Eine der besten Konzertreihen bundesweit: urban urtyp

APPLAUS-Preis 2017 der Bundesbeauftragten für Kultur

urban urtyp, das Logo. Made by Dirk Link und Marc Eden | Foto by Ayla Wes­sel Kul­tur­agen­tüer

Die Indie-Rei­he der Chris­tus­kir­che Bochum wird mit dem „APPLAUS“ geehrt, den Preis ver­gibt wer? Die Bun­des­re­gie­rung. An wen? Ein Inten­dan­ten-Kol­lek­tiv, es ist frei­schaf­fend.  //  Zum fünf­ten Mal wird am Mitt­woch der „APPLAUS“ benann­te „Preis für die Pro­gramm­pla­nung unab­hän­gi­ger Spiel­stät­ten“ ver­lie­hen. Die Beto­nung liegt auf „unab­hän­gig“: Geprie­sen wird, wer kei­ne staat­li­che För­de­rung erhält. Wie die Beauf­trag­te der Bun­des­re­gie­rung für Kul­tur, Staats­mi­nis­te­rin Moni­ka Grüt­ters bei der Bekannt­ga­be der Preis­trä­ger erklär­te, sei­en es „die vie­len klei­ne­ren Clubs im gan­zen Land, denen es gelingt, das Publi­kum mit ihren Live­mu­sik-Pro­gram­men zu begeis­tern und dabei jun­gen, noch unbe­kann­ten Musi­ke­rin­nen und Musi­kern eine Büh­ne zu bie­ten. Mit dem APPLAUS wol­len wir die­ses wich­ti­ge kul­tu­rel­le Enga­ge­ment hono­rie­ren und wei­te­re Anrei­ze geben, in musi­ka­li­sche Pro­gram­me zu inves­tie­ren.“

Staats­mi­nis­te­rin Grüt­ters ver­leiht die Applaus-Prei­se heu­te, 25. Okto­ber, in Dres­den. Die Aus­zeich­nung ist in ver­schie­de­ne Kate­go­ri­en unter­teilt, urban urtyp wur­de in der Spar­te „Kon­zert­rei­he und Clubs“ nomi­niert und wird jetzt als einer von 31 Clubs bun­des­weit als „kul­tu­rell her­aus­ra­gen­des Live­mu­sik­pro­gramm“ aus­ge­zeich­net:

„qua­li­ta­tiv anspruchs­voll, trend­set­zend und krea­tiv“.

Gewür­digt wird damit zugleich ein neu­es For­mat für Live-Musik:

„urban urtyp ist Jazz und Post, Elek­tro und Spra­che, Klas­sik und Mini­ma­lism, Ambi­ent und Pop und mehr. Die bes­te Musik ist die, die man nicht kennt. Ein­mal im Monat immer sonn­tags, immer 19 Uhr, immer 10 Euro, immer anders: Je ver­läss­li­cher das For­mat, umso mehr Spiel­raum fürs Pro­gramm.“

Der Clou dabei: Die­ses fes­te For­mat, das den Spiel­raum ver­läss­lich wei­tet, ist sel­ber ein offe­nes Kunst­werk. Die „Aus­zeich­nungs­wür­dig­keit“ der Rei­he erklärt die Applaus-Jury jeden­falls so:

„Kein Inten­dant und kein künst­le­ri­scher Lei­ter, es gibt kei­nen Boo­ker. Was es gibt: ein Kol­lek­tiv, in dem jede/r Boo­ker ist und Inten­dant und künst­le­ri­scher Lei­ter. Eine rei­ne Asso­zia­ti­on, das Team hat kei­ne Struk­tur, es ist kein Ver­ein, es gibt kei­ne Regeln, wer dazu kommt, kommt dazu, ent­schei­det mit, arbei­tet mit. So erst ent­steht die künst­le­ri­sche Gestal­tung des Pro­gramms, sie ist unab­hän­gig, frei­schaf­fend, asso­zia­tiv.“

Den insti­tu­tio­nel­len Rah­men für die­ses For­mat stellt die Chris­tus­kir­che Bochum. Die evan­ge­li­sche „Kir­che der Kul­tu­ren“ hat die nöti­ge Anschub-Finan­zie­rung geleis­tet, sichert Risi­ken ab, ist Rechts­form wo nötig. Und: Sie stellt den Raum, eine archi­tek­to­ni­sche Iko­ne, die für jedes urban urtyp-Kon­zert kon­ge­ni­al in Sze­ne gesetzt wird.

Damit ist urban urtyp, um das For­mat auf eine For­mel zu brin­gen, ein Gegen­über zur Staats­kul­tur  —  und wird zugleich von eben die­sem Staat, der Bun­des­re­gie­rung, gewür­digt: Der Applaus-Preis ist ein kul­tur­po­li­ti­scher Preis, es geht ihm expli­zit dar­um,

„die kul­tu­rel­le Rele­vanz die­ser weit­ge­hend unab­hän­gi­gen Musik­clubs auch in der kom­mu­na­len und föde­ra­len Wahr­neh­mung stär­ker zu ver­deut­li­chen“.

Ein in der Tat fäl­li­ger Effekt auch in Bochum: Vor acht Jah­ren gestar­tet, ist urban urtyp nie im Kul­tur­haus­halt der Stadt auf­ge­taucht  —  und der Kul­tur­de­zer­nent der Stadt nie bei einem der bald 60 urban urtyp-Kon­zer­te. Das „kul­tu­rell her­aus­ra­gen­de Live­mu­sik-Pro­gramm“, bun­des­weit geach­tet, ver­dankt sich bür­ger­schaft­li­chem Enga­ge­ment. [„Hin­weis für Leu­te mit För­der­mit­tel-Sen­si­ti­vi­tät“, heißt es in jedem News­let­ter unse­rer Rei­he: „urban urtyp ist för­der­mit­tel­frei.“]

Und das ist kul­tur­po­li­tisch gese­hen denn doch ein Phä­no­men: Die Ver­läss­lich­keit, die urban urtyp über bald 60 Kon­zer­te hin­weg bie­tet, stellt kei­nen ein­zi­gen Euro in Fra­ge, den Bund, Län­der und Kom­mu­nen für Kul­tur auf­wen­den, wohl aber die Regel-För­de­rung, das Betriebs­den­ken der Staats­kul­tur: Es geht in der Tat auch ohne Staat, es könn­te gehen. Dafür einen „Applaus“.


Fol­gen­de Kri­te­ri­en waren für die Aus­wahl der Fach­ju­ry ent­schei­dend:

» qua­li­ta­tiv anspruchs­vol­le, trend­set­zen­de und krea­ti­ve Pro­gramm­kon­zep­ti­on und –rea­li­sa­ti­on
» ange­mes­se­ne Kon­di­tio­nen für die aus­üben­den Künst­le­rin­nen und Künst­ler
» hoher Anteil loka­ler Bands und/oder Nachwuchskünstler/-innen
» erkenn­ba­re Pro­gram­ma­tik
» expe­ri­men­tel­le, inno­va­ti­ve Pro­gramm­aus­wahl
» kul­tu­rell und kon­zep­tio­nell ambi­tio­nier­tes Pro­gramm

Das nächs­te urban urtyp-Kon­zert:

» Jeff Cas­ca­ro & Band: Love & Blues in the City 

Mehr zum APPLAUS und der Initia­ti­ve Musik:

» www.initiative-musik.de/applaus2017_presse