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ChorWerk Ruhr | Ein deutsches Requiem

19. November, 17:00

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Chor­Werk Ruhr in der Chris­tus­kir­che Bochum, Febru­ar 2017 | © Sabi­ne Mich­a­lak

Kon­zert zum Volks­trau­er­tag am Platz des euro­päi­schen Ver­spre­chens [mehr Infos]


War­um müs­sen Men­schen lei­den? Wie kann Gott es zulas­sen, dass die ver­zwei­feln, die er liebt, wie kann er bei sich sel­ber sein, wenn er uns trau­rig sieht? Johan­nes Brahms hat die­se Fra­ge, die Theo­di­zee-Fra­ge, „das gro­ße War­um“ genannt und eine „klei­ne Abhand­lung über das gro­ße ‚War­um ‘“ geschrie­ben, die Motet­te wur­de zu einem berüh­ren­den Werk: „War­um ist das Licht gege­ben dem Müh­se­li­gen“.

Zehn Jah­re zuvor, 1868, hat­te Brahms sich erst­mals der Fra­ge gestellt, wie Gott es zulas­sen kann, dass Men­schen ver­zwei­feln im Ange­sicht des Todes. Ange­sichts sinn­lo­sen Lei­dens, ange­sichts einer nicht fass­ba­ren End­gül­tig­keit. Das „Deut­sche Requi­em“ beruht  —  wie auch Brahms Motet­te  —  auf bibli­schen Tex­ten bei­der Tes­ta­men­te, und zwar  —  des­we­gen „deut­sches“ Requi­em  —  in der Über­set­zung von Luther. Aus­ge­wählt und zusam­men gestellt hat Brahms die Tex­te sel­ber, und bei­de Male hat er bei die­ser Kom­po­si­ti­on der Tex­te eine Hal­tung bewie­sen, die er sel­ber ein­mal als „ket­ze­risch“ bezeich­net hat, die man aber, wenn man die Bibel kennt, nur als biblisch bezeich­nen kann: Er ver­wei­gert den fal­schen Trost, der dar­in liegt zu glau­ben, der Tod sei nur der Über­gang in eine bes­se­re Welt.

Nichts bei Brahms weist dar­auf hin, was ja so vie­le ger­ne glau­ben, dass jeder Tod nur eine Rei­se sei und jedes Requi­em ein Rei­se­se­gen. Der Tod, lässt Brahms mit 1 Kor 15 sin­gen, wer­de nicht durch­wan­dert, er müs­se über­wun­den wer­den, und zwar nicht von uns, son­dern von Gott, und zwar nicht jetzt, son­dern „zur Zeit der letz­ten Posau­ne“. Kei­nen Tag vor­her, dann aber „plötz­lich, in einem Augen­blick“.

Damit aber ver­wei­gert Brahms sei­ner Zeit das, was sie am höchs­ten ver­ehrt, den Glau­ben an einen Fort­schritt, der das Toten­reich durch­que­re wie ein Con­quis­ta­deur sei­ne Kolo­ni­en oder das pro­le­ta­ri­sche Sub­jekt sei­ne geschicht­li­che Mis­si­on oder eben die Auf­klä­rung das Schat­ten­reich. Der Tod mar­kiert eine Gren­ze, kei­ne See­le ist unsterb­lich: Mit die­ser Fest­stel­lung steht Brahms  —  anders als so vie­le Seel­sor­ger heu­te  —  auf bibli­schem Boden. Wo es um die Fra­ge geht, war­um Men­schen lei­den und sich quä­len und es ihnen mit Leib und See­le nicht anders ergeht als dem Vieh  —  „wie die­ses stirbt so ster­ben sie auch“, heißt seel­sor­ger­lich nüch­tern beim Pre­di­ger Salo­mo  —   von die­ser Fra­ge getrie­ben ret­tet sich Brahms in kein Fort­schritts­pa­thos hin­ein, son­dern er flieht vor der Fra­ge weg zu ihr hin, er flieht von Gott zu Gott, dem Gott Abra­hams:

„Herr, wes­sen soll ich mich trös­ten? Ich hof­fe auf Dich.“

Lässt sich dies  —  das Lei­den ange­sichts des Todes  —  lässt sich dies mit gro­ßem Orches­ter und noch grö­ße­rem Chor aus­drü­cken? Brahms hat das Requi­em, hier ganz Kind sei­ner Zeit, für eine reich­lich gro­ße Beset­zung geschrie­ben, allein der Chor soll­te 200 Stim­men stel­len. Flo­ri­an Hel­gath redu­ziert auf 29 solis­ti­sche Stim­men und über­setzt das gewal­ti­ge Orches­ter in den Klang von zwei Flü­geln. Eine vier­hän­di­ge Kla­vier­fas­sung des Wer­kes hat­te bereits Brahms sel­ber erstellt, sie kommt einer schöp­fe­ri­schen Um– und Neu­ge­stal­tung des Wer­kes bereits nahe. Das Duo d’ Accord erstellt der­zeit eine eige­ne, neue Kla­vier-Tran­skrip­ti­on für zwei Kla­vie­re. So ent­steht eine kam­mer­mu­si­ka­lisch trans­pa­ren­te Form, dazu da, Ant­wor­ten zu fin­den auf die Fra­ge, wie es klingt, auf einen Gott zu hof­fen, der sagt:

„Ich will euch trös­ten, wie einen sei­ne Mut­ter trös­tet.“

 


CWR 102 | EIN DEUTSCHES REQUIEM

JOHANNES BRAHMS | 1833 — 1897
_ War­um ist das Licht gege­ben dem Müh­se­li­gen (1878)
für gemisch­ten Chor a cap­pel­la 10‘

JOHANNES BRAHMS | 1833 — 1897
_ Ein deut­sches Requi­em op. 45 (1866)
Tran­skrip­ti­on für Solis­ten, Chor und 2 Kla­vie­re vom Duo d’Accord 80’

MIT

Johan­na Win­kel | Sopran 
Tho­mas E. Bau­er | Bari­ton
Duo d’Accord | Kla­vier­duo Lucia Huang & Sebas­ti­an Euler
Chor­Werk Ruhr
Flo­ri­an Hel­gath | Musi­ka­li­sche Lei­tung


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» Ein­füh­rung in die Wer­ke: vor­aus­sicht­lich 16:30 Uhr
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CWR 102 ist eine Koope­ra­ti­on von Chor­Werk Ruhr, Chris­tus­kir­che Bochum und dem Kul­tur­bü­ro der Stadt Bochum