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Ludwig Güttler und Friedrich Kircheis | Meisterkonzert

20. Januar 2019, 17:00

Lud­wig Gütt­ler ©

Als Solist auf der Trom­pe­te und dem Cor­no da cac­cia zählt Lud­wig Gütt­ler zu den erfolg­reichs­ten Vir­tuo­sen der Gegen­wart, er genießt den Ruf eines her­aus­ra­gen­den Bach­trom­pe­ters. Begon­nen hat er als Solo­trom­pe­ter im Orches­ter der Dresd­ner Phil­har­mo­nie, so wur­de er — noch zu DDR-Zei­ten — zu einem inter­na­tio­na­len Star. Seit vie­len Jah­ren arbei­tet er mit Fried­rich Kircheis zusam­men, Kir­chen­mu­sik­di­rek­tor in Dres­den, der wie Gütt­ler an der Hoch­schu­le für Musik „Felix Men­dels­sohn – Bar­thol­dy“ in Leip­zig stu­diert hat. Katha­ri­na Rög­ner hat jetzt für den EVANGELISCHEN PRESSEDIENST [epd] ein Por­trät Gütt­lers geschrie­ben, wir über­neh­men das hier ger­ne und dan­kend:

„Ich bin Musiker, kein Star“

Der Trom­pe­ter und Refor­ma­ti­ons­bot­schaf­ter Lud­wig Gütt­ler wird 75 Jah­re alt

Dres­den (epd). Seit Jahr­zehn­ten behaup­tet er sich in der Musik­welt: Der Dresd­ner Trom­pe­ter Lud­wig Gütt­ler. Er zählt zu den erfolg­reichs­ten Vir­tuo­sen der Gegen­wart. Bis heu­te mache es ihn glück­lich „Teil einer Auf­füh­rung zu sein“, sagt er. Dafür übt der Früh­auf­ste­her mehr­mals am Tag. Am 13. Juni wird Gütt­ler 75 Jah­re alt.Als Solist auf der Trom­pe­te und dem Cor­no da cac­cia ist er nach wie vor gefragt. 2017 spiel­te er rund 100 Kon­zer­te, in die­sem Jahr sol­len es etwas weni­ger wer­den. Das habe er sich vor­ge­nom­men. „Aber es wer­den wohl min­des­tens 75“, sagt der groß gewach­se­ne Mann mit einem ver­schmitz­ten Lächeln unter dem Schnauz­bart. Er arbei­te stän­dig mit sei­nem Instru­ment. „Es gibt kei­nen Besitz an Kön­nen“, bemerkt er dazu. Dafür brau­che es vor allem „eine inne­re Ver­fasst­heit“.

Enga­ge­ment für die Frau­en­kir­che

Trotz inter­na­tio­na­ler Kar­rie­re ist Gütt­ler sei­ner Wahl­hei­mat Dres­den treu geblie­ben. Mit sei­ner Pro­mi­nenz posiert er nicht, er nutzt sie aus – für die gute Sache. So wie er es bei der Dresd­ner Frau­en­kir­che erfolg­reich prak­ti­ziert hat. Wie kaum ein ande­rer hat der welt­weit gefei­er­te Trom­pe­ter den Wie­der­auf­bau des baro­cken Denk­mals vor­an­ge­trie­ben, grün­de­te zunächst die Bür­ger­initia­ti­ve für den Wie­der­auf­bau mit. „Wir waren der ers­te Schritt“, sagt er, „ein Häuf­lein klein“. „Beden­ken, ob der Wie­der­auf­bau gelin­gen kann, hat­ten wir auch“, fügt er hin­zu. „Es war uns aber egal, ob es 50 oder 500 Jah­re dau­ert.“

Dass das Pro­jekt weit­aus schnel­ler vor­an­kam als gedacht und zu einer bei­spiel­lo­sen Spen­den­kam­pa­gne führ­te, hat nicht zuletzt mit dem Ver­mark­tungs­ge­schick Gütt­lers zu tun. Wahr­schein­lich half ihm dabei auch die Hart­nä­ckig­keit, die Erz­ge­birg­lern nach­ge­sagt wird. Spürt er Wider­stand, dann wächst sein Wil­le erst recht, erzählt er. „Dann erwacht in mir der Och­se, egal wie hoch der Berg ist.“

Gütt­ler, gebo­ren 1943 im erz­ge­bir­gi­schen Sosa, ist ein Mann mit eige­nen Ide­en und fes­ten Prin­zi­pi­en. Für den Wie­der­auf­bau häng­te er Anfang der 1990er Jah­re sei­ne Lehr­tä­tig­keit an der Dresd­ner Musik­hoch­schu­le an den Nagel. Zwei, drei Jah­re dach­te er zunächst. Doch aus der Rück­kehr wur­de nichts. Täg­lich habe er fünf bis sechs Stun­den für die Frau­en­kir­che gear­bei­tet – ehren­amt­lich.

Für Frau­en­kir­chen­pfar­rer Sebas­ti­an Feydt ist Gütt­ler ein „gro­ßer Visio­när“. Es brau­che sol­che Per­so­nen, um „schier Unmög­li­ches mög­lich zu machen“, sagt er. Gütt­ler habe „über bau­li­che und auch gesell­schaft­li­che  Rui­nen hin­aus gese­hen“. Er habe Mut gemacht und vor allem Hoff­nung, indem er auf Ver­söh­nung setz­te. Und die­se lebe er auch.

