Spielzeit, Spielraum

Der­zeit ste­hen 40 oder 50 Ver­an­stal­tun­gen auf dem Zet­tel, die Eröff­nung des Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens ist dar­un­ter, der Hans-Ehren­berg-Preis, eine Per­len­ket­te an Kon­zer­ten, auch urban urtyp macht sich zu einer neu­en Run­de auf … man könn­te sagen, dass eine Spiel­zeit beginnt. Sagen wir es, gucken man­che irri­tiert: Spiel­zeit?

Fremde Sprachen im eigenen Land

Platz des europäischen Versprechens

„… alle wur­den erfüllt von hei­li­gem Geist und began­nen, in frem­den Spra­chen zu spre­chen.“ Steht in der Bibel, geht um Pfings­ten, Fehl­far­ben haben es so for­mu­liert: „Sprich frem­de Spra­chen im eige­nen Land.“ Ohne Fehl­far­ben ein­zu­ge­mein­den, die Emp­feh­lung ist bibli­sch: dass es nie wie­der nur eine Spra­che geben soll. Kein einer­lei Volk und einer­lei Zun­ge, kei­ne […]

Tango zwischen den Kriegen

Prentki & Angeleri | Tiempo de Tango

„Ein offe­nes Land, frei und libe­ral, das alle Arten von Migran­ten akzep­tiert hat.“ Die Rede ist von Uru­gu­ay, einem Land, das Juden offen stand, die aus Euro­pa flie­hen muss­ten. So auch der Vater von Ger­mán Prent­ki, er war im Okto­ber 1940 nach Mon­te­vi­deo ent­kom­men  —  ein 18jäh­ri­ger Kla­ri­net­tist, der auf der Flucht vor den Nazis […]

Je suis Juif

Terror und Tag der Befreiung

Ich bin Jude. „Wäre ich kein Jude“, so Han­nah Arendt 1942, „son­dern gehör­te irgend­ei­nem ande­ren euro­päi­schen Vol­ke zu, mir wür­den sich vor Angst die Haa­re auf dem Kopf sträu­ben, sobald einem Juden ein Haar gekrümmt wird.“ In Paris wur­den ermor­det: Yohan Cohen (22), Phil­ip­pe Bra­ham (45), François-Michel Saa­da (63), Yoav Hat­tab (21), sie wur­den ermor­det, […]

Giora Feidman

Konzert zum Tag der Befreiung

Zum 70. Mal jährt sich der Tag, an dem die weni­gen, die Ausch­witz über­lebt haben, befreit wor­den sind. Giora Feid­man hat ihnen  —  den Ermor­de­ten, den Über­le­ben­den  —  eine Stim­me gege­ben, die Stim­me sei­ner Kla­ri­net­te. Sie erin­nert das Lachen derer, die nicht mehr lachen kön­nen, ihr Wei­nen, ihre Freu­de, die Kla­ge, die Stil­le.

Paris, Sonnenaufgang

Carlos Cipa, Charlie Hebdo

Vor 125 Jah­ren, am 9. Janu­ar, wur­de Kurt Tuchol­s­ky gebo­ren. Sei­nem Mut  —  „Sati­re darf alles!“  —  und sei­nem Stil  —  „dann sitzt halb Deutsch­land auf dem Sofa und nimmt übel“  —  ver­dan­ken wir Char­lie Heb­do und Car­los Cipa den Titel sei­nes Albums: „All Your Life You Walk“ ist eine Zei­le aus Tuchol­s­kys „Augen in […]

Was alles gut und richtig ist

Nach dem Terrorangriff in Paris

„Der Fun­da­men­ta­list glaubt, dass wir an gar nichts glau­ben“, schrieb Sal­man Rush­die zwei Wochen nach 9/11: „Um ihn zu wider­le­gen, müs­sen wir zunächst über­zeugt sein, dass er im Unrecht ist. Wir müs­sen uns einig sein dar­über, was alles gut und rich­tig ist: Küs­sen in der Öffent­lich­keit, Schin­ken­bro­te, Mei­nungs­ver­schie­den­hei­ten, neu­es­tes Mode, Lite­ra­tur, Groß­zü­gig­keit, spar­sa­mer Umgang mit […]

