Wort

World Wide Webfish

Nominierung für EKD-Internet-Award | Voting bis 14. MAERZ

Fisch im öffentlichen Raum: Eine der mehrere Tausend Jahre alten Felszeichnungen von Hjemmeluf, heute Teil des Alta Museums in Norwegen.

Cle­mens Franz | Com­mons Wikimedia

Fische, sagt man, seien die ein­zi­gen Wesen, die nicht wüss­ten, was Was­ser sei. Wenn das stimmt, ließe sich sagen, dass Kir­chen die­je­ni­gen Gebäude sind, die nicht wis­sen, was Öffent­li­cher Raum ist. Sie sind es, man sieht es ihnen nur sel­ten an. Auch kir­chen­ähn­li­chen Gebäu­den  -  Thea­tern, Kon­zert­häu­sern, Museen  -  sieht man nicht wirk­lich an, dass sie öffent­li­che Räume sind, auch da ver­keh­ren wenig mehr als fünf Pro­zent der Bevöl­ke­rung. Für den Kul­tur­be­trieb sind sie, was die „Kern­ge­meinde“ für die Kir­che ist, eine sta­bile Basis und eine Fünf-Prozent-Hürde. Über diese Hürde kom­men beide, Kir­che und Kul­tur, kaum hin­weg, wie dann die Kir­che der Kul­tu­ren? Das war die Frage, die wir Eden und Team gestellt hat­ten, ihre Ant­wort ist das, was Sie hier sehen, einen öffent­li­chen Raum. Jetzt wurde unser Blog für den Web­fish Award 2012 nomi­niert, den Internet-Preis der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, hier geht’s zum Voting.

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„No Respect for Eternity“

Wislawa Szymborska † | Lesung der Kosmopolen | 9. Febr. 20 Uhr

Wislawa Szymborska, aufgenommen am 17. Juni 2010 in Krakau

Jacek Turczyk | Com­mons Wikimedia

In Polen ste­hen die Uhren still, das Land nebenan hat eine große Stimme ver­lo­ren. Wis­lawa Szym­borska, 1996 mit dem Nobel­preis für Lite­ra­tur geehrt, hatte ihr Leben in Kra­kau ver­bracht und aus der Per­spek­tive die­ser Stadt ihr Jahr­hun­dert beschrie­ben. Mit einer poe­ti­schen Sach­lich­keit, die, nach Nazi-Terror und Sta­li­nis­mus, der Ewig­keit miss­traute. Nicht plötz­lich, keine Stunde Null, son­dern nach und nach. Czes­law Milosz, 1980 mit dem Nobel­preis für Lite­ra­tur geehrt und 2004 in Kra­kau gestor­ben, habe ein­mal zu ihr gesagt, „er beginne beim Schrei­ben mit dem ers­ten Satz. Und ich fange oft mit dem letz­ten an. Und dann ist es sehr schwer, sich zum Anfang des Gedichts hoch­zu­ar­bei­ten.“ Das hat sie nun getan, ein Leben als Gedicht. Am Don­ners­tag neh­men die Kos­mo­po­len, die befreun­dete Künstler-Initiative im Ruhr­ge­biet, Abschied von der gro­ßen Dame der pol­ni­schen Sprache.

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Tag der Befreiung von Auschwitz

Synagoge Bochum | 26. Januar | 17 Uhr

Edwin Scharff: Bildnis der Anni Mewes von 1917/21 nach seiner Bergung 2010: "Kunst macht sichtbar."

Lan­des­denk­mal­amt Ber­lin | Foto: Manuel Escobedo

Im Januar 2010 wurde bei Bau­ar­bei­ten in Ber­lin ein Kunst­werk aus der Erde gebor­gen, ein Bron­ze­guss des Bild­hau­ers Edwin Scharff. Das Bild­nis zeigt die Schau­spie­le­rin Anni Mewes, die Nazis hat­ten es 1937 als „ent­ar­tet“ beschlag­nahmt. Zehn wei­tere Kunst­werke waren Jahr­zehnte lang im Her­zen der Stadt ver­bor­gen, dann gab die Erde sie preis, als sei es an der Zeit, das zu beglau­bi­gen, was Paul Klee behaup­tet hat: dass Kunst nicht wie­der­gibt, was sicht­bar ist, son­dern dass Kunst sicht­bar macht. Sicht­bar wird, dass sich die Erde eines Tages öffnet und Mas­sen­grä­ber offen­bart. Allein in der Ukraine sind es Tau­sende, die sich auf­tun in die­ser Zeit, oft zufäl­lig bei Bau­ar­bei­ten ent­deckt. Im Akkord hat­ten die Nazis gemor­det und Hun­dert­tau­sende ihrer Opfer in der Erde ver­scharrt, nur von den Wenigs­ten ken­nen wir die Namen. Am 26. Januar, dem Vor­abend des Tages, an dem Ausch­witz befreit wor­den ist, ver­liest die Jüdi­sche Gemeinde Bochum die Namen derer, die aus Bochum und Wat­ten­scheid depor­tiert wor­den sind, um ermor­det zu werden.

