Die WELT am SONNTAG hatte als Weihnachtsbeilage [Teil 1 hier, Teil 2 hier] ein Interview mit Annette Kurschus gebracht, Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen. Erste Frage: „Das öffentliche Bild vom Ruhrgebiet reicht vom Armenhaus Deutschlands bis zur Zukunftswerkstatt des Landes. Wie sieht das Bild der Kirche aus?“ Kurschus: „Die Bevölkerung geht zurück, die Arbeitslosigkeit ist hoch, nicht wenige Menschen sind arm.“ Einerseits. „Andererseits gibt es gerade im Ruhrgebiet ermutigende evangelische Aufbrüche und Zukunftsmodelle wie die Christuskirche Bochum … “ Hat uns gefreut, das zu lesen, mehr aber das, was Kurschus aus diesem Intro macht: Welche Orientierung denn die Kirche in Sachen EU-Finanzkrise biete? Antwort: „Auch wir haben keine Patentlösung.“ Einerseits, andererseits: „Es gilt, die große Idee Europa neu zu leben.“
Europäisches Versprechen
Bochumer Menschenrechtspreis 2012
Shirin Ebadi, Jasmin Tabatabai, Iran Freedom | 15. Dezember
Homs, Hama, Aleppo
Gabriele del Grande | Bericht aus Syrien | 28. Nov. 19:30 Uhr
„Plötzlich ist ein Schwarm schwarzer Vögel am Himmel zu sehen. Dieses Mal ist die Explosion heftiger als sonst.“ Anfang Oktober war Gabriele del Grande in Aleppo, der zweitgrößten Stadt Syriens und einer der ältesten Städte in der Region. „Ein Luftangriff, wieder einmal. Aus einer nahegelegenen Straße steigt eine Rauchsäule auf. Weitere Explosionen folgen in wohl einem Kilometer Entfernung, mitten in einem Wohngebiet, fern von militärischen Zielen.“ Del Grande, Journalist, Blogger und Autor von Mamadous Fahrt in den Tod. Die Tragödie der irregulären Migranten im Mittelmeer hat versucht, ein Bild zu gewinnen von dem Entsetzlichen, das in Syrien geschieht. Anders als die Couch-Experten im TV hat er Kämpfende der verschiedenen Gruppierungen interviewt, von der freien syrischen Armee bis hin zu den islamistischen Söldnern der Mujaheddin. Del Grande ist Menschenrechtler, er hat nach ihren Beweggründen gefragt, nach Überzeugungen, die stabiler sind und massiver als die Mauern von Homs.
Das Andere des Krieges
Review | Gottesdienst zur Ökumenischen Friedensdekade
Vor 74 Jahren, der Tag jährt sich in dieser Woche, der 9. November, wurde die Synagoge Bochum zerstört, wir wissen alle, von wem. Vor 68 Jahren, der Tag jährt sich heute, wurde Bochum zerstört. Um die Mittagszeit stand die Stadt noch wie gebaut. Gegen Abend sah Bochum aus wie Rotterdam aussah und Belgrad, wie Warschau und wie Leningrad. Bochum sah aus wie ganz Europa. So gesehen, war Bochum, die zerstörte Stadt, eine europäische Stadt. Vorher war sie die Gau-Hauptstadt gewesen, eine Hochburg der Nazis. Aus der Trümmerlandschaft dieser Gau-Hauptstadt ragte damals ein Gebäude empor, das war der Turm dieser Kirche. Ausgerechnet dieser Turm: Was überdauert hat in ihm, ist die Erinnerung daran, dass der letzte Krieg nicht der erste war, warum sollte er der letzte gewesen sein.