Distanz zum Star-Rum­mel

Musik­fans schwär­men vom beson­de­ren Klang sei­nes Spiels. Wer ihn aller­dings als „Start­rom­pe­ter“ bezeich­net, stößt auf Kri­tik: Das sei eine ein­falls­lo­se Flos­kel. „Ich bin Musi­ker, kein Star“, betont er vehe­ment. Bei Sta­ren den­ke er an Vögel, an sonst nichts. Der gefei­er­te Trom­pe­ter hat bekann­ter­ma­ßen viel Humor, doch das meint er ernst.

Als Kind lern­te Gütt­ler auch Flö­te, Kla­vier, Orgel und Cel­lo. Dass er sich schließ­lich der Trom­pe­te ver­schrieb, hat er auch sei­nem Leh­rer zu ver­dan­ken. Als 14-Jäh­ri­ger hör­te er auf des­sen Rat: „So wie du die Trom­pe­te bläst, mach das“, soll er gesagt haben. Auch das Urteil sei­ner Zuhö­rer habe ihn geprägt. „Wenn ich dich spie­len höre, muss ich inne­hal­ten“, sag­ten ihm Besu­cher nach Kon­zer­ten. Das fand er anrüh­rend und ermu­ti­gend zugleich.

Erfolg­reich auch als Diri­gent

Lud­wig Gütt­ler ist früh ein gesamt­deut­sches Phä­no­men gewor­den. Sei­ne Schall­plat­ten waren zur Zeit der Tei­lung auch im Wes­ten gefragt. In den 1980er Jah­ren zähl­te er zu den kul­tu­rel­len Aus­hän­ge­schil­dern der DDR – als Musi­ker durf­te er in den Wes­ten rei­sen. 1987 grün­de­te er die Musik­wo­che im nie­der­säch­si­schen Hitzacker mit und war 29 Jah­re lang ihr Lei­ter. Den Mau­er­fall am 9. Novem­ber 1989 erleb­te er auf einem Gast­kon­zert in Essen.

Gütt­ler ist seit Jahr­zehn­ten auch ein erfolg­rei­cher Diri­gent. Die drei von ihm gegrün­de­ten Ensem­bles – das Leip­zi­ger Bach-Col­le­gi­um, das Blech­blä­ser­en­sem­ble Lud­wig Gütt­ler und das Kam­mer­or­ches­ter Vir­tuo­si Saxo­niae – bestehen bis heu­te. Zudem lei­tet er das Fes­ti­val „Sand­stein und Musik“ in der Säch­si­schen Schweiz.

Sor­gen berei­tet dem inter­na­tio­nal bekann­ten Künst­ler die asyl- und frem­den­feind­li­che „Pegida“-Bewegung. „Ich schä­me mich dafür“, sagt er. Oft wer­de er gera­de im Aus­land danach gefragt. Sein Appell an die „Pegida“-Bewegung lau­tet: „Wer das Nega­ti­ve zuerst sieht, soll­te sich hin­ter­fra­gen.“

Zusam­men­wach­sen in der Musik

Gütt­ler ist außer­dem lei­den­schaft­li­cher Musik­for­scher. Ihm ist es zu ver­dan­ken, dass die Kon­zert­li­te­ra­tur durch neue Ent­de­ckun­gen erwei­tert wird. Vor allem hat er sich der Wie­der­be­le­bung der säch­si­schen Hof­mu­sik des 18. Jahr­hun­derts ver­schrie­ben. Dut­zen­de Ton­trä­ger zeu­gen davon. Er habe noch so eini­ges an musi­ka­li­schen Schät­zen zu Hau­se lie­gen. Doch, so sagt er, „wenn ich das alles spie­len woll­te, müss­te ich 140 Jah­re alt wer­den“.

Mit sei­ner aktu­el­len „Edi­ti­on Euro­pa. Ein Kon­ti­nent geeint durch die Musik“ zeigt er das poli­ti­sche Zusam­men­wach­sen Euro­pas in der Musik – und zwar schon vor Jahr­hun­der­ten. Wer­ke von Kom­po­nis­ten wie Johann Sebas­ti­an Bach, Anto­nio Vival­di, Joseph Haydn, Wolf­gang Ama­de­us Mozart und Anto­nin Dvor­ák wer­den inter­pre­tiert.

Der Musi­ker will sich mit sei­nen Bega­bun­gen in die Welt ein­brin­gen. Dafür stellt er vie­les zurück. Das spü­ren auch sei­ne fünf Kin­der und neun Enkel­kin­der, wie er zuge­steht. „Das Machen hat auch etwas Ver­füh­re­ri­sches“, sagt er. Doch mit 75 will er nun auch mehr pri­vat rei­sen – an den Bai­kal­see wür­de er gern ein­mal oder nach Indi­en. „Die Welt hat wun­der­ba­re Orte“, sagt Gütt­ler. Durch das kon­zen­trier­te Arbei­ten über all die Jah­re sei ihm vie­les ent­gan­gen.

Katha­ri­na Rög­ner (epd)


LUDWIG GÜTTLER & FRIEDRICH KIRCHEIS | Meis­ter­kon­zert

Sonn­tag 20. Janu­ar 2019 | 17:00 Uhr
Ein­lass 16:00 Uhr
VVK 36,00 €
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