Elektronische Musik ohne Elektronik. Hauschka, weltweit gefragter Pianist, legt die Sounds auf die Saiten und ein paar Dinge dazu, Radiergummis, Kronkorken und Butterbrotpapier, etwas Gaffa-Tape, etwas Folie, ein Satz Tischtennisbälle. Was es so im Haushalt gibt, was aber keine Gags ergibt, wenn er die Dinge zum Spielen bringt. „He builds his repeating structures with a Romantic ear“, schrieben die NEW YORK TIMES, und so steigen an den Klanggerüsten seltsam betörende Melodien empor, die einen ahnen lassen, was Dinge alles erzählten, wären sie beseelt. Eine „Ahnung unverfälschter Schönheit“, schrieb die taz. Und wundert sich im Namen aller, denen pompöse Pop-Posen vertrauter sind als irgendwas mit Sinn: „Wie blöd kommt man sich vor, im Zusammenhang mit Popmusik von Unschuld zu sprechen.“
Review | urban urtyp #11
utopia:banished live im September 2011
Wo landet, wer aus dem Nicht-Land ausgewiesen wird? Ist ja schon etwas her, dass Utopien was Dolles waren, die aus Prinzip und mit Courage den Couchtisch nebenan erobert haben. Sie von dort zu verbannen, ist leicht getan, aber was, wenn Utopien nicht nur verhauchte Kindheitsheimatklänge sind, sondern ein körperlicher Verlust? Zum Paradies gehört, vertrieben zu werden, so wie es zur Utopie gehört, aus ihr verbannt zu sein. utopia:banished machen Musik, die nicht daran glaubt, sie reiche ins Paradies zurück und mache die Welt ein Stück weit besser. Das nämlich müsste, wer es denn wollte, schon selber tun, weshalb utopia:banished in die Kirche gehört und nicht auf den Couchtisch. // Fotos von dem Triple-Konzert mit Moonbike und dem Kasia Bortnik Trio hier.
Experiment am lebenden Publikum
urban urtyp #11 | 25. September 19 Uhr
Früher, also vor ein paar Jahren, war das so: Wenn man wissen wollte, wie die Gegenwart tickt, ging man ins Konzert. Heute funktioniert der Konzertmarkt eher wie ein Videoshop in der Vorstadt: Man hört nur, was man kennt. Bei urban urtyp geht es darum, Musik zu hören, weil man sie nicht kennt. Livemusik ist kein anderes Wort für Langeweile, sondern dafür, am Leben zu sein. Also gibt es hier rund ein Dutzend Leute, die Monat für Monat Musik ins Leben werfen: immer sonntags 19 Uhr, immer 10 EURO, immer anders. Sieht aus wie eine Reihe, ist aber ein Experiment am lebendigen Publikum. Jetzt beginnt die zweite Spielzeit, den Auftakt besorgen drei Live-Acts von hier:
Diner en blanc
Review | Platz des europäischen Versprechens 10. Sept. 2011
Stil ist eine Frage des Stils. Zum Diner en blanc gehört, dass das Private öffentlich wird. Nicht groß organisiert, nicht groß angemeldet, eher assoziativ. Wenn, dann genügen zwei drei Regeln - alle kommen in Weiß, alle tafeln in Weiß, und hinterher ist alles wie zuvor - und schon ist alles anders als zuvor. Sieht zumindest erheblich anders aus als …
14:46 / 15:03
Gedenken an die Opfer des Terrors | 11. September 2011
Die Glocken der Christuskirche läuten nur einmal im Jahr. Sie läuten am 11. September, um an die Opfer des Terrors zu erinnern und daran, dass kein Gott ist, der Opfer verlangt. // Update_1 Hören und Sehen
„Räuber und Rating-Agenten“
Tag des offenen Denkmals | 11. September 2011
Eigentlich dachte ich, machen wir dieses Jahr nicht mit beim Tag des offenen Denkmals. Das Thema lautet „Romantik Realismus Revolution“, und romantisch ist das hier ja nicht so. Wenn Romantik allerdings — nach der berühmten Definition von Novalis — darin besteht, „dem Gemeinen einen hohen Sinn“ zu geben, dann ist die 1943 zerstörte Christuskirche ausgesprochen romantisch gewesen: Technisch auf der Höhe der Zeit, berief sie sich auf einen Jahrhunderte zurückliegenden Stil, den „frühgotischen“. Einen Stil also, der die Moderne leugnet, aber modernste Heizungstechnik nutzt.
Hoch 10
The 10Sopranos | 27. Dezember 2011

Andreas Seidel | 10Sopranos
Es gibt 10 Finger an der Hand und 10 Gebote in der Bibel. Es gibt den 10ten, um Gutes zu tun, und es gibt die Faustregel, kein höheres Trinkgeld zu geben als 10 % der Rechnung. Es gab einmal 10 Plagen, 10 kleine Jägermeister und neulich dann 10 Bochumer, die ein Remis gegen Hansa gerettet haben. Es gibt die 10, die Pelé getragen hat als auch die andere 10, die Matthäus trug, und es gibt The 10 Sopranos. 10 Frauen, 10 Stimmen …
„Liebe Freunde Europas“
Franz von Hammerstein * 6.6.1921 † 15.8.2011
Im Alter von 90 Jahren ist Dr. Franz von Hammerstein, Mitbegründer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, jetzt in Berlin verstorben. Der Theologe gehörte zu den Wenigen seiner Generation, die sich der gesellschaftlichen Verantwortung für die deutschen Verbrechen gestellt haben - nicht erst Jahrzehnte später und nicht nur im Feuilleton, sondern mit seinem Lebenswerk.
David Orlowsky Trio
Vorschau | 8. Dezember 2011 | 20 Uhr
Es geht um die Griechen. Allerdings weniger um Krisen als um Kronos, den jüngsten Sohn von Himmel (griech. Uranos) und Erde (griech. Gaia). Wobei die Kindheit von Kronos durchaus krisenhaft gewesen sein dürfte, sie endete damit, dass er seinen Vater entmannte, seine Schwester heiratete und seine Kinder fraß. Aber eigentlich geht es nicht um Kronos, sondern um Chronos, den Gott der Zeit, der dem Chaos selber entstammt und heute Pate steht für alle Chronometer, die Chaos in Präzision übersetzen. Aber recht eigentlich geht es auch nicht um Chronos und seine Meter, sondern …
„Eine fragende Architektur“
Platz des europäischen Versprechens | August 2011
In Bilbao steht ein Museum, das keine Bilder mehr braucht, der Bau ist sich selber genug. In Bochum liegt ein Platz, der - soeben vom Bauzaun befreit - sich selber keineswegs genügt, sondern befragt. Ein Platz wie ein Sockel, der danach fragt, was er tragen soll. Sinn dieser fragenden Architektur - sie stammt vom Bochumer Architekturbüro SOAN - ist es, Sinn zu tragen, nämlich die Namen von 15 000 Europäern, die sich ein Versprechen gegeben haben. Was man jetzt sieht, ist nicht der Platz des europäischen Versprechens, aber seine Voraussetzung. „Für mich ist das der Auftakt“, sagt Christof Wieschemann, Vorsitzender des Kuratoriums Christuskirche.








