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Manowars Joey DeMaio | Spoken Words

7. November, 20:00

Richard Wag­ner by Pierre-Augus­te Renoir, 1882 (cc)

Wo ande­re laut sind, sind sie nicht lau­ter, sie sind die Lau­tes­ten. Oder die Zweit­lau­tes­ten, das in jedem Fall, knapp 130 Dezi­bel. Der Wort­schatz ihrer Songs geht nicht hör­bar über die­se Zahl hin­aus, und doch haben sie damit ein knap­pes Dut­zend Alben gefüllt. Ihre Erfin­dung: „True Metal“. Ist was? Mit den Wor­ten von Joey DeMaio:

„Bist du bereit, für den Metal zu ster­ben? Ich bin bereit, für den Metal zu ster­ben.“

Er hat es aller­dings nicht getan, son­dern das gera­de Gegen­teil, er hat für den Metal gelebt. Und so, wie er gelebt hat, wur­de DeMaio —  das als Bei­spiel sei­nes Tuns  —  zum Rit­ter des Mal­te­ser­or­dens gekürt. Über­setzt heißt das: böse tun, Gutes bewir­ken. Was bewirkt MANOWAR, wenn sich die Band  —  und das tut sie jetzt  —  auf­löst? Wenn sich DeMai­os Lebens­werk, von Metal-Fans in eben dem Maße ver­ehrt, in dem ande­re es belä­cheln, wenn es sich in Geschich­te auf­löst und in Geschich­ten?

Dann geht er auf Spo­ken-Wor­ds-Tour. Bist du bereit, über den Metal zu reden?

Er ist bereit, er war es immer, Joey DeMaio war von Beginn an ein Ber­ser­ker der Kom­mu­ni­ka­ti­on mehr noch als ein Ber­ser­ker des Bas­ses. Jetzt öff­net er den Gral (um schon mal kurz zu Wag­ner rüber zu schwen­ken), er öff­net die gehei­men Archi­ve der True-Metal-World, es ist die Geschich­te einer Band von ihren Anfän­gen bis heu­te.

Von ihren Anfän­gen? Den Len­den­schür­zen, in denen sie sich ablich­ten lie­ßen? Den ver­öl­ten Mus­kel­hü­geln, die sie streng nach Comic-Art zu Gebirgs­zü­gen model­liert haben? Den gro­ßen Klei­ne-Jun­gen-Schwer­tern, die sie zum Dra­chen­tö­ten schwan­gen? Den Frau­en-Phan­ta­si­en, die mit phan­tas­ti­scher Phan­ta­sie­lo­sig­keit dazu ein­lu­den, auf eine ent­spre­chen­de Land­schaft im Hirn zu schlie­ßen? Und was ist mit den Fuchs­schwanz-Fri­su­ren, bei denen man sich noch heu­te fragt, wann die­se har­ten Jungs wohl auf­ge­stan­den sind, um sich zu sty­len: True Metal vorm Schmink­spie­gel? Hair of steel?

„The Blood Of The Kings“, so ist DeMai­os Erzäh­lung beti­telt, die Band hat ja bereits ihren ers­ten Plat­ten­ver­trag mit ihrem Blut unter­schrie­ben, wie sie damals mit­tei­len ließ. Die Blut-Meta­pher zieht sich, nun denn, wie ein roter Faden durch ihr Werk, sie passt auch gut zu dem Vor­wurf, Mano­war bedie­ne sich einer Nazi-Ästhe­tik. In der Tat, etwas in der Art lässt sich in eini­gen Art­works fin­den, es ist dort der­art schwüls­tig ein­ge­haust, alles so über-mar­tia­lisch und männ­lich­keits­fie­bernd, dass auch das an den Schmink­spie­gel erin­nert. Kei­ne Nazi-, eher eine Kajal-Ästhe­tik, oh Wag­ner oh Gru­sel:

„Richard Wag­ner hat den Hea­vy Metal erfun­den.“

So Joey DeMai­os Ein­füh­rung in die Musik­wis­sen­schaft, Lek­ti­on 1. Lek­ti­on 2 lau­tet:  

 „Ich habe immer gesagt, dass ich gegen Richard Wag­ner ein Nichts bin.“

Lek­ti­on 3:

 „Alle ande­ren Musi­ker sind dann aber gar nichts.“

War­um Wag­ner?

