Glocken läuten zu 9/11: Terror ächten!

11. September 14:46 - 15:03 Uhr

9/11, 14:46 Uhr auf dem Platz des europäischen Versprechens | Foto | Ayla Wessel, Kulturagentüer 2014 (c)

Die Glocken der Christuskirche läuten nur einmal im Jahr, immer am 11. September von 14:46 h bis 15:03 h. Sie erinnern daran, dass es an diesem Tag vor 16 Jahren etwas gegeben hat, das es nie zuvor gegeben hat: ein weltweites Mitfühlen und Mitleiden, ein Empfinden, das alle Menschen, die ein Herz in sich tragen, miteinander verband, wo immer sie auf dem Erdball leben. Als hätte die Menschheit für einen kurzen Moment die Augen aufgeschlagen. In allem Entsetzen war dies ein Moment von großer Schönheit, er ging vorüber.

Dass Menschen weltweit Solidarität miteinander empfinden  —  und dass dieses Gefühl weder gepredigt noch eingefordert, sondern einfach empfunden wird, als hätte man es empfangen  —  diese Erfahrung hat sich wieder verflüchtigt. Die Vereinten Nationen haben weit über 150 Internationale Gedenktage und -wochen und –jahre und –dekaden anberaumt  —  ein Tag, um der Opfer des Terrors weltweit zu gedenken, ist nicht darunter.

Und doch müsste es einen Tag geben und mehr als das: eine solidarische Bewegung, um Terror weltweit zu ächten. Ihn polizeilich und militärisch zu bekämpfen, ist nötig, aber, so Matthias Küntzel auf welt.de, alle diese Maßnahmen greifen zu kurz, 

„solange dies eine nicht gelingt: die Kriegsform des Selbstmordattentats als ein Verbrechen gegen die Menschheit so zu ächten, wie man einst den Einsatz der ABC-Waffen geächtet hat.“

Ächten bedeutet: etwas tun. Den Terror nicht nur maximal ignorieren und ihn vergleichgültigen, als sei er für die offene Gesellschaft das, was ein Regenschauer für den Sommerurlaub ist. Ächten heißt:

„Wir verweigern dem Terror jede Rechtfertigung, jede Solidarität, jede Unterstützung.“

Ein paar Tausend Bürger dieser Stadt haben das seit Ende 2015 erklärt, die BOCHUMER ERKLÄRUNG beginnt mit einem kategorischen Satz:

 „Terror und Demokratie schließen sich gegenseitig aus.“

Deshalb läuten die Glocken der Christuskirche an jedem 11. September, dem Jahrestag der Terror-Attacken auf New York. Sie erinnern an die Opfer des Terrors weltweit und daran, dass kein Gott ist, der Menschenopfer verlangt. Vor 16 Jahren sind in eben diesen Minuten  —  14:46 und 15:03  —  zwei von Terroristen entführte Flugzeuge in die Türme des World Trade Centers gelenkt worden. Der Terror-Pilot eines vierten entführten Flugzeugs, Ziad Jarrah, war Bochumer, er allein hat 40 Menschen ermordet, sie starben auf dem Feld in Shanksville/Pennsylvania. Die Glocken der Christuskirche werden nur einmal im Jahr geläutet zeitgleich mit den Glocken vieler Kirchen in New York.


» Hier die BOCHUMER ERKLÄRUNG: Wir ächten den Terror!


» Eine weitere Aufnahme des Geläuts [Ton und Bild] hier. Die 5 Glocken, 1959 im Bochumer Verein gegossen, sind mit 6,2 Tonnen Gesamtgewicht zu schwer für den seit dem Weltkrieg freistehenden Turm. Das volle Geläut gilt unter Insidern als eines der wenigen wohlklingenden Stahlgeläute.

» Hier geht es zur auch transatlantischen Geschichte der Christuskirche