Vom Paradies zum Bierkeller

Über Städte, urbEXPO und Utopien

Mark­ham-sub­urbs near Onta­rio, Novem­ber 2005 by IDu­ke (cc)

Im Ruhr­ge­biet fällt es schwer, den Städ­ten einen uto­pi­schen Gehalt anzu­dich­ten, das ist beru­hi­gend: Die idea­le Stadt ist die ver­las­se­ne und umge­kehrt, jeder Lost Place ist eine gebau­te Uto­pie. Klei­ner Streif­zug durch die Bau­ge­schich­te, er führt aus dem Para­dies in den Bier­kel­ler neben­an. Zunächst also: Wei­ter­le­sen

Ich, Judas

Ben Becker | Karfreitag

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Ben Becker | © Fritz Brinck­mann

Im August 1960 strengt Bert­hold B., Fran­zis­ka­ner, ein Ver­fah­ren an mit dem Ziel, der Papst möge Judas selig spre­chen. Judas Ischa­ri­ot, Urbild des Ver­rä­ters, best-gehasst durch zwei Jahr­tau­sen­de  —  dem Mann, von dem die Bibel berich­tet, er habe Jesus ver­ra­ten, wird der Pro­zess gemacht: War er Täter oder Opfer, Ver­rä­ter oder wil­len­lo­ses Werk­zeug? Han­del­te er, ein Jün­ger Jesu wie Petrus einer war, aus frei­em Wil­len oder muss­te er tun, was er tat? Das Fra­ge-Karus­sell gewinnt an Fahrt, was ist mit Jesus, hat er gewusst, wem er sich ange­freun­det hat? Oder hat er, der Sohn des Höchs­ten, sich in Judas geirrt? War Jesus Täter? Opfer?  —  Das ist die lite­ra­ri­sche Fik­ti­on, von Wal­ter Jens erdacht, Ergeb­nis: Gewiss­hei­ten fäl­len kein Urteil, sie stür­zen ein. Wei­ter­le­sen

„Tako je govoril Zaratustra“

Über Laibach, Nietzsche und den perfekten Ort

Lai­bach: „Also sprach Zara­thus­tra“, erschie­nen bei Mute ©

Von HONKE RAMBOW  ||  Drei Jah­re nach „Spect­re“ haben Lai­bach ein neu­es Album ver­öf­fent­licht. Dafür, dass Mas­ter­mind Ivan Nowak bereits 2011 sag­te, die Slo­we­nen hät­ten Kon­zep­te für fünf Alben in der Schub­la­de, ist das eine lan­ge Zeit. Aller­dings muss die Pro­duk­ti­on auch erst mal finan­ziert wer­den, und so tour­ten Lai­bach nahe­zu unun­ter­bro­chen mit unter­schied­li­chen Pro­gram­men, mit „Revi­si­ted“, „Spect­re“ und zuletzt mit „Sound Of Music“, rea­li­sier­ten ihren Auf­se­hen erre­gen­den Auf­tritt in Nord­ko­rea nebst Doku­men­tar­film und schu­fen Sound­tracks für Thea­ter­pro­duk­tio­nen ua für Sebas­ti­an Baum­gar­ten und Milo Rau. Auch das jetzt erschie­ne­ne Album „Also sprach Zara­thus­tra“ war zunächst ein Thea­ter­sound­track: Wei­ter­le­sen

Feidman plays Beatles

3. Januar 18 | VVK hat begonnen!

Pressefoto_Giora_Feidman_01 by Sascha Neroslavsky

Gio­ra Feid­man by Sascha Neros­lavs­ky ©

Als er die Beat­les zum ers­ten Mal hör­te, war der Maes­tro 28 Jah­re alt, Len­non war 24 und McCart­ney 22, „es steck­te eine unheim­li­che Kraft in ihrer Musik“. Gio­ra Feid­man & Rast­rel­li Cel­lo Quar­tett, spe­cial guest: Jeru­sa­lem Duo, VVK hat begon­nen! Mehr Infos

