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Chorwerk Ruhr | Balladen und andere Geschichten

18. November, 17:00

CHORWERK RUHR by Pedro Mali­now­ski

Him­mel, Euro­pa hören! Es ist ein pro­mi­sed land, gefüllt mit Erzäh­len und Erfah­ren, Klän­gen und Kla­gen, Geschich­ten und Bal­la­den. Sich abschot­ten hie­ße, die Welt als Hei­mat­mu­se­um ein­zu­rich­ten, die Gedan­ken­welt so groß wie jede Klein­stadt. Aber auch das ist alles schon so oft gesagt, am Ende geht es nie ums Ein­se­hen, son­dern ums Ein­hö­ren, um das Ein­füh­len.

Bei­spiel: Ungarn. Weiß jeder sofort, was davon zu hal­ten sei, Grenz­zäu­ne, üble Kam­pa­gnen, Vik­tor Orban usw. Und jetzt: Ungarn a capel­la, unga­ri­sche Chor­mu­sik. Ganz ande­re Stim­men, die da her­über wehen, eine Welt tut sich auf:

Der Abend ist drei­tei­lig ange­legt, zu Beginn erklin­gen geist­li­che Wer­ke vor­wie­gend jün­ge­rer zeit­ge­nös­si­scher Kom­po­nis­ten aus Ungarn. Ein­ge­fügt ist hier dann aber eine Motet­te des Spät­ro­man­ti­kers  —  und gebür­ti­gen Ungarns  —  Franz Liszt: Des­sen geist­li­che Musik ist äußerst viel­fäl­tig, das 1860 kom­po­nier­te, bis zu acht­stim­mi­ge „Vater unser“ fin­det sich, dort dann in latei­ni­scher Fas­sung und leicht ver­än­dert, auch in des­sen Ora­to­ri­um „Chris­tus“ wie­der.

Der instru­men­ta­le Mit­tel­teil des Kon­zer­tes über­rascht mit dem Klang des baro­cken Cem­ba­los. 1978 schrieb Györ­gy Lige­ti, der wohl bedeu­tends­te unga­ri­sche Kom­po­nist nach 1945, die Solo-Wer­ke „Hun­ga­ri­an Rock“ und „Pas­sa­ca­glia ung­he­re­se“. „Hun­ga­ri­an Rock“, das in Unter­ti­tel auch „Cha­conne“ heißt, ver­weist wie die „Pas­sa­ca­glia ung­ha­re­se“ auf baro­cke Form­ty­pen, die von osti­na­ten, wie­der­keh­ren­den Ele­men­ten im Bass bestimmt sind. Im Stil des Jazz­rock fin­det sich in „Hun­ga­ri­an Rock“ ein 4-tak­ti­ger beat-beton­ter Cho­rus, der den musi­ka­li­schen Ver­lauf hoch­vir­tu­os auf­peitscht. Getra­gen von einem typisch unga­ri­schen „Aksak-Rhyth­mus“ (9/8tel), endet das Stück in einem lang­sa­men Abge­sang, der sich als typisch unga­ri­sche Volks­lied­wei­se zu erken­nen gibt. In der „Pas­sa­ca­glia ung­he­re­se“ exis­tiert eben­falls eine osti­na­te Schicht. Die Melo­die selbst trägt mit ihrer moda­len Har­mo­nik und ihren Vor­schlag­s­tö­nen dabei alle typi­schen Merk­ma­le des Unga­ri­schen.

Der voka­le welt­li­che Schluss­teil des Kon­zer­tes greift mit Zol­tán Kodá­lys Chor­werk „Bil­der aus der Matra-Gegend“ (1931) und Bár­toks „Vier unga­ri­schen Volks­lie­dern“ (1930) auf das Zen­trum unga­ri­scher Chor­mu­sik zurück. Dezi­diert an ech­ter unga­ri­scher Volks­mu­sik ori­en­tiert, lös­ten die­se Kom­po­nis­ten eine regel­rech­te unga­ri­sche Chor­be­we­gung aus, getra­gen von der päd­ago­gi­schen Tat­kraft Kodá­lys. Sowohl Bár­tok als auch Kodá­ly waren Pio­nie­re der musik­eth­ni­schen Feld­for­schung und woll­ten die unga­ri­sche Musik vom ech­ten Volks­lied aus erneu­ern. Bár­toks Chor­sät­ze zei­gen dabei einen Typus der Volks­lied­ver­ar­bei­tung, der sowohl dich­te poly­pho­ne Ein­ar­bei­tung als auch har­sche Dis­so­nan­zen zulässt und expli­zit anspruchs­voll kom­po­niert ist.


