Europäisches Versprechen

Werkstatt Europa

Präses Kurschus ueber das europäische Versprechen

Keine Nationen, sondern Nachbarn pflegen: Herstellung der ersten Steinplatte mit den Namen von Europäern

Foto | Fran­ziska Seeger

Die WELT am SONNTAG hatte als Weih­nachts­bei­lage [Teil 1 hier, Teil 2 hier] ein Inter­view mit Annette Kur­schus gebracht, Prä­ses der Evan­ge­li­schen Kir­che von West­fa­len. Erste Frage: „Das öffent­li­che Bild vom Ruhr­ge­biet reicht vom Armen­haus Deutsch­lands bis zur Zukunfts­werk­statt des Lan­des. Wie sieht das Bild der Kir­che aus?“ Kur­schus: „Die Bevöl­ke­rung geht zurück, die Arbeits­lo­sig­keit ist hoch, nicht wenige Men­schen sind arm.“ Einer­seits. „Ande­rer­seits gibt es gerade im Ruhr­ge­biet ermu­ti­gende evan­ge­li­sche Auf­brü­che und Zukunfts­mo­delle wie die Chris­tus­kir­che Bochum … “ Hat uns gefreut, das zu lesen, mehr aber das, was Kur­schus aus die­sem Intro macht: Wel­che Ori­en­tie­rung denn die Kir­che in Sachen EU-Finanzkrise biete? Ant­wort: „Auch wir haben keine Patent­lö­sung.“ Einer­seits, ande­rer­seits: „Es gilt, die große Idee Europa neu zu leben.“

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Bochumer Menschenrechtspreis 2012

Shirin Ebadi, Jasmin Tabatabai, Iran Freedom | 15. Dezember

"Unterstützt von Bochum aus den Protest gegen das iranische Regime": Menschenrechtspreis von Iran-Freedom, gestaltet von dem Künstler Naser Sufiani

Naser Sufiani | Bochu­mer Men­schen­rechts­preis [Ausschnitt]

Drei Jahre ist es her, dass im Iran Zehn­tau­sende auf die Stra­ßen gegan­gen sind und ihre Rechte ein­ge­for­dert haben. Die Demons­tra­tio­nen der Grü­nen Bewe­gung waren Auf­bruch­si­gnal für das, was sich ein Jahr spä­ter zum „Ara­bi­schen Früh­ling“ ent­wi­ckelt hat. Im Iran war da bereits jeder Auf­bruch nie­der­ge­knüp­pelt. Zu Tau­sen­den waren Demo­kra­ten in den Gefäng­nis­sen der Pas­daran ver­schwun­den: Die Revo­lu­ti­ons­garde ist die Gestapo des Regimes. Bis heute müs­sen Demo­kra­ten aus dem Iran flie­hen, viele von ihnen suchen Zuflucht in Europa. Eine breite exil-iranische Szene hat sich in Bochum ent­wi­ckelt, sie ver­netzt sich im Ver­ein Iran-Freedom, um von hier aus den dau­ern­den Pro­test gegen das Regime zu unter­stüt­zen. Die­sem Kampf für Frei­heit und Demo­kra­tie, in Demo­kra­tien sel­ber sel­ten geach­tet, schafft der BOCHUMER MENSCHENRECHTSPREIS eine öffent­li­che Reso­nanz. Kura­to­rin­nen des Prei­ses sind die Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin Shirin Ebadi und die Schau­spie­le­rin Jas­min Tabata­bai.