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Europa beginnt in Teheran

Die Reden von Shirin Ebadi und Khadijeh Moghaddam

Kämpft seit über 40 Jahren für Menschenrechte im Iran: Khadijeh Moghaddam (60), Frauenrechtlerin, mit dem Bochumer Menschenrechtspreis 2011

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

„Nach dem Bericht der ‚Jour­na­lis­ten ohne Gren­zen‘ hat der Iran die höchste Zahl an Jour­na­lis­ten, die inhaf­tiert sind. Aus die­ser Sicht steht Iran ein­mal an ers­ter Stelle.“ Shirin Ebadi, Frie­dens­no­bel­preis­trä­ge­rin, hat am Sonn­tag in der Chris­tus­kir­che vor 500 Zuhö­rern über die „mas­sive Zen­sur im Iran“ gespro­chen, über Staats­me­dien, ein „merk­wür­di­ges“ Pres­se­ge­setz und die Mani­pu­la­tion der öffent­li­chen Mei­nung. Eine prag­ma­ti­sche Rede, Men­schen­rechte sind auch sonn­tags nichts für Sonn­tags­re­den: „Wir möch­ten Sie, die freien Men­schen in Europa, anspre­chen. Sie glau­ben ja an Men­schen­rechte. Sie dür­fen nicht erlau­ben, dass Unter­neh­men Geschäfte mit Iran trei­ben, die zu mehr Unter­drü­ckung der Men­schen füh­ren.“ Hier die Rede von Shirin Ebadi. Und hier die Rede von Kha­di­jeh Mog­had­dam, die den Bochu­mer Men­schen­rechts­preis ent­ge­gen nahm: „Die­ser Preis gehört den Müttern“.

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„Bitte sprechen Sie über Demokratie!“

Shirin Ebadi, Iran-Freedom, Amnesty | 18. Dezember 17:30 Uhr

Graffito in Cannaregio, Venedig: Informationen zum Foto am Ende des Artikels

Gio­vanni Dall’Orto | Com­mons Wikimedia

„Die nächste Per­son, die getö­tet wer­den soll, ist Shirin Ebadi.“ Vor elf Jah­ren stieß die Tehe­ra­ner Juris­tin auf die­sen Satz, als sie in Regie­rungs­ak­ten wegen Dut­zen­der Regie­rungs­morde recher­chierte. Drei Jahre spä­ter wurde Shirin Ebadi in Oslo mit dem Frie­dens­no­bel­preis geehrt, sie reichte ihn wei­ter an alle Ira­ne­rin­nen und Ira­ner, die für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte kämp­fen, für poli­ti­sche, sexu­elle, reli­giöse Frei­heit. „Die Grüne Bewe­gung“, so Ebadi, „ist eine demo­kra­ti­sche, also keine ideo­lo­gi­sche Bewe­gung. Sie ver­eint Men­schen mit unter­schied­li­chen Auf­fas­sun­gen und Nei­gun­gen.“ Im Kampf für Demo­kra­tie und Men­schen­rechte sei „jeder für sich selbst ein Held oder eine Heldin“.

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Thron kann jeder

Hans-Ehrenberg-Preis für Antje Vollmer | 22. Nov. 19 Uhr

St.-Petrus-Platz in Rom: "Thron kann jeder"

Jane­ri­clo­ebe | Com­mons Wikimedia

Wenn Krieg die Fort­set­zung der Poli­tik mit ande­ren Mit­teln ist, ist Demo­kra­tie die Fort­set­zung des Krie­ges mit ohne Waf­fen. Das gilt auch dann, wenn Par­teien mehr Vor­sit­zende als Mei­nun­gen haben, die Parteien-Landschaft über­sicht­lich ist und Poli­tik die Fort­set­zung von Gün­ther Jauch mit ohne Joker. In die­ser Fern­be­die­nungs­land­schaft gibt es Berei­che, in die zu gehen sich nie­mand traut. Brach­ge­lände der Demo­kra­tie, in denen die Regeln nicht so klar sind wie beim Sport und keine Straf­räume mar­kiert. Wer da hin­ein geht, kriegt beste Wün­sche mit auf sei­nen Weg und, wenn sich ein Weg her­aus stellt, von allen Sei­ten auf die Mütze. Darum wür­di­gen wir, wie Antje Voll­mer Poli­tik ver­steht und demo­kra­ti­sche Arbeit.

