Sie habe höchstens „ein nettes Aufwärmen“ erwartet, schrieb Andrea kürzlich auf mittelstern, dem Blog von Dresden Indie Welt: „Geplänkel. Beiläufiges Mitwippen.“ Beinahe wäre sie gar nicht hingegangen zum Konzert und wären wir ohne diesen Konzertbericht: Beiläufiges Mitwippen? „Charlotte fängt an zu singen. Diese Stimme! Halleluja! Was passiert hier? Völlige Verblüffung bei gleichzeitiger Begeisterung. Ein Mann, eine Frau. Ein Schlagzeug, ein Piano. Ein Raum, der plötzlich viel zu klein wird für diese Stimme, diese Kraft, diese Momente …“
urban urtyp
„… this boy turned gold from blue …“
Einar Stray & Band | urban urtyp #16 | 19. Februar 19 Uhr
„Pop ist eine Haltung“, sagte Michael Wollny, urban urtyp #15, neulich in einem Interview. Pop stehe für „Kompromisslosigkeit“ und diesen „unbedingten Willen, eine eigene Musik zu kreieren“. Im Jazz gehe diese Haltung schon mal verloren, dann werde Improvisation zum Vorwand, „Noten nicht so zu meinen, wie man sie spielt.“ Bei Popbands dagegen, den guten, „ist jede Note so gemeint“, so und nicht anders. Als ginge es immer ums Ganze, das ganze Glück im Unglück. Wenn man Einar Stray hört, den 21jährigen Norweger aus Oslo, hört man sofort, was Wollny meint. Die große Geste, der weite epische Bogen und darin eingeborgen Songs, so opulent wie ein Menü in 7 Gängen. Aber, und das lässt jeden Gang genießen, nichts darin ist uneigentlich, nichts ist nicht so gemeint, kein Ton gibt vor, was anderes zu sein als eben dieser Ton. Pop ist eine Haltung.
Gold, Weihrauch und Wollny
Michael Wollny | urban urtyp #15 | 29. Januar 19 Uhr
Dieser Mensch ist ein Geschenk, zweifellos. Ein „Wunderkind“ sei erschienen, hieß es, die weisen Kritiker stauten sich staunend ums Klavier herum, auch die weise FAZ: „Selten einmal hat man solche Ausweitungen des konventionellen Klavierspiels folgerichtiger aus dem formalen Ablauf der Improvisationen ableiten können wie im Spiel von Wollny.“ Wie wahr. Wenig später staunte die weiterhin weise FAZ, dass ein Wunderkind einen wundervollen Kopf entwickelt: „Man wird wohl als genial bezeichnen dürfen, wie wunderbar unerklärlich Wollnys Spiel überall hinpasst.“ Was wiederum wunderbar zu urban urtyp passt: Dass Wollny, „das deutsche Jazzwunder“, dem sie beim ECHO Jazz 2 x Gold umgehängt haben, dass er bei uns als urban urtyp spielt, ist nicht Gold und nicht Weihrauch, es ist ein Geschenk. Eines, das mit allem zu tun hat, mit Wollny und dem Wunder, mit Echo, Jazz und „Mensch“ …
Downliners Sekt
urban urtyp #14 special | Freitag 30. Dezember 19 Uhr
Was nach Dubstep kommt, kommt aus Barcelona. Sie selber nennen, was aus ihren Laptops kommt, „electronic post post post post rock ambient trip hop, I don’t know“. Eine Dekonstruktion von dem, was war, „als müsse ich zuerst zu graben anfangen, müsse mich rauswühlen, rauskratzen aus einer Masse von Schutt, die uns zudeckt“. So lässt Peter Weiss einen Schriftsetzer in seiner Ästhetik des Widerstandes reflektieren, als es um den Beginn des Spanischen Bürgerkriegs geht und das republikanische Europa, das sich gegen den Faschismus wehrt. 75 Jahre ist das her und der Kurzschluss mit Downliners Sekt erlaubt, weil sie heute — unpathetisch und entschieden — jede paramilitärische Party hintertreiben.