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Homs, Hama, Aleppo

Gabriele del Grande | Bericht aus Syrien | 28. Nov. 19:30 Uhr

Destruction in Bab Dreeb area in Homs, Syria 2012-05-12

Bo Yaser | wiki commons

„Plötz­lich ist ein Schwarm schwar­zer Vögel am Him­mel zu sehen. Die­ses Mal ist die Explo­sion hef­ti­ger als sonst.“ Anfang Okto­ber war Gabriele del Grande in Aleppo, der zweit­größ­ten Stadt Syri­ens und einer der ältes­ten Städte in der Region. „Ein Luft­an­griff, wie­der ein­mal. Aus einer nahe­ge­le­ge­nen Straße steigt eine Rauch­säule auf. Wei­tere Explo­sio­nen fol­gen in wohl einem Kilo­me­ter Ent­fer­nung, mit­ten in einem Wohn­ge­biet, fern von mili­tä­ri­schen Zie­len.“ Del Grande, Jour­na­lis­t, Blog­ger und Autor von Mama­dous Fahrt in den Tod. Die Tra­gö­die der irre­gu­lä­ren Migran­ten im Mit­tel­meer hat ver­sucht, ein Bild zu gewin­nen von dem Ent­setz­li­chen, das in Syrien geschieht. Anders als die Couch-Experten im TV hat er Kämp­fende der ver­schie­de­nen Grup­pie­run­gen inter­viewt, von der freien syri­schen Armee bis hin zu den isla­mis­ti­schen Söld­nern der Muja­hed­din. Del Grande ist Men­schen­recht­ler, er hat nach ihren Beweg­grün­den gefragt, nach Über­zeu­gun­gen, die sta­bi­ler sind und mas­si­ver als die Mau­ern von Homs.

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Das Andere des Krieges

Review | Gottesdienst zur Ökumenischen Friedensdekade

"Wenn der letzte Krieg nicht der erste war, warum sollte er dann der letzte gewesen sein": Zerstörte Christuskirche, unversehrter Turm

Stadt­ar­chiv Bochum

Vor 74 Jah­ren, der Tag jährt sich in die­ser Woche, der 9. Novem­ber, wurde die Syn­agoge Bochum zer­stört, wir wis­sen alle, von wem. Vor 68 Jah­ren, der Tag jährt sich heute, wurde Bochum zer­stört. Um die Mit­tags­zeit stand die Stadt noch wie gebaut. Gegen Abend sah Bochum aus wie Rot­ter­dam aus­sah und Bel­grad, wie War­schau und wie Lenin­grad. Bochum sah aus wie ganz Europa. So gese­hen, war Bochum, die zer­störte Stadt, eine euro­päi­sche Stadt. Vor­her war sie die Gau-Hauptstadt gewe­sen, eine Hoch­burg der Nazis. Aus der Trüm­mer­land­schaft die­ser Gau-Hauptstadt ragte damals ein Gebäude empor, das war der Turm die­ser Kir­che. Aus­ge­rech­net die­ser Turm: Was über­dau­ert hat in ihm, ist die Erin­ne­rung daran, dass der letzte Krieg nicht der erste war, warum sollte er der letzte gewe­sen sein.

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Die ersten Europäer

Friedensnobelpreis für Europäische Union

"Der verlassene Raum" - Denkmal von Karl Biedermann auf dem Koppenplatz, Berlin.

OTFW | Wiki Commons

In den 20er und 30er Jah­ren waren Juden „die ein­zi­gen Euro­päer in ganz Europa“, schrieb Amos Oz in Eine Geschichte von Liebe und Fins­ter­nis: „In ganz Europa woll­ten viele die Juden damals ein für alle­mal los­wer­den, diese fieb­ri­gen Euro­phi­len, die das ganze Sor­ti­ment euro­päi­scher Spra­chen beherrsch­ten, Euro­pas Dich­ter dekla­mier­ten, an Euro­pas erha­bene Moral glaub­ten, für seine Bal­lett– und Opern­kunst schwärm­ten, seine Tra­di­tio­nen pfleg­ten, Euro­pas post­na­tio­nale Ein­heit erträum­ten …“ Ja, so waren die ers­ten Euro­päer, sie waren ver­hasst. Amos Oz zählt auf: „Kirchlich-katholischer Anti­se­mi­tis­mus, der fei­er­lich durch hohe Kathe­dra­len hallte, giftig-kalter pro­tes­tan­ti­scher Anti­se­mi­tis­mus, deut­scher Ras­sis­mus, öster­rei­chi­sche Mord­lust, pol­ni­scher Juden­hass, litaui­sche, unga­ri­sche, fran­zö­si­sche Grau­sam­keit, ukrai­ni­sche, rumä­ni­sche, rus­si­sche, kroa­ti­sche Pogrom­gier, bel­gi­sche, nie­der­län­di­sche, bri­ti­sche, iri­sche, skan­di­na­vi­sche Judenverachtung …“

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„Über uns selber sprechen“

Friedensnobelpreis für Europäische Union

"Europa ein Versprechen geben": Erstes und vorläufiges Bild des PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS am Europatag 2008. Die Namen der Teilnehmer sind lediglich auf Fahnenstoff geschrieben.

