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Feidman plays Beatles | Giora Feidman & Rastrelli Cello Quartet

3. Januar 2018, 20:00

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pFeid­man plays Beat­les mit spe­cial guest Jeru­sa­lem Duo | © Ste­phan Hae­ger

Der Maes­tro, der Ver­söh­ner, Grand Sei­gneur des Klez­mer: Giora Feid­man war 28, als er zum ers­ten Mal die Beat­les hör­te, 1964 war das in den USA, John Len­non war 24 und Paul McCart­ney 22 Jah­re alt, „es steck­te eine unheim­li­che Kraft in ihrer Musik“, sagt Feid­man im Bli­ck zurück.

Die Kraft zu über­zeu­gen. Noch ein Bli­ck zurück: 1964 nahm Mar­tin Luther King den Frie­dens­no­bel­preis ent­ge­gen, Wil­ly Brandt wur­de Vor­sit­zen­der der SPD. Einer­seits, ande­rer­seits wur­de Nel­son Man­de­la zu lebens­lan­ger Haft ver­ur­teilt, in Deutsch­land wur­de die NPD gegrün­det  —  1964 war die Welt eine zer­ris­se­ne, es gab wun­der­vol­le Auf­brü­che und erz­re­ak­tio­nä­ren Wider­stand. Und es gab die Beat­les, sie wur­den  —  lan­ge vor Wood­sto­ck, vor „Hair“  —  Aus­druck einer welt­wei­ten Bewe­gung, sie drück­ten eine Über­zeu­gung aus, Giora Feid­man:

„Was mich am tiefs­ten beein­druckt und die Beat­les für mich so unge­heu­er wich­tig gemacht hat, ist der Umstand, dass sie prak­ti­sch die gan­ze Welt geeint haben. In der Begeis­te­rung für die Beat­les waren sich die jun­gen Leu­te auf allen Erd­tei­len einig, Unter­schie­de in Reli­gi­on und Kul­tur spiel­ten plötz­li­ch kei­ne Rol­le mehr. Die Krie­ge, die die Eltern noch mit­er­lebt hat­ten – Ver­gan­gen­heit. Arm oder reich war auch egal, nach und nach schwan­den sogar die Gene­ra­ti­ons­schran­ken. Das hat kein ande­rer Künst­ler, kei­ne ande­re Grup­pe vor oder nach den Beat­les in die­sem Maße erreicht. Es war wun­der­bar und hat mich in tiefster See­le berührt. Und es wirkt ja immer noch wei­ter. Eine neue jun­ge Gene­ra­ti­on hat begon­nen, die Beat­les für sich zu ent­de­cken. Mein Enkel in Israel ist elf und spielt auch Kla­ri­net­te. Gera­de hat er mich gebe­ten, Ihm von mei­ner nächs­ten Rei­se nach Deutsch­land zwei ganz bestimmt Beat­les-Bücher mit­zu­brin­gen. Das ist doch groß­ar­tig.“

Die Über­zeu­gungs­kraft des Pop, welt­um­grei­fend. Pop­mu­sik, so der bri­ti­sche Musik­theo­re­ti­ker Simon Frith, ist eine „ima­gi­nier­te Form des Begeh­rens“, eine ima­gi­nier­te Form der Nächs­ten­lie­be, man fühlt sich ande­ren nah, die weit weg sind und den­no­ch nah, weil sie die sel­be Musik mögen. So set­zen Pop­songs ihre eige­ne Wirk­lich­keit frei, Giora Feid­man setzt die der Beat­les in Sze­ne:

Gemein­sam mit dem Rast­rel­li Cel­lo Quar­tett hat er Songs von Len­non / McCart­ney aus­ge­wählt und sie  —  die Arran­ge­ments stam­men von Ser­gej Drab­kin  —  in kam­mer­mu­si­ka­li­sche Form gebracht. Mit einer kam­mer­mu­si­ka­li­schen Über­set­zung hat­ten die Beat­les sel­ber begon­nen, 1965 bereits hat­ten sie mit Streich­quar­tet­ten gear­bei­tet, man höre nur mal „Yes­ter­day“. Feid­mans Cel­list und Co-Arran­geur Kira Kraft­zoff:

„Als sie 1966 ‚Ele­an­or Rig­by‘ auf­nah­men, spiel­ten die Strei­cher eigent­li­ch viel zu gera­de­aus und hart, um dem empa­thi­sch-melan­cho­li­schen Text des Songs gerecht zu wer­den. Und Giora und wir waren jetzt ja auch noch in der Situa­ti­on, ganz ohne den Text zu arbei­ten. Alles, was Paul McCart­ney an Emo­ti­on in die­sen Song hin­ein­ge­packt hat, muss jetzt durch unse­re Instru­men­te Aus­druck fin­den.“

Und eben dafür  —  Aus­druck zu fin­den durch ein Instru­ment hin­durch  —  gibt es kaum einen auf der Welt, der dies bes­ser könn­te als Giora Feid­man. Rund um den Erd­ball wird sei­ne Kla­ri­net­te dafür gerühmt, dass sie mensch­li­che Lei­den­schaft aus­drü­cken kann, dass sie einen Klang fin­den kann auch da, wo Worte ver­sie­gen. Ver­söh­nung? Ist ein gro­ßes Wort, eines, das man kaum spre­chen, aber hören kann.


FEIDMAN PLAYS BEATLES
Giora Feid­man & Rast­rel­li Cel­lo Quar­tett
Spe­cial guest: Jeru­sa­lem Duo

» Mitt­wo­ch 3. Janu­ar 2018 | 20 Uhr
»VVK 38,00 €
» Tickets direkt hier bei uns

» Rast­rel­li Cel­lo Quar­tett: Kira Krafts­off, Ser­gio Drab­kin, Mik­hail Degt­jar­eff, Kirill Timo­feev
» Jeru­sa­lem Duo: Hila Ofek, Har­fe | And­re Tsir­lin, Saxo­phon