Michael Wollny, Heinz Sauer und ein improvisierender Gott

15. März | Eine urban urtyp edition

Micha­el Woll­ny und Heinz Sau­er 2013 in der Chris­tus­kir­che | © Hein­rich Brinkm­öl­ler-Becker

Alle den­ken immer, wenn es Gott gibt, müs­se er all­mäch­tig sein und wis­se seit ewig, wie es aus­ge­hen wird mit uns. Wenn man Woll­ny & Sau­er zuhört, lässt sich Gott anders den­ken: Könn­te es sein, dass auch Er impro­vi­siert? „Ein Impro­vi­sa­tor“, schrieb Micha­el Woll­ny kürz­lich in einem Essay, „berei­tet sich ein Leben lang auf Situa­tio­nen vor, in denen er Din­ge zum ers­ten Mal macht. Und in denen Din­ge, wenn sie ein­mal gesagt sind, nicht mehr zurück­ge­nom­men wer­den kön­nen.“ Das Urmo­dell einer Impro­vi­sa­ti­on wäre also: Es wer­de Licht, es ward Licht, und es ging nicht mehr aus  —  Gott ein Jaz­zer? Der vor­her­se­hen konn­te, dass er nicht vor­her­se­hen kann? Dann wäre er das Risi­ko ein­ge­gan­gen, dass es auch schief gehen könn­te, dass es kei­ne Auf­lö­sung gibt in Dur und kei­ne Erlö­sung im Him­mel. In der jüdi­schen Theo­lo­gie ist der Gedan­ke nicht neu, für die Kunst hat Woll­ny ihn so for­mu­liert: „Die Kunst eines Impro­vi­sa­tors beruht auf einer sou­ve­rä­nen Ent­schei­dung, sich Situa­tio­nen aus­zu­set­zen, die man nicht bis ins letz­te Detail über­bli­cken will oder vor­for­mu­lie­ren muss.“ Situa­tio­nen also, in denen ein Sou­ve­rän ler­nen muss zu impro­vi­sie­ren. Wei­ter­le­sen

Kein Karneval

Bohren & der Club of Gore | Rosenmontag

Boh­ren im Licht, gese­hen von Kim von Coels

Es wird dun­kel sein wie unter Tage, und dann wird jeder Ton sehr ein­sam durch die Dun­kel­heit schlur­fen und sich sei­ne Hörer suchen. Und dann? Wer­den eine Men­ge Hörer da sein. Boh­ren sind Kult, Boh­ren am Rosen­mon­tag sind urban urtyp, der Vor­ver­kauf läuft. Anders als die Band sel­ber, sie gilt als die lang­sams­te der Welt. Ist aber gera­de des­halb in der Lage, das Kino ein­zu­schal­ten, das im eige­nen Kopf läuft. Und lang­sam zu spie­len, dar­auf sei hier ein­mal ver­wie­sen, kann vir­tuo­ser sein als über­schall­schnel­le Jon­gla­gen.  //  Hier alle Infos zu dem Kein-Kar­ne­val-Kult 

Brian Fallons Gesangbuch

"Songs from the Hymnal" | ausverkauft

Bri­an Fal­lon ©

„If your pray­ers don’t get to Hea­ven, I’m gon‘ keep them safe for you.“ Schö­ne Lie­bes­er­klä­rung, schö­ne Theo­lo­gie: zu glau­ben, dass jeder Mensch  —  jeder lie­ben­de Mensch  —  in der Lage sei, Gebe­te, die an Gott adres­siert sind, zwi­schen­zu­la­gern … „If your pray­ers don’t get to Hea­ven, I’m gon‘ keep them safe ‘til they do.“ // Hier der Song, Fal­lons Abend bei uns ist aus­ver­kauft.

Rendezvous mit Marlene

Ute Lemper | Freitag 15. Februar

Ute Lem­per by Eric Rich­man ©

Sie hat Goeb­bels bla­miert und GIs begeis­tert, in der Bun­des­re­pu­blik wur­de sie geschmäht, in Isra­el gefei­ert: Als Mar­le­ne Diet­rich im Mai 1960 für 10 Kon­zer­te nach Deutsch­land zurück­kam, galt sie als „Vater­lands­ver­rä­te­rin“; unmit­tel­bar dar­auf gas­tier­te sie in Isra­el, das Land lag ihr zu Füßen. Sie war die ers­te, die in Isra­el in deut­scher Spra­che sang, der Spra­che von Goe­the und von Goeb­bels. Und sie hat in Isra­el ein neu­es Lied gelernt und auf Hebrä­isch ein­ge­sun­gen, „Shir Hatan“ heißt es, „Das Lied vom Scha­kal“. Die­ses Lied wie­der­um Wei­ter­le­sen

Chorwerk Ruhr & Jazz

feat. Marc Schmolling Ensemble | 17.02.

