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Tag der Befreiung | Chris Hopkins‘ Gypsy Swing, ArtTone Trio uam

28. Januar, 17:00

  • Diese Veranstaltung hat bereits stattgefunden.

Edwin Scharff: Anni Mewes © smb.spk-berlin.de

Dass es mög­lich sei, alle Juden die­ser Welt zu ermor­den, alle Roma und alle Sin­ti, wur­de zuerst gedacht, dann bere­det, dann beschlos­sen und ins Werk gesetzt. Ein unge­heu­er­li­ches Ver­bre­chen, unfass­bar für immer, den­noch mach­bar. Der deut­sche Name einer klei­nen Stadt in Euro­pa  —   Ausch­witz  —  zeigt an, dass mög­lich wer­den kann, was undenk­bar scheint.

Wahr ist aber auch: Ausch­witz wur­de befreit, die Nazis haben nicht gesiegt, es gab Kräf­te, die dem Mor­den wider­stan­den. Zu die­sen Kräf­ten zäh­len Kunst und Kul­tur  —  und sie zäh­len nicht dazu: Hit­ler war Maler, Goeb­bels Lite­rat, Hey­d­rich ein mehr als pas­sa­bler Musi­ker, Göring sam­mel­te Kunst usw., ihre Namen ste­hen hier nur bei­spiel­haft: Der Nazi-Staat hat Kunst und Kul­tur mas­siv geför­dert, kul­tu­rel­le Bil­dung das Mas­sen­mor­den beglei­tet. Ausch­witz, die voll­ende­te Bar­ba­rei, ist das Werk einer Kul­tur­na­ti­on.

Alles hängt dar­an, inner­halb die­ser Kul­tur die wider­stän­di­gen Kräf­te zu orten, wenn man ver­ste­hen will, war­um die einen mit­tun und ande­re nicht. War­um die einen ein­stim­men, wenn es wie­der dar­um geht, die „Hei­mat“ zu besin­gen oder „völ­ki­sche Iden­ti­tät“, und war­um ande­re die­sen Ton ver­wei­gern. Die Nazis jeden­falls, so tumb sie erschei­nen, legen ein fei­nes Gespür an den Tag für alles, was ihren Ton nicht trifft. Quer durch alle Gen­res, den „Reichs­kul­tur­kam­mern“, spü­ren sie auf, was ihnen als „ent­ar­tet“ gilt, es trifft Wort und Bild und Ton, die Hoch­kul­tur wie Popu­lar­kul­tur, die ato­na­le Musik eben­so wie Jazz und Swing.

Es sind, und das ist der Punkt, es sind Nuan­cen, die dazu füh­ren, dass eine Musik geför­dert und eine ande­re ver­femt, ein Künst­ler geehrt und ein ande­rer ermor­det wird. Im Swing bei­spiels­wei­se, von den Nazis ver­bo­ten, ist es ein klei­ner Dreh, der ent­schei­det, ob gleich­för­mi­ges Schrei­ten zum hei­te­ren Swin­gen wird: Es ist der Off­beat, der das macht, ein gering­fü­gi­ges Abwei­chen vom durch­ge­hen­den Rhyth­mus, wenn Töne um eine Nuan­ce vor- oder nach­ge­setzt wer­den. Ein Inne­hal­ten im Ablauf, ein Moment des spie­le­ri­schen Den­kens, als zöge­re man, für immer auf den Punkt zu kom­men. In die­ser klei­nen ver­setz­ten Sekun­de ent­steht der gro­ße tän­zeln­de Moment, er macht den Unter­schied aus zwi­schen Char­lie Chap­lin und Herrn H.

An die­se klei­ne ver­setz­te Sekun­de  —  den fei­nen Unter­schied zwi­schen tonal und ato­nal, den gro­ßen Unter­schied zwi­schen Frei­heit und AfD  —  erin­nern Bochu­mer Künst­ler am Tag der Befrei­ung.


Chris Hop­kins’ Gyp­sy Swing Trio
Joscho Ste­phan | guit
Chris­ti­an Ramond | b
Chris Hop­kins | pi

Art­To­ne Trio
Ursu­la Hrdi­no­va, Vio­li­ne
Loui­sa Spahn, Vio­la
Janet Boram Lee, Vio­lon­cel­lo

u.a.m.

TICKETS
» 
10 Euro inkl. Geb., ein sym­bo­li­scher Preis,
»  Tickets gibt es direkt hier (kli­cken).
»  Für jede ver­kauf­te Kar­te geht ein Frei-Ticket an sozi­al Bedürf­ti­ge, Schüler/innen und Initia­ti­ven, wel­che die Erin­ne­rung an die Ermor­de­ten bewah­ren.

27. JANUAR
» 
Das Kon­zert zum Tag der Befrei­ung von Ausch­witz — dem Inter­na­tio­na­len Tag des Geden­kens an die Opfer der natio­nal­so­zia­lis­ti­schen Gewalt­herr­schaft — fin­det am 28. Janu­ar statt, weil der 27. auf einen Sab­bat fällt.
»  Am 25. Janu­ar lädt die JÜDISCHE GEMEINDE BOCHUM-HERNE-HATTINGEN zu einer öffent­li­chen Gedenk­stun­de in die Syn­ago­ge ein.