CHORWERK RUHR

zählt zu den bedeu­tends­ten Kam­mer­chö­ren in Deutsch­land. Das 1999 gegrün­de­te Vokal­ensem­ble ent­wi­ckel­te sich zu einer fes­ten Säu­le der Vokal­kunst im deutsch­spra­chi­gen Raum. Die außer­or­dent­li­che Qua­li­tät des Cho­res ist es den spe­zi­el­len Anfor­de­run­gen solis­ti­scher Beset­zun­gen eben­so gerecht zu wer­den wie per­fek­te Ver­schmel­zung des Ensem­bles im Chor­klang.

Seit der Grün­dung fan­den Kon­zer­te mit Musik aus allen Epo­chen bis zur Gegen­wart statt in Zusam­men­ar­beit mit nam­haf­ten Diri­gen­ten wie Frie­der Ber­ni­us, Syl­va­in Cam­bre­ling, Rein­hard Goe­bel, Robin Gritton, Rupert Huber, Susan­na Mälk­ki, Kent Naga­no, Peter Neu­mann, Emi­lio Pomà­ri­co, Peter Run­del, Mar­cus Stenz, Bru­no Weil und Hans Zen­der.

Im Novem­ber 2011 hat der mehr­fach aus­ge­zeich­ne­te Diri­gent Flo­ri­an Hel­gath die Künst­le­ri­sche Lei­tung über­nom­men. Er sieht einen Schwer­punkt sei­ner Arbeit dar­in, neue Chor­mu­sik in Bezug auf tra­di­tio­nel­le Musik­for­men zu beleuch­ten und somit für den Zuhö­rer vor dem Hin­ter­grund der rei­chen Musik­ge­schich­te neu wir­ken zu las­sen. CHORWERK RUHR hat er als eines der künst­le­ri­schen Mar­ken­zei­chen der Metro­pol­re­gi­on Ruhr und als einer der Spit­zen­chö­re Deutsch­lands eta­bliert.

Kon­zer­te mit renom­mier­ten Orches­tern wie der Deut­schen Kam­mer­phil­har­mo­nie Bre­men, Con­cer­to Köln, Ensem­ble Reso­nanz, l’arte dell mondo, dem Ensem­ble Musik­fa­brik, dem Schön­berg Ensem­ble Ams­ter­dam, dem Ensem­ble Modern, der Jun­gen Deut­schen Phil­har­mo­nie, den Bochu­mer Sym­pho­ni­kern, dem SWR Sin­fo­nie­or­ches­ter Baden-Baden und Frei­burg und dem Sym­pho­nie­or­ches­ter des Baye­ri­schen Rund­funks. Häu­fi­ge Auf­nah­men durch WDR und DLF und Teil­nah­me an natio­na­len sowie inter­na­tio­na­len Musik­fes­ti­vals spie­geln. CHORWERK RUHR ist ein Teil der Kul­tur Ruhr GmbH, koope­riert regel­mä­ßig und in je beson­de­rer Form mit der Ruhr­tri­en­na­le und wird geför­dert durch das Minis­te­ri­um für Kul­tur und Wis­sen­schaft Lan­des Nord­rhein-West­fa­len.


ZOLTÁN PADDIRIGENT

stu­dier­te Chor­di­ri­gie­ren bei Péter Erdei in Buda­pest. Dank eines DAAD-Sti­pen­di­ums ver­brach­te er im Anschluss ein aka­de­mi­sches Jahr in der Klas­se von Micha­el Glä­ser an der Musik­hoch­schu­le in Mün­chen. 2008 lei­te­te er die Chö­re der Zen­tra­len Musik­aka­de­mie in Peking. Zwi­schen 2009 und 2014 war er Chef­di­ri­gent des Debre­cen Kodá­ly Cho­res, seit 2014 ist er Lei­ter des Unga­ri­schen Rund­funk­cho­res.

Im Juli 2016 über­nahm er bei den Salz­bur­ger Fest­spie­len die Ein­stu­die­rung des Unga­ri­schen Rund­funk­cho­res bei der Urauf­füh­rung von Péter Eöt­vös Hal­le­lu­ja, mit den Wie­ner Phil­har­mo­ni­kern unter der Lei­tung von Dani­el Har­ding.

