Debatte

Tag der Befreiung von Auschwitz

Synagoge Bochum | 26. Januar | 17 Uhr

Edwin Scharff: Bildnis der Anni Mewes von 1917/21 nach seiner Bergung 2010: "Kunst macht sichtbar."

Lan­des­denk­mal­amt Ber­lin | Foto: Manuel Escobedo

Im Januar 2010 wurde bei Bau­ar­bei­ten in Ber­lin ein Kunst­werk aus der Erde gebor­gen, ein Bron­ze­guss des Bild­hau­ers Edwin Scharff. Das Bild­nis zeigt die Schau­spie­le­rin Anni Mewes, die Nazis hat­ten es 1937 als „ent­ar­tet“ beschlag­nahmt. Zehn wei­tere Kunst­werke waren Jahr­zehnte lang im Her­zen der Stadt ver­bor­gen, dann gab die Erde sie preis, als sei es an der Zeit, das zu beglau­bi­gen, was Paul Klee behaup­tet hat: dass Kunst nicht wie­der­gibt, was sicht­bar ist, son­dern dass Kunst sicht­bar macht. Sicht­bar wird, dass sich die Erde eines Tages öffnet und Mas­sen­grä­ber offen­bart. Allein in der Ukraine sind es Tau­sende, die sich auf­tun in die­ser Zeit, oft zufäl­lig bei Bau­ar­bei­ten ent­deckt. Im Akkord hat­ten die Nazis gemor­det und Hun­dert­tau­sende ihrer Opfer in der Erde ver­scharrt, nur von den Wenigs­ten ken­nen wir die Namen. Am 26. Januar, dem Vor­abend des Tages, an dem Ausch­witz befreit wor­den ist, ver­liest die Jüdi­sche Gemeinde Bochum die Namen derer, die aus Bochum und Wat­ten­scheid depor­tiert wor­den sind, um ermor­det zu werden.

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„Bitte sprechen Sie über Demokratie!“

Shirin Ebadi, Iran-Freedom, Amnesty | 18. Dezember 17:30 Uhr

Graffito in Cannaregio, Venedig: Informationen zum Foto am Ende des Artikels

Gio­vanni Dall’Orto | Com­mons Wikimedia

„Die nächste Per­son, die getö­tet wer­den soll, ist Shirin Ebadi.“ Vor elf Jah­ren stieß die Tehe­ra­ner Juris­tin auf die­sen Satz, als sie in Regie­rungs­ak­ten wegen Dut­zen­der Regie­rungs­morde recher­chierte. Drei Jahre spä­ter wurde Shirin Ebadi in Oslo mit dem Frie­dens­no­bel­preis geehrt, sie reichte ihn wei­ter an alle Ira­ne­rin­nen und Ira­ner, die für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte kämp­fen, für poli­ti­sche, sexu­elle, reli­giöse Frei­heit. „Die Grüne Bewe­gung“, so Ebadi, „ist eine demo­kra­ti­sche, also keine ideo­lo­gi­sche Bewe­gung. Sie ver­eint Men­schen mit unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen und Nei­gun­gen.“ Im Kampf für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte sei „jeder für sich selbst ein Held oder eine Heldin“.

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Thron kann jeder

Hans-Ehrenberg-Preis für Antje Vollmer | 22. Nov. 19 Uhr

St.-Petrus-Platz in Rom: "Thron kann jeder"

Jane­ri­clo­ebe | Com­mons Wikimedia

Wenn Krieg die Fort­set­zung der Poli­tik mit ande­ren Mit­teln ist, ist Demo­kra­tie die Fort­set­zung des Krie­ges mit ohne Waf­fen. Das gilt auch dann, wenn Par­teien mehr Vor­sit­zende als Mei­nun­gen haben, die Parteien-Landschaft über­sicht­lich ist und Poli­tik die Fort­set­zung von Gün­ther Jauch mit ohne Joker. In die­ser Fern­be­die­nungs­land­schaft gibt es Berei­che, in die zu gehen sich nie­mand traut. Brach­ge­lände der Demo­kra­tie, in denen die Regeln nicht so klar sind wie beim Sport und keine Straf­räume mar­kiert. Wer da hin­ein geht, kriegt beste Wün­sche mit auf sei­nen Weg und, wenn sich ein Weg her­aus stellt, von allen Sei­ten auf die Mütze. Darum wür­di­gen wir, wie Antje Voll­mer Poli­tik ver­steht und demo­kra­ti­sche Arbeit.

