Dr. Franz von Hammerstein * 6.6.1921 - † 15.8.2011

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Im Alter von 90 Jahren ist Dr. Franz von Hammerstein, Mitbegründer der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, jetzt in Berlin verstorben. Der Theologe gehörte zu den Wenigen seiner Generation, die sich der gesellschaftlichen Verantwortung für die deutschen Verbrechen gestellt haben  –  nicht erst Jahrzehnte später und nicht nur im Feuilleton, sondern mit seinem Lebenswerk.

Als Sohn des Generaloberst Kurt Freiherr von Hammerstein-Equord, dem einzigen Führungsoffizier der Wehrmacht, der 1934 aus Protest gegen Hitler zurückgetreten war, wurde Hammerstein im Sommer 1944 als sog. Sippenhäftling in Gestapohaft genommen. Nach 1945 ging er zum Studieren u.a. in die USA und gründete 1958 zusammen Lothar Kreyssig die Aktion Sühnezeichen mit dem Ziel, “der Selbstgerechtigkeit und dem Hass eine Kraft entgegen zu setzen”.

“Liebe Freunde Europas”

Eine tätige Kraft, eine, die das Wort sühnen nicht als Floskel, sondern als Tatwort begriff. Wiederaufbau, in Deutschland noch heute als “Wunder” gefeiert, hieß für Hammerstein, die Häuser derer wieder aufzubauen, die unter den Deutschen gelitten haben. Das Wunder, das er daraufhin erlebte, ist das Wunder Europas  –  nämlich

“dass sie uns erlauben, mit unseren Händen und mit unseren Mitteln in ihrem Land etwas Gutes zu tun; ein Dorf, eine Siedlung, eine Kirche, ein Krankenhaus oder was sie sonst Gemeinnütziges wollen, als Versöhnungszeichen zu errichten”.

“Liebe Freunde Europas”, so nannte Franz von Hammerstein alle, die im Oktober 2006   –  siehe Foto  –  in der Christuskirche saßen, als er für die Aktion Sühnezeichen Friedensdienste den Hans-Ehrenberg-Preis entgegen nahm. Das Wunder Europas dauert an, jedes jüdisch-christliche Gespräch hat auch heute an ihm teil, ebenso die Begegnung mit Osteuropa, für die sich Hammerstein, lange bevor die Mauer gefallen war, eingesetzt hat.

Es gab nach 1945  –  bis zur Rede von Weizsäckers am 8. Mai 1985  –  nicht viele, die getan haben, was Franz von Hammerstein getan hat. Persönlichkeiten, die in der Lage gewesen wären, sich selber im Anderen zu sehen und sich mit ihm, dem Anderen zu versöhnen anstatt nur mit sich selbst. Eine ganze Generation  –  oder zumindest jene, die sich als deren Wortführer verstanden haben  –  hat Gerechtigkeit ein Leben lang als Selbstgerechtigkeit verstanden. Selbstgerechtigkeit ist das, was am wenigsten mit einem selbst zu tun hat. Heute sind wir die Freunde Europas.

Christian Staffa – Predigt zur Trauerfeier von FvH

Trauerrede von Rabbinerin Sara Paasche Orlow