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Moving Noises Evening | thisquietarmy & Dirk Serries

21. Oktober, 20:00

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.
Die Gitarre, der Ton, das Licht: Thisquietarmy aka Eric Quach an seiner Orgel

Thisquietarmy aka Eric Quach an seiner Orgel | Foto Owen Cherry (c)

„Leidenschaft für Stasis“, hat Diedrich Diederichsen die Leidenschaft für Drone genannt: "Leidenschaft für den Stillstand". Solche Leidenschaft komme daher, dass Drone-Musik eine „viszerale Wirkung“ auf die Körper entfalte, will sagen: Drone wirkt nicht aufs Tanzbein, sondern aufs Innere der Körper, die Eingeweide und also auf Herz und Hirn: „Keine Frage“, so Diederichsen, „dass hier Spiritualität droht“.

Was keine Neuigkeit ist, in gewisser Weise ist Drone die Fortsetzung von Orgelmusik ohne Orgel: Gitarren schichten Ton um Ton ein Klangebilde auf, als mauerten sie einen Raum ins Nichts hinein. Es ist, was die Orgel seit jeher tut, sie stellt einen Ton in den Raum, der, unsichtbar wie er ist, scheinbar greifbar wird, körperlich fassbar einfach deshalb, weil er andauert. Er steht im Raum, dieser Ton, Orgel ist "Leidenschaft für stasis".

Und wurde folglich immer schon mit Ewigkeit assoziiert: Die Orgel transzendiert  -  so wie die E-Gitarre heute  -  die endliche Physik des menschlichen Körpers. Auf einer Geige beispielsweise dauert ein Ton so lang, wie ein Arm lang ist und auf der Flöte, bis einem die Luft ausgeht. Orgel und E-Gitarre übersteigen solche Endlichkeit tendenziell ins Unendliche, die Leute dachten früher, sie hätten ein göttliches Rauschen vernommen, ein Pfingst-Erleben:

Plötzlich gab es ein mächtiges Rauschen, wie wenn ein Sturm vom Himmel herabweht. Das Rauschen erfüllte das ganze Haus, in dem sie waren." Apg 2,2

Keine Ahnung, was die Zuhörer am Moving Noises Abend in der Christuskirche denken, wenn sie thisquietarmy and special guests hören, welche Bedeutung wir dem geben, was wir hören. Das ist ja das Schöne an diesen Abenden mit Drone-Musik und ist das Schöne an der Christuskirche, diesem erhaben leeren Raum: dass sie einem die Freiheit lassen.

thisquietarmy jedenfalls -  Eric Quash aus Montral  -  ist eine Größe der Szene und ihrer Freiheit, kein Guru der Das-größte-Glück-der-tiefsten-Bassfrequenz-Fraktion, er mischt Drone und Ambient und Elektronik. DIE ZEIT schrieb kürzlich über sein neues Album  -  ist bei Midira Records erschienen, dem Label von Dimi und Cosima, den beiden Impressarios der Moving Noises Reihe  -  die ZEIT also, das Hausblatt aller, die Drone zuhause hören können, weil alle vier Wände ihnen gehören, schrieb kürzlich:

"Der Krautrock-Alien ist eine funky Maschine und lässt einen vor den Klippen kalter E-Pianocluster unter säuresprühenden Synthesizern erschauern. Nach dem Abtauchen in den Gitarrenlärmwall führen nur ein paar Haunted Beats zurück an die Oberfläche."

Und dort, an der Oberfläche, geht es um "Democracy of Dust", das der Titel des Albums: eine Reflexion auf den Zustand der Demokratie, ihrer Unvollkommenheit, ihrer - "Welcome To Mendacity" - Verlogenheit:

"Im Track New Home Of Mind gleiten die zerdehnten Drones wie in Vogelperspektive dahin, auf dem Cover ist eine Luftaufnahme von São Paulo zu sehen, der bevölkerungsreichsten Metropole der Südhalbkugel. Abheben, aber nicht abhauen, das scheint die Botschaft zu sein. Visionen für die Unbezähmbaren unter den Widerspenstigen."

Detail aus Goya, El sueño de la razón produce monstruos [The sleep of reason brings forth monsters]

Detail aus Goya, El sueño de la razón produce monstruos [The sleep of reason brings forth monsters]

Zu denen auch DIRK SERRIES zählt, belgischer Komponist, ein Drone- und Dronejazz-Künstler, er übt hier beinahe so etwas wie ein akustisches Hausrecht aus, so oft hat er die Sounds seiner Gitarre durch den Kirchenraum geschickt. Vor fünf Jahren beispielsweise war er mit "The Sleep Of Reason" bei uns, auf unserem Blog stand damals dies:

Schläft die Vernunft oder träumt sie? Im Spanischen bedeutet sueño beides, sowohl Schlaf wie Traum: El sueño de la razón produce monstruos, Goyas berühmte Radierung, entstand 1799, einer Zwischenzeit: Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte lag zehn Jahre zurück, Die Schrecken des Krieges lagen zehn Jahre voraus. In diesem Moment, zehn Jahre danach und zehn davor, wirken Goyas Monster eigentlich ganz nett, eher wie Haustiere. Zehn Jahre später, in Die Schrecken des Krieges, sind aus den Monstern Menschen geworden:

Goya hält, als sei er Kriegsberichterstatter, Szenen aus dem spanischen Guerillakampf gegen Frankreichs Freiheitsarmee fest, Szenen äußerster Grausamkeit, auch äußerst phantasievoller. Wie werden Monster geboren? Wachen sie auf, sobald Vernunft entschläft? Oder erwachen sie zum Leben, sobald Vernunft sie sich erträumt?


MOVING NOISES EVENING | thisquietarmy & Dirk Serries

>> Samstag 21. Oktober 2017 | 20:00 Uhr
>< Einlass 19:00 Uhr
>> VVK 12 € | AK 15 €
>> Tickets  direkt hier bei uns und an allen besseren VVK-Stellen