Die ersten Europäer
Friedensnobelpreis für Europäische Union
In den 20er und 30er Jahren waren Juden „die einzigen Europäer in ganz Europa“, schrieb Amos Oz in Eine Geschichte von Liebe und Finsternis: „In ganz Europa wollten viele die Juden damals ein für allemal loswerden, diese fiebrigen Europhilen, die das ganze Sortiment europäischer Sprachen beherrschten, Europas Dichter deklamierten, an Europas erhabene Moral glaubten, für seine Ballett– und Opernkunst schwärmten, seine Traditionen pflegten, Europas postnationale Einheit erträumten …“ Ja, so waren die ersten Europäer, sie waren verhasst. Amos Oz zählt auf: „Kirchlich-katholischer Antisemitismus, der feierlich durch hohe Kathedralen hallte, giftig-kalter protestantischer Antisemitismus, deutscher Rassismus, österreichische Mordlust, polnischer Judenhass, litauische, ungarische, französische Grausamkeit, ukrainische, rumänische, russische, kroatische Pogromgier, belgische, niederländische, britische, irische, skandinavische Judenverachtung …“
„Über uns selber sprechen“
Friedensnobelpreis für Europäische Union
„Das furchtbare Leiden im Zweiten Weltkrieg zeigte die Notwendigkeit eines neuen Europa“, schreibt das Nobelkomitee. Seit 1931 werden im Turm der Christuskirche die „Feindstaaten Deutschlands“ erinnert: „Frankreich Russland Italien … “ Heute beginnt hier der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPREHENS. Jochen Gerz am Europatag 2009: „Wir leben solange in der Nachbarschaft des Kriegs – der Krieg ist eine Jahrhunderte alte Abhängigkeit unserer Zivilisation, man wird das nicht per Dekret los – wie wir nicht in der eigenen Wirklichkeit klarmachen, dass die Nationen in Europa nicht unsere Zukunft sind. Solange wir nicht uns selbst tagtäglich neu zu den Migranten zählen, die am Tor der Gemeinschaft stehen und klopfen, immer wieder klopfen, wird der heutige Zweckverband nicht Europa. Es macht keinen Sinn über etwas zu sprechen, wenn wir nicht über uns selber sprechen.“
„Die gemeinsame Idee Europa“
Norbert Lammert | Tag der deutschen Einheit
„Hilfe, ich bin ein Europäer!“
Adriaan van Dis | Internationales Literaturfestival Berlin
„Bochum ist eine europäische Stadt“, erklärt die Stadt in „Bochum: Wandel durch Kultur“. Weiter: „Was sie an Kultur verdichtet, ist nicht ererbt, sondern erarbeitet. Es ist die Kultur von Menschen, die, woher sie auch kamen, das Gesicht dieser Stadt prägen. Sichtbarstes Zeichen im Stadtbild wird hierfür der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS von Jochen Gerz sein.“ - Einen Platz europäischen Sprechens hat das Internationale Literaturfestival Berlin geschaffen, es hat europäische AutorInnen gebeten, ihr Europa zu erzählen. Die Geschichten, ein literarischer Rettungsschirm, stehen zum freien Download bereit, es lohnt sich. Adriaan van Dis zum Beispiel fragt: „Wo kann ich offiziell Europäer werden? Gibt es eine Behörde, wo ich meinen niederländischen Pass eintauschen kann? Nicht, weil ich nicht mehr in meinem Land leben möchte. Ich liebe den niederländischen Himmel, seine Wolken und die Dünen. Ich schreibe auf Niederländisch. Aber ich will zu einer größeren Welt gehören. Und vor allem keine Angst vor ihr haben. Ich will raus aus meinem Käfig.“ Hier der ganze Text, er ist großartig:
Kein Raum der Gewalt
11. – 16. September | Glockenläuten & Vernissage an 9/11
Vor 81 Jahren wurde im Turm der Christuskirche eine Gedenkhalle eingerichtet, sie nennt die Namen von Bochumern, die im Ersten Weltkrieg gefallen sind, daneben die Namen der „Feindstaaten Deutschlands“. Im März 1931 wurde der Raum im Zentrum der Stadt als „Helden-Gedenkhalle“ eingeweiht. Zwei Monate zuvor, im Januar 1931, hatten die Nazis Bochum zu ihrer „Gau-Hauptstadt“ ernannt. Zu dieser Zeit, im Frühjahr 1931, war die Mehrheit der Bochumer aber gar noch nicht auf Nazi-Kurs eingeschwenkt, noch war Verlass auf Bochums Demokraten. Das hat sich kurz darauf geändert, es hat ein paar Monate gedauert. Seitdem wissen wir, wie wichtig es ist, sich auf sich selber verlassen zu können.
„Öffentliche Ignoranz“
Platz des europäischen Versprechens | RN vom 23. August
Die RUHR NACHRICHTEN von heute: „BOCHUM Der Platz des Europäischen Versprechens vegetiert an zentraler Stelle in der Stadt vor sich hin. Die Namensplatten von fast 15 000 Unterstützern fehlen noch immer. Es gebe eine Finanzierungsmöglichkeit, doch die lehnt die Bochumer Politik ab. Das Prestigeprojekt ist zum Stiefkind verkommen.“ So Benedikt Reichel, RN-Redakteur. Hier der ganze Artikel: „Seit mehr als einem Jahr ist der Platz des Europäischen Versprechens (PeV) fertig. Es fehlen jedoch die Versprechen – die Platten mit fast 15 000 Namen von Menschen, die ein Versprechen für Europa gaben. Die Bochumer Politik hat an der Fertigstellung des Kulturhauptstadtprojekts scheinbar kein Interesse mehr. Zurück bleibt eine Bauruine. Es riecht nach Urin und Bier.







![Wasser [West], Mauer [Ost]: Landwehrkanal in Kreuzberg Nähe Lohmühlenbrücke, Winter 1986 Wasser [West], Mauer [Ost]: Landwehrkanal in Kreuzberg Nähe Lohmühlenbrücke, Winter 1986](http://www.christuskirche-bochum.de/wp-content/uploads/2012/10/Kopie-von-351-600x388.jpg)