(cc) DavidAdan97

Viel­leicht waren es nur Sekun­den, viel­leicht Stun­den, eine gefühl­te Ewig­keit: Chor­werk Ruhr hat­te den letz­ten Ton von „Nunc Dimit­tis“ gesun­gen oder genau­er: hat­te ihn aus­ge­at­met und die Chris­tus­kir­che mit einer der­art tröst­li­chen Stil­le erfüllt, dass sie da lag wie Schnee­witt­chen im Sarg, und dann … kein Applaus, kei­ne Bewe­gung kei­ner Hand, nur die­se inten­si­ve Stil­le. Und aus ihr her­aus ein tie­fes Gefühl von Dank­bar­keit, die nie­man­dem galt und sich an kei­nen wand­te, die ein­fach da war „ohne Absen­der und ohne Anschrift; wie eine klei­ne, nicht unan­ge­neh­me Ver­wir­rung“. So war es im April des letz­ten Jah­res, als Chor­werk Ruhr sein Kon­zert beschloss, das Kon­zert jetzt schließt dar­an an: Flo­ri­an Hel­gath folgt dem „Sound of Silence“, es begeg­nen sich Madri­gal und Jazz, Renais­sance und Gegen­wart, das Unge­sag­te und Unhör­ba­re. Alle Infos zum Kon­zert hier, und hier ein Inter­view mit Marc Schmol­ling: Wei­ter­le­sen

„Tech Tech Tech“

LBT sind urban urtyp #71 | Konzert am 3. März

Sebas­ti­an Wolf­gru­ber, Leo Betzl, Maxi­mi­li­an Hir­ning (v.l.n.r.) | LBT ©

„Manch­mal muss man nicht selbst Musi­ker sein, auch kein Kri­ti­ker, man spürt es als ganz nor­ma­ler Kon­zert­gän­ger: das schie­re Talent, die­ses Cha­ris­ma, jene aus lan­ger, gro­ßer Anstren­gung gebo­re­ne magi­sche Ver­bin­dung zwi­schen der eige­nen Per­sön­lich­keit und dem Trans­port von Musik.“ Die SÜDDEUTSCHE schwärmt. Wovon? Von Tech­no. Von Tech­no?  Tech­no ohne Strom. Hier ein­mal rein­hö­ren & sehen, und hier alle Infos zum urban urtyp-Kon­zert.

„Drone droht mit Spiritualität“

Europaweites Festival

Moving Noi­ses Fes­ti­val 2017 by Cosi­ma

Tol­le Über­schrift, der Satz im Ori­gi­nal: „Kei­ne Fra­ge, dass hier Spi­ri­tua­li­tät droht.“  Schrieb Died­rich Diede­rich­sen über Dro­ne, eine Spiel­art der … Orgel, in der Tat. Wir haben am Sams­tag —  und zwar über 8 h hin­weg  —  das euro­pa­wei­te Fes­ti­val der Sze­ne mit Aidan Baker und Hell­mut Neid­hardt und A-Sun Amis­sa uvam bei uns. Dank Mid­i­ra Records. Hier alle Infos.

Deine Lakaien

Acoustica | Helium Vola, Veljanov

Ernst Horn in Ber­lin, Neue Natio­nal­ga­le­rie / Salon Noir 2007 | Ste­ven Riou (cc)

„Ein Abend, drei Pro­jek­te, drei Kon­zer­te“: VVK hat begon­nen, Tickets  —  solan­ge es sie gibt  —  direkt hier bei uns: hier kli­cken!

„Wenn mein eigener Name darunter wäre“

Thomas Wessel, Rede zum 27. Januar, Synagoge Bochum

Syn­ago­ge Bochum by Frank Vin­c­en­tz (cc)

(…) Die Stadt, in der wir heu­te zusam­men leben, ist eine, die ihre Juden damals ver­trie­ben hat. Auch Bochum hat sei­ne jüdi­schen Bewoh­ner in den Tod depor­tiert, auch das war heu­te: Heu­te vor 77 Jah­ren hat die Stadt die ers­te von meh­re­ren Depor­ta­tio­nen orga­ni­siert, am 27. Janu­ar 1942 fuhr der ers­te Zug aus Bochum in die Todes­la­ger. Die Namen der Bür­ge­rin­nen und Bür­ger, die depor­tiert und ermor­det wor­den sind, wer­den jedes Jahr in Bochum erin­nert. Aller­dings wer­den sie hier in der Syn­ago­ge erin­nert. Ich fra­ge mich, war­um wer­den sie nicht im Rat der Stadt Bochum erin­nert. Das ist der Ort, der Bochums Bür­ger­schaft reprä­sen­tiert. Und wenn sich dann jede Frak­ti­on im Rat, die auf Demo­kra­tie hält, am Lesen betei­lig­te, Wei­ter­le­sen

Ist das böse? Es ist Indie.