Rodrigo Leao & Scott Matthew

"Life is long" | 03. Oktober

RODRIGO LEAO & SCOTT MATTHEW PORTRAIT

RODRIGO LEAO & SCOTT MATTHEW ©

Zwei Gro­ße: Dem por­tu­gie­si­schen Kom­po­nis­ten, einst Kopf von Madre­de­us, hat kein ande­rer als WIM WENDERS mit „Lis­bon Sto­ry“ ein Denk­mal gesetzt. Auf der ande­ren Sei­te der Welt Scott Mat­thew, quiet noi­se maker aus Autra­li­en. Zusam­men sind sie Herz, See­le, Dra­ma. Mehr Infos

Bugge Wesseltoft solo

"Everybody Loves Angels" | 2. Dezember

BuggeWesseltoft 1 Er kann Stil­le hör­bar machen, in jeden Ton hin­ein hor­chen wie in einen geheim­nis­vol­len Raum, des­sen Tür sich lang­sam öff­net. Atmo­sphä­risch dicht, medi­ta­tiv ent­spannt, ganz bei sich. Die Melo­di­en sind bekannt, sie sind von Bach und Len­non, von Dylan und den Stones, sie sind, als hät­te man sie nie gehört. Grand Pia­no Solo. Mehr Infos

Hans-Ehrenberg-Preis für Wim Wenders

17. September | Kirche der Kulturen

Wim Wenders (c) DonataWenders2005

Wim Wen­ders | © Dona­ta Wen­ders 2005

Der Künst­ler Wim Wen­ders wird mit dem pro­tes­tan­ti­schen Hans-Ehren­berg-Preis 2017 geehrt. Die Lau­da­tio auf den Regis­seur, Autor und Pro­du­zen­ten, einen der bedeu­tends­ten Film­künst­ler der Gegen­wart, hält der Rats­vor­sit­zen­de der Evan­ge­li­schen Kir­che in Deutsch­land, Dr. Hein­rich Bed­ford-Strohm. Wen­ders wer­de für einen künst­le­ri­schen Stil geehrt, „der Frei­raum lässt für das, was unver­füg­bar ist“, heißt es in der Begrün­dung: Die Bil­der, die Wen­ders schaf­fe, „laden dazu ein, das Bil­der­lo­se mit­zu­den­ken, das Hei­li­ge im Welt­li­chen“. Wei­ter­le­sen

Stoppok!

Donnerstag 16. November | VVK läuft

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Ste­fan Stop­pok ©

Das Revier in Oran­ge, das Solo mit Gast: Stop­pok mit Tess Wiley. Mehr Infos

Pop zum Sonntag. Thema: Lost

Oliver Schulthoff über Lost Places und urbEXPO

urb­EX­PO 2016 in den Schle­gel-Kel­lern neben der Chris­tus­kir­che | Foto thw

Neue Rei­he auf die­ser Sei­te in locke­rer Fol­ge: Oli­ver Schult­hoff ist resi­dent-dj der Chris­tus­kir­che, der Her­me­neut einer unent­wirr­ten Gegen­wart, er erklärt sie pop­kul­tu­rell plau­si­bel, also völ­lig unent­wir­rend, dafür geschmacks­ver­stär­kend. The­ma der ers­ten Fol­ge: Lost. Mit Ein­sichts­aus­lö­sern von Janet Jack­son und June und Truck Stop und Marc Almond und den Dexy’s Mid­ni­ght Run­ners:  Wei­ter­le­sen

Hundreds

"Wilderness" elektro-akustisch | 8. Dezember

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Hund­reds ©

Das geheim­nis­vol­le Mega-Album des Duos in elek­tro-akus­ti­scher Fas­sung. Wild­nis ist eben nicht nur rau und gewal­tig, sie kann auch ruhig sein, rein und klar. Die glei­chen Songs  —  und doch anders. Mehr Infos und Tickets

Ob eine Marionette wohl einen Steigbügel halten kann?

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Foto Ayla Wes­sel | Kul­tur­agen­tu­er

Mal so dahin gefragt: Wür­de ein Steig­bü­gel von einer Mario­net­te gehal­ten und die Mario­net­te von einem Pup­pen­spie­ler, und wür­de die­ser Pup­pen­spie­ler dann sei­nen Fuß in den Steig­bü­gel stel­len, den sei­ne Mario­net­te hält … Münch­hau­sen, oder? In jedem Fall ein trü­ber Sumpf, aus dem, wer Den­ken übt mit Nai­doo, nicht ent­kommt.

