„So wild hasst man sich nur in der Familie“

"Universal Soldier" | Donovan live am 7.3.

Dono­van: Cover von Gift_From_A_Flower_To_A_Garden, Box­set 1968, Karl Fer­ris (cc)

„He’s the Uni­ver­sal Sol­dier and he real­ly is to bla­me / His orders come from far away no more / They come from here and the­re and you and me / And bro­thers can’t you see / This is not the way we put the end to war.“ Dono­van hat schon damals, als Ver­schwö­rungs­theo­ri­en eher von links kamen als von rechts, den Ball zurück gespielt in die Demo­kra­tie: Der Uni­ver­sal Sol­dier, eben noch von Cäsar und Hit­ler befeh­ligt, erhält sei­ne Auf­trä­ge inzwi­schen von you and me. Und das macht die Sache womög­lich schlim­mer: „Ein Krieg zwi­schen Pazi­fis­ten“, hat­te Max Scheler 1917 bemerkt, als der I. WK tob­te, „er wäre der Idee nach der unrit­ter­lichs­te, furcht­bars­te, der hass­erfüll­tes­te und grau­sams­te Krieg, der sich den­ken lässt.“ War­um? Weil der Hass der ein­zi­ge Antrieb ist, der einen dazu bringt, bei­des zu ver­ra­ten, die eige­ne Über­zeu­gung und das eige­ne Inter­es­se. Der Gedan­ke von Scheler  —  sei­ne Schrift ins­ge­samt ist ent­schie­den pro­ble­ma­tisch, „Ursa­chen des Deut­schen­has­ses“ heißt sie  —  die­ser Gedan­ke dar­in irri­tiert noch heu­te: „Das unge­heu­re Hass­quan­tum, mit dem Ter­ror und Krieg gela­den sind, ist ein Zei­chen von zwei­er­lei: wie eng die­se Welt schon zusam­men­ge­wach­sen ist und wie unkrie­ge­risch der fort­schrei­ten­de Kapi­ta­lis­mus die Men­schen gemacht hat. So wild hasst man sich nur in der Fami­lie.“

Im Zusam­men­hang lau­tet der Abschnitt:

Ein Krieg zwi­schen Pazi­fis­ten  —  er wäre der Idee nach der unrit­ter­lichs­te, furcht­bars­te, der hass­erfüll­tes­te und grau­sams­te Krieg, der sich den­ken lässt. […] Der gegen­wär­ti­ge Krieg ist dar­um der furcht­bars­te und unsitt­lichs­te Krieg, den die Geschich­te kennt, da er im gro­ßen gan­zen gese­hen ein Krieg der stark pazi­fi­zier­ten, unkrie­ge­ri­schen und hoch­ka­pi­ta­li­sier­ten Völ­ker Euro­pas ist  —  ein Krieg der Völ­ker selbst, nicht nur ihrer Hee­re, Dynas­ti­en und Regie­run­gen -, nicht auch ein Krieg vor­wie­gen­der Stan­des­hee­re, son­dern vor­wie­gen­der inner­lich demo­kra­ti­sier­ter Volks­hee­re.

Je krie­ge­ri­scher das Ethos irgend­wel­cher Grup­pen, des­to weni­ger bedür­fen die­se Grup­pen des Has­ses als Antrieb, um sich im Krie­ge gut zu schla­gen. Den typi­schen Bour­geois kann man daher fast defi­nie­ren als einen Mann, der has­sen muss, um Krieg zu füh­ren. Das unge­heu­re Hass­quan­tum, mit dem die­ser Krieg gela­den ist, ist ein Zei­chen von zwei­er­lei: wie eng die Tei­le Euro­pas schon zusam­men­ge­wach­sen waren und wie unkrie­ge­risch der fort­schrei­ten­de Kapi­ta­lis­mus und der Mate­ria­lis­mus der Lebens­füh­rung den typi­schen Durch­schnitt­s­eu­ro­pä­er gemacht haben. So wild hasst man sich nur in der Fami­lie.

[…] so para­dox es klin­gen mag: gera­de die über­wie­gend pazi­fi­sche Ein­stel­lung der euro­päi­schen Völ­ker vor dem Krieg samt der Ideo­lo­gie die­ser Ein­stel­lung ist (…) die Haupt­ur­sa­che dafür, dass der Völ­ker­hass in die­sem Krie­ge so sehr viel grö­ßer ist als bei ande­ren Krie­gen der Geschich­te.

Max Scheler, Die Ursa­chen des Deut­schen­has­ses. Eine natio­nal­päd­ago­gi­sche Erör­te­rung; Leip­zig 1917


DONOVAN | THE SONG OF THE SEA

» Mitt­woch 07. März 2018 | 20 Uhr
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