Der Ukraine gewidmet

Elena Chekanova & Ensemble | 27. September

Ein unge­heu­rer Ver­gleich, Putin hat ihn ange­strengt: Die ukrai­ni­sche Armee erin­ne­re ihn an die Wehr­macht. Wir erin­nern uns an Babi Jar: Am 27. Sep­tem­ber 1941  —  Elena Che­ka­no­va hat ihr Kon­zert bei uns auf eben die­sen Tag gelegt  —  tra­fen sich höhe­re Wehr­machts-, SS- und Poli­zei­funk­tio­nä­re in Kiew und beschlos­sen, alle Juden der Stadt zu […]

Demokratie statt Staatsreligion

Internationaler Iran-Kongress

Wer die Hamas unter­stützt, die alle Juden abschlach­ten will, und wer der His­bol­lah zu einem der größ­ten Rake­ten-Arse­na­le welt­weit ver­hilft, gilt in Deutsch­land als „mode­rat“: Has­san Roha­ni, Prä­si­dent des Iran, rech­net man hier hoch an, dass ande­re noch bar­ba­ri­scher sind als er. Wäh­rend das Mul­lah-Regime, dem er dient, kei­nen Zwei­fel dar­an lässt, wohin die Rei­se […]

„Wir sind die Dazugekommenen“

INTERVIEW ZU EUROPA | TRAILER 05/14

Euro­pa ist The­ma in TRAILERRUHR 05/14. Unter den Bei­trä­gen auch ein Inter­view, das Lutz Debus mit mir geführt hat: Herr Wes­sel, denk ich an Euro­pa in der Nacht, dann …  Bit­te ergän­zen Sie.  —  Nein, nachts schla­fe ich. Oje, wie sol­len wir jetzt den Ein­stieg fin­den? Ging mir genauso, als wir damals mit dem […]

Friede den Eisdielen

Katatonia | Unplugged & Reworked

Kata­to­nia-Kon­zert fast aus­ver­kauft, gibt nicht mehr vie­le Kar­ten. Was wie­der­um Gele­gen­heit gibt, über das zu schrei­ben, was sie nicht machen: Sie phan­ta­sie­ren sich in kein Ewi­ges Eis hin­ein. In der Dun­kel-Musik ist die Eis-Meta­pher  —  Eis­mee­re, Eis­wel­ten, Eis­frau­en, Eis­fe­en  —  schwer beliebt, da wer­den Eis­pa­läs­te wie Rei­hen­häu­ser ent­wor­fen. Und zwar nicht, je wei­ter nörd­li­ch sol­che […]

Staatsreligion

Konzert zum Karfreitag

„Es stand die Mut­ter vol­ler Schmer­zen bei dem Kreuz“. Das die ers­te Zei­le des Gedichts „Sta­bat Mater“, das Dvořák ver­tont hat, das Bild einer trau­ern­den Mut­ter. Dafür, dass sich so etwas wie Empa­thie ent­wi­ckeln konn­te, die Fähig­keit, sich in das Füh­len ande­rer zu ver­set­zen, war die­ses Bild, über Jahr­hun­der­te tra­diert, von unschätz­ba­rer Bedeu­tung. Jeman­den ans […]

Ästhetik des Widerstands

Projekt 20 | Bochumer Menschenrechtspreis

Was man nicht sehen darf, kann man hören. Nicht gese­hen, nicht ein­mal gedreht wer­den dür­fen die Fil­me, die Jafar Pana­hi macht. Pana­hi, inter­na­tio­nal ver­ehrt [Gold in Can­nes und Vene­dig, Sil­ber in Ber­lin usw.], ist Teil der Grü­nen Bewe­gung, er wur­de Ende 2010 zu 6 Jah­ren Haft ver­ur­teilt und zu 20 Jah­ren Berufs­ver­bot. Im Iran wer­den […]