„Vorliebe für seltsame Vereine“

Ein Tag für Europa | Review

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Cuvee, Mèlan­ge, Mischung: Küwee | © Ayla Wes­sel, Kul­tur­agen­tüer

Was uns hel­fen könn­te in Euro­pa? „Posi­tiv sein.“ Sagt Johan Simons, Inten­dant der Ruhr­tri­en­na­le. „Ver­trau­en und Akzep­tanz“, sagt Gert­jan Ver­beek, Trai­ner des VfL. Zwei Bot­schaf­ten aus den Nie­der­lan­den, deren Bot­schaf­te­rin per Video zuge­schal­tet war: Der Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens, so Moni­que van Daa­len, habe vor­weg genom­men, was heu­te als Pul­se of Euro­pe durch die Städ­te gehe  —  ein euro­päi­sches Gefühl. Es ist eines für die Cuvee, die Mischung. Hier eine Review auf den „Tag für Euro­pa“ in Bochum. Wei­ter­le­sen

Stadtansichten

Frida Golds Video aus der Christuskirche

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Fri­da Gold in der Chris­tus­kir­che Bochum

Eine Nacht in der Chris­tus­kir­che, eine im Licht­Kunst­Tor am Haupt­bahn­hof: Fri­da Gold kommt nach Bochum zurück und hat „Zurück zu mir“ neu gedreht. Schö­nes Video. Schö­nes Bochum. Dage­gen sieht Grö­ne­mey­ers Text über die­se Stadt doch etwas alt aus und ganz grau. Hier das Video: Wei­ter­le­sen

„Abenteuer der Ähnlichkeit“

Pulse of Europe auf dem Platz des europäischen Versprechens

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Pul­se of Euro­pe, 2. April 2017 | Foto thw

„Euro­pa führt eine eigen­ar­tig unwirk­li­che Exis­tenz in uns, ein Schat­ten­da­sein.“ Vor zwölf Jah­ren hat­ten wir Jochen Gerz nach Bochum ein­ge­la­den, damals mach­te sich das Ruhr­ge­biet dar­an, euro­päi­sche Kul­tur­haupt­stadt zu wer­den, ein Pro­jekt nach dem ande­ren wur­de ent­wor­fen in ein gül­de­nes Euro­pa hin­ein, dar­über ein Him­mel in Stahl­blau mit immer­zu strah­len­der Son­ne, und in die­se roman­ti­sche Gleich­gül­tig­keit hin­ein sprach Jochen Gerz davon  —  wir hat­ten ihm die Gedenk­hal­le im Turm gezeigt, die Namen der Toten und der „Feind­staa­ten“  —  sprach Jochen Gerz davon, dass Euro­pa erneut dabei sei zu zer­brö­seln: „Im Her­zen sei­ner Bewoh­ner reimt sich Euro­pa auf so gut wie nichts.“ Gerz wur­de wahr genom­men wie einer, der sich auf die fal­sche Par­ty ver­irrt hat, sei­ne Idee für einen Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens kam zu uns wie die Arche zu Noah. Euro­pa, so beschrieb Gerz das Bild, das er vor Augen hat­te, es ist die schöns­te Defi­ni­ti­on Euro­pas, die ich ken­ne, sei „das Aben­teu­er der Ähn­lich­keit, das Geschenk jeder Frem­de“.

Lieber WDR

Der WDR, die AfD und der Platz des europäischen Versprechens

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Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens, WDR: Für was? | © chris­tus­kir­che bochum

Ob das eine gute Idee war? Mit dem AfD-Füh­rer von NRW, Mar­cus Pret­zell, ein „Streit­ge­spräch“ über Euro­pa zu insze­nie­ren? Um „kon­tro­ver­se Posi­tio­nen“ aus­zu­tau­schen? Kei­ne gute Idee war es, sich für die­se Insze­nie­rung  —  sie wur­de durch­ge­sto­chen  —  den Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens aus­zu­su­chen. Der Platz ver­dankt sich der Vor­stel­lungs­kraft von 14.726 Men­schen  —  Du, lie­ber WDR, machst ihn zu Dei­nem Park­platz. Und stellst dann den AfD-Füh­rer dar­auf. Nicht neben den Platz, nicht neben die Namen: mit­ten­drauf. Und so tram­pelt, von Dei­nen Mit­ar­bei­tern gewie­sen, das groß­deut­sche Klein­hirn über die Namen von Wei­ter­le­sen