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Tag der Befreiung | Gedenkstunde in der Synagoge

27. Januar 2019, 16:3018:00

Syn­ago­ge Bochum | © Schmitz-Archi­tek­ten

Vor 74 Jah­ren, in den Mit­tags­stun­den des 27. Janu­ars 1945, wur­de das Ver­nich­tungs­la­ger Ausch­witz befreit. Der Tag steht für Hun­der­te ande­re, an denen das Mor­den been­det und die Weni­gen befreit wur­den, die noch am Leben waren: Die Nazis und ihre Ver­bün­de­ten hat­ten Euro­pa mit einem dich­ten Netz von Ver­nich­tungs-, Kon­zen­tra­ti­ons- und Arbeits­la­gern über­zo­gen. Oder sie hat­ten die Men­schen, die sie ermor­den woll­ten  —  Juden vor allem, Sin­ti und Roma, Men­schen mit Han­di­caps, Men­schen mit einer für Faschis­ten uner­träg­li­chen Mei­nung, Reli­gi­on, Sexua­li­tät  —  gleich an Ort und Stel­le nie­der geschos­sen.

Was sagen an so einem Tag?

Wie an das erin­nern, was die eige­nen Vor­fah­ren taten? In der Jüdi­schen Gemein­de Bochum-Her­ne-Hat­tin­gen haben sich Über­le­ben­de des Mor­dens im „Club Stern“ zusam­men­ge­schlos­sen. Alle haben sie  —  so wie Felix Lip­ski, Spre­cher des „Club Stern“ —  die deut­schen Erschie­ßungs­kom­man­dos als Kin­der über­lebt. Vie­le von ihnen haben  —  in Weiß­russ­land, der Ukrai­ne, in Russ­land  —  mit anse­hen müs­sen, wie ihre Eltern und Geschwis­ter und Freun­de ermor­det wur­den, alle sind sie ihrer eige­nen Ermor­dung nur zufäl­lig ent­kom­men. Nach deut­schem Recht und Gesetz hät­ten sie seit 74 Jah­ren ermor­det sein müs­sen. Heu­te leben sie in Bochum.

In einer Stadt, die ihre Juden eben­falls ver­trie­ben und ihrer Ermor­dung über­las­sen hat. Wir ken­nen 600 Namen von Bochu­mer Juden und Jüdin­nen, die ermor­det wor­den sind, alle ihre Namen wer­den Jahr für Jahr bei dem Geden­ken in der Syn­ago­ge gele­sen. So auch der Name von Bet­ti Hart­mann: Vor weni­gen Jah­ren erst hat­te Felix Lip­ski die Geschich­te der jun­gen Frau aus Wat­ten­scheid nach mühe­vol­ler Archiv­ar­beit nach­er­zäh­len kön­nen. Im vor­ver­gan­ge­nen Jahr dann hat­te Lip­ski bei der Gedenk­stun­de in der Syn­ago­ge über das Ver­nich­tungs­la­ger Maly Tros­ti­nez in Weiß­russ­land berich­tet, des­sen Geschich­te er mit ande­ren zusam­men rekon­stru­iert hat­te: Auch die­ser Ort des Grau­ens war jahr­zehn­te­lang ver­ges­sen, erst in die­sem Jahr (2018) ist dort im Bei­sein von Bun­des­prä­si­dent Frank-Wal­ter Stein­mei­er eine Gedenk­stät­te errich­tet wor­den.

Felix Lip­ski und der „Club Stern“ hal­ten dar­an fest, dass Erin­ne­rung nicht belas­tet, son­dern befreit. Beim dies­jäh­ri­gen Geden­ken wird Lip­ski über das Mor­den in Trans­nis­tri­en spre­chen, der Mol­dau-Regi­on zwi­schen Rumä­ni­en und der Ukrai­ne. Die Ermor­dung der Juden, die dort gelebt oder dort­hin ver­trie­ben wor­den sind, ist eben­falls kaum erforscht, in unse­rer Erin­ne­rungs­kul­tur wur­de sie bis­her kaum beach­tet.

So tritt uns, 74 Jah­re nach der Befrei­ung der Todes­la­ger, das Leben derer, die unschul­dig ermor­det wor­den sind, deut­li­cher denn je vor Augen. Gleich­zei­tig wacht Anti­se­mi­tis­mus wie­der auf, und er erwacht an kei­nen Ecken und Enden, son­dern zieht sich quer durch das gesam­te Spek­trum  —  das poli­ti­sche, das reli­giö­se, das kul­tu­rel­le. Was tun an dem Tag, an dem wir dar­an erin­nern, dass die Nazis ohne Maß gemor­det, aber nicht gesiegt haben?


TAG DER BEFREIUNG VON AUSCHWITZ

» Sonn­tag 27.01. 2019
» 16:30 h: Lesung der Namen der ermor­de­ten Bochu­me­rin­nen und Bochu­mer
» 17:00 h: Gedenk­stun­de
» Syn­ago­ge Bochum | Erich-Men­del-Platz 1