Das schöne Muster, und dann …

Parastou Forouhar und das Recht zu trauern

Plötz­li­ch geht Schön­heit, ohne dass sie sich wan­delt, in Grau­sam­keit auf. Paras­tou Foro­u­har arbei­tet mit der per­si­schen Tra­di­ti­on, mit Orna­men­ten, Schrift­zei­chen und Sym­bo­len, formt sie aber so, dass sie noch eine ande­re Wirk­lich­keit ver­ra­ten: „Ich for­de­re den zwei­ten Bli­ck her­aus“, sagt sie, „auf den ers­ten Bli­ck sieht man das schö­ne Mus­ter und denkt, ich hab’s […]

„Shake Hands mit einem, der Frauen steinigt?“

Shirin Ebadi, Friedensnobelpreisträgerin, laudatiert Menschenrechtspreis | 8. Dezember

„Are you wil­ling to shake hands with a govern­ment that sto­nes women? Are you going to trust a govern­ment that exe­cu­tes its politi­cal oppo­si­ti­on?“ Shirin Eba­di, Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin, hat sich an die Euro­päi­sche Uni­on gewandt: Ob Euro­pa bereit sei, die Hand zu schüt­teln, die Frau­en stei­nigt und Schwu­le hängt, die Demo­kra­ten hin­rich­tet und mehr Jour­na­lis­ten ein­ge­sperrt […]

Mohammad Reza Mortazavi

Solo für Menschenrechte | 8. Dezember 2013

Zwei Trom­meln, zwei Hän­de und ein 6/8-Rhythmus. Mit wenig mehr als nichts schafft Mor­ta­za­vi, was wie ein Orches­ter klingt. „Green Hands“ nann­te er sein ers­tes Album, es hat der „Grü­nen Revo­lu­ti­on“ im Iran ihren Rhyth­mus geschenkt. 

Mozart und Mörser

Stadtkantorei, Symphoniker | 28. November

Karl Kraus betrach­tet ein Pla­kat, das eine Auf­füh­rung von Mozarts Requi­em anzeigt: „Täuscht mich mein Auge nicht – so ist’s ein Mör­ser!“ Es ist das Jahr 1915, der Ers­te Welt­krieg tobt, und das Wie­ner Bür­ger­tum lässt sich zu Trä­nen rüh­ren  —  nicht etwa vom „Requi­em Euro­pas“, son­dern von Mozarts Erha­ben­heit. Kraus dage­gen hört Mozarts Musik, […]

Camel, Snow Goose, Krieg

Tribute to Peter Bardens | 30. Oktober 2013

„The Snow Goo­se“ erzählt vom Krieg, die Chris­tus­kir­che eben­falls. Es hat Sinn, dass CAMEL ihr Opus Magnum  —  erst­mals nach 38 Jah­ren  —  in die­ser Kir­che insze­nie­ren. Ohne dass ein Wort fällt, wird eine Geschich­te von Paul Gal­li­co ver­tont. Sie erzählt davon, dass der Kampf gegen die Nazis von Men­schen geführt wur­de, die lie­ben konn­ten. 

Tocotronic: Stoppt das Sterben

Lampedusa und das europäische Versprechen

„Die unpein­lichs­te Band des Lan­des“, wur­de Toco­tro­nic genannt. Das stimmt auch des­halb, weil sie kein Mar­ke­ting machen mit Moral. PRO ASYL, von Toco­tro­nic unter­stützt, for­dert jetzt die Bun­des­re­gie­rung auf, alles zu tun, das Ster­ben an Euro­pas Außen­gren­zen zu been­den: „Am 24. und 25. Okto­ber tagen die Staats- und Regie­rungs­chefs der EU in Brüs­sel. Dort hat […]

Al Andaluz Project

Akustik-Konzert | 26. Oktober 2013

Im Süd­en Spa­ni­ens hat sich eine Musik bewahrt, die zurück­reicht in eine Zeit, in der mus­li­mi­sche, christ­li­che und jüdi­sche Kul­tur auf­ein­an­der tra­fen  —  und über­leb­ten. Eine euro­päi­sche Musik, ori­en­ta­li­sch, sephar­di­sch und antik geprägt. Gebor­gen von Musi­kern aus Spa­ni­en, Marok­ko und Deutsch­land, die alle klas­si­sch aus­ge­bil­det sind. Jetzt, in der Kri­se Euro­pas, wird klar, wel­chen Sinn […]