Foto | Gert Hofmann

„Das furcht­bare Lei­den im Zwei­ten Welt­krieg zeigte die Not­wen­dig­keit eines neuen Europa“, schreibt das Nobel­ko­mi­tee. Seit 1931 wer­den im Turm der Chris­tus­kir­che die „Feind­staa­ten Deutsch­lands“ erin­nert: „Frank­reich Russ­land Ita­lien … “ Heute beginnt hier der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPREHENS. Jochen Gerz am Euro­pa­tag 2009: „Wir leben solange in der Nach­bar­schaft des Kriegs  –  der Krieg ist eine Jahr­hun­derte alte Abhän­gig­keit unse­rer Zivi­li­sa­tion, man wird das nicht per Dekret los  –  wie wir nicht in der eige­nen Wirk­lich­keit klar­ma­chen, dass die Natio­nen in Europa nicht unsere Zukunft sind. Solange wir nicht uns selbst tag­täg­lich neu zu den Migran­ten zäh­len, die am Tor der Gemein­schaft ste­hen und klop­fen, immer wie­der klop­fen, wird der heu­tige Zweck­ver­band nicht Europa. Es macht kei­nen Sinn über etwas zu spre­chen, wenn wir nicht über uns sel­ber sprechen.“

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„Die gemeinsame Idee Europa“

Norbert Lammert | Tag der deutschen Einheit

Wasser [West], Mauer [Ost]: Landwehrkanal in Kreuzberg Nähe Lohmühlenbrücke, Winter 1986

Foto | ThW

„Wir sind deut­sche Euro­päer.“ Nor­bert Lam­mert, Bun­des­tags­prä­si­dent und Kura­tor die­ser Kir­che, hat weit weg von hier, im tiefs­ten Europa, eine Gerade gezo­gen, sie führt von Wir sind das Volk zu Wir sind Europa. Europa, sagte Lam­mert, „ist das Ver­ständ­nis einer gro­ßen Idee, einer Vor­stel­lung vom Men­schen und sei­ner Würde und sei­ner Frei­heit und sei­nes Anspruchs auf Selbst­be­stim­mung.“  -  In drei Tagen, am 6. Okto­ber, lädt PRO ASYL zu einem Got­tes­dienst ein „für die Opfer an Euro­pas Außen­grenze“. Jahr für Jahr ertrin­ken Tau­sende bei dem Ver­such, Zuflucht zu fin­den bei einer gro­ßen Idee. „In Europa müs­sen wir heute keine Mau­ern mehr zum Ein­sturz brin­gen“, sagte Lam­mert heute in Mün­chen, „aber um Europa zu ver­ei­ni­gen, braucht es … Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die sich für die gemein­same Idee Europa enga­gie­ren.“ Es brau­che „ein Europa selbst­be­wuss­ter Bür­ger, ein Europa, das ein­deu­tig und uner­schüt­ter­lich für die eige­nen Werte ein­tritt.“ | Lam­merts Rede hier.

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„Hilfe, ich bin ein Europäer!“

Adriaan van Dis | Internationales Literaturfestival Berlin

"Bochum ist eine europäische Stadt. Sichtbarstes Zeichen wird hierfür der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS sein." |  Namen auf der ersten Steinplatte im Turm. Der Turmraum wird regelmäßig gereinigt.

