„T wie Totalverlust“ | 1943

Stadtarchiv
„Bezeichnung: Christuskirche. Ort: Bochum. Zeitpunkt des Luftangriffs: Nacht vom 13. zum 14. Mai 1943. Art der Beschädigung: T.“
Eine dürre Mitteilung auf dünnem Papier. T steht für „Totalverlust“, darunter der Zusatz „bis auf den Turm“.
Ausgerechnet. Der Turm, der das Feindbild hütet, prägt eine Stadt, die keine mehr ist. Mehr als 4000 Bochumer liegen unter den Trümmern begraben, die meisten Bomben sind rund um den Bochumer Verein niedergegangen, rund um die Christuskirche: Vielleicht hat ihr „hochaufstrebender Turm“ den Piloten den Weg gewiesen und nur deshalb überdauert, weil er zur Orientierung diente, um Waffenfabriken anzufliegen.
Dorthin aber waren Tausende Zwangsarbeiter verschleppt und Gefangene des KZ Buchenwalds. Frauen und Männer aus Belgien und Frankreich, aus Griechenland und Italien, aus Russland, Polen, Serbien … den Staaten, die im Turm als „Feindstaaten“ stehen.
Den Zwangsarbeitern Europas wurde ein „P“ auf die Kleidung genäht: Wer es trug, dem wurde der Zugang zum Schutzbunker versperrt, wenn Bomben fielen. Ein P, ein J, ein gelber Stern. Die Marke aufgeklebt, das Bild vom Feind.
