Wort

„Räuber und Rating-Agenten“

Tag des offenen Denkmals | 11. September 2011

"Mit einem Eingehen auf die strukturellen probleme der Zeit hat das nichts zu tun": Zerstörtes Bildprogramm der alten Christuskirche

Stadt­ar­chiv | Christuskirche

Eigent­lich dachte ich, machen wir die­ses Jahr nicht mit beim Tag des offe­nen Denk­mals. Das Thema lau­tet „Roman­tik Rea­lis­mus Revo­lu­tion“, und roman­tisch ist das hier ja nicht so. Wenn Roman­tik aller­dings — nach der berühm­ten Defi­ni­tion von Nova­lis — darin besteht, „dem Gemei­nen einen hohen Sinn“ zu geben, dann ist die 1943 zer­störte Chris­tus­kir­che aus­ge­spro­chen roman­tisch gewe­sen: Tech­nisch auf der Höhe der Zeit, berief sie sich auf einen Jahr­hun­derte zurück­lie­gen­den Stil, den „früh­go­ti­schen“. Einen Stil also, der die Moderne leug­net, aber modernste Hei­zungs­tech­nik nutzt.

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„Liebe Freunde Europas“

Franz von Hammerstein * 6.6.1921 † 15.8.2011

Dr. Franz von Hammerstein * 6.6.1921 - † 15.8.2011

lichtblick-fotos.de

Im Alter von 90 Jah­ren ist Dr. Franz von Ham­mer­stein, Mit­be­grün­der der Aktion Süh­ne­zei­chen Frie­dens­dienste, jetzt in Ber­lin ver­stor­ben. Der Theo­loge gehörte zu den Weni­gen sei­ner Gene­ra­tion, die sich der gesell­schaft­li­chen Ver­ant­wor­tung für die deut­schen Ver­bre­chen gestellt haben  -  nicht erst Jahr­zehnte spä­ter und nicht nur im Feuille­ton, son­dern mit sei­nem Lebenswerk.

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„Mehr als 3000 Jahre“

Zu Gast: Zarathustrischer Verein

"Turm des Schweigens", Grabstätte der Zoroastrier, nahe bei Yazd, Iran

Petr Adam Dohná­lek | Com­mons Wikimedia

Dar­auf muss man erst mal kom­men, dass die Welt nicht ein­fach ist, son­dern gewor­den, und dass sie nicht ein­fach dau­ert, son­dern enden wird. Und dass es zwi­schen Anfang  -  Urknall oder Schöp­fung  -  und Ende  -  Welt­ge­richt oder Atom­kom­pro­miss -  nicht darum geht, das zu tun, was alle tun, son­dern die eigene Ent­schei­dung zu tref­fen. „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwi­schen Tier und Über­mensch, ein Seil über einem Abgrund“, schrieb Nietz­sche in sei­nem Zara­thus­tra und berief sich damit  -  ohne rech­ten Bezug  -  auf die ver­mut­lich erste mono­the­is­ti­sche Reli­gion über­haupt, den Zoroa­s­tris­mus oder Zara­thustris­mus. Eine per­si­sche Buch­re­li­gion, älter als das Juden­tum, in der sich die Vor­stel­lung her­an­ge­bil­det hat, dass Gott nicht Stoff ist, son­dern Geist. Wes­halb Er auch nicht im Bild erscheine, son­dern in der Spra­che. Zara­thus­trier gibt es durch bald vier Jahr­tau­sende hin­durch bis heute, Anfang Juli kom­men sie zu uns.

