Parastou Forouhar

Parastou Forouhar | Tausendundein Tag; Zeichnungen Serie II, 2009; Z nr. 1

Plötzlich geht Schönheit, ohne dass sie sich wandelt, in Grausamkeit auf. Parastou Forouhar arbeitet mit der persischen Tradition, mit Ornamenten, Schriftzeichen und Symbolen, formt sie aber so, dass sie noch eine andere Wirklichkeit verraten: “Ich fordere den zweiten Blick heraus”, sagt sie, “auf den ersten Blick sieht man das schöne Muster und denkt, ich hab’s verstanden. Und dann geht man näher …”

Es ist ein und dieselbe  Wirklichkeit, die beide Wahrheiten freisetzt, Forouhar fordert den zweiten Blick auf den Iran heraus: Jedes Jahr Ende November bringt sie ein totalitäres Regime dazu, sich selber zu verraten, weil sie auf ihrem Recht beharrt, die eigenen Eltern zu erinnern.

Forouhar (51), international etablierte Künstlerin mit Ausstellungen im Hamburger Bahnhof Berlin, Brooklyn Museum New York, Belvedere Wien, Villa Massimo usw. [mehr Infos], lebt in der Nähe von Frankfurt, aufgewachsen ist sie in einer säkular-demokratischen Familie in Teheran. Ihre Eltern zählten zu den führenden Köpfen der demokratischen Opposition, im November 1998 wurden sie vom Regime auf bestialische Weise ermordet.

Seitdem reist Forouhar Jahr für Jahr in den Iran und richtet am Jahrestag des Mordes eine Trauerfeier aus für ihre Eltern, Dariush und Parwaneh Forouhar. Das Regime reagiert mit Verboten, Repressionen, mit massiven Drohungen. Jedes Jahr bleibt ungewiss, ob Forouhar zurückkehren kann und wann, jedes Jahr kämpft sie wieder um ihr Recht, die eigenen Eltern zu betrauern:

“Ich weiß nicht, ob das, was ich tue, persönlich oder politisch ist. Im Iran ist alles politisch.”

Christiane Hoffmann hat in der F.A.Z. eine sehr sehr gute Reportage über Parastou Forouhar geschrieben:

“Der Widerstand ist weiblich. Er ist leise, beharrlich und geduldig, er hat den langen Atem derer, die Kinder aufziehen und wissen, dass alles weitergeht und Zeit braucht. Er ist nicht aufrührerisch, er will nur nicht weichen. Der Widerstand ist kein Kampf. Die Kämpfer sind tot.”

Hier der ganze Text, er lohnt sich.

Dass Widerstand weiblich ist im Iran, dafür steht auch Khadijeh Moghaddam, die 2011 den ersten BOCHUMER MENSCHENRECHTSPREIS entgegen genommen hat: Sie hatte mit den anderen “Müttern vom Laleh-Park” am hellichten Tag in Teheran zu stummer öffentlicher Trauer aufgerufen und wurde dafür, dass Mütter um ihre Söhne weinen, ins Exil gejagt.

Forouhar übrigens hat auf die Feststellung, dass der Aufstand gegen die Mullah-Machos von Frauen getragen wird, so reagiert:

Eine in Berlin lebende iranische Feministin hat dazu einmal den sehr schönen Satz gesagt, da die Islamische Republik eine sehr männliche Struktur und Organisation habe, nehme die Opposition automatisch feminine Züge an. Die jüngere Generation der Männer in der iranischen Gesellschaft unterscheidet sich stark von ihrer Vorgängergeneration. Sie pochen nicht mehr auf diesen traditionellen männlichen Charakter. Sie haben das satt.