2017 | 20 Uhr | Ein­lass 19 Uhr |  Infos zum Kon­zert hier
» ab 36,20 €
» Tickets hier bei uns und in allen bes­se­ren VVK-Stel­len

HONKE RAMBOW | Über Lai­bach 

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