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Scudetto [ital] Hakoah [hebr]

Unser Rückblick zum Saisonrückblick | 26. Mai 19:30 Uhr

Blau-weiß mit Synagoge: Die Castroper Straße in Bochum

Peter Schmitz | schmitz-architekten.de

Ob Fuß­ball wie Reli­gion sei, Sta­dion­ge­sänge wie Cho­räle, Steil­pässe wie eine Offen­ba­rung usw., das ist alles hübsch gedacht und ganz egal. Nicht egal ist, dass Ben Rede­lings und Frank Goo­sen bei uns auf die Sai­son zurück­bli­cken. Nicht egal ist, dass der VfL „viel­leicht doch nicht so scheiße“ ist und darum wie­der­auf­steig­bar. Nicht egal ist, dass Ernst-Otto Stüber, der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende, einer von uns ist. Und auch nicht egal, son­dern eine unfass­bare Geschichte ist, dass die Blau-Weißen von der Castro­per Straße, lange vor dem BVB, Deut­scher Fuß­ball­meis­ter gewor­den sind. Das war 1938 …

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„Evangelische Bürgerkirche“

Kuratorium Christuskirche neu konstituiert

14 von 26 Kuratoren [v.l.n.r.]: Tillmann Neinhaus | Gerd Eden | Manuela Theile | Carsten Köchel | Rolf D. Suhl | Thomas Wessel | Kriemhild Ruddat | Ernst-Otto Stüber | Christa Thoben | Hans H. Hanke | Andreas Bentler | Andrea Weiser | Ernst Kratzsch | Christof Wieschemann

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Gibt ja im Ruhr­ge­biet nicht viele Bau­werke von euro­päi­schem Rang, die Chris­tus­kir­che zählt  zu den bedeu­tends­ten Sakral-Neubauten Euro­pas. Und ver­fügt über ein wohl ein­ma­li­ges Nut­zungs­kon­zept für eine Kir­che der Kul­tu­ren. Aus­gangs– und Bezugs­punkt  ist dabei die Archi­tek­tur des Bau­werks: Der vom Krieg ver­schonte Turm, der die Geschichte der Stadt ver­dich­tet  -  etwas abge­setzt davon das moderne Kir­chen­schiff, ein voll­kom­men bil­der­lo­ser Raum: „Das Ensem­ble, das Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart aus­ein­an­der setzt, lädt zur Aus­ein­an­der­set­zung ein.“

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Rundlauf

Bild- Klang- Textperformance | Sonntag 1. Mai von 14 - 20 Uhr

"Über­all auf den Fried­hö­fen der Bre­ta­gne und Nor­man­die ent­de­cke ich Kru­zi­fixe in den unter­schied­lichs­ten Sta­dien des Zerfalls …" Theo Oberheitmann, Foto-Künstler

Foto | Theo Oberheitmann

Eben­er­dig die „Helden-Gedenkhalle“ im Turm, darin die Namen von 1358 Bochu­mern, die gefal­len sind, „hin­ab­ge­stie­gen in das Reich des Todes“. Ober­halb der Namen behaup­tet ein Bild, sie seien „auf­ge­fah­ren in den Him­mel“. Dar­über wie­derum eine Figur, die im Him­mel thront, der auf­er­stan­dene Chris­tus. Und noch eine Etage höher, im ers­ten OG des Turms, wird  -  für nur einen Tag  -  statt noch mehr Glanz und Glo­ria der Gekreu­zigte gezeigt, der aller­dings gefal­len ist statt auf­ge­fah­ren. Fotos von Theo Ober­heit­mann, die beir­ren. Auf­ge­nom­men eben dort, wo auch viele der 1358 Bochu­mer gefal­len waren: „Über­all auf den Fried­hö­fen der Bre­ta­gne und Nor­man­die ent­de­cke ich Kru­zi­fixe in den unter­schied­lichs­ten Sta­dien des Zerfalls …

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Gucci Nomos Harley

Vorlesung der Ruhr-Uni Bochum | 19. April 2011

"Wir sind Verschwendung, die ganze Welt ein Luxusgut": Ruhr-Uni-Seminar in der Christuskirche

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Heute war zum ers­ten Mal eine Har­ley in der Kir­che. Vor der Kir­che hat­ten wir sie schon im Dut­zend, heute kam sie zu einer Vor­le­sung her­ein, just als Lud­wig Kai­ser „Born To Be Wild“ auf der Orgel spielte. Es gibt an der Ruhr-Uni zwei Lehr­stühle für Mar­ke­ting, und Jan Wie­seke, einer der bei­den Pro­fes­so­ren, ver­sucht mit sei­nen Stu­die­ren­den her­aus­zu­fin­den, was eigent­lich Luxus sei. Eine Har­ley? Eine Kir­che? Eine Antwort …