„He play­ed lou­der, hea­vier, more dra­ma­tic than any­bo­dy could ever ima­gi­ne.“

Das ist sicher­lich rich­tig, man könn­te sagen, Wag­ner war ein Poser auf dem Papier wie DeMaio auf dem Cover. Wal­kü­ren und Schwer­ter. Pfer­de, die flie­gen und Hel­den, die ster­ben. Das Bom­bas­ti­sche, Schwü­le und Schwuls­ti­ge. Das Pathos der Treue, Ehr­lich­keit und Hin­ga­be. Das Män­ner­bün­di­sche, Frau­en­feind­li­che und Krie­ger­from­me … doch ja, das ist Wag­ner, es ist Mano­war. Män­ner­schwit­ze als Musik.

Oder nein, sagen wir: Mano­war als Wag­ner-Musi­cal. Das passt. Und für DeMaio wäre es ein Kom­pli­ment, er wür­de sagen: Wenn Bay­reuth ein Hügel ist, ist Mano­war ein Berg. Und wenn die einen auf den Berg pil­gern, pil­gern ande­re eben auf den Hügel.

Ja, passt. Auch DeMaio türmt, ganz wie sein Meis­ter, eine gigan­ti­sche Fik­ti­on him­mel­wärts, die in sich zusam­men fällt, sobald man sie auf Zim­mer­laut­stär­ke dreht. Eine Fik­ti­on, die  —  da aller­dings ist DeMaio völ­lig anders als Wag­ner —  sich ihrer Fik­tio­na­li­tät bewusst ist, so offen­kun­dig, wie er über­zeich­net und über­dreht und so affir­ma­tiv, wie er sie in die Welt hin­ein schiebt. Es wirkt ver­spielt, und es gibt nichts, was so ernst­haft betrie­ben wer­den könn­te wie ein Spiel, es wirkt alles wie ein Spiel mit einer Klei­nen-Jun­gen-Phan­ta­sie.

Das lässt sich von Wag­ner nicht behaup­ten.

Von Mano­wars Gitar­ris­ten Karl Logan mög­li­cher­wei­se eben­so wenig, er wur­de letz­tes Jahr wegen des Besit­zes kin­der­por­no­gra­phi­schen Mate­ri­als in den USA ange­klagt, die Band trenn­te sich sofort von ihm. Die letz­te Tour ihres Lebens spielt Mano­war ohne Logan.

Und wenn auch die­se Tour  —  die natür­lich nicht „The Final-Tour“ heißt, son­dern „The Final-Batt­le-Tour“  —  wenn auch sie vor­bei ist und die letz­te Schlacht geschla­gen, dann end­lich wird DeMaio spre­chen. Zu uns. Eine One-Man-Mul­ti­me­dia­show, es wird exakt das, was DeMaio immer schon am bes­ten konn­te: Er in der Mit­te, ein Gott über ihm, ein Publi­kum zu Füßen. Ein Publi­kum übri­gens, von dem man  —  wis­sen­schaft­lich erwie­sen!  —   seit eini­ger Zeit weiß, dass es im Ver­gleich mit Leu­ten, die einen ande­ren Musik­ge­schmack haben, „signi­fi­kant glück­li­cher“ sei und „deut­lich aus­ge­gli­che­ner“.

Und zwar im wirk­li­chen Leben. Joey DeMaio erzählt.

 


MANOWARS JOEY DeMAIO 
The Histo­ry of Mano­war — Spo­ken Wor­ds Tour

» 07.11.2019 | 20 Uhr
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