Eigentlich dachte ich, machen wir dieses Jahr nicht mit beim Tag des offenen Denkmals. Das Thema lautet „Romantik Realismus Revolution“, und romantisch ist das hier ja nicht so. Wenn Romantik allerdings — nach der berühmten Definition von Novalis — darin besteht, „dem Gemeinen einen hohen Sinn“ zu geben, dann ist die 1943 zerstörte Christuskirche ausgesprochen romantisch gewesen: Technisch auf der Höhe der Zeit, berief sie sich auf einen Jahrhunderte zurückliegenden Stil, den „frühgotischen“. Einen Stil also, der die Moderne leugnet, aber modernste Heizungstechnik nutzt.
Wort
„Liebe Freunde Europas“
Franz von Hammerstein * 6.6.1921 † 15.8.2011
Im Alter von 90 Jahren ist Dr. Franz von Hammerstein, Mitbegründer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, jetzt in Berlin verstorben. Der Theologe gehörte zu den Wenigen seiner Generation, die sich der gesellschaftlichen Verantwortung für die deutschen Verbrechen gestellt haben - nicht erst Jahrzehnte später und nicht nur im Feuilleton, sondern mit seinem Lebenswerk.
„Mehr als 3000 Jahre“
Zu Gast: Zarathustrischer Verein
Darauf muss man erst mal kommen, dass die Welt nicht einfach ist, sondern geworden, und dass sie nicht einfach dauert, sondern enden wird. Und dass es zwischen Anfang - Urknall oder Schöpfung - und Ende - Weltgericht oder Atomkompromiss - nicht darum geht, das zu tun, was alle tun, sondern die eigene Entscheidung zu treffen. „Der Mensch ist ein Seil, geknüpft zwischen Tier und Übermensch, ein Seil über einem Abgrund“, schrieb Nietzsche in seinem Zarathustra und berief sich damit - ohne rechten Bezug - auf die vermutlich erste monotheistische Religion überhaupt, den Zoroastrismus oder Zarathustrismus. Eine persische Buchreligion, älter als das Judentum, in der sich die Vorstellung herangebildet hat, dass Gott nicht Stoff ist, sondern Geist. Weshalb Er auch nicht im Bild erscheine, sondern in der Sprache. Zarathustrier gibt es durch bald vier Jahrtausende hindurch bis heute, Anfang Juli kommen sie zu uns.
Scudetto [ital] Hakoah [hebr]
Unser Rückblick zum Saisonrückblick | 26. Mai 19:30 Uhr
Ob Fußball wie Religion sei, Stadiongesänge wie Choräle, Steilpässe wie eine Offenbarung usw., das ist alles hübsch gedacht und ganz egal. Nicht egal ist, dass Ben Redelings und Frank Goosen bei uns auf die Saison zurückblicken. Nicht egal ist, dass der VfL „vielleicht doch nicht so scheiße“ ist und darum wiederaufsteigbar. Nicht egal ist, dass Ernst-Otto Stüber, der VfL-Aufsichtsratsvorsitzende, einer von uns ist. Und auch nicht egal, sondern eine unfassbare Geschichte ist, dass die Blau-Weißen von der Castroper Straße, lange vor dem BVB, Deutscher Fußballmeister geworden sind. Das war 1938 …
„Evangelische Bürgerkirche“
Kuratorium Christuskirche neu konstituiert
Rundlauf
Bild- Klang- Textperformance | Sonntag 1. Mai von 14 - 20 Uhr
Ebenerdig die „Helden-Gedenkhalle“ im Turm, darin die Namen von 1358 Bochumern, die gefallen sind, „hinabgestiegen in das Reich des Todes“. Oberhalb der Namen behauptet ein Bild, sie seien „aufgefahren in den Himmel“. Darüber wiederum eine Figur, die im Himmel thront, der auferstandene Christus. Und noch eine Etage höher, im ersten OG des Turms, wird - für nur einen Tag - statt noch mehr Glanz und Gloria der Gekreuzigte gezeigt, der allerdings gefallen ist statt aufgefahren. Fotos von Theo Oberheitmann, die beirren. Aufgenommen eben dort, wo auch viele der 1358 Bochumer gefallen waren: „Überall auf den Friedhöfen der Bretagne und Normandie entdecke ich Kruzifixe in den unterschiedlichsten Stadien des Zerfalls …