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1. Bochumer Science Slam

Sci­ence Slam | luups.net

Wir blen­den erst­mal rüber nach Leip­zig. Da gab es vor eini­ger Zeit einen Sci­ence Slam, auf dem ein 35-jähriger Nach­wuchs­wis­sen­schaft­ler zum ers­ten Mal erklärt hat, warum selbst Päpste irren kön­nen. Für diese ver­we­gene These  -  es war Som­mer 1519  -  bekam er von den einen Prü­gel und von den ande­ren Applaus. Seit­dem haben sich weder Ein­sicht noch Regel­werk wesent­lich geän­dert, und des­halb laden wir  -  491 Jahre spä­ter: ganz offen­sicht­lich ist Bochum eine Uni-Stadt  -  zum 1. Bochu­mer Sci­ence Slam ein: 4 Wis­sen­schaft­ler, 4 The­men, 1 Publikum.

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Eine Stadt wie Sodom?

Rabbiner Walter Rothschild | Sonntag 21. November 16 Uhr

Mat­thias Koch | RUHR.2010

Was macht eine Stadt gut? Die Kul­tur, sagen die, die in der Kul­tur­stadt leben, all das Wahre und Gute und Schöne, das es hier gibt. Was macht eine Stadt böse? Das kann, wenn die erste Ant­wort stimmt,  nur eine Nicht­kul­tur sein, die Lügen und das Häss­li­che, das es andern­orts gibt. In Städ­ten, die wie Sodom sind, die an der Unkul­tur ersti­cken und an sich selbst. Die jüdi­sche Über­lie­fe­rung aller­dings erklärt die Unkul­tur, für die der Name Sodom steht, etwas anders: Die Men­schen von Sodom, heißt es im Tal­mud, waren böse wegen all des Guten, das Gott ihnen gab. Sodom war eine rei­che Stadt, sie war „wie der Gar­ten Eden“, eine blü­hende Kul­tur­land­schaft. Wal­ter Roth­schild legt die Geschichte von Sodom in der Kul­tur­haupt­stadt aus.

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„… wie im Himmel so auf Erden …“

Uraufführung | Freitag 12. November 20 Uhr

Michelangelo: Jüngstes Gericht (Detail) 1536 - 41

Miche­lan­gelo: Jüngs­tes Gericht (Detail) | zeno.org

Es sei wie­der chic, sich christ­lich zu geben. „Christ­li­che Werte“ hät­ten Kon­junk­tur oder, das ist dann poli­tisch kor­rekt behaup­tet, die „jüdisch-christlichen Werte“. Dar­über liest man oft in letz­ter Zeit, ich weiß nicht, ob es stimmt. Mal abge­se­hen davon, dass es mit Wer­ten so eine Sache ist, solange sie der Ver­wer­tung die­nen. In der Bibel „Werte“ zu fin­den, ist jeden­falls schwer, es fin­den sich aber Ideen darin, und eine davon liegt dem Rechts­staat zugrunde, das ist die Idee des Jüngs­ten Gerichts, des letz­ten. Die Idee, die Mäch­ti­gen vom Thron zu stür­zen, damit Got­tes Recht regiere wie im Him­mel, so auf Erden. „Ich zit­tere für mein Land, wenn ich daran denke, dass Gott gerecht ist“, sagte Tho­mas Jef­fer­son, der Prä­si­dent einer Gesell­schaft, in der es recht­mä­ßig war, dass Men­schen recht­los waren. Zwei Jahr­hun­derte spä­ter hat Nor­bert Lam­mert, Bun­des­tags­prä­si­dent, das Vater­Un­ser über­setzt, Ste­fan Heu­cke, Kom­po­nist, hat es vertont.

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Kategorie: Konzerte, Wort | Kommentare (0)

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