Und wieder regnet es Kritiken wie Rosen. Den ECHO-Jazz als beste Stimme dieses Landes hat es schon im letzten Jahr gegeben. Lyambiko, die Berlinerin aus Thüringen, sei „den Göttinnn des Jazz ganz nahe“, hatte die SÜDDEUTSCHE geschrieben und die FAZ „ihre Intensität, ihre Sinnlichkeit, ihre Kraft“ bewundert. Ein paar Kritiken im Schnelldurchlauf: „Quälend schön. Rausch der Sinne. Absoluter Genuss. Emotionaler Tiefgang. Perfekte Intonation. Samtweich und kraftvoll. Cool und sophisticated. Erotisch. Grazil. Grandios …“ so geht das in einem fort. Und das ist keine Serienhudelei, hier der BOSTON GLOBE aus dem Land, aus dem der Jazz kommt: „Lyambiko ist die meistversprechende Jazz-Sängerin nach langer, langer Zeit. Sie besitzt die Dramatik einer Billie Holiday, die Erotik einer Julie London und die Schärfe einer Nina Simone.“ Als sei diese Stimme dafür geschaffen, den Internationalen Frauentag zu feiern. Der eben dort erfunden wurde, wo der Jazz herkommt, damals ging es um One Woman, One Vote.
Konzerte
„Drama, Baby!“
Me And My Drummer | urban urtyp #16 | 19. Februar 19 Uhr
Sie habe höchstens „ein nettes Aufwärmen“ erwartet, schrieb Andrea kürzlich auf mittelstern, dem Blog von Dresden Indie Welt: „Geplänkel. Beiläufiges Mitwippen.“ Beinahe wäre sie gar nicht hingegangen zum Konzert und wären wir ohne diesen Konzertbericht: Beiläufiges Mitwippen? „Charlotte fängt an zu singen. Diese Stimme! Halleluja! Was passiert hier? Völlige Verblüffung bei gleichzeitiger Begeisterung. Ein Mann, eine Frau. Ein Schlagzeug, ein Piano. Ein Raum, der plötzlich viel zu klein wird für diese Stimme, diese Kraft, diese Momente …“
„… this boy turned gold from blue …“
Einar Stray & Band | urban urtyp #16 | 19. Februar 19 Uhr
„Pop ist eine Haltung“, sagte Michael Wollny, urban urtyp #15, neulich in einem Interview. Pop stehe für „Kompromisslosigkeit“ und diesen „unbedingten Willen, eine eigene Musik zu kreieren“. Im Jazz gehe diese Haltung schon mal verloren, dann werde Improvisation zum Vorwand, „Noten nicht so zu meinen, wie man sie spielt.“ Bei Popbands dagegen, den guten, „ist jede Note so gemeint“, so und nicht anders. Als ginge es immer ums Ganze, das ganze Glück im Unglück. Wenn man Einar Stray hört, den 21jährigen Norweger aus Oslo, hört man sofort, was Wollny meint. Die große Geste, der weite epische Bogen und darin eingeborgen Songs, so opulent wie ein Menü in 7 Gängen. Aber, und das lässt jeden Gang genießen, nichts darin ist uneigentlich, nichts ist nicht so gemeint, kein Ton gibt vor, was anderes zu sein als eben dieser Ton. Pop ist eine Haltung.
