Hauschka im Interview mit headphone commute: „I feel that a live performance is there for creating new material on the fly, and give people the excitement of experimentation, risk and danger at the same.” Das eben ist der Grund, warum es urban urtyp gibt.
urban urtyp
Hauschka
urban urtyp #12 | 16. Oktober 19 uhr
Elektronische Musik ohne Elektronik. Hauschka, weltweit gefragter Pianist, legt die Sounds auf die Saiten und ein paar Dinge dazu, Radiergummis, Kronkorken und Butterbrotpapier, etwas Gaffa-Tape, etwas Folie, ein Satz Tischtennisbälle. Was es so im Haushalt gibt, was aber keine Gags ergibt, wenn er die Dinge zum Spielen bringt. „He builds his repeating structures with a Romantic ear“, schrieben die NEW YORK TIMES, und so steigen an den Klanggerüsten seltsam betörende Melodien empor, die einen ahnen lassen, was Dinge alles erzählten, wären sie beseelt. Eine „Ahnung unverfälschter Schönheit“, schrieb die taz. Und wundert sich im Namen aller, denen pompöse Pop-Posen vertrauter sind als irgendwas mit Sinn: „Wie blöd kommt man sich vor, im Zusammenhang mit Popmusik von Unschuld zu sprechen.“
Experiment am lebenden Publikum
urban urtyp #11 | 25. September 19 Uhr
Früher, also vor ein paar Jahren, war das so: Wenn man wissen wollte, wie die Gegenwart tickt, ging man ins Konzert. Heute funktioniert der Konzertmarkt eher wie ein Videoshop in der Vorstadt: Man hört nur, was man kennt. Bei urban urtyp geht es darum, Musik zu hören, weil man sie nicht kennt. Livemusik ist kein anderes Wort für Langeweile, sondern dafür, am Leben zu sein. Also gibt es hier rund ein Dutzend Leute, die Monat für Monat Musik ins Leben werfen: immer sonntags 19 Uhr, immer 10 EURO, immer anders. Sieht aus wie eine Reihe, ist aber ein Experiment am lebendigen Publikum. Jetzt beginnt die zweite Spielzeit, den Auftakt besorgen drei Live-Acts von hier:
Review | Orka & Oktopus
urban urtyp #10 live im Mai 2011
Deutsche Welle
urban urtyp in Saudi-Arabien
Alle denken immer, der Kirche liefen die Leute weg. In absoluten Zahlen ist das nicht nur falsch, relativ gesehen ist es nur relativ. „Wetten dass“ zum Beispiel schlägt sich mit ganz anderen Zahlen herum, und unter allen Zeitungen, die ihre Leser binden statt bilden, lernt jetzt selbst BILD, dass Einbuße mit Buße tun etwas zu tun haben könnte. Alle sind auf dem Sprung, warum auch nicht, das hält den Laden am Leben. Seltsam nur, wenn man just Kirchen unterschiebt, sie lebten so ein Leben aus schierer Not und täten, was sie tun, nicht aus Vergnügen. Wir hier machen, was wir machen, weil es sinnvoll ist und weil, was sinnvoll ist, Spaß macht. Darüber - über urban urtyp und die Lust daran, Musik nicht nur zu hören, sondern zu erleben — hat Simone Lauenstein von der Deutschen Welle neulich mit netter Neugier einen kleinen Film gedreht. Über Ideen aus Plastik und Schlegel aus Flaschen und Billie Ray Martin vorm Kreuz. Lieben Dank an Simone (und ein Gran weniger Dank an den, der …
„absurdly talented“
Orka & The Oktopus | urban urtyp #10 | Freitag 13. Mai 19 Uhr
“This is easily one of the most individual and exciting acts to appear in a long time”, schrieb Clash Music (UK) und hat — siehe den Film von Sjúrður Justinussen — ganz offensichtlich recht. So wie die anderen auch:
MRC Riddims
The Oktopus & Orka | urban urtyp #10 | Freitag 13. Mai 19 Uhr
Seit es Tanzschulen für ihn gibt, fällt einem zu HipHop gar nichts mehr ein, gäbe es nicht Leute wie Alap Momin alias The Oktopus, die eine Hälfte des HipHop-Undergrounds von Dälek. Keine Tanzlehrer, keine Posen, sondern Musik. Eine, die sich nicht ums Radio schert und um keine Genres: Dälek haben mal mit den Krautrockern von Faust zusammen eine Platte gemacht, treiben sich gerne auf Jazz-Festivals herum, sind aber eben nicht „aufgeschlossen“, sondern haben einfach Ahnung von Musik. Das neueste Projekt von The Oktopus heißt MRC Riddims, er experimentiert darin mit allem, was auf den Dancefloor gehört - und wird das bei uns zunächst als Support von Orka tun und dann mit den Orka-Jungs zusammen. // Einlass 19 Uhr, Tickets ohne VVK-Aufschläge hier reservieren
„In welchem Pott wollen wir leben?“
Rundlauf Bochum | Sonntag 1. Mai ab 14 Uhr
Bei dem, was aussieht wie ein Heiligenschein, handelt es sich um einen Bahnhof, der den allerdings eigentümlichen Namen „Katholikentagsbahnhof“ trägt. Das Gebäude wurde 1949 als Provisorium errichtet für Besucher, die für ein paar Tage geblieben sind, heute dient es als Provisorium für Künstler, die viele Tage bleiben wollen. Bochum ist eine schrumpfende Stadt, und es gibt eine Menge Orte hier, die etwas vergessen wirken, etwas verwunschen und reichlich verloddert. Und dann gibt es Orte, die mittendrin ganz anders sind, „bunte Flecken im farblichen Grau“. So beschreiben Sven Stienen und Sven Neidig solche „guten Orte“ und stellen sie auf Pottspotting vor. Während Marie Träger uns Pottspotting vorstellt für einen Tag, „sichtbar, begehbar und mit mehr Sinnen als dem Mauszeiger zu erkunden“.
Rundlauf
Bild- Klang- Textperformance | Sonntag 1. Mai von 14 - 20 Uhr
Ebenerdig die „Helden-Gedenkhalle“ im Turm, darin die Namen von 1358 Bochumern, die gefallen sind, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Oberhalb der Namen behauptet ein Bild, sie seien „aufgefahren in den Himmel“. Darüber wiederum eine Figur, die im Himmel thront, der auferstandene Christus. Und noch eine Etage höher, im ersten OG des Turms, wird - für nur einen Tag - statt noch mehr Glanz und Gloria der Gekreuzigte gezeigt, der allerdings gefallen ist statt aufgefahren. Fotos von Theo Oberheitmann, die beirren. Aufgenommen eben dort, wo auch viele der 1358 Bochumer gefallen waren: „Überall auf den Friedhöfen der Bretagne und Normandie entdecke ich Kruzifixe in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls …
Orka & The Oktopus
urban urtyp #10 | Freitag 13. Mai 19 Uhr
Jede Stadt hat einen Sound, behaupten wir, nur welchen? Orka kommen aus Innan Glyvur, einem Ort mit 77 Einwohnern weit oben im Atlantik auf den Färoer, den Schafsinseln. Viel Gras, viel Schaf, viel Regen. Regen an 6 von 7 Tagen die Woche. Was also sollen 4 aus 77, Orka aus Innan Glyvur, hier groß treiben, um Zeit zu vertreiben? Vikin Metall vielleicht? Oder Björk-gleichen Nebelgesang? Sie machen Industrial Music. Sie machen etwas, das derart urban klingt und nach Stadt, dass man denkt, selbst die Einstürzenden Neubauten seien vom Dorf gekommen.