Patty Moon
urban urtyp #13 | 06. November 19 Uhr
Großes Songwriting, zerbrechlicher Pop. Erinnert die einen an verdiente britische Exentriker wie Nick Drake und Kate Bush, andere an Björk oder die frühe Tori Amos, wieder andere an Cohen und Waits. Wie auch immer, fest steht, seit Element of Crime war keine Musik so rätselhaft schön wie die von Patty Moon. Diskret romantisch, ohne Pathos, ohne Dramen, Indie-Pop ohne Bombast. So funktionieren Songs.
creating new material
Hauschka | urban urtyp #12 | 16. Okt. 2011 | 18 Uhr
Hauschka im Interview mit headphone commute: „I feel that a live performance is there for creating new material on the fly, and give people the excitement of experimentation, risk and danger at the same.” Das eben ist der Grund, warum es urban urtyp gibt.
Hauschka
urban urtyp #12 | 16. Oktober 19 uhr
Elektronische Musik ohne Elektronik. Hauschka, weltweit gefragter Pianist, legt die Sounds auf die Saiten und ein paar Dinge dazu, Radiergummis, Kronkorken und Butterbrotpapier, etwas Gaffa-Tape, etwas Folie, ein Satz Tischtennisbälle. Was es so im Haushalt gibt, was aber keine Gags ergibt, wenn er die Dinge zum Spielen bringt. „He builds his repeating structures with a Romantic ear“, schrieben die NEW YORK TIMES, und so steigen an den Klanggerüsten seltsam betörende Melodien empor, die einen ahnen lassen, was Dinge alles erzählten, wären sie beseelt. Eine „Ahnung unverfälschter Schönheit“, schrieb die taz. Und wundert sich im Namen aller, denen pompöse Pop-Posen vertrauter sind als irgendwas mit Sinn: „Wie blöd kommt man sich vor, im Zusammenhang mit Popmusik von Unschuld zu sprechen.“
Experiment am lebenden Publikum
urban urtyp #11 | 25. September 19 Uhr
Früher, also vor ein paar Jahren, war das so: Wenn man wissen wollte, wie die Gegenwart tickt, ging man ins Konzert. Heute funktioniert der Konzertmarkt eher wie ein Videoshop in der Vorstadt: Man hört nur, was man kennt. Bei urban urtyp geht es darum, Musik zu hören, weil man sie nicht kennt. Livemusik ist kein anderes Wort für Langeweile, sondern dafür, am Leben zu sein. Also gibt es hier rund ein Dutzend Leute, die Monat für Monat Musik ins Leben werfen: immer sonntags 19 Uhr, immer 10 EURO, immer anders. Sieht aus wie eine Reihe, ist aber ein Experiment am lebendigen Publikum. Jetzt beginnt die zweite Spielzeit, den Auftakt besorgen drei Live-Acts von hier:
Review | Orka & Oktopus
urban urtyp #10 live im Mai 2011
Deutsche Welle
urban urtyp in Saudi-Arabien
Alle denken immer, der Kirche liefen die Leute weg. In absoluten Zahlen ist das nicht nur falsch, relativ gesehen ist es nur relativ. „Wetten dass“ zum Beispiel schlägt sich mit ganz anderen Zahlen herum, und unter allen Zeitungen, die ihre Leser binden statt bilden, lernt jetzt selbst BILD, dass Einbuße mit Buße tun etwas zu tun haben könnte. Alle sind auf dem Sprung, warum auch nicht, das hält den Laden am Leben. Seltsam nur, wenn man just Kirchen unterschiebt, sie lebten so ein Leben aus schierer Not und täten, was sie tun, nicht aus Vergnügen. Wir hier machen, was wir machen, weil es sinnvoll ist und weil, was sinnvoll ist, Spaß macht. Darüber - über urban urtyp und die Lust daran, Musik nicht nur zu hören, sondern zu erleben — hat Simone Lauenstein von der Deutschen Welle neulich mit netter Neugier einen kleinen Film gedreht. Über Ideen aus Plastik und Schlegel aus Flaschen und Billie Ray Martin vorm Kreuz. Lieben Dank an Simone (und ein Gran weniger Dank an den, der …







