Lade Veranstaltungen

Ben Becker | „Ich, Judas“

13. April 2019, 20:00

Ben Becker by Fritz Brinck­mann ©

Kar­frei­tag ist der Tag, an dem Jesus starb und Judas, sein Freund und Jün­ger. Der eine ver­ehrt, der ande­re ver­hasst, ihre Geschich­te aber ist eine gemein­sa­me: „Judas ist nichts ohne Jesus, aber Jesus ist auch nichts ohne Judas“, so die Ein­sicht von Wal­ter Jens. Ben Becker spielt „Ich, Judas“ zum Beginn der Kar­wo­che.


Der Name steht für Ver­rat, er ist der Gehass­te, Ver­folg­te, Ver­teu­fel­te. Der ein­zi­ge, dem kei­ne Lie­be gel­ten soll: Judas, der Jün­ger Jesu. Der Mann, der Got­tes Sohn mit einem Kuss ver­ra­ten und ans Kreuz gelie­fert haben soll  —  war es so? Ben Becker arbei­tet sich hin­ein in das, was über­lie­fert ist, es wird mehr dar­aus als eine Rol­le, der Fall Judas wird neu auf­ge­rollt. Könn­te es sein, dass Judas über Jahr­hun­der­te hin­weg einen Sün­den­bock geben muss­te … ? Für eine Sache, die aus dem Ruder gelau­fen, die falsch gelau­fen ist?

„Was war denn zu ver­ra­ten“

fragt Judas, ange­klagt des Ver­rats,

„ Jesus‘ Auf­ent­halts­ort? Den kann­ten Tau­sen­de. Sein gro­ßes Geheim­nis, dass er Got­tes Sohn sei? Das hat er selbst gesagt vor allen Leu­ten!“

Die Fra­gen sind nur der Anfang, sie wer­den mehr, wer­den dich­ter, die Geschich­te von Judas und Jesus nimmt Fahrt auf, man muss sie befra­gen, damit sie glaub­haft wer­den kann. Lan­ge Zeit wur­de sie aller­dings mehr geglaubt als befragt, und das Ent­setz­li­che dar­an: Auf die­se Wei­se ist Judas zum Bild gewor­den, zum Urbild des Ver­rä­ters. Judas, der Jude. „Kei­ne ande­re Geschich­te hat so viel Hass, Leid und Ver­fol­gung ver­ur­sacht“, sagt Amos Oz

Und Jesus? Was ist mit ihm, ein Jude wie Judas und sein Freund?

„Ohne Judas kein Kreuz, ohne das Kreuz kei­ne Erfül­lung des Heils­plans.“

lau­tet die radi­ka­le Ein­sicht von Wal­ter Jens. In sei­nem Judas-Mono­log hat­te Jens die mora­li­schen Gewiss­hei­ten jahr­tau­sen­der­lan­ger Fröm­mig­keit erschüt­tert: Waren Judas und sei­ne Rol­le „heils­not­wen­dig“? Hat Gott ihn, den „Ver­rä­ter“ gebraucht, damit der gro­ße Plan auf­geht und die Geschich­te an ihr Ziel gelangt? Und wenn, wer ist dann ver­ant­wort­lich für Judas‘ Tod?

Immer mehr Fra­gen tun sich auf und Abgrün­de in Gott, der from­men Vor­stel­lung von ihm. Ben Becker macht die Fra­gen kör­per­lich, er lebt  —  es ist eine gigan­ti­sche Auf­ga­be für einen, der allei­ne steht vor dem Altar, vor dem Kreuz  —  er lebt die Erschüt­te­rung nach, die Zwei­fel, in die sich tie­fer und tie­fer stürzt, wer die Geschich­te, die man zu ken­nen meint, mit Judas‘ Augen betrach­tet. „Ich, Judas“ ist das Plä­doy­er für einen Ver­damm­ten, ein exis­ten­ti­el­les Plä­doy­er für einen, der ist wie wir. Am Ende des Tages, des Kar­frei­ta­ges, sind bei­de tot, Jesus gestor­ben am Kreuz, Judas erhängt am Baum, bei­de erhöht.

Ben Becker ist „Ich, Judas“ dort, wo Glau­be und Zwei­fel ihren Ort haben, in der Chris­tus­kir­che.


BEN BECKER | Ich, Judas

TERMIN
Sams­tag 13. April 2019 | 20:00 Uhr | 19:00 Ein­lass

TEXT
Amos Oz | Judas, Kapi­tel 47 (Suhr­kamp Ver­lag)
Wal­ter Jens | Die Ver­tei­di­gungs­re­de des Judas Ischa­ri­ot (Radi­us-Ver­lag)

REGIE & INSZENIERUNG
Ben Becker

DRAMATURGIE
John von Düf­fel

ORGEL
Andre­as Sie­ling

Eine Kopro­duk­ti­on von Ben Becker, Meis­ter­sin­ger und Chris­tus­kir­che Bochum.

» Tickets hier
» mehr Infos: „Ich, Judas“