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Antje Vollmer, Margot Käßmann

Hans-Ehrenberg-Preis 2011 | Dienstag 22. November 19 Uhr

Antje Vollmer, Publizistin, Theologin und langjährige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Foto | Jim Rakete

Die Publi­zis­tin und lang­jäh­rige Vize­prä­si­den­tin des Deut­schen Bun­des­ta­ges, Dr. Antje Voll­mer, erhält den Hans-Ehrenberg-Preis 2011. Der pro­tes­tan­ti­sche Preis wird der Theo­lo­gin in Form eines öffent­li­chen Gesprächs zwi­schen ihr und Mar­got Käß­mann ver­lie­hen. Thema: „Gott & die Poli­tik“. Mode­ra­tion: Rein­hard Mawick, Pres­se­spre­cher der EKD. Mit Voll­mer werde ein poli­ti­sches Den­ken gewür­digt, das „in schein­bar aus­weg­lo­sen gesell­schaft­li­chen Kon­flik­ten“ Ver­stän­di­gungs­pro­zesse ein­lei­ten könne, heißt es in der Begrün­dung der Fin­dungs­kom­mis­sion. Vor­aus­set­zung dafür sei Voll­mers poli­ti­sche Sen­si­bi­li­tät, „mit der sie gesche­he­nes Unrecht wahr­nimmt und es, ohne es zu beschö­ni­gen, zu besänf­ti­gen sucht“. // Fest­akt und Dis­kus­sion sind öffent­lich, der Zugang frei.

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14:46 / 15:03

Gedenken an die Opfer des Terrors | 11. September 2011

"Feindstaat USA"? Seit 1931 listet das Mosaik im Turm der Christuskirche die "Feindstaaten Deutschlands" auf

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Die Glo­cken der Chris­tus­kir­che läu­ten nur ein­mal im Jahr. Sie läu­ten am 11. Sep­tem­ber, um an die Opfer des Ter­rors zu erin­nern und daran, dass kein Gott ist, der Opfer ver­langt.  // Update_1 Hören und Sehen

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„Tötet …“ wen auch immer

Das Attentat in Norwegen und wir | Juli 2011

"Tötet die Deutschen, tötet die Norweger, tötet wen auch immer, aber tötet": Graffiti an der Christuskirche Juli 2011

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Erst der Gedanke und dann die Tat. So geht die Logik von Leu­ten, die pla­nen. Pla­nen beru­higt, es bedeu­tet, man könne die Nicht-Tat pla­nen. Man müsse nur den Gedan­ken iso­lie­ren, ihn wider­le­gen oder weg­sper­ren, das ver­hin­dere die Tat. Nach dem Atten­tat von Oslo hat diese Art Ideo­lo­gie­kri­tik Kon­junk­tur und hat sie des­halb, weil sie ihre eigene Prä­am­bel ver­ges­sen hat: Ideo­lo­gie dient nicht dazu, eine Tat zu erzeu­gen, son­dern sie zu erklä­ren. Um seine Tat zu erklä­ren, hat der Kil­ler von Oslo 1500 Sei­ten gebraucht. Gibt es einen Zusam­men­hang zwi­schen dem, was er schrieb und dem, was er tat? Wenn jemand sagt, er hasse den Islam und rich­tet nor­we­gi­sche Sozi­al­de­mo­kra­ten hin?

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Und hier sind wir, die Deutschen

Das Bild, die Ruhr, der Adel

Die Deutschen. Folge 3.

