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Moving Noises Evening | thisquietarmy & Dirk Serries

21. Oktober 2017, 20:00

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Die Gitarre, der Ton, das Licht: Thisquietarmy aka Eric Quach an seiner Orgel

This­quiet­ar­my aka Eric Quach an sei­ner Orgel | Foto Owen Cher­ry ©

„Lei­den­schaft für Sta­sis“, hat Died­rich Diede­rich­sen die Lei­den­schaft für Dro­ne genannt: „Lei­den­schaft für den Still­stand“. Sol­che Lei­den­schaft kom­me daher, dass Dro­ne-Musik eine „vis­ze­ra­le Wir­kung“ auf die Kör­per ent­fal­te, will sagen: Dro­ne wirkt nicht aufs Tanz­bein, son­dern aufs Inne­re der Kör­per, die Ein­ge­wei­de und also auf Herz und Hirn: „Kei­ne Fra­ge“, so Diede­rich­sen, „dass hier Spi­ri­tua­li­tät droht“.

Was kei­ne Neu­ig­keit ist, in gewis­ser Wei­se ist Dro­ne die Fort­set­zung von Orgel­mu­sik ohne Orgel: Gitar­ren schich­ten Ton um Ton ein Klang­e­bil­de auf, als mau­er­ten sie einen Raum ins Nichts hin­ein. Es ist, was die Orgel seit jeher tut, sie stellt einen Ton in den Raum, der, unsicht­bar wie er ist, schein­bar greif­bar wird, kör­per­lich fass­bar ein­fach des­halb, weil er andau­ert. Er steht im Raum, die­ser Ton, Orgel ist „Lei­den­schaft für sta­sis“.

Und wur­de folg­lich immer schon mit Ewig­keit asso­zi­iert: Die Orgel tran­szen­diert  —  so wie die E-Gitar­re heu­te  —  die end­li­che Phy­sik des mensch­li­chen Kör­pers. Auf einer Gei­ge bei­spiels­wei­se dau­ert ein Ton so lang, wie ein Arm lang ist und auf der Flö­te, bis einem die Luft aus­geht. Orgel und E-Gitar­re über­stei­gen sol­che End­lich­keit ten­den­zi­ell ins Unend­li­che, die Leu­te dach­ten frü­her, sie hät­ten ein gött­li­ches Rau­schen ver­nom­men, ein Pfingst-Erle­ben:

Plötz­lich gab es ein mäch­ti­ges Rau­schen, wie wenn ein Sturm vom Him­mel her­ab­weht. Das Rau­schen erfüll­te das gan­ze Haus, in dem sie waren.“ Apg 2,2

Kei­ne Ahnung, was die Zuhö­rer am Moving Noi­ses Abend in der Chris­tus­kir­che den­ken, wenn sie this­quiet­ar­my and spe­cial guests hören, wel­che Bedeu­tung wir dem geben, was wir hören. Das ist ja das Schö­ne an die­sen Aben­den mit Dro­ne-Musik und ist das Schö­ne an der Chris­tus­kir­che, die­sem erha­ben lee­ren Raum: dass sie einem die Frei­heit las­sen.

this­quiet­ar­my jeden­falls —  Eric Quash aus Mon­tral  —  ist eine Grö­ße der Sze­ne und ihrer Frei­heit, kein Guru der Das-größ­te-Glück-der-tiefs­ten-Bass­fre­quenz-Frak­ti­on, er mischt Dro­ne und Ambi­ent und Elek­tro­nik. DIE ZEIT schrieb kürz­lich über sein neu­es Album  —  ist bei Mid­i­ra Records erschie­nen, dem Label von Dimi und Cosi­ma, den bei­den Impressa­ri­os der Moving Noi­ses Rei­he  —  die ZEIT also, das Haus­blatt aller, die Dro­ne zuhau­se hören kön­nen, weil alle vier Wän­de ihnen gehö­ren, schrieb kürz­lich:

„Der Kraut­rock-Ali­en ist eine fun­ky Maschi­ne und lässt einen vor den Klip­pen kal­ter E-Pia­no­clus­ter unter säu­re­sprü­hen­den Syn­the­si­zern erschau­ern. Nach dem Abtau­chen in den Gitar­ren­lärm­wall füh­ren nur ein paar Haun­ted Beats zurück an die Ober­flä­che.“

Und dort, an der Ober­flä­che, geht es um „Demo­cra­cy of Dust“, das der Titel des Albums: eine Refle­xi­on auf den Zustand der Demo­kra­tie, ihrer Unvoll­kom­men­heit, ihrer — „Wel­co­me To Men­da­ci­ty“ — Ver­lo­gen­heit:

„Im Track New Home Of Mind glei­ten die zer­dehn­ten Dro­nes wie in Vogel­per­spek­ti­ve dahin, auf dem Cover ist eine Luft­auf­nah­me von São Pau­lo zu sehen, der bevöl­ke­rungs­reichs­ten Metro­po­le der Süd­halb­ku­gel. Abhe­ben, aber nicht abhau­en, das scheint die Bot­schaft zu sein. Visio­nen für die Unbe­zähm­ba­ren unter den Wider­spens­ti­gen.“

Detail aus Goya, El sueño de la razón produce monstruos [The sleep of reason brings forth monsters]

Detail aus Goya, El sue­ño de la razón pro­du­ce mons­tru­os [The sleep of rea­son brings forth mons­ters]

Zu denen auch DIRK SERRIES zählt, bel­gi­scher Kom­po­nist, ein Dro­ne- und Dro­ne­jazz-Künst­ler, er übt hier bei­na­he so etwas wie ein akus­ti­sches Haus­recht aus, so oft hat er die Sounds sei­ner Gitar­re durch den Kir­chen­raum geschickt. Vor fünf Jah­ren bei­spiels­wei­se war er mit „The Sleep Of Rea­son“ bei uns, auf unse­rem Blog stand damals dies:

Schläft die Ver­nunft oder träumt sie? Im Spa­ni­schen bedeu­tet sue­ño bei­des, sowohl Schlaf wie Traum: El sue­ño de la razón pro­du­ce mons­tru­os, Goyas berühm­te Radie­rung, ent­stand 1799, einer Zwi­schen­zeit: Die Erklä­rung der Men­schen- und Bür­ger­rech­te lag zehn Jah­re zurück, Die Schre­cken des Krie­ges lagen zehn Jah­re vor­aus. In die­sem Moment, zehn Jah­re danach und zehn davor, wir­ken Goyas Mons­ter eigent­lich ganz nett, eher wie Haus­tie­re. Zehn Jah­re spä­ter, in Die Schre­cken des Krie­ges, sind aus den Mons­tern Men­schen gewor­den:

Goya hält, als sei er Kriegs­be­richt­erstat­ter, Sze­nen aus dem spa­ni­schen Gue­ril­la­kampf gegen Frank­reichs Frei­heits­ar­mee fest, Sze­nen äußers­ter Grau­sam­keit, auch äußerst phan­ta­sie­vol­ler. Wie wer­den Mons­ter gebo­ren? Wachen sie auf, sobald Ver­nunft ent­schläft? Oder erwa­chen sie zum Leben, sobald Ver­nunft sie sich erträumt?


MOVING NOISES EVENING | this­quiet­ar­my & Dirk Ser­ries

» Sams­tag 21. Okto­ber 2017 | 20:00 Uhr
> Ein­lass 19:00 Uhr
» VVK 12 € | AK 15 €
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