Ella Endlich: "Endlich Ella" | 25. Januar

Zell-Kul­tur unterm Mikro­skop | (cc) Alci­bia­des

„Wenn du Sän­ge­rin bist, auf Deutsch singst und dazu noch blond, ver­sucht eine Plat­ten­fir­ma auto­ma­tisch, dich in die Hele­ne-Fischer-Erfolgs-Schub­la­de zu ste­cken. Aber das hat mich nicht glück­lich gemacht.“ Coo­ler Satz von Ella End­lich, die „end­lich Ella“ ist und kein Hele­ne-Klon. Der­art „coo­les Wis­sen“ hat auch immer die SPEX für sich rekla­miert, für das legen­dä­re Pop-Maga­zin waren die Unter­schie­de ent­schei­dend, die Dif­fe­renz in der Wie­der­ho­lung. Soll hei­ßen: Die Kul­tur­in­dus­trie wur­de wei­ter­hin kri­tisch beäugt, in Spex aber rück­ten auch die Kon­su­men­ten in den Blick, und da zeig­te sich, dass Wei­ter­le­sen

Europa vor Europa

Ludwig Güttler, Friedrich Kircheis

Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens | Sab­i­tha Saul ©

Sein „noma­den­haf­tes Musi­zie­ren“ hat Lud­wig Gütt­ler kreuz und quer durch Euro­pa geführt und ihm gezeigt, „wie die Musi­ker vor meh­re­ren hun­dert Jah­ren die Musik in Euro­pa aus­brei­te­ten und die Eini­gung Euro­pas vor­weg genom­men haben.“ Und eben­so, „dass die heu­ti­gen in unse­rem Bewusst­sein vor­han­de­nen natio­na­len Gren­zen über­haupt nicht exis­tiert haben“ (hier zum Nach­hö­ren).

„… dass Erinnerung befreit“

27. Januar | Gedenkstunde in der Synagoge Bochum

Edwin Scharff: Bild­nis der Schau­spie­le­rin Anni Mewes, 1917/1921, gebor­gen 2010 | © Staat­li­che Muse­en zu Brlin SMB

Vor 74 Jah­ren, in den Mit­tags­stun­den des 27. Janu­ars 1945, wur­de das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz befreit. Der Tag steht für Hun­der­te ande­re, an denen das Mor­den been­det wur­de. Die Nazis und ihre Ver­bün­de­ten hat­ten Euro­pa mit einem dich­ten Netz von Lagern über­zo­gen. Sie hat­ten die Men­schen, die sie ermor­den woll­ten — Juden, Sin­ti und Roma, auch Men­schen mit Han­di­caps oder mit einer für Faschis­ten uner­träg­li­chen Mei­nung, Reli­gi­on, Sexua­li­tät — aus allen Enden Euro­pas depor­tiert oder sie gleich an Ort und Stel­le nie­der­ge­schos­sen. Das Mor­den war ein staat­li­ches, heu­te ist der 27. Janu­ar ein staat­li­cher Gedenk­tag, aber das Mor­den erin­nern und den Gedenk­tag bege­hen die, die dem Ter­ror­staat ent­kom­men sind. Wei­ter­le­sen

Charlotte Brandi

Solo mit Band | urban urtyp edition am 3. Mai

Char­lot­te Bran­di by Helen Sobi­ral­ski ©

Zwei­mal war sie mit Me And My Drum­mer bei uns, zwei­mal hat ihr poe­ti­scher Pop ver­zau­bert, jetzt gibt Char­lot­te Bran­di ihr Solo-Debüt: „Ein gro­ßer Wurf“, so die BERLINER ZEITUNG, und der STERN schreibt, „ihre elf Pia­no­pop-Songs gehö­ren der­zeit zum Pre­mi­um-Ange­bot aus deut­scher Musik­pro­duk­ti­on, sie sind eine der ers­ten gro­ßen Über­ra­schun­gen die­ses Jahr­gangs.“ Das sind Lor­bee­ren für­wahr, wir flech­ten den Kranz, der VVK läuft. Hier alle Infos und Tickets für den 3. Mai.