„Eine mei­ner Urgroß­müt­ter scheint vom Aus­land gekom­men zu sein.“ Carl Zuck­mayer hat das Pro­blem beschrie­ben, das na so was aber auch ent­steht, wenn man die Deut­schen erken­nen will. Noch dazu im Ruhr­ge­biet, in die­ser „gro­ßen Völ­ker­mühle“. Hier ist doch, mit Zuck­mayer gespro­chen, alles deutsch, was „gelebt, gerauft, gesof­fen und gesun­gen und Kin­der gezeugt hat“. Halb Europa ist ins Revier gekom­men, die andere Hälfte nach­ge­zo­gen und haben sich hier ver­mischt wie Ruhr und Rhein. Her­aus­ge­kom­men sind dabei die Deut­schen von Ayla bis Zylin­ski. „Das“, so Zuck­mayer, „ist natür­li­cher Adel. Das ist Rasse, seien Sie stolz darauf.“

Sind wir. Und sehen so aus [Idee und Fotos von Ayla Wes­sel | KULTURAGENTüER]:

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„Tötet die Deutschen“

Deuten und Deutungshoheit | Juli 2011

"Tötet die Deutschen": Europatag auf dem Platz des europäischen Versprechens. Im Hintergrund [nicht sichtbar] die Außenwand der Christuskirche, auf der jetzt "Tötet die Deutschen" steht

Sab­i­tha Saul | Platz des euro­päi­schen Versprechens

„Ist der Satz Tötet die Deut­schen, vor kur­zem auf die Außen­mauer der Chris­tus­kir­che geschmiert, deut­schen­feind­lich“, hat­ten wir gefragt, „ist das Ras­sis­mus?“ Ant­wort: Offen­sicht­lich ja, aber nicht, weil es so etwas wie eine deut­sche Eth­nie oder deut­sche Rasse gäbe: „Die Deut­schen“ sind längst so mul­ti­kul­tu­rell, dass man, will man sie erken­nen, eben nicht dem Augen­schein ver­trauen kann, son­dern nur dem Pass. Klar, dass es dafür Prü­gel setzt von rechts. Dass aber, wer immer diese Deut­schen in Deutsch­land töten wolle, genauso mul­ti­kul­tu­rell = deutsch sein muss, dafür setzt es linke Prü­gel. Wei­ter­ge­dacht wurde hier  -  ein Debattenbericht: 

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Multikulturelles Stammesbewusstsein

Juli 2011 | Fassade der Christuskirche beschmiert

"Rasse wird, wer verfolgt": Aufruf "Tötet die Deutschen" an der Außenmauer der Christuskirche

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

„Wir stel­len bei den Gewalt­tä­tern seit eini­ger Zeit eine unver­blümte Deut­schen­feind­lich­keit fest.“ Der Satz ist bald fünf Jahre alt, er stammt aus einem Inter­view, das Kirs­ten Hei­sig, Ber­li­ner Jugend­rich­te­rin, zusam­men mit ihrem Kol­le­gen Gün­ter Räcke dem TAGESSPIEGEL gege­ben hat­ten: „Scheiß-Christ, Schweinefleisch-Fresser – das sind Begriffe, die rich­tig in Mode sind.“ Ist der Satz Tötet die Deut­schen, vor kur­zem auf die Außen­mauer der Chris­tus­kir­che geschmiert, deut­schen­feind­lich? Ist das Rassismus?

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Kategorie: Debatte, PeV 2010 | Kommentare (84)

„Die Öko-Nummer natürlich“

Heute vor 30 Jahren: das 'Heidelberger Manifest'

"Wir werden bunter": Recycling-Tonnen in Aberystwyth, Wales

Calum Hut­chin­son | Public domain

Wenn es die Aus­län­der nicht gäbe  -  das war ja lange Jahre das dümmste Argu­ment dafür, dass es sie geben soll  -  würde nie­mand mehr den Müll abho­len. Also kann, solange es sie gibt, Müll pro­du­ziert wer­den und wird es auch: Von Sar­ra­zins Buch bei­spiels­weise leben alle gut, die Sar­ra­zins, ihre Kri­ti­ker und die Müll­man­ner. „Deutsch­land schafft sich ab“ schafft gute Jobs und recy­celte Debat­ten: Heute auf den Tag genau vor 30 Jah­ren  -  am 17. Juni 1981 -  wurde das „Hei­del­ber­ger Mani­fest“ ver­fasst, 15 hoch­ka­rä­tige Wis­sen­schaft­ler unter­schrie­ben Sätze wie die­sen: „Völ­ker sind (bio­lo­gisch und kyber­ne­tisch) lebende Sys­teme höhe­rer Ord­nung mit von­ein­an­der ver­schie­de­nen Sys­tem­ei­gen­schaf­ten, die gene­tisch und durch Tra­di­tio­nen wei­ter­ge­ge­ben werden.“

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