"Keine Zuhörer, wir sind Zeugen geworden": Tag der Befreiung in der Christuskirche

Sabine Michalak | fotodesign-bochum.de

“Europa liegt im Sterben.” So beginnt das Manifest, das Bernard-Henri Lévy geschrieben und György Konrád unterzeichnet hat, ebenso Salman Rushdie, Umberto Eco und weitere große Schriftsteller Europas. Auszug: “Lang ist es her, dass man in Frankreichs Straßen Wir sind alle deutsche Juden! skandierte …”

1968 war das, Daniel Cohn-Bendit, Sohn deutsch-jüdischer Emigranten, sollte aus Frankreich ausgewiesen werden, nachdem Georges Marchais, Chef der Kommunistischen Partei, ihn übel verleumdet hatte:

Lang ist es her, dass man in Frankreichs Straßen “Wir sind alle deutsche Juden!” skandierte aus Solidarität mit einem Studenten, der von einem Parteichef beleidigt worden war, dessen historisches Gedächtnis ebenso dürftig war wie seine politischen Ideen.

Lange vorbei sind auch die Solidaritätsbekundungen in London, Berlin, Rom und Paris für die Dissidenten in jenen Ländern im Herzen Europas, die Milan Kundera das “gefesselte Europa” nannte.

Und was ist aus der kleinen Internationale von freien Geistern geworden, die vor zwanzig Jahren für die Seele Europas kämpfte, als Sarajevo unter Beschuss lag und zum Opfer gnadenloser “ethnischer Säuberungen” wurde.

Warum sind diese Menschen verstummt?

An dem Tag, an dem ARTE dieses Manifest veröffentlicht hat, dem Tag der Befreiung von Auschwitz, hat György Konrád bei uns gelesen und wir, 250 Menschen in Bochum, haben gehört. Nicht nur der Glaube, auch Europa kommt aus dem Hören. Wir sind Zeugen geworden.

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