„Man ist total frei“

Ströme | urban urtyp am 3. Februar

Pla­ti­ne eines DSL-Rou­ters | (cc) Order­cra­zy 2013

Com­pu­ter kön­nen kom­po­nie­ren und kön­nen es bereits so gut wie Bach und Mozart. Sie schrei­ben deren Wer­ke­ver­zeich­nis fort, ohne dass Leu­te, von denen man denkt, sie kenn­ten sich aus, einen Unter­schied bemer­ken wür­den. Und ob es dann ein leib­haf­ti­ges Orches­ter ist, das ech­te oder fal­sche Mozart­wer­ke spielt, oder wie­der­um nur ein Com­pu­ter, auch das kann nie­mand mehr ver­läss­lich aus­ein­an­der­hal­ten. Es ist eine Erfah­rung, die krän­ken könn­te, sie pus­tet die Aura hin­weg, den Glau­ben dar­an, dass, was krea­ti­ve Men­schen schaf­fen, ein­ma­lig sei. Hier nun die Reak­ti­on von zwei­en, die Musik von Klein­auf stu­diert haben, Wei­ter­le­sen

Julias Traum

urban urtyp mit Julia Kadel Trio | 13. Januar

Julia Kadel by Tho­mas Schlor­ke ©

Ers­tes Album: bei Blue Note. Die haben Miles Davis ver­öf­fent­licht und The­lo­nious Monk und Chick Corea und Son­ny Rol­lins … Zwei­tes Album, wie­der Blue Note, „eine Offen­ba­rung“. Das Julia Kadel Trio  —  Pia­no, Bass, Drums  —  spielt aus dem Stand auf dem Level, das e.s.t. in die Höhe geschraubt haben und Micha­el Woll­ny und Mar­tin Ting­vall … ein urban urtyp Abend, alle Infos hier.

Ein poetischer Assisi? Ein meditativer Marx?

Rainer Maria Rilke | 11. Januar

Rai­ner Maria Ril­ke by Pau­la Moder­sohn-Becker (cc)

Einer, der in der Lage war, Trost zu fin­den noch in einem wel­ken Blatt und hin­ter jeder Mau­er fer­ne Gär­ten ahn­te, er macht sich auf, in all dem Elend die Schön­heit zu suchen, den Glanz in der Armut, das Leuch­ten in der Dun­kel­heit. Ein poe­ti­scher Assi­si? Ein medi­ta­ti­ver Marx? Zum Ende sei­nes Lebens flir­te­te Ril­ke mit dem ita­lie­ni­schen Faschis­mus, dem „Schmied eines neu­en Bewußt­seins, des­sen Flam­me sich an einem alten Feu­er ent­zün­det“. Wir müs­sen Ril­ke, gera­de den reli­gi­ös emp­find­sa­men, immer auch als War­nung lesen. // Hier die Infos zum Ril­ke-Abend.

Anzenhofer aka Cash aka Kruske

Krimi Konzert Lesung | urban urtyp #68

4BoysNamedSue: Rüdi­ger Scheip­ner, Tarik Dos­do­gru, Tho­mas Anzen­ho­fer, Chris­toph Kam­mer

Vie­le Rol­len, vie­le Songs, 1 Kri­mi: Tho­mas Anzen­ho­fer aka John­ny Cash hat „Solo für Krus­ke“ geschrie­ben, Krus­ke ist Bochu­mer. Ist aber nicht das, was man einen Sym­pa­then nen­nen wür­de, und so einer soll ein Sujet städ­ti­schen Stol­zes ret­ten? Davor, pul­ve­ri­siert zu wer­den? Anzen­ho­fer arran­giert, was in die Luft flie­gen könn­te, auf sei­nem Küchen­tisch und hält eine Kame­ra dar­auf, er führt den ers­ten Video­be­weis in der Geschich­te der Kunst. Er führt ihn mit­leids­los und mit Musik, sie wird live gespielt, die ers­ten Böl­ler kra­chen. Und dann … fliegt uns etwas um die Ohren, ist es Musik oder das Musik­fo­rum, es ist: die PREMIERE! Alle Ermitt­lungs­er­geb­nis­se hier

Electric Light

E.L.O. by Phil Bates | 29. Dezember

Licht­kunst Unna | © Ralph Lue­ger

Die Geschich­te des künst­li­chen Lichts ist lang: 50 000 vC die ers­ten offe­nen Feu­er­stel­len, 200 nC Ker­zen, Osram 1919, E.L.O. 1970, E.L.O Part II 1993, ihr Kon­zert in Bochum jetzt. Andre­as Pos­myk hat die­se lan­ge Geschich­te kurz erklärt (hier kli­cken), seit­dem sind fast alle Tickets weg. Die Sil­ves­ter­par­ty beginnt in die­sem Jahr am 29., das Licht­kunst-Muse­um in Unna lohnt immer.