Platz des europäischen Versprechens

Dem Öffentlichen Raum Bedeutung geben

Ayla Wes­sel | Kulturagentüer

Demo­kra­tie, sagt Jochen Gerz, ist „unser Por­trät“. Sie sieht so aus wie wir, ihr Bild ist das von uns. Der Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens ist eine Ein­la­dung an uns selbst.

Er ent­steht aus der Chris­tus­kir­che her­aus und um sie herum, und er ent­steht, weil viele dazu bei­tra­gen. Wer Teil nimmt, gibt die­sem Platz sei­nen Namen und mit sei­nem Namen ein per­sön­li­ches Ver­spre­chen an Europa.

Aus­gangs­ort der künst­le­ri­schen Idee von Jochen Gerz ist die Chris­tus­kir­che Bochum. Seit 1931 wer­den hier die Namen der Gefal­le­nen aus dem Ers­ten Welt­krieg erin­nert, dane­ben die Namen der 28 „Feind­staa­ten“. Hier beginnt der Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens, die Namen der Leben­den flie­ßen aus dem Gedenkraum hin­aus in den öffent­li­chen Raum:

Jeder Name steht für sich, kei­ner steht für andere auf dem Platz. Es gibt keine Stell­ver­tre­tung, nie­mand spricht im Namen ande­rer. Was man sich sel­ber ver­spro­chen hat, ist frei, es bleibt ein Geheim­nis im öffent­li­chen Raum. Nur die Namen wer­den sicht­bar sein, die Ver­spre­chen, für die sie stehen, bleiben unsichtbar.

Natür­lich kann, wer dar­über spre­chen will, dies gerne tun wann und wie er will. Wer sein Ver­spre­chen für sich behal­ten will, lädt alle ande­ren dazu ein, es sich sel­ber vor­zu­stel­len: Der Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens zeigt Europa als das, was in der Vor­stel­lung aller entsteht.

Jeder Name wird dem Platz ein­ge­schrie­ben, jeder Buch­stabe in Basalt­lava gefräst. Die Stein­plat­ten mit je rund 600 Namen haben ihr Maß am Innen­raum der Gedenk­halle, es wie­der­holt sich außen 24 mal. Am Ende wer­den 15 000 Men­schen aus ganz Europa ihren Namen und ihre Ver­spre­chen gege­ben haben.

Im öffent­li­chen Raum sind Namen fast immer die Namen von Toten, von Men­schen, die es sich ver­dient haben. Den öffent­li­chen Raum hier fül­len die Namen von Leben­den, die wir es uns ver­spro­chen haben. Unsere Namen sind nichts, was zu dem Platz hinzu käme wie ein Orna­ment. Sie bil­den den Platz, sie sind das Bild von uns.

„Sie sieht uns ähnlich, die Demo­kra­tie“, sagt Jochen Gerz, „ist das nicht schön?“

» Jochen Gerz — Der­Platz­De­s­Eu­ro­päi­schen­Ver­spre­chens [pdf]
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