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Chorwerk Ruhr | „The Sound of Silence“

17. Februar 2019, 17:0019:00

Chor­werk Ruhr by Pedro Mali­now­ski ©

Eine Stim­me ver­schwe­ben­den Schwei­gens. In die­ser Stim­me, sagt die Bibel, begeg­ne Gott. Nicht im Don­ner, nicht im Blitz, in kei­nem Feu­er, kei­nem Sturm: Biblisch bese­hen steht Zeus als Zau­be­rer da, ein Krach­ma­cher, der nach Dezi­bel giert (allein das Wort Dezi­bel klingt so, als han­de­le es sich um einen vor­zeit­li­chen Frucht­bar­keits­gott, vor dem man sich in den Staub zu wer­fen habe). In der Bibel wird es zwar auch ab und an laut, die Natur­ge­wal­ten aber wer­den, sobald es um Gott geht, auf Null gedimmt: die vier Ele­men­te ver­stummt, die Extre­me beru­higt, der Wolf liegt neben dem Schaf. Nie­mand brüllt her­risch, kein ver­zwei­fel­tes Kla­gen, kei­ne bedräng­te Krea­tur. Und was dann, wenn es ein­mal dahin käme, dass kei­ne Krea­tur län­ger seufzt, was dann erklin­gen könn­te, es könn­te klin­gen, wie die Stil­le klingt. Wie Ver­söh­nung klingt: Das akus­ti­sche Him­mel­reich wird nicht von Gei­gen bespielt, die geig­ten, und nicht von Heer­scha­ren besun­gen, die sän­gen, son­dern es wäre  —  hört man der Bibel zu  —  ein sab­ba­thi­scher Frie­den. Wäre das Ruhen Got­tes nach den Mühen des Don­nerns, nach all den debi­len Dezi­beln. Jeder Klang, der zu sich sel­ber kommt, ver­schwebt im Schwei­gen.

Höher also  —  das soll­te deut­lich wer­den  —  höher lässt sich der Anspruch nicht schrau­ben, den Chor­werk Ruhr stellt. An sich sel­ber, an uns, an den Glau­ben an das, was mensch­li­che Stim­men kön­nen. Die gött­li­che Stil­le zum Klin­gen brin­gen? Die Idee die­ses Kon­zerts: Es sucht die Stil­le zwi­schen den Extre­men, nicht an den Rän­dern, son­dern in der Mit­te des Lebens, und das heißt hier zunächst: Die Welt des Madri­gals begeg­net dem Jazz.

Das Madri­gal? Ist eine Vokal­form der Renais­sance, eine emp­find­sa­me. Der Jazz, wie Marc Schmol­ling und sein Ensem­ble ihn spielt, ist gegen­wär­tig, ist kom­po­niert und impro­vi­siert und sucht die Mit­te von bei­dem. Tex­te lei­ten, sie stam­men von Inka Machul­ko­va und Georg Trakl, es geht um „Ticho“, tsche­chisch für „Stil­le“: Instru­men­ta­les, Klang­schich­tun­gen, auch Text­de­kla­ma­ti­on und Voka­li­sen tref­fen auf „klas­si­schen“ Chor­ge­sang, Früh­ba­ro­ckes auf Zeit­ge­nös­si­sches, Kom­po­nier­tes auf Impro­vi­sier­tes. Und jetzt ein wenig in die Details:

Die Welt der Madri­ga­le wur­de von den drei Haupt­ver­tre­tern des ita­lie­ni­schen Früh­ba­rocks  —  Clau­dio Mon­te­ver­di, Car­lo Gesu­al­do, Luca Maren­zio  —  ein­ge­rich­tet, sie haben die Kom­po­si­ti­ons­re­geln ihrer Zeit bewusst zuguns­ten des Text­aus­dru­ckes ver­letzt. Spra­che wird hier zur „Her­rin“ der Musik. Es soll rich­tig­ge­hend weh tun, wenn Mon­te­ver­di in „Cru­da Ama­ril­li“ die Dis­so­nan­zen des Lie­bes­schmer­zes, „Ahi“, nicht mehr auf­löst nach den Regeln der Kunst. Der Lie­bes­schmerz fin­det im spä­ten Madri­gal sei­nen beson­ders inten­si­ven und indi­vi­du­el­len Aus­druck, gera­de auch in der modern klin­gen­den Har­mo­nik eines Gesu­al­do. In des­sen „Io tace­rò“ wird das trot­zig behaup­te­te Schwei­gen von den Trä­nen und dem Klang des Seuf­zens ver­drängt.

Das ist das eine, das ande­re sind der Tod und der Traum, die Moti­ve der Stil­le. In Mon­te­ver­dis „Cru­da Ama­ril­li“ stirbt der Kla­gen­de am Ende schwei­gend. In „Trä­nen des Gelieb­ten am Gra­be sei­ner Gelieb­ten“, eben­falls von Mon­te­ver­di kom­po­niert, ist der in die Stil­le geführ­te Klang das erschre­cken­de Zen­trum des Wer­kes eben­so wie die Pausen­set­zun­gen beim Betrach­ten des Gra­bes, die Toten­stil­le. Wenn der Mensch schweigt, hört er die Stil­le, die zur Natur wer­den kann, wun­der­bar laut­ma­le­risch ist dies in Mon­te­ver­dis „Ecco mor­mo­lar l’onde“ dar­ge­stellt, eben­so wie ande­rer­seits der Madri­ga­list Maren­zio mit dem nach­klin­gen­den Echo, dem Nach­lau­schen in die Stil­le hin­ein, in „O tu che fra le sel­ve occul­ta vivi“ einen bered­ten Dia­log des Men­schen mit sei­nem eige­nen Schwei­gen erzeugt …

Hel­lo silence  —  um „The Sound of Silence“, den Song von Simon & Gar­fun­kel, den jeder­mensch kennt, ein­mal leicht abzu­wan­deln  —  „Hel­lo silence, my fri­end, I come to talk to you again ….“


CHORWERK RUHR | MARC SCHMOLLING ENSEMBLE
“The Sound Of Silence”

Trom­pe­te: TOM ARTHURS
Saxo­phon: CHRISTIAN WEIDNER
Vio­li­ne: BILINA VOUTCHKOVA
Kla­vier: MARC SCHMOLLING
Kon­tra­bass: ANTONIO BORGHINI

CHORWERK RUHR
Diri­gent: FLORIAN HELGATH

» Sonn­tag 17. Febru­ar 2019 | 17:00 Uhr
» Ein­lass 16:00 h
» Ein­füh­rung 16:30 h
» Tickets 22 / 11 €
» Ermä­ßi­gung gilt für alle bis 25 Jah­re
» Tickets kön­nen Sie hier bei uns online ordern!

Eine Chor­Werk Ruhr Pro­duk­ti­on in Koope­ra­ti­on mit der Chris­tus­kir­che Bochum und dem Kul­tur­bü­ro Bochum.