Im Januar 2010 wurde bei Bauarbeiten in Berlin ein Kunstwerk aus der Erde geborgen, ein Bronzeguss des Bildhauers Edwin Scharff. Das Bildnis zeigt die Schauspielerin Anni Mewes, die Nazis hatten es 1937 als „entartet“ beschlagnahmt. Zehn weitere Kunstwerke waren Jahrzehnte lang im Herzen der Stadt verborgen, dann gab die Erde sie preis, als sei es an der Zeit, das zu beglaubigen, was Paul Klee behauptet hat: dass Kunst nicht wiedergibt, was sichtbar ist, sondern dass Kunst sichtbar macht. Sichtbar wird, dass sich die Erde eines Tages öffnet und Massengräber offenbart. Allein in der Ukraine sind es Tausende, die sich auftun in dieser Zeit, oft zufällig bei Bauarbeiten entdeckt. Im Akkord hatten die Nazis gemordet und Hunderttausende ihrer Opfer in der Erde verscharrt, nur von den Wenigsten kennen wir die Namen. Am 26. Januar, dem Vorabend des Tages, an dem Auschwitz befreit worden ist, verliest die Jüdische Gemeinde Bochum die Namen derer, die aus Bochum und Wattenscheid deportiert worden sind, um ermordet zu werden.
Debatte
„Bitte sprechen Sie über Demokratie!“
Shirin Ebadi, Iran-Freedom, Amnesty | 18. Dezember 17:30 Uhr
„Die nächste Person, die getötet werden soll, ist Shirin Ebadi.“ Vor elf Jahren stieß die Teheraner Juristin auf diesen Satz, als sie in Regierungsakten wegen Dutzender Regierungsmorde recherchierte. Drei Jahre später wurde Shirin Ebadi in Oslo mit dem Friedensnobelpreis geehrt, sie reichte ihn weiter an alle Iranerinnen und Iraner, die für Demokratie und Menschenrechte kämpfen, für politische, sexuelle, religiöse Freiheit. „Die Grüne Bewegung“, so Ebadi, „ist eine demokratische, also keine ideologische Bewegung. Sie vereint Menschen mit unterschiedlichen Auffassungen und Neigungen.“ Im Kampf für Demokratie und Menschenrechte sei „jeder für sich selbst ein Held oder eine Heldin“.
Thron kann jeder
Hans-Ehrenberg-Preis für Antje Vollmer | 22. Nov. 19 Uhr
Wenn Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln ist, ist Demokratie die Fortsetzung des Krieges mit ohne Waffen. Das gilt auch dann, wenn Parteien mehr Vorsitzende als Meinungen haben, die Parteien-Landschaft übersichtlich ist und Politik die Fortsetzung von Günther Jauch mit ohne Joker. In dieser Fernbedienungslandschaft gibt es Bereiche, in die zu gehen sich niemand traut. Brachgelände der Demokratie, in denen die Regeln nicht so klar sind wie beim Sport und keine Strafräume markiert. Wer da hinein geht, kriegt beste Wünsche mit auf seinen Weg und, wenn sich ein Weg heraus stellt, von allen Seiten auf die Mütze. Darum würdigen wir, wie Antje Vollmer Politik versteht und demokratische Arbeit.
Antje Vollmer, Margot Käßmann
Hans-Ehrenberg-Preis 2011 | Dienstag 22. November 19 Uhr
Die Publizistin und langjährige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages, Dr. Antje Vollmer, erhält den Hans-Ehrenberg-Preis 2011. Der protestantische Preis wird der Theologin in Form eines öffentlichen Gesprächs zwischen ihr und Margot Käßmann verliehen. Thema: „Gott & die Politik“. Moderation: Reinhard Mawick, Pressesprecher der EKD. Mit Vollmer werde ein politisches Denken gewürdigt, das „in scheinbar ausweglosen gesellschaftlichen Konflikten“ Verständigungsprozesse einleiten könne, heißt es in der Begründung der Findungskommission. Voraussetzung dafür sei Vollmers politische Sensibilität, „mit der sie geschehenes Unrecht wahrnimmt und es, ohne es zu beschönigen, zu besänftigen sucht“. // Festakt und Diskussion sind öffentlich, der Zugang frei.
