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Giora Feidman Sextett | Klezmer for Peace

11. Januar 2020, 20:00

Gio­ra Feid­man Sexttt | © Ste­phan Hae­ger

Die eine Kunst geht so: Vor­ne ste­hen Künst­ler und erklä­ren, wie man die Welt zu sehen habe, wel­che Far­be rich­tig sei und wel­che falsch, wel­cher Him­mel gut und wel­cher böse sei usw. Das ist iden­ti­tä­re Kunst, sie ist iden­tisch mit der Anschau­ung, die hat, wer vor­ne steht, am Ende ist sol­che Kunst Slo­gan: Anschau­ungs­ma­te­ri­al. Und klingt auch so. Man wird an die Hand genom­men und durch die Welt bug­siert, am Ende wer­den die Hän­de gefal­tet.

Die ande­re Kunst geht so: Vor­ne ste­hen Leu­te, die machen, was sie machen, man sieht ihnen zu und hört ihnen nach, und plötz­lich geht einem sel­ber auf, wie man die Welt anders sehen kann. Die eine Far­be rich­tig, die ande­re auch, es gibt so vie­le Far­ben, der Him­mel spannt sich über alle. Das ist nicht-iden­ti­tä­re Kunst: uneins mit einer Welt, die sich als Strich­code gibt.

“Klez­mer for Peace” ist nicht-iden­ti­är, ist uneins mit dem Strich­code, bil­det kei­ne Anschau­un­gen ab, son­dern öff­net Hori­zon­te. „Klez­mer for Peace“, das dürf­te somit klar sein, ist ein Pro­jekt von Gio­ra Feid­man.

Die Auf­stel­lung: Musi­ker aus der Tür­kei und aus Isra­el, aus zwei Gesell­schaf­ten, die sich  —  zumin­dest in letz­ter Zeit  —  schwer aus­ein­an­der gelebt haben. Feid­mans Idee: sei­ne Musik auch jetzt wie­der in einen Kon­text stel­len, in dem sie nicht zu Hau­se ist. Einen Raum, in dem sie nicht schon längst ver­stan­den und abge­stan­den ist. Sie in ein Gewand klei­den, in dem sie noch nie zu sehen und nie zu hören war.

Er macht sich auf die Suche und trifft Murat Cos­kun, den deutsch-tür­ki­schen Musi­ker und Musik­eth­no­lo­gen, Murat zählt zu den renom­mier­tes­ten Rah­men­tromm­lern welt­weit. Die bei­den ver­ab­re­den eine Pro­be, und Murat bringt gleich mal zwei Kol­le­gen aus sei­nem Umfeld mit: Gür­kan Bal­kan an der Gitar­re und der Oud sowie Muhit­tin Kemal Temel auf der tür­ki­schen Zither. Und dann greift Gio­ra zur Kla­ri­net­te … so fing das alles an und ging gleich wei­ter, es kamen Hila Ofek mit ihrer Har­fe dazu und And­re Tsir­lin mit sei­nem Saxo­phon, bei­de Israe­lis wie­der­um aus der klas­sik-jaz­zig-west­li­chen Schu­le, die Com­bo war bei­sam­men: 6 Solis­ten gehen an den Star, das Ziel: 1 Musik.

Die fremd klingt, aber immer wie­der ver­traut. Oder umge­kehrt: die ver­traut klingt und immer wie­der fremd. Und dann wird das egal, ob nun fremd oder ver­traut, es erle­digt sich beim Hören von selbst, stän­dig danach zu fra­gen, ob sich die­ser Klang eher der mus­li­mi­schen und jener eher der jüdi­schen Tra­di­ti­on zure­chen lässt oder ob es nicht auch umge­kehrt sein könn­te usw. Irgend­wann wird ein­fach beim Hören klar, was Gio­ra Feid­man  —  der Maes­tro hat 83 Jah­re Leben in sich auf­ge­so­gen  —  was er uns vor­spie­len will: dass es vie­le Far­ben gibt, dass jede schön ist auf ihre Wei­se, sie aber nur schön wer­den kann, wenn sie sich zwi­schen ande­ren Far­ben tum­melt. „Klez­mer for Peace“ ist ein State­ment: Nichts ist unmög­lich.

Das ist der ein­zi­ge Satz, mit dem uns ein Musi­ker die Welt erklä­ren kann.


 

GIORA FEIDMAN SEXTETT | KLEZMER FOR PEACE

Gio­ra Feid­man (Isra­el) | Kla­ri­net­ten
Muhit­tin Kemal Temel (D/Türkei) | Kanun
Murat Cos­kun (D/Türkei) | Rah­men­trom­meln, Per­cus­sion, Gesang 
Gür­kan Bal­kan (Tür­kei) | Oud, Gitar­re
Hila Ofek (Isra­el) | Har­fe
And­re Tsir­lin (Isra­el) | Saxo­phon

» Sams­tag 11. Janu­ar 2020 | 20 Uhr
» Ein­lass 19 Uhr
» VVK 38 / 20 € zzgl. geb.
» Tickets direkt hier bei uns ordern (kli­cken) oder in allen VVK-Stel­len bun­des­weit