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Antje Vollmer, Margot Käßmann

Hans-Ehrenberg-Preis 2011 | Dienstag 22. November 19 Uhr

Antje Vollmer, Publizistin, Theologin und langjährige Vizepräsidentin des Deutschen Bundestages

Foto | Jim Rakete

Die Publi­zis­tin und lang­jäh­rige Vize­prä­si­den­tin des Deut­schen Bun­des­ta­ges, Dr. Antje Voll­mer, erhält den Hans-Ehrenberg-Preis 2011. Der pro­tes­tan­ti­sche Preis wird der Theo­lo­gin in Form eines öffent­li­chen Gesprächs zwi­schen ihr und Mar­got Käß­mann ver­lie­hen. Thema: „Gott & die Poli­tik“. Mode­ra­tion: Rein­hard Mawick, Pres­se­spre­cher der EKD. Mit Voll­mer werde ein poli­ti­sches Den­ken gewür­digt, das „in schein­bar aus­weg­lo­sen gesell­schaft­li­chen Kon­flik­ten“ Ver­stän­di­gungs­pro­zesse ein­lei­ten könne, heißt es in der Begrün­dung der Fin­dungs­kom­mis­sion. Vor­aus­set­zung dafür sei Voll­mers poli­ti­sche Sen­si­bi­li­tät, „mit der sie gesche­he­nes Unrecht wahr­nimmt und es, ohne es zu beschö­ni­gen, zu besänf­ti­gen sucht“. // Fest­akt und Dis­kus­sion sind öffent­lich, der Zugang frei.

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„Räuber und Rating-Agenten“

Tag des offenen Denkmals | 11. September 2011

"Mit einem Eingehen auf die strukturellen probleme der Zeit hat das nichts zu tun": Zerstörtes Bildprogramm der alten Christuskirche

Stadt­ar­chiv | Christuskirche

Eigent­lich dachte ich, machen wir die­ses Jahr nicht mit beim Tag des offe­nen Denk­mals. Das Thema lau­tet „Roman­tik Rea­lis­mus Revo­lu­tion“, und roman­tisch ist das hier ja nicht so. Wenn Roman­tik aller­dings — nach der berühm­ten Defi­ni­tion von Nova­lis — darin besteht, „dem Gemei­nen einen hohen Sinn“ zu geben, dann ist die 1943 zer­störte Chris­tus­kir­che aus­ge­spro­chen roman­tisch gewe­sen: Tech­nisch auf der Höhe der Zeit, berief sie sich auf einen Jahr­hun­derte zurück­lie­gen­den Stil, den „früh­go­ti­schen“. Einen Stil also, der die Moderne leug­net, aber modernste Hei­zungs­tech­nik nutzt.

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„Liebe Freunde Europas“

Franz von Hammerstein * 6.6.1921 † 15.8.2011

Dr. Franz von Hammerstein * 6.6.1921 - † 15.8.2011

lichtblick-fotos.de

Im Alter von 90 Jah­ren ist Dr. Franz von Ham­mer­stein, Mit­be­grün­der der Aktion Süh­ne­zei­chen Frie­dens­dienste, jetzt in Ber­lin ver­stor­ben. Der Theo­loge gehörte zu den Weni­gen sei­ner Gene­ra­tion, die sich der gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung für die deut­schen Ver­bre­chen gestellt haben  -  nicht erst Jahr­zehnte spä­ter und nicht nur im Feuille­ton, son­dern mit sei­nem Lebenswerk.

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„Mehr als 3000 Jahre“

Zu Gast: Zarathustrischer Verein

"Turm des Schweigens", Grabstätte der Zoroastrier, nahe bei Yazd, Iran

Petr Adam Dohná­lek | Com­mons Wikimedia

Dar­auf muss man erst mal kom­men, dass die Welt nicht ein­fach ist, son­dern gewor­den, und dass sie nicht ein­fach dau­ert, son­dern enden wird. Und dass es zwi­schen Anfang  -  Urknall oder Schöp­fung  -  und Ende  -  Welt­ge­richt oder Atom­kom­pro­miss -  nicht darum geht, das zu tun, was alle tun, son­dern die eigene Ent­schei­dung zu tref­fen. „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwi­schen Tier und Über­mensch, ein Seil über einem Abgrund“, schrieb Nietz­sche in sei­nem Zara­thus­tra und berief sich damit  -  ohne rech­ten Bezug  -  auf die ver­mut­lich erste mono­the­is­ti­sche Reli­gion über­haupt, den Zoroa­s­tris­mus oder Zara­thustris­mus. Eine per­si­sche Buch­re­li­gion, älter als das Juden­tum, in der sich die Vor­stel­lung her­an­ge­bil­det hat, dass Gott nicht Stoff ist, son­dern Geist. Wes­halb Er auch nicht im Bild erscheine, son­dern in der Spra­che. Zara­thus­trier gibt es durch bald vier Jahr­tau­sende hin­durch bis heute, Anfang Juli kom­men sie zu uns.

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