Spiritus Dei
Die Priester | 6. Februar 20 Uhr
Die katholische Kirche, sagte Norbert Lammert letzte Woche beim ökumenischen Neujahrsempfang in Bochum, sei eine „Männer-Bündelei“. Frei übersetzt: Keine Frauen auf die Bühne. Kaum wohl das, was man demokratisch nennen könne, so der Präsident des Deutschen Bundestages. In der Summe sei die evangelische Kirche, was Selbstbestimmung angeht, „um 500 Jahre voraus“. Lammert ist Kurator dieser Kirche, er weiß, welche Mühe es macht und welchen Spaß, selber zu bestimmen: Würden die Repräsentanten der katholischen Kirche ähnlich benannt wie protestantische, so Lammert, „wären Bischofskonferenzen anders besetzt“. Ob aber auch „Die Priester“? Die drei, die jetzt auf unsere Bühne kommen, hier die Restkarten, die drei stellen keine Priester dar, es sind …
Gold, Weihrauch und Wollny
Michael Wollny | urban urtyp #15 | 29. Januar 19 Uhr
Dieser Mensch ist ein Geschenk, zweifellos. Ein „Wunderkind“ sei erschienen, hieß es, die weisen Kritiker stauten sich staunend ums Klavier herum, auch die weise FAZ: „Selten einmal hat man solche Ausweitungen des konventionellen Klavierspiels folgerichtiger aus dem formalen Ablauf der Improvisationen ableiten können wie im Spiel von Wollny.“ Wie wahr. Wenig später staunte die weiterhin weise FAZ, dass ein Wunderkind einen wundervollen Kopf entwickelt: „Man wird wohl als genial bezeichnen dürfen, wie wunderbar unerklärlich Wollnys Spiel überall hinpasst.“ Was wiederum wunderbar zu urban urtyp passt: Dass Wollny, „das deutsche Jazzwunder“, dem sie beim ECHO Jazz 2 x Gold umgehängt haben, dass er bei uns als urban urtyp spielt, ist nicht Gold und nicht Weihrauch, es ist ein Geschenk. Eines, das mit allem zu tun hat, mit Wollny und dem Wunder, mit Echo, Jazz und „Mensch“ …
Downliners Sekt
urban urtyp #14 special | Freitag 30. Dezember 19 Uhr
Was nach Dubstep kommt, kommt aus Barcelona. Sie selber nennen, was aus ihren Laptops kommt, „electronic post post post post rock ambient trip hop, I don’t know“. Eine Dekonstruktion von dem, was war, „als müsse ich zuerst zu graben anfangen, müsse mich rauswühlen, rauskratzen aus einer Masse von Schutt, die uns zudeckt“. So lässt Peter Weiss einen Schriftsetzer in seiner Ästhetik des Widerstandes reflektieren, als es um den Beginn des Spanischen Bürgerkriegs geht und das republikanische Europa, das sich gegen den Faschismus wehrt. 75 Jahre ist das her und der Kurzschluss mit Downliners Sekt erlaubt, weil sie heute — unpathetisch und entschieden — jede paramilitärische Party hintertreiben.
African American Art
New York Gospel Stars | 26. Dezember 20 Uhr
Weihnachtsfreude ist ein höfliches Wort, es klingt moderat. Was moderat klingt, ist das, was man im Griff hat. Was man im Griff hat, ist das, was man dosieren kann. Die Weihnachtsfreude als Herdplatte, die sich regeln lässt. Weniger griffig ist das, was die New Yorker tun: Für die Weihnachtsfreude sind sie, was einem zustößt. Eine „große Freude, die allen widerfahren wird“, siehe Lukas 2. Am Zweiten Weihnachtstag ist bei uns die satte Freude das Gegenteil von satt.
Nicht-mönchische Mönche
Gregorian | 2. Zusatzkonzert | Dienstag 13. Dezember 17 Uhr
Gregorianik geht anders, das ist sicherlich wahr. Die Gregorian sehen schon wie Mönche aus - das Foto hier ist von heute aus dem Konzert in der Christuskirche — aber sie singen weder einstimmig noch a capella noch in lateinischer Sprache. Und der Inhalt von dem, was sie singen, ist ab und an wohl auch ein anderer. Nur was soll’s, dann ist es eben nicht sehr gregorianisch, was sie machen, sondern Pop. Die Mönche, siehe dieses Foto …
Christmas meets Cuba
Klazz Brothers & Cuba Percussion | Samstag 17. Dezember 20 Uhr
Klazz ist ein Kunstwort, es hat nichts mit Klezmer zu tun, sondern mit Klassik plus Jazz. Und wie das Wort, so die Musik, sie hat nichts zu tun mit einer „Grenzüberschreitung“ oder dem, was man „Crossover“ nennt. Sie hat damit zu tun zu spielen und mit der Lust am Spiel, und die Klazz Brothers spielen mit dem, was Klassik und Jazz gemeinsam ist. Virtuosität zum Beispiel, hohes Stil-Bewustsein, das freie Zitieren. Und natürlich die Fähigkeit zu improvisieren. Bach, Beethoven, Mozart haben improvisiert, Chopin sowieso. Musik ist eben nicht Verordnung, sondern Vergnügen, das haben sich die kolumbianischdeutschkubanischen Brüder zu Herzen genommen: Classic meets Cuba hieß ihr erstes Vergnügungsprogramm …
Chris Hopkins‘ Swinging Christmas
25. Dezember 2011 | Erster Weihnachtstag | 17 Uhr
Wie geht Weihnachten? Gute Frage. Der Fliegende Weihnachtsmann ist ausgeflogen, der Weihnachtsmarkt abgeräumt, und Weihnachtsleuchten wirken, als hätte wer vergessen, sie abzustellen: Am ersten Weihnachtstag hat Weihnachten es ziemlich schwer. „Swinging Christmas“? Klären wir zunächst, wie das hier geht, „schwingen“. Das Wörterbuch sagt, es handele sich um ein Tu-Wort …