Ein­stu­die­run­gen und Assis­ten­zen über­nahm er in den ver­gan­ge­nen Jah­ren für Sir Simon Ratt­le, Hel­muth Ril­ling, Pier Gior­gio Moran­di, Ennio Mor­rico­ne, Zol­tán Kocsis, Tamás Vásá­ry, Györ­gy Vashe­gyi, Ger­ge­ly Kes­se­lyák, Iván Fischer, Ádám Fischer, Mar­tin Hasel­böck und Howard Arman.

Bei der Auf­füh­rung gro­ßer ora­to­ri­scher Wer­ke kam es in der Ver­gan­gen­heit zur Zusam­men­ar­beit mit unter­schied­li­chen Orches­tern wie dem Sym­pho­nie­or­ches­ter des Unga­ri­schen Rund­funks, den Kodá­ly Phil­har­mo­ni­kern, dem Orches­ter der Staats­phil­har­mo­ni­ker von Ora­dea und dem Sym­pho­nie­or­ches­ter Alba Regia.

Mit dem Kodá­ly Cho­res diri­gier­te er die unga­ri­schen Erst­auf­füh­run­gen Kon­zert für Chor von Alfred Schnitt­ke, Der ver­sie­gel­te Engel (Zapech­at­len­nyi angel) von Rodi­on Scht­sche­drin und das Ora­to­ri­um The Com­pa­ny of Hea­ven von Ben­ja­min Brit­ten. Mit die­sem Ensem­ble erhielt er im Dezem­ber 2012 den Pri­ma-Preis. Im März 2007 gewann er den Publi­kums­preis und einen Spe­zi­al­preis beim 4. Inter­na­tio­na­len Wett­be­werb für jun­ge Diri­gen­ten / Inter­na­tio­nal Com­pe­ti­ti­on for Young Con­duc­tors der Euro­pean Cho­ral Asso­cia­ti­on – Euro­pa Can­tat. Seit 2005 unter­rich­tet er Chor­di­ri­gie­ren am Kodá­ly Insti­tut der Liszt-Aka­de­mie in Buda­pest.

Von 2009–2014 war er Mit­glied des künst­le­ri­schen Bei­rats des Inter­na­tio­na­len Béla Bar­tók Chor­wett­be­wer­bes in Debre­cen und 2013 und 2014 lei­te­te er den Wett­be­werb als Künst­le­ri­scher Lei­ter.


PROGRAMM

Józ­sef Karai (1927–2013)
_ De pro­fun­dis (1981) | 5’30”

Franz Liszt (1811–1886)
_ Das Vater­un­ser (1869) | 7’50”

Péter Zom­bo­la (*1983)
_ Libe­ra me (2009) | 2’

Györ­gy Orbán (*1947)
_ Chi­a­ro (2006) | 2’

Lajos Hus­zár (*1948)
_ Stra­fe mich nicht in dei­nem Zorn (2014) | ca 6’

Már­ton Leven­te Hor­váth (*1983)
_ O salu­t­a­ris hos­tia (2005) | 3’

Leven­te Gyön­gyö­si (*1975)
_ Can­ta­te Domi­no | 2’10”

Györ­gy Lige­ti (1923–2006)
_ Hun­ga­ri­an Rock (1978) – für Cem­ba­lo | 5’10”

Györ­gy Lige­ti
_ Pas­sa­ca­glia ung­he­re­se (1978) – für Cem­ba­lo | 5’

Béla Bar­tók (1881–1945)
_ Négy magyar nép­dal (Vier unga­ri­sche Volks­lie­der) | 12’

Bar­na Szabó (*1976)
_ Lachry­ma­ri­um / 1. Ye hea­vy sta­tes of night, 6. Come, hea­vy sleep | 4’

Zol­tán Kodá­ly (1882–1967)
_ Mátrai képek | 11’30”

 

CEMBALO und ORGEL: Chris­ti­an Rie­ger
CHORWERK RUHR
DIRIGENT: Zol­tán Pad

 


CHORWERK RUHR | Balladen und andere Geschichten

» Sonn­tag 18. Novem­ber | 17 Uhr
» Ein­lass 16:15 Uhr
» VVK 22 € zzgl. Gebüh­ren | 1/2 Preis für alle bis 25 Jah­re
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Eine Chor­Werk Ruhr Pro­duk­ti­on in Koope­ra­ti­on mit der Chris­tus­kir­che Bochum und dem Kul­tur­bü­ro Bochum.