ThW | Christuskirche

„Bochum ist eine euro­päi­sche Stadt“, erklärt die Stadt in „Bochum: Wan­del durch Kul­tur“. Wei­ter: „Was sie an Kul­tur ver­dich­tet, ist nicht ererbt, son­dern erar­bei­tet. Es ist die Kul­tur von Men­schen, die, woher sie auch kamen, das Gesicht die­ser Stadt prä­gen. Sicht­bars­tes Zei­chen im Stadt­bild wird hier­für der PLATZ DES EUROPÄISCHEN VERSPRECHENS von Jochen Gerz sein.“  -   Einen Platz euro­päi­schen Spre­chens hat das Inter­na­tio­nale Lite­ra­tur­fes­ti­val Ber­lin geschaf­fen, es hat euro­päi­sche Auto­rIn­nen gebe­ten, ihr Europa zu erzäh­len. Die Geschich­ten, ein lite­ra­ri­scher Ret­tungs­schirm, ste­hen zum freien Down­load bereit, es lohnt sich. Adriaan van Dis zum Bei­spiel fragt: „Wo kann ich offi­zi­ell Euro­päer wer­den? Gibt es eine Behörde, wo ich mei­nen nie­der­län­di­schen Pass ein­tau­schen kann? Nicht, weil ich nicht mehr in mei­nem Land leben möchte. Ich liebe den nie­der­län­di­schen Him­mel, seine Wol­ken und die Dünen. Ich schreibe auf Nie­der­län­disch. Aber ich will zu einer grö­ße­ren Welt gehö­ren. Und vor allem keine Angst vor ihr haben. Ich will raus aus mei­nem Käfig.“ Hier der ganze Text, er ist großartig:

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Kein Raum der Gewalt

11. – 16. September | Glockenläuten & Vernissage an 9/11

Kein Raum der Gewalt - Zeichnung von Juergen Kruse

Zeich­nung | Juer­gen Kruse

Vor 81 Jah­ren wurde im Turm der Chris­tus­kir­che eine Gedenk­halle ein­ge­rich­tet, sie nennt die Namen von Bochu­mern, die im Ers­ten Welt­krieg gefal­len sind, dane­ben die Namen der  „Feind­staa­ten Deutsch­lands“. Im März 1931 wurde der Raum im Zen­trum der Stadt als „Helden-Gedenkhalle“ ein­ge­weiht. Zwei Monate zuvor, im Januar 1931, hat­ten die Nazis Bochum zu ihrer „Gau-Hauptstadt“ ernannt. Zu die­ser Zeit, im Früh­jahr 1931, war die Mehr­heit der Bochu­mer aber gar noch nicht auf Nazi-Kurs ein­ge­schwenkt, noch war Ver­lass auf Bochums Demo­kra­ten. Das hat sich kurz dar­auf geän­dert, es hat ein paar Monate gedau­ert. Seit­dem wis­sen wir, wie wich­tig es ist, sich auf sich sel­ber ver­las­sen zu können.

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„Öffentliche Ignoranz“

Platz des europäischen Versprechens | RN vom 23. August

"Es fehlen die Namen von fast 15 000 Menschen, die Europa ein Versprechen gegeben haben": Europatag 2009 da, wo der Platz des eurpäioschen Versprechens entstehen soll.

Sab­i­tha Saul | Platz des euro­päi­schen Versprechens

Die RUHR NACHRICHTEN von heute: „BOCHUM Der Platz des Euro­päi­schen Ver­spre­chens vege­tiert an zen­tra­ler Stelle in der Stadt vor sich hin. Die Namens­plat­ten von fast 15 000 Unter­stüt­zern feh­len noch immer. Es gebe eine Finan­zie­rungs­mög­lich­keit, doch die lehnt die Bochu­mer Poli­tik ab. Das Pres­ti­ge­pro­jekt ist zum Stief­kind ver­kom­men.“ So Bene­dikt Rei­chel, RN-Redakteur. Hier der ganze Arti­kel:  „Seit mehr als einem Jahr ist der Platz des Euro­päi­schen Ver­spre­chens (PeV) fer­tig. Es feh­len jedoch die Ver­spre­chen – die Plat­ten mit fast 15 000 Namen von Men­schen, die ein Ver­spre­chen für Europa gaben. Die Bochu­mer Poli­tik hat an der Fer­tig­stel­lung des Kul­tur­haupt­stadt­pro­jekts schein­bar kein Inter­esse mehr. Zurück bleibt eine Bau­ruine. Es riecht nach Urin und Bier.

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