Gucci Nomos Harley
Vorlesung der Ruhr-Uni Bochum | 19. April 2011
Heute war zum ersten Mal eine Harley in der Kirche. Vor der Kirche hatten wir sie schon im Dutzend, heute kam sie zu einer Vorlesung herein, just als Ludwig Kaiser „Born To Be Wild“ auf der Orgel spielte. Es gibt an der Ruhr-Uni zwei Lehrstühle für Marketing, und Jan Wieseke, einer der beiden Professoren, versucht mit seinen Studierenden herauszufinden, was eigentlich Luxus sei. Eine Harley? Eine Kirche? Eine Antwort …
1. Bochumer Science Slam
Wir blenden erstmal rüber nach Leipzig. Da gab es vor einiger Zeit einen Science Slam, auf dem ein 35-jähriger Nachwuchswissenschaftler zum ersten Mal erklärt hat, warum selbst Päpste irren können. Für diese verwegene These - es war Sommer 1519 - bekam er von den einen Prügel und von den anderen Applaus. Seitdem haben sich weder Einsicht noch Regelwerk wesentlich geändert, und deshalb laden wir - 491 Jahre später: ganz offensichtlich ist Bochum eine Uni-Stadt - zum 1. Bochumer Science Slam ein: 4 Wissenschaftler, 4 Themen, 1 Publikum.
Eine Stadt wie Sodom?
Rabbiner Walter Rothschild | Sonntag 21. November 16 Uhr
Was macht eine Stadt gut? Die Kultur, sagen die, die in der Kulturstadt leben, all das Wahre und Gute und Schöne, das es hier gibt. Was macht eine Stadt böse? Das kann, wenn die erste Antwort stimmt, nur eine Nichtkultur sein, die Lügen und das Hässliche, das es andernorts gibt. In Städten, die wie Sodom sind, die an der Unkultur ersticken und an sich selbst. Die jüdische Überlieferung allerdings erklärt die Unkultur, für die der Name Sodom steht, etwas anders: Die Menschen von Sodom, heißt es im Talmud, waren böse wegen all des Guten, das Gott ihnen gab. Sodom war eine reiche Stadt, sie war „wie der Garten Eden“, eine blühende Kulturlandschaft. Walter Rothschild legt die Geschichte von Sodom in der Kulturhauptstadt aus.
„… wie im Himmel so auf Erden …“
Uraufführung | Freitag 12. November 20 Uhr
Es sei wieder chic, sich christlich zu geben. „Christliche Werte“ hätten Konjunktur oder, das ist dann politisch korrekt behauptet, die „jüdisch-christlichen Werte“. Darüber liest man oft in letzter Zeit, ich weiß nicht, ob es stimmt. Mal abgesehen davon, dass es mit Werten so eine Sache ist, solange sie der Verwertung dienen. In der Bibel „Werte“ zu finden, ist jedenfalls schwer, es finden sich aber Ideen darin, und eine davon liegt dem Rechtsstaat zugrunde, das ist die Idee des Jüngsten Gerichts, des letzten. Die Idee, die Mächtigen vom Thron zu stürzen, damit Gottes Recht regiere wie im Himmel, so auf Erden. „Ich zittere für mein Land, wenn ich daran denke, dass Gott gerecht ist“, sagte Thomas Jefferson, der Präsident einer Gesellschaft, in der es rechtmäßig war, dass Menschen rechtlos waren. Zwei Jahrhunderte später hat Norbert Lammert, Bundestagspräsident, das VaterUnser übersetzt, Stefan Heucke, Komponist, hat es vertont.





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