14:46 / 15:03
Gedenken an die Opfer des Terrors | 11. September 2011
Die Glocken der Christuskirche läuten nur einmal im Jahr. Sie läuten am 11. September, um an die Opfer des Terrors zu erinnern und daran, dass kein Gott ist, der Opfer verlangt. // Update_1 Hören und Sehen
„Tötet …“ wen auch immer
Das Attentat in Norwegen und wir | Juli 2011
Erst der Gedanke und dann die Tat. So geht die Logik von Leuten, die planen. Planen beruhigt, es bedeutet, man könne die Nicht-Tat planen. Man müsse nur den Gedanken isolieren, ihn widerlegen oder wegsperren, das verhindere die Tat. Nach dem Attentat von Oslo hat diese Art Ideologiekritik Konjunktur und hat sie deshalb, weil sie ihre eigene Präambel vergessen hat: Ideologie dient nicht dazu, eine Tat zu erzeugen, sondern sie zu erklären. Um seine Tat zu erklären, hat der Killer von Oslo 1500 Seiten gebraucht. Gibt es einen Zusammenhang zwischen dem, was er schrieb und dem, was er tat? Wenn jemand sagt, er hasse den Islam und richtet norwegische Sozialdemokraten hin?
Und hier sind wir, die Deutschen
Das Bild, die Ruhr, der Adel
„Eine meiner Urgroßmütter scheint vom Ausland gekommen zu sein.“ Carl Zuckmayer hat das Problem beschrieben, das na so was aber auch entsteht, wenn man die Deutschen erkennen will. Noch dazu im Ruhrgebiet, in dieser „großen Völkermühle“. Hier ist doch, mit Zuckmayer gesprochen, alles deutsch, was „gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt hat“. Halb Europa ist ins Revier gekommen, die andere Hälfte nachgezogen und haben sich hier vermischt wie Ruhr und Rhein. Herausgekommen sind dabei die Deutschen von Ayla bis Zylinski. „Das“, so Zuckmayer, „ist natürlicher Adel. Das ist Rasse, seien Sie stolz darauf.“
Sind wir. Und sehen so aus [Idee und Fotos von Ayla Wessel | KULTURAGENTüER]:
„Tötet die Deutschen“
Deuten und Deutungshoheit | Juli 2011
Multikulturelles Stammesbewusstsein
Juli 2011 | Fassade der Christuskirche beschmiert
„Wir stellen bei den Gewalttätern seit einiger Zeit eine unverblümte Deutschenfeindlichkeit fest.“ Der Satz ist bald fünf Jahre alt, er stammt aus einem Interview, das Kirsten Heisig, Berliner Jugendrichterin, zusammen mit ihrem Kollegen Günter Räcke dem TAGESSPIEGEL gegeben hatten: „Scheiß-Christ, Schweinefleisch-Fresser – das sind Begriffe, die richtig in Mode sind.“ Ist der Satz Tötet die Deutschen, vor kurzem auf die Außenmauer der Christuskirche geschmiert, deutschenfeindlich? Ist das Rassismus?
„Die Öko-Nummer natürlich“
Heute vor 30 Jahren: das 'Heidelberger Manifest'
Wenn es die Ausländer nicht gäbe - das war ja lange Jahre das dümmste Argument dafür, dass es sie geben soll - würde niemand mehr den Müll abholen. Also kann, solange es sie gibt, Müll produziert werden und wird es auch: Von Sarrazins Buch beispielsweise leben alle gut, die Sarrazins, ihre Kritiker und die Müllmanner. „Deutschland schafft sich ab“ schafft gute Jobs und recycelte Debatten: Heute auf den Tag genau vor 30 Jahren - am 17. Juni 1981 - wurde das „Heidelberger Manifest“ verfasst, 15 hochkarätige Wissenschaftler unterschrieben Sätze wie diesen: „Völker sind (biologisch und kybernetisch) lebende Systeme höherer Ordnung mit voneinander verschiedenen Systemeigenschaften, die genetisch und durch Traditionen weitergegeben werden.“








!["Tötet die Deutschen": Europatag auf dem Platz des europäischen Versprechens. Im Hintergrund [nicht sichtbar] die Außenwand der Christuskirche, auf der jetzt "Tötet die Deutschen" steht "Tötet die Deutschen": Europatag auf dem Platz des europäischen Versprechens. Im Hintergrund [nicht sichtbar] die Außenwand der Christuskirche, auf der jetzt "Tötet die Deutschen" steht](http://www.christuskirche-bochum.de/wp-content/uploads/2011/07/2011-07-SabithaSaul_Europatag_